Tonindustrie Scheibbs

Die Tonindustrie Scheibbs war eine Keramikmanufaktur der Zwischenkriegsjahre mit Verbindung zur Wiener Werkstätte.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Die Tonindustrie Scheibbs wurde 1923 vom Wiener Großgärtner Ludwig Weinbrenner in Scheibbs gegründet. Dieser hatte ein kleines Tonvorkommen auf seinem Grund in Scheibbs entdeckt und gründete infolgedessen eine Manufaktur.

1933 erfolgte die Schließung nach Konkurs der Firma und privaten Schwierigkeiten, die sich für den Gründer ergaben, der nach Südamerika emigrierte.

Die 1937 wiedergegründete Nachfolgefirma erreichte nie mehr die Qualität der ersten 10 Jahre, produziert(e) aber gute Kunstkeramik im jeweiligen Stil der Zeit. Seit 1984 wird die Manufaktur vom Verein Lebenshilfe als geschützte Werkstätte betrieben – seit 2004 ist der Betrieb in einem neuen, eigenen Gebäude näher dem Stadtzentrum untergebracht, im historischen Betriebsobjekt befindet sich seit 2007 das Keramikmuseum Scheibbs.

Stil

Die Tonindustrie stellte expressive Kunstkeramik von hervorragender künstlerischer und handwerklicher Qualität mit großem Einfluss der Wiener Werkstätte her, rund 80 % der Werke wurden in die USA und Südamerika exportiert.

Von Anfang an gab es eine starke Verbindung zur renommierten und weltbekannten Wiener Werkstätte, die damals Kunstgeschichte schrieb und vor allem dem Jugendstil und Art Deco verpflichtet war.

Mitarbeiter

Künstlerinnen und Künstler, die bei Vally Wieselthier und Michael Powolny gelernt hatten und noch mit der Werkstätte in Kontakt standen, bauten die Tonindustrie Scheibbs auf und begründeten ihren Ruf: Rudolf Knörlein, die Krippel-Schwestern und die spätere Salzburger Bildhauerin Hilde Heger (Powolny-Schülerinnen) und Helene Dörr (bei Vieselthier gelernt), Gudrun Baudisch und Walter Bosse, daneben aus Mähren (Keramikschulen rund um Znaim) zugewanderte Keramiker Illek (Vater und Sohn) und Fachleute von Nachbarbetrieben (Schmidtchen Vater und Sohn).

Außerdem gab es oft Besuche von Powolny, Franz Schleiß und vielen Studenten, die hier ihre Spuren hinterließen.

Museum

Seit dem 1. Mai 2007 ist das Keramikmuseum Scheibbs geöffnet und zeigt aus der Sammlung Hans Hagen Hottenroth rund 1500 Exponate aus der Produktion der Tonindustrie Scheibbs und der Nachfolgefirma Scheibbser Keramik.

Literatur

  • Hans Hagen Hottenroth: Tonindustrie Scheibbs 1923–1933, Scheibbser Keramik 1937. Scheibbs 1994, Eigenverlag.
  • Hans Hagen Hottenroth: Keramik Museum Scheibs – eine Einführung und Übersicht zum Museum. Scheibbs 2007.
  • Johanna und Hans Hagen Hottenroth: Die Radstädter(Kunst)Keramik. (Eigenverlag 2002).
  • Erwin Scheikl: Volkskeramik Mürzzuschlag. Mürzzuschlag 2003.

Weblinks

48.01594444444415.158388888889Koordinaten: 48° 0′ 57″ N, 15° 9′ 30″ O