Toboggan (Fahrgeschäft)

Toboggan auf dem Münchner Oktoberfest

Toboggan ist der Name eines Fahrgeschäftes auf Volksfesten. Der Fahrgast wird mittels eines schnell laufenden Förderbandes zur Turmmitte transportiert. Von dort steigt man auf Treppen zur Turmspitze, - genießt die Aussicht von oben und rutscht auf der Holzrutsche mit einer Sackleinwand als Unterlage nach unten. Im Unterschied zu anderen Fahrgeschäften wird hier der Fahrgast aktiv gefordert und sorgt gleichermaßen für eine Belustigung der Zuschauer. Dafür sorgt das oben genannte Förderband. Durch die hohe Geschwindigkeit des Bandes ist viel Geschick erforderlich, um ohne Hilfe auf eigenen Beinen auf dem Band stehend den Turm zu erreichen.

Inhaltsverzeichnis

Anfänge

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Die Ursprünge reichen bis nach Nordamerika des 19. Jahrhunderts, wo es Turmrutschbahnen als Attraktionen gab. Von dort stammt auch der Name „Toboggan“, ursprünglich ein Begriff der kanadischen Algonkin-Indianer, der einen leichten Schneeschlitten aus Holz bezeichnet.

Wohl eines der ersten Fahrgeschäfte dieser Art in Europa ist auf einer Pariser Postkarte aus dem Jahre 1900 dokumentiert. Bereits 1906 baute der Badener Anton Bausch nach dem Vorbild aus Paris den wahrscheinlich ersten deutschen Toboggan. Trotz der einstigen Popularität der Türme existieren heute im deutschen Sprachraum nur noch zwei davon.

Münchner Toboggan

Eines der wenigen Fahrgeschäfte dieser Art, die heute noch auf Rummelplätzen zu finden sind, ist das Fahrgeschäft „Toboggan“ der Familie Konrad auf dem Münchner Oktoberfest, das dort seit 1933 vertreten ist.[1] Da es sich um einen mobilen Toboggan handelt, kann er auch auf anderen Festplätzen aufgebaut werden. Der Toboggan der Familie Konrad ist jedoch zu personalaufwändig und zu kostenintensiv, so dass er für die Reise nicht mehr rentabel ist.[2]

Wiener Toboggan

Der Toboggan im Wiener Wurstelprater wurde nach dem Vorbild anderer Rutschtürme in europäischen Großstädten errichtet und 1913 unter dem Namen Teufels Rutsch eröffnet. Erster Besitzer war der russische Schausteller Nikolai Kobelkoff. Zwischenzeitlich gab es auch andere Rutschtürme im Prater, doch nur die Teufels Rutsch hat das Kommen und Gehen ähnlich gearteter Attraktionen überlebt. Während des Zweiten Weltkrieges brannte der hölzerne Turm völlig ab, wurde aber 1947 anhand von alten Plänen wieder errichtet.[3] Im Jahr 2000 wurde der 25 Meter hohe Rutschturm schließlich aufgrund von Baumängeln außer Betrieb genommen. Von Herbst 2008 bis Anfang 2009 wurde der denkmalgeschützte Toboggan generalsaniert, die Gesamtkosten von 350.000 Euro wurden teilweise vom Wiener Kulturamt, dem Bundesdenkmalamt und privaten Sponsoren getragen. Zu Beginn der Prater-Saison im März 2009 wurde er wiedereröffnet.[4][5]

Seit den 1950er Jahren rankt sich auch eine urbane Legende um den Toboggan. Damals soll sich ein Bruchstück einer Planke gelöst haben, wodurch eine nach unten rutschende Frau regelrecht aufgespießt worden und ihren schweren Verletzungen erlegen sei. Es gab zwar tatsächlich einen Unfall, bei dem sich eine Frau einen Holzsplitter eingezogen hat, sie konnte aber das Krankenhaus noch am selben Tag verlassen.[3]

Einzelnachweise

  1. Der Toboggan der Familie Konrad
  2. oktoberfest.de - Der Toboggan. Eine Riesenrutschbahn mit Geschichte.
  3. a b Ingrid Brodnig: Die Rutsche des Teufels. In: Die Zeit Online. 14. Dezember 2006, abgerufen am 13. Mai 2008.
  4. Neues Leben für "Toboggan" im Prater. In: ORF Online. 31. Juli 2007, abgerufen am 13. Mai 2008.
  5. Sanierungsstart für Toboggan im Wiener Prater. In: Wiener Rathauskorrespondenz. 25. September 2008, abgerufen am 15. November 2008.