Tourismus in Österreich

Der Tourismus ist im Industrieland Österreich ein bedeutender Wirtschaftszweig.

Österreich verfügt in hohem Ausmaß über die Voraussetzungen für Tourismus: naturnahe Gebirgslandschaften (Alpen, Granit- und Gneishochland) und Seenlandschaften, zahlreiche Kulturdenkmale und attraktive Städte sowie gut ausgebaute Infrastruktur. Vorteilhaft sind die zentrale Lage in Europa und die gute Erreichbarkeit. Der Tourismus verteilt sich in Österreich gleichmäßig auf die Sommer- und die Wintersaison.

Inhaltsverzeichnis

Wirtschaftliche Bedeutung

Das Hotel Sacher in Wien

2009 erzielte die Tourismusbranche, in der 1993 ca. 10 % aller Erwerbstätigen gearbeitet haben, Einnahmen von 21,89 Milliarden Euro, das sind 1666 Euro pro Einwohner[1]. Das ist weltweit einzigartig.

Beherbergungsbetriebe und Gaststätten haben 2009 11,38 Milliarden Euro (–3,2 %) oder 4,1 % des Bruttoinlandsprodukts von 276,89 Milliarden Euro (–1,8 %)[2] erwirtschaftet. Dazu kamen noch Einnahmen aus dem Kultur-, Unterhaltungs-, Sport- und Handelskonsum der Gäste sowie Einnahmen aus dem Tagungs- und Messegeschäft.

Der Tourismus verhalf der österreichischen Wirtschaft dazu, dass in den letzten Jahrzehnten stets ein Zahlungsbilanzüberschuss erzielt werden konnte; die Handelsbilanz der Industrie ist erst seit 2002 positiv. 2005 betrug der Überschuss in der Reiseverkehrsbilanz 5,1 Mrd. Euro und half die Leistungsbilanz fast auszugleichen.

2005 gab es in Österreich 69.981 Tourismusbetriebe. Der Anteil der klein strukturierten und einfach ausgestatteten Unterkünfte sinkt. Die Zahl der Betten in der 4- und 5-Sterne-Kategorie ist in von 1996 bis 2006 um 27 % gestiegen, die Zahl der Betten in Privatquartieren um 17 % zurückgegangen. Die Auslastung der Betten ist in den westlichen Bundesländern (Salzburg, Tirol und Vorarlberg) in den Wintermonaten höher als in den Sommermonaten. Österreichweit war die Auslastung 2006 in der Wintersaison (33,7 %) höher als in der Sommersaison (28,9 %) und in Wien am höchsten (62,8 % in der Sommersaison).

Der Export von österreichischem Tourismus-Know-how[3] ist von erheblicher Bedeutung für die österreichische Dienstleistungsbilanz.

Beherbergung

2011 wurden in Österreich insgesamt 34.629.083 Gästeankünfte (+ 3,7 %) und 126.002.551 Gästenächtigungen (+ 0,9 %) registriert[4]. Die Übernachtungen entfielen vor allem auf die Bundesländer Tirol (42,7 Millionen), Salzburg (23,9 Millionen), Kärnten (12,4 Millionen), Wien (11,4 Millionen) und Steiermark (10,9 Millionen).

Nächtigungsstärkste Quellmärkte 2011[5]
Quellmarkt Anteil Veränderung
Ausland 72,0 % + 0,9 %
Deutschland 37,6 % – 1,6 %
Österreich 28,0 % + 0,8 %
Niederlande 07,1 % – 1,9 %
Schweiz 03,4 % +12,6 %
Großbritannien 02,5 % – 4,6 %
Italien 02,4 % – 0,2 %
Belgien 02,0 % + 4,1 %
Tschechien 01,6 % + 5,4 %
Frankreich 01,5 % + 2,7 %
Ungarn 01,3 % + 5,8 %
Polen 01,2 % + 6,7 %
Russland 01,2 % +25,6 %
Dänemark 01,2 % – 3,3 %
USA 01,0 % – 3,2 %

Österreich hat Hotels und gewerbliche Ferienwohnungen [bzw. -häuser) mit 641.300 Betten (Sommer 2009) sowie Privatquartiere mit ca. 315.000 Betten. Die gewerblichen Beherbergungsbetriebe sind mit durchschnittlich 40 Betten klein strukturiert (Dänemark, Portugal, Zypern und Schweden haben jeweils über 100 Gästebetten je Hotelbetrieb) und setzen sich zu 36,2 % aus Fünf- und Vier-Sterne-Betrieben, zu 32,7 % aus Drei-Sterne-Betrieben, zu 19,4 % aus Zwei-Sterne- und Ein-Stern-Betrieben und zu 11,7 % aus gewerblichen Ferienwohnungen zusammen.

Die durchschnittliche Aufenthaltsdauer lag 2009 für ausländische Gäste bei 4,2, für Inländer bei 3,1 Nächtigungen pro Ankunft. Die Aufenthaltsdauer ist in den letzten 30 Jahren kontinuierlich gesunken. Die nächtigungsstärksten Monate waren 2009

  • August (16,7 Mio. Nächtigungen)
  • Februar (16,1 Mio.)
  • Juli (14,5 Mio.)
  • Jänner (14,1 Mio.).

Während noch in den 1970er und 1980er Jahren die Sommersaison eine weitaus höhere Bedeutung hatte, nahmen die Nächtigungen im Winterhalbjahr kontinuierlicher zu. Seit 2006 ist der Wintertourismus etwas stärker als der Sommertourismus: Im Winter 2008 / 2009 wurden ca. 62,9 Mio.,im Sommer 2009 ca. 61,7 Mio. Nächtigungen registriert.

Andere Branchen

Neben den Beherbergungsbetrieben machen viele gastronomische Betriebe und solche der Kultur-, Freizeit-, Sport-, Tagungs- und Verkehrswirtschaft sowie des Handels wesentlichen Tourismusumsatz.

Inlands- und Auslandstourismus, Einkaufsfahrten

Der Inlandstourismus (Binnentourismus) macht etwa ein Viertel aller Gästenächtigungen aus; drei Viertel der Nächtigungen stammen von ausländischen Gästen. Unter diesen sind die Deutschen nach wie vor Nummer 1, aber anteilsmäßig nicht mehr so extrem stark wie noch in den 1970er Jahren. Weitere wichtige „Quellmärkte“ oder Herkunftsländer der Gäste sind die Niederlande, Großbritannien und in den letzten Jahren zunehmend auch Italien. Seit den 1980er Jahren sind die USA und Japan die beiden wichtigsten „Fernmärkte“. Steigende Besucherzahlen werden neuerdings aus Russland und China verzeichnet. Acht der zwölf nächtigungsstärksten Quellmärkte wiesen 2007 ein Plus auf.

Die Österreicher bevorzugten als Reiseziele im Inland die Bundesländer Steiermark (6,4 Millionen), Salzburg (5,5 Millionen) und Kärnten (4,7 Millionen).

Grenztourismus“ besteht in Westösterreich, da das Preisniveau in der EU niedriger ist als in der Schweiz und der Benzinpreis in Österreich meist niedriger ist als in Deutschland. Aber auch in Ostösterreich hat der Tagestourismus (Einkaufs- und / oder Kulturfahrten) in den letzten Jahren stark zugenommen, da bevölkerungsstarke Regionen wie Südböhmen, Mähren, die Westslowakei und der Großraum Budapest dem Großraum Wien verhältnismäßig nahe liegen und zum Teil mit ihm, Niederösterreich und dem Burgenland in der Europaregion Centrope zusammenarbeiten.

Sparten des Tourismus

Sommertourismus: Bergsport und Badetourismus

Velden am Wörthersee

Die Berge spielen für Aktivurlauber sowohl im Winter als auch im Sommer für Bergwanderungen und Bergsteigen, eine bedeutende Rolle. Die höchsten Berge in Österreich sind Dreitausender und befinden sich in den Ostalpen. Mit 3.798 m ist der Großglockner (Kärnten) der höchste Berg. Österreich verfügt über zahlreiche Schutzhütten und 1083 km Wanderwege, die von den Alpenvereinen und Fremdenverkehrsverbänden betrieben werden.

Siehe auch: Liste der höchsten Berge Österreichs

Der Badetourismus ist vor allem am Neusiedler See, im Salzkammergut und Salzburger Seengebiet und im Kärntner Seengebiet (Wörthersee, Ossiacher See, Millstätter See usw.) von Bedeutung.

Siehe auch: Liste der Seen in Österreich

Wintertourismus

Skifahren im Zillertal mit Blick vom Hintertuxer Gletscher
Winter in Sölden

Der Wintertourismus umfasst primär den Wintersport. Als vorwiegend von den Alpen beherrschtes Land gibt es in Österreich zahlreiche Möglichkeiten, den alpinen Skisport auszuüben. Insbesondere die Bundesländer Vorarlberg, Kärnten, Tirol und Salzburg bieten in beinahe jedem Alpental ein oder mehrere Skigebiete, die mit zahlreichen Aufstiegshilfen (Seilbahnen, Sessellifte, Schlepplifte) ausgestattet sind. Die großen Skiarenen in den österreichischen Alpen verfügen über 50 oder mehr verschiedene Liftanlagen und manchmal über 100 km präparierte Skiabfahrten. Aber auch in den östlichen Bundesländern gibt es viele Skigebiete, die häufig auch mit anderen Wintersportmöglichkeiten kombiniert sind, zum Beispiel mit Langlaufloipen, Rodelbahnen oder Thermalbädern. Zusätzlich gibt es in Österreich einige Gletscherskigebiete, die im Wesentlichen unabhängig von der Schneelage ganzjährige Wintersportmöglichkeiten bieten.

Im Umfeld Wintersport werden jährlich 7,11 Mrd. € an Wertschöpfung erwirtschaftet. Einschließlich „indirekter und induzierter Effekte“ beträgt der jährliche Wertschöpfungsbeitrag sogar etwas mehr als 11 Mrd. €. Der Anteil am gesamten österreichischen Bruttoinlandsprodukt des Wintersports liegt (2008) bei rund 4,1 %. Dabei entstammen jährlich rund 5,95 Mrd. € an direkter Wertschöpfung dem Wintersporttourismus (einschließlich Beherbergungs- und Gaststättenwesen, Transportdienstleistungen, Sport- und Unterhaltungsdienstleistungen sowie dem fachlichen Einzelhandel). Das jährliche Aufkommen an Steuern und Sozialabgaben wird mit einer Untergrenze von 1,8 Mrd. € angenommen. Schätzungen nehmen an, dass jeder 14. Arbeitsplatz in Österreich direkt oder indirekt vom Wintersport abhängt.[6]

Auf Wintersporttourismus – aktiv oder passiv – bezogen sind 3,76 Mio. Ankünfte (12,1 % der Gesamtzahl) und 28,22 Mio. Übernachtungen (23,2 %), und rund 10,1 Mrd. € (etwa ein Drittel der Gesamtsumme in allen Sparten) werden von Wintersporttouristen in Österreich ausgegeben.[6]

Die größten Wintersportgebiete liegen in Tirol und Vorarlberg (z. B. Arlberg, Lech/Zürs/Warth, Ötztal, Zillertal, Stubaital, Kitzbühel) und in Salzburg (z. B. Skiverbund Amadé, Saalbach Hinterglemm, Radstadt/Altenmarkt/Zauchensee, Obertauern). Wintertourismus besteht auch in Kärnten (z. B. Nassfeld, Gerlitzen, Weißensee) und der Steiermark (z. B. Dachstein-Tauern-Region).

Siehe auch: Skigebiete in Österreich

Kulturtourismus

Seebühne der Bregenzer Festspiele für Tosca (2007/2008)

Ein Schwerpunkt des Kulturtourismus ist das Musikangebot:

Städtetourismus

Wien zog 2011 5,2 Millionen Gäste an, die 11,4 Millionen Nächtigungen buchten

Der Städtetourismus in Österreich umfasst vor allem die Bundeshauptstadt Wien und die acht Landeshauptstädte.

Gäste halten sich in Städten meist wesentlich kürzer auf als in ländlichen Tourismusorten, geben aber pro Tag im Durchschnitt deutlich mehr aus als andere Österreich-Besucher. Die Besuchszwecke reichen vom Verwandten- bzw. Bekanntenbesuch und vom Erlebnis- und Kulturtourismus in der Freizeit bis zur vom Dienstgeber bezahlten Teilnahme an Kongressen, Messen und Firmentagungen. In den meistfrequentierten Städten fällt der Anteil der per Flugzeug anreisenden Gäste wesentlich größer aus als in Gesamtösterreich; auch der Nationenmix gestaltet sich vielfältiger.

Nahezu zwei Drittel (64,7 %) dieses 2011 mehr Gästenächtigungen als jemals zuvor, nämlich 17,6 Millionen, erfassenden Tourismuszweiges entfielen auf Wien (11,4 Millionen Nächtigungen), weitere stark frequentierte Städte waren Salzburg (2,3 Millionen) und Innsbruck (1,3 Millionen). Es folgten Graz (908.000), Linz (742.000), Klagenfurt am Wörthersee (411.000) und Bregenz (310.000), schließlich St. Pölten (148.000) und Eisenstadt (59.000). Jede vierte Gästeankunft (8,7 von 34,6 Millionen) in Österreich wurde 2011 in einer der genannten neun Städte registriert.

Kongress- und anderer Geschäftstourismus

Der Geschäftstourismus fällt vor allem in den Wirtschaftszentren des Landes an. So nimmt man in Wien an, dass etwa 30 bis 35 % aller Gästenächtigungen in der Stadt beruflich veranlasst sind. Hier zählt der Monteur, der zur Montage eines Messestandes anreist, genau so wie der ausländische Geschäftspartner, der zum Vertragsabschluss kommt, der zur Belohnung für erfolgreiche Arbeit von seinem Unternehmen Eingeladene („Incentivereisen“) ebenso wie der Kongressteilnehmer (Kongresstourismus), der von seiner Firma entsandt wird oder als Selbstständiger die Kongressreise steuerlich als Betriebsausgabe geltend macht.

Kur- und Wellnesstourismus

Das Thermalbad von Bad Vöslau

Der Kurtourismus umfasst in Österreich den Tourismus von 84 Heilbädern und Kurorten, darunter etliche Thermalbäder (Thermenlinie, Thermenland). Im Jahr 2006 wurden in diesen Gemeinden 18 Millionen Übernachtungen gezählt, eine Unterscheidung zwischen Kurgästen und anderen Gästen ist derzeit nicht möglich. Neben medizinisch verordneten Kuren werden dort auch Wellness-Aufenthalte angeboten.

Agrartourismus

Der Urlaub am Bauernhof hat im Kontext der Ökologie und des Umweltbewusstseins in den letzten Jahren steigend Anteil am österreichischen Fremdenverkehr.

Geschichte

Fremdenverkehr in Altösterreich

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts beschränkte sich der Tourismus auf einzelne Orte. Karlsbad (heute in Tschechien) wurde bereits von Goethe besucht, Wien war ständiges Reiseziel der Aristokratie. Die Adelsberger Grotte (heute in Slowenien) war ebenfalls bereits im Biedermeier Reiseziel in Altösterreich. Wohlhabende Städter begaben sich oft mit ihrem gesamten Haushalt inklusive Dienstboten auf Sommerfrische in vorerst stadtnahe (zum Beispiel von Wien aus: Hinterbrühl), nach dem Ausbau des Eisenbahnnetzes auch in entferntere ländliche Orte (zum Beispiel von Wien aus: Semmering).

Kaiser Franz Joseph I. und Kaiserin Elisabeth bei einer Ausfahrt in der Umgebung von Ischl (1853)

Bad Ischl wurde als Kurort und Sommerresidenz von Kaiser Franz Joseph I. und Bad Gastein als Kurort, der vor allem vom Großbürgertum besucht wurde, bekannt. Die Erschließung der österreichischen Alpen fand ab Mitte des 19. Jahrhunderts statt. Die Entwicklung des Eisenbahnnetzes ermöglichte eine schnelle Ausweitung des Tourismus. 1896 richtete Österreich das k.k. Eisenbahnministerium ein, zu dessen Aufgaben „grundsätzliche Maßnahmen zur Hebung des Fremdenverkehrs“ gehörten. Bei der touristischen Entwicklung der Alpen spielte der 1862 in Wien gegründete Österreichische Alpenverein durch die Erschließung der Berge mit Wanderwegen und Schutzhütten eine bedeutende Rolle, ebenso der 1907 eingerichtete Busverkehr der k.k. österreichischen Post (die erste Postbuslinie verkehrte im heutigen Südtirol).

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts entstanden im Anschluss an Bahnstationen viele große Hotels, insbesondere an den Ufern der Alpenrandseen und in hochgelegenen Talschlüssen. Aufgrund langer Aufenthaltszeiten der Gäste konnte eine hohe Wertschöpfung erzielt werden (vgl. Sommerfrische). Der Tourismus wurde zunehmend zu einem bedeutenden Faktor. So konnten im Jahr 1909 die alpinen Regionen Altösterreichs 2,5 Millionen Gäste verbuchen, davon über 880.000 Tirol, damals größer als heute.

Der Schitourismus begann kurz vor dem Ersten Weltkrieg. Mathias Zdarsky gilt als einer der Pioniere des Schilaufs. Die ersten Schikurse wurden 1905 in Stuben am Arlberg abgehalten. 1908 wurde der erste Skilift in Österreich am Bödele ob Dornbirn in Betrieb genommen.

Zwischenkriegszeit

Das "Grand Hotel Panhans" am Semmering in den 1920er Jahren

Da der erste Weltkrieg den Tourismus vollständig zum Erliegen brachte, verloren viele Tourismusgemeinden ihre feudale Klientel. In der Zwischenkriegszeit entwickelte sich eine neue, „bürgerliche“ Form des Sommertourismus. Während in den westlichen Bundesländern (Salzburg, Tirol, Vorarlberg) vor allem Touristen aus Deutschland ihren Urlaub verbrachten, wurden die Kärntner Seen und das Salzkammergut eher aus Wien und den ehemaligen Ländern der k.u.k. Monarchie besucht. Wien selbst zählte damals etwa gleich viele Gäste aus West und Ost.

1933 wurde von der deutschen Regierung die Tausend-Mark-Sperre gegen Österreich verhängt. Die nationalsozialistische deutsche Führung wollte mit diesem wirtschaftlichen Druckmittel politische Zugeständnisse von Bundeskanzler Dollfuß erreichen. Bis zur Aufhebung der Sperre im Jahr 1937 hatte der Tourismus aus Deutschland starke Einbußen zu verzeichnen. Am Beginn des Zweiten Weltkrieges kollabierte der Fremdenverkehr völlig.

Entwicklung nach dem Zweiten Weltkrieg

Die Tourismusentwicklung nach dem Zweiten Weltkrieg war von starken Steigerungsraten und der Entwicklung des Massentourismus gekennzeichnet. Der Wirtschaftsaufschwung, erweiterte Urlaubsansprüche und die zunehmende Mobilität durch die Motorisierung führten zu einer starken Ausweitung. Die wichtigsten Aktivitäten waren bis zu Beginn der 1990er Jahre Wandern, Baden und Schifahren sowie Städtetourismus. Erst nach dem Einbruch der Nächtigungszahlen Anfang der 1990er Jahre fand eine Diversifizierung des Angebots statt (z. B. Gesundheitstourismus).

War Österreich noch in den siebziger Jahren des 20. Jahrhunderts das „selbstverständliche“ Urlaubsland Nummer 1 der Deutschen, so änderte sich dies in den folgenden Jahrzehnten stark. Deutsche Gäste sind zwar nach wie vor die Nummer 1 in Österreich, aber Österreich ist nicht mehr Urlaubsland Nummer 1 der Deutschen. Ihr Anteil an den Gesamtnächtigungen in Österreich ist daher tendenziell rückläufig, die seit langem geforderte „Internationalisierung des österreichischen Tourismusmarketings“ wird immer wichtiger: Österreich muss heute Gäste aus einer größeren Anzahl von „Quellmärkten“ ansprechen, um das Risiko der starken Abhängigkeit von Deutschland zu reduzieren.

Jahr Nächtigungen Deviseneinnahmen
1950 15,6 Mio. 28,5 Mio. €
1955 25,4 Mio. 155 Mio. €
1960 42,0 Mio. 438 Mio. €
1970 79,5 Mio. 1.887 Mio. €
1980 118,7 Mio. 6.058 Mio. €
1990 123,6 Mio. 11.078 Mio. €
2000 113,7 Mio. 12.361 Mio. €
2005 119,2 Mio. 15.428 Mio. €

Kritische Aspekte und aktuelle Trends

Kritische Aspekte

Aktuelle Trends

Die Getreidegasse in Salzburg, eines der beliebtesten Touristenziele (2007)

Der bis 2008 gegebene Trend zur Übernachtung in Betrieben gehobener Kategorien (Vier-Sterne- und Fünf-Sterne-Hotels) wurde durch die im Herbst 2008 eingetretene Wirtschaftskrise unterbrochen. Der Trend zur Verkürzung der Aufenthaltsdauer (zum Urlaubssplitting bzw. zur Kostenreduktion) bleibt aufrecht.

Im Buchungsverhalten der Gäste spielt das Internet eine große Rolle. Viele Gäste informieren sich auf Websites über Kommentare von ihresgleichen über den Urlaubsort und in Frage kommende Hotels, bevor sie buchen. Die Buchungen erfolgen oft sehr viel kurzfristiger als früher. Das Preisbewusstsein des Gastes ist seit 2008 gestiegen; bei Getränken wird gelegentlich gespart.

Österreich gewinnt in den mittel- und osteuropäischen Ländern des ehemaligen "Ostblocks" an Beliebtheit als Urlaubsziel. Wohlhabende Reisende, z. B. aus Russland, der Ukraine, Polen und Rumänien, schätzen den verlässlichen, gehobenen Standard vieler Beherbergungsbetriebe sowie Sicherheit und Gastfreundlichkeit des Landes und die relativ geringe Entfernung Österreichs von ihrem Heimatland. Speziell Russland hat sich in den letzten Jahren zu einem wichtigen Quellmarkt entwickelt und 2011 1,2 % zum Gesamtnächtigungsergebnis beigetragen.

Im Tourismus der Schifahrer wird sich auswirken, dass Schifahren zu lernen heute selbst in den Alpenländern für junge Menschen nicht mehr so selbstverständlich ist wie noch vor wenigen Jahrzehnten. Außerdem wird Schifahren von vielen potentiellen Gästen unter Einbeziehung aller Nebenkosten als teurer Sport empfunden. Generell lassen sehr günstige Flugpreise im Winter Sonnendestinationen im Süden als attraktive Alternativen zum Winterurlaub in Österreich erscheinen. Weiters lassen die Klimaveränderungen befürchten, dass in tiefer gelegenen heutigen Wintersportorten Österreichs in einigen Jahren kaum mehr ausreichend Schnee fallen wird. Von den Wintersportgebieten werden aber etwa 87 % (über 90 % in Tirol, Steiermark und Salzburg, aber nur 46 % in Oberösterreich) als schneesicher bezeichnet.[7]

Die Tourismusnachfrage in Österreich ging auf Grund der Wirtschaftskrise 2009 und 2010 vorübergehend zurück, hat sich aber 2011 erholt und das Niveau von 2008 beinahe wieder erreicht. Wien konnte 2011 sein bisher bestes Nächtigungsergebnis erzielen. Für die Stadt wird mittelfristig auch entscheidend sein, wie sich der Flugverkehr entwickelt. Wie stark sich die in Europa gestiegene Arbeitslosigkeit und gesunkene Realeinkommen in klassischen Quellmärkten einerseits und der zunehmende Tourismus aus neuen Quellmärkten andererseits mittelfristig auf den Ferientourismus auswirken werden, bleibt offen.

Tourismusmarketing

Österreich Werbung (BMWA/WKO)

Für die Dachmarke Urlaub in Österreich wirbt die nationale Tourismusorganisation Österreich Werbung (ÖW), die vom Wirtschaftsministerium und der Wirtschaftskammer Österreich getragen wird. Jedes Bundesland besitzt außerdem seine eigene Tourismusmarketingorganisation (z. B. Oberösterreich Tourismus, Vorarlberg Tourismus GmbH, Tirol Werbung GmbH, Salzburger Land Tourismus GmbH, Kärnten-Werbung, WienTourismus); zusätzlich führen Tourismusregionen – wie sie in den Tourismusgesetzen einiger Bundesländer definiert sind – und größere Tourismusorte ihre eigenen Einrichtungen (z. B. Salzkammergut Tourismus GmbH, Dachstein-Tauern-Region, Wiener Alpen, Wörthersee-Tourismus, Innsbruck und seine Feriendörfer, Tourismus Salzburg GmbH, Graz Tourismus GmbH, Ferienregion Nationalpark Hohe Tauern). Anbieter gleicher Zielsetzung sind mit Hilfe der Österreich Werbung in Urlaubsspezialisten genannten Angebotsgruppen zusammengefasst, z. B. Kinderhotel, Fischwasser Österreich, Reiten in Österreich, Wanderdorf, Urlaub am Bauernhof, Weinreisen Austria, kleine historische Städte, Erlebnis Bahn und Schiff[8].

Siehe auch

Einzelnachweise

  1. Factsheet der Österreich Werbung
  2. Statistik Austria, Bruttoinlandsprodukt nach Wirtschaftsbereichen
  3. tourism-knowhow.at. Bundesministerium für Wirtschaft und Arbeit, abgerufen am 19. November 2008.
  4. Touristisches Marketinginformationssystem TourMIS
  5. Touristisches Marketinginformationssystem TourMIS
  6. a b  Maximilian Arbesser, Julia Borrmann, Bernhard Felderer, Günther Grohall, Christian Helmenstein, Anna Kleissner, Bernhard Moser, SpEA SportsEconAustria Institut für Sportökonomie, IHS Institut für Höhere Studien (Hrsg.): Die ökonomische Bedeutung des Wintersports in Österreich. Studie im Auftrag der Initiative „Netzwerk Winter“. Wien Juli 2008 (pdf, www.netzwerk-winter.at, abgerufen am 19. November 2008).
  7.  SpEA, IHS (Hrsg.): Die ökonomische Bedeutung des Wintersports in Österreich. Problemfeld 2: „Klimawandel und Wintersport“, S. 16f.
  8. Urlaubsspezialisten auf der Website der Österreich Werbung

Literatur

Weblinks

 Commons: Tourismus in Österreich – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien