Thermenlinie

Die Thermenlinie verläuft südlich von Wien als Grenze zwischen dem bergigen Wienerwald und dem flachen Wiener Becken als Bruchzone.

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Geographie

Geographisch gehört sie zum niederösterreichischen Industrieviertel. Die Täler der Flüsse Schwechat, Triesting und Piesting sowie mehrerer Bäche kommen hier aus dem Wienerwald.

An dieser Linie gibt es zahlreiche, mitunter schwefelhältige Thermalquellen mit bekannten Kurorten wie Baden, Bad Vöslau, Bad Fischau oder in Wien die Therme Wien.

Geologie

Geologisch gesehen ist die Thermenlinie wesentlich länger, sie beginnt bereits in Tschechien bei Karlsbad und Marienbad und zieht sich im Süden bis nach Slowenien zu den Radenskaquellen. Sie wird als große Thermenlinie bezeichnet. Daneben gibt es noch die kleine Thermenlinie, an der slowakische und ungarische Heilquellen liegen.

Aufgrund der bruchtektonischen Geologie hat das Gebiet eine relativ hohe Erdbebenhäufigkeit. Jährlich werden mehrere kleinere Erdstöße registriert, während Starkbeben nur alle paar Jahrzehnte auftreten. Das stärkste des 20. Jahrhunderts, am 8. Oktober 1927[1], trat allerdings etwa 15 km östlich bei Schwadorf auf. Um diese Erdbeben zu erforschen befindet sich in Muggendorf das Conrad-Observatorium der ZAMG.

Im Verlauf der Thermenlinie im Westen von Wien (Lainzer Tiergarten, Hietzing, Mauer) wurden an mehreren Stellen vulkanische Gesteine beobachtet. Die Aktivität der Vulkane wird auf ein Alter von ungefähr 12 Millionen Jahren geschätzt.[2]

Klima

Schon in römischen Zeiten war das Gebiet für den Weinbau geeignet. Die Region bildet heute das Weinbaugebiet Thermenregion.

Klimatisch bildet die Thermenlinie eine Wetterscheide. Vor allem von Osten und Südosten kommende Regenwolken regnen sich an der Bergkante leicht ab und sind im Wienerwald bereits trocken.

Geschichte

Von der historischen Rolle der Thermenlinie als Verteidigungswall gegen die von Osten hereinströmenden Völker zeugen die zahlreichen Burgen und Burgruinen, u. a.:

Aber auch in späteren Zeiten waren entlang der Thermenlinie immer wieder Verteidigungslinien vor eindringenden Truppen angelegt. So ist eine Mautstelle in der Einöde bei Pfaffstätte die Wöhr Maut wegen der Heyligen Kreuzer Ainöd um 1700 bekannt, bei der zum Erhalt der Wehranlagen entlang der Thermenlinie gegen die Türken Maut eingehoben wurde.[3] Aber auch in den letzten Kriegstagen des Zweiten Weltkrieges fanden hier verlustreiche Kämpfe zwischen der deutschen Wehrmacht und der Roten Armee statt.

Einzelnachweise

  1. Austria-Forum, Größere Erdbeben in Österreich
  2. Heinrich Küpper, A Papp, E. J. Zirkl: Zur Kenntnis des Alpenabbruches am Westrand des Wiener Beckens. Jahrbuch der Geologischen Bundesanstalt. 94. Band Teil 1, Wien 1951. Seiten 41–92. (PDF)
  3. Hermann Rollett, Reprint Chronik der Stadt Baden Band II. S.297