Thomas Reinhold

Thomas Reinhold (* 1953 in Wien) ist ein österreichischer Maler.

Gemälde aus der Serie "Tektonik der Schwebe", 2011

Inhaltsverzeichnis

Leben

Reinhold studierte von 1974 bis 1978 an der Universität für angewandte Kunst Wien bei Herbert Tasquil. Während der Studienzeit trat er mit poetisch-magischen fotografisch-malerischen Bildfindungen hervor, die sich unter anderem mit der Gegenständlichkeit des Abbildes befassten.[1] Ende der 1970er Jahre initiierte er dann gemeinsam mit Siegfried Anzinger, Erwin Bohatsch, Alfred Klinkan und Hubert Schmalix die Neue Wilde in Österreich[2], wandte sich aber Mitte der 1980er Jahre medienreflexiven Aspekten der Malerei und Fotografie zu[3], die sein Werk bis heute prägen.

Reinhold lebt in Wien.

Werk

Malerei
Aus der Fotoserie "Malendes Licht, Lebende Schatten", 2010

Reinholds mitunter großformatige Ölmalerei zeugt von einer Konzentration auf die grundlegenden Spezifika des Mediums Malerei, das sind Farbe und deren Materialität, sowie Fläche beziehungsweise Räumlichkeit. Der Entstehungsprozess der Gemälde und dessen Zeitlichkeit wird durch Überlagerungen und Schichtungen von Farbformen thematisiert.[4] Diese Überlagerungen fordern den Betrachter zu einer beinahe archäologischen Sehweise auf, um den so entstandenen Bild-Raum erfassen zu können. Im Jahr 2011 entstand die Werkgruppe "Tektonik der Schwebe". Das Thema reflektiert deren Entstehungsprozess. Der Totpunkt formt die flüssige Farbe, erlaubt einige Augenblicke lang eine Gesetzmäßigkeit zwischen den Entscheidungen. Die malerische Vorgangsweise, die wesentlich aus der Verlagerung des Schwerpunkts besteht, provoziert genau diesen Moment, der die Unbestimmtheit Formen annehmen lässt. Der Zwischenbereich wird der Ort des Interesses, in dem Formen entstehen, die zwischen Rinnsalen aufgehängt scheinen.

Fotografie

Reinholds Beschäftigung mit dem Medium Fotografie setzt früh in seinem Schaffen ein. In seiner „Riesenradserie“ von 1977 stellen die Faktoren Raum, Zeit und Abfolge die grundlegende Thematik dar, Aspekte, die Reinhold auch in seiner Malerei thematisiert. Das Wiener Riesenrad im Wiener Prater als zentrales Motiv wird zum Ausgangspunkt für die Beschäftigung mit Beweglichkeit und Unbeweglichkeit, Gegenstand und Abbild.[5] Die Fotoserie „Malendes Licht, lebende Schatten“ entstand 2010 während eines dreimonatigen Aufenthalts Reinholds in Shanghai. In dieser medienreflexiven Arbeit werden malerisch anmutende Fotografien fotografisch-schattenhaft wirkender Tuschemalerei gegenübergestellt. Sowohl die Motive der Fotos als auch die verwendete Technik stellen einen konkreten Bezug zum Ort der Entstehung her.

Vier Seitenfenster der Chapelle de la Résurrection, 2002
Kunst im öffentlichen Raum

1999 erhielt Reinhold den Auftrag für die Gestaltung der Fenster der Chapelle de la Résurrection in Brüssel, der 2002 gemeinsam mit der Glasmalerei-Werkstätte Schlierbach[6] ausgeführt wurde. Durch die Transparenz der in Schmelztechnik hergestellten Fenster entsteht ein "Anschauungsmodell" für das Davor und Dahinter, das Überlagern von Strukturen, das Nebeneinander im Verhältnis zum Nacheinander. Dem Betrachter wird so eine Verortung seines Standortes ermöglicht. So vermischt der Blick nach draußen die schwebende malerische Schicht mit den Fassaden der gegenüberliegenden europäischen Regierungsgebäude; auch Bäume, ein Rasenstück, vorbeifahrende Autos und Passanten tragen in Bewegung, Farbe und Form als dahinter liegende "Realitätsschichten" zu einer Gesamtschau bei.

Ausstellung „Kunst, Europa“, Deichtorhallen, 1991
Ausstellung „Malweise“, Secession, Wien, 1997
Ausstellung "Malerei: Prozess und Expansion", MUMOK, Wien 2010

Anerkennungen

Ausstellungen

Einzelausstellungen (Auswahl)
  • 2012: "Tektonik der Schwebe", kunsthaus muerz, Mürzzuschlag; Galerie Kunst und Handel, Graz
  • 2011: Galerie Gölles Fürstenfeld
  • 2009: „Wesentlich“, Galerie Michitsch Wien
  • 2008: „repro-spektiv:re-produktiv, aus dem vollen geschöpft“, Galerie Kunst & Handel, Graz
  • 2006: „From the Nature to an Architecture of Painting“, HF Contemporary Art, London
  • 2005: „synergie:paradox“, gemeinsame Installation mit Julie Hayward, Museum für Gegenwartskunst Stift Admont
  • 1997: "Malweise“, Secession, Wien
  • 1995: "Polyptychon“, Kunsthaus Galerie, Mürzzuschlag
  • 1988: Valente, arte contemporanea, Finale Ligure
  • 1987: Galerie Springer Berlin - „Stand und Gegenstand“, Skulpturen, Secession Wien
  • 1984: Galerie Heike Curtze, Wien und Düsseldorf
  • 1983: Galerie Ariadne, Wien
  • 1980: Forum Stadtpark, Graz


Ausstellungsbeteiligungen (Auswahl)
  • 2012: „Sammlung Sigrid und Franz Wojda - Ein Leben mit moderner Kunst", MMKK, Klagenfurt
  • 2011: "Realität und Abstraktion", Museum Liaunig Neuhaus
  • 2010: “Malerei: Prozess und Expansion”, Museum moderner Kunst Stiftung Ludwig Wien, Kuratoren: Rainer Fuchs, Edelbert Köb
  • 2007: “Konzeptuelle Fotografie aus Sammlungsbesitz”, Museum der Moderne Rupertinum Salzburg, Kuratorin: Margit Zuckriegl
  • 2006: „Crossover“, Koroska Galerija Slovenj Gradec, Kuratorin: Silvie Aigner
  • 2004: „Vision einer Sammlung“, Museum der Moderne Salzburg, Kuratorin: Agnes Husslein Arco
  • 1998: „KUNST mit durch über SCHRIFT", Internationale Kunst der letzten fünfzig Jahre aus der Sammlung Kübler, Atterseehalle Attersee, Kuratorin: Margit Zuckriegl - „Contemporary Austrian Painters“, The Rotunda, One Exchange Square, Hong Kong, Kuratorin: Christiane Inmann
  • 1997: „Positionen österreichischer Malerei heute“, Centre Cultural Sala Parpallo Valencia, Kurator: Lóránd Hegyi
  • 1994: „Wilde und neuwilde österreichische Bildkunst aus dem Besitz der Salzburger Landessammlung Rupertinum", Kurator: Otto Breicha
  • 1993: „Konfrontationen“, Neuerwerbungen, Museum moderner Kunst Stiftung Ludwig Wien
  • 1992: „Surface radicale“, Grand Palais Paris, Convention Center Los Angeles, Universität für angewandte Kunst Wien, Kurator: Lóránd Hegyi
  • 1991: „Kunst, Europa 1991“, Kunstverein in Hamburg, Deichtorhallen, sowie Galerie Rähnitzgasse Dresden, Kurator: Jürgen Schweinebraden
  • 1990: „Querdurch“, Dom umenia, Bratislava, Kurator: Edelbert Köb
  • 1988: „MALERMACHT, Expression und Pathos in der neuen Österreichischen Malerei“, Künstlerhaus Palais Thurn und Taxis Bregenz, Kuratorin: Christa Häusler
  • 1985: „Austria ferix", Palazzo Costanzi, Galleria Torbandena Triest, Galerie Goethe Bozen
  • 1984: „artisti austriaci, due generazioni“, studio cavalieri Bologna - 6th International Small Sculpture Exhibition, Kunsthalle Budapest, Kurator: Edelbert Köb
  • 1983: „Neue Malerei in Österreich“, Galerie Jurka Amsterdam - „Joves Salvatges“ Austriacs, Galerie Dau al Set Barcelona, „Neue Malerei in Österreich ’83“, Neue Galerie der Stadt Linz, Kurator: Peter Baum
  • 1981: „Neue Malerei in Österreich“, Neue Galerie Graz, Kurator: Wilfried Skreiner - 5. Internationale Biennale, Secession Wien
  • 1980: „Das Sofortbild, Entdeckung eines Mediums“, Rheinisches Landesmuseum Bonn

Werke in Sammlungen

Private Sammlungen
  • Sammlung Carl Djerassi, Wien
  • Museum Liaunig, Neuhaus
  • Sammlung Sigrid und Franz Wojda, Wien

Einzelnachweise

  1. Wilfried Skreiner, "Behauptungen zur Neuen Malerei in Österreich“ in "Sinnpause“, Kunstforum Köln, Bd 80, 3/1985.
  2. Robert Fleck, Katalog „Malermacht; Expression und Pathos in der neuen Österreichischen Malerei“, Künstlerhaus Palais Thurn und Taxis Bregenz, 1988
  3. Carl Aigner/Thomas Reinhold, "Zur Ikonographie von Zeit und Raum", Gespräch in EIKON - Internationale Zeitschrift für Photographie und Medienkunst, Heft 60/2007
  4. Matthias Boeckl, "Zeitlose Sinnlichkeit", Kunstzeitschrift Parnass Wien, Heft 3/2009
  5. Carl Aigner/Thomas Reinhold, "Zur Ikonographie von Zeit und Raum", Gespräch in EIKON - Internationale Zeitschrift für Photographie und Medienkunst, Heft 60/2007
  6. Pia Jardí, "Licht als Thema und malerisches Element", Thomas Reinholds Intervention an den fünf Fenstern der "Chapel of the Resurrection" in Brüssel - Art magazine Parnass Vienna, Nr. 1/2003

Literatur

  • Carl Aigner/Thomas Reinhold, "Zur Ikonographie von Zeit und Raum", Gespräch in EIKON - Internationale Zeitschrift für Photographie und Medienkunst, Heft 60/2007
  • Matthias Boeckl, "Zeitlose Sinnlichkeit", Kunstzeitschrift Parnass Wien, Heft 3/2009
  • Brigitte Borchardt-Birbaumer, "Von Wanderschaften als Malerreisen“, Wiener Secession, Wiener Zeitung, 5. April 1997
  • Brigitte Borchardt-Birbaumer, "Musil, Hölderlin oder Königin Nefertete“, Galerie Hofstätter Wien, Wiener Zeitung, 11. März 1999
  • Brigitte Borchardt-Birbaumer, "Fahnen, Sonnen und Monde“, Galerie Hofstätter Wien, Wiener Zeitung, 11. Juni 2002
  • Robert Fleck, Katalog „Malermacht; Expression und Pathos in der neuen Österreichischen Malerei“, Künstlerhaus Palais Thurn und Taxis Bregenz, 1988
  • Robert Fleck, Katalog Thomas Reinhold, "Ölbilder, 1988 - 90“, Galerie Steinek Wien, 1990
  • Lóránd Hegyi, Katalog "Positionen österreichischer Malerei heute“, Centre Cultural Sala Parpallo Valencia, 1997
  • Lóránd Hegyi, "Neue Malerei und Neue Plastik seit den 70er Jahren“, in "Geschichte der bildenden Kunst in Österreich“, 20. Jahrhundert, herausgegeben von Wieland Schmied, Prestel Verlag München, 2002
  • Barbara Herzog, Katalog "Vom Tafelbild zum Wandobjekt“, Museum der Moderne Salzburg, 2005
  • Karl A. Irsigler, "Topographie - eine Reise“, Katalog Thomas Reinhold, "Malweise“, Secession Wien, 1997
  • Karl A. Irsigler, "Wirklichkeitssinn - Möglichkeitssinn“ - Memoiren von Thomas Reinhold in der Galerie Hofstätter Wien, Kunstzeitschrift Parnass, Wien, Heft 1/1999
  • Pia Jardi, "La pintura actual en Viena“, Lapiz, Revista Internacional de Arte, Madrid, Nr. 213, 2005
  • Pia Jardí, "Licht als Thema und malerisches Element", Thomas Reinholds Intervention an den fünf Fenstern der "Chapel of the Resurrection" in Brüssel - Art magazine Parnass Vienna, Nr. 1/2003
  • Edelbert Köb, Katalog "Malerei: Prozess und Expansion", MUMOK Stiftung Ludwig Wien, Köln, 2010
  • Margit J. Mayer, "Konsequent - inkonsequent“, Zeitschrift „Wiener“, Wien, Feber 1986
  • Otmar Rychlik, "Zu diesen Bildern“, Katalog Thomas Reinhold, "Ölbilder 1986-87“, Galerie Springer Berlin, 1987
  • Wilfried Skreiner, "Behauptungen zur Neuen Malerei in Österreich“ in "Sinnpause“, Kunstforum Köln, Bd 80, 3/1985
  • Wilfried Skreiner, "Bildanthologie 1980-87“, Kunstforum Köln, Bd 89, 6/1987

Weblinks