Tupay-Schlössl

Tupay-Schlössl

Das Tupay-Schlössl, auch Sterger-Villa, Villa Keil oder Schloss Schönau ist ein bürgerlicher Villenbau im 6. Grazer Stadtbezirk Jakomini.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

In der Mitte des 19. Jahrhunderts war die Grazer Schönau ein dünn besiedeltes Auenland, das als städtische „Kühtratte“, also als Kuhweideland, diente. In Nachbarschaft lag das ehemalige Harmsdorf mit dem gleichnamigen Schloss im Zentrum. Der zweite markante Bau war die k.u.k. Fuhrwesenskaserne (heutige Kirchner-Kaserne), die zwischenzeitlich in eine Kattunfabrik umgebaut wurde. Eigentümer war ein Franz Anton Weigl (1781-1822). Da die Schönau ein beliebtes Ausflugsziel der Grazer war, fanden sich auch zahlreiche Gärten, Tanzsäle und Wirtshäuser auf dem Areal.[1]

Das Tupay-Schlössl selbst entstand auf dem Grundstück des „Möstl-Hofes“ und östlich der Kaserne auf unbebautem Boden. Der bekannte Grazer Hof- und Gerichtsadvokat Dr. Franz Sterger (1807-1888) ließ den Villenbau im Stil des romantischen Historismus errichten. Ausführender Architekt war Professor Moritz Wappler (1821-1906). Die Bauzeit der bürgerlichen Villa dauerte von 1850 bis 1852.[2]

Neben Schloss Liebenau und wenigen anderen Villenbauten zählt die damals nach ihrem Besitzer benannte Sterger-Villa zur Stilepoche des romantischen Historismus, ehe in Graz der Späthistorismus zu Dominanz kam.[3] Die Sterger-Villa entwickelte sich zum Treffpunkt der Grazer Rechtsanwälte. Nach dem Guldenkrach 1873 und dem Nachlassen der Tätigkeiten in Stergers Kanzlei löste dieser den Haushalt auf und zog in sein Stadthaus in die Admontergasse. Neuer Eigentümer des Anwesens wurde der Großindustrielle Eduard von Keil, der das kleine Schlösschen nur kurze Zeit bewohnte (1880-1883).[4]

Der heutige Name „Tupay-Schlössl“ rührt von einer ehelichen Verbindung zwischen Keils Tochter Martha und dem k.k. Rittmeister Rudolf Tupaj her. Das Gebäude verblieb bis 1974 im Besitz seiner drei Töchter und deren Nachkommen, bis es an eine Wohnungsgesellschaft überging.[5]

Gestaltung

Das Schlösschen entspricht in seinem Typus einer herrschaftlichen Villa mit einem symmetrischen Grundriss samt zentralem Stiegenhaus und einer kubischen Form des Baukörpers. Der rechteckige Bau besitzt einen vorspringenden Mittelrisalit und eine Fassadengliederung mit zwei schräg angesetzten Ecktürmen. Das Erdgeschoss war den Bediensteten zugesprochen, der erste Stock diente der Familie Sterger, Franz und Theresia mit ihren vier Töchtern, als Wohnraum.[6]

Literatur

  • Gerhard Marauschek: Das Tupay-Schlössl in der Schönau In: Historisches Jahrbuch der Stadt Graz. Band 20. Graz 1988. S. 173-183.
  •  Horst Schweigert: DEHIO Graz. Schroll, Wien 1979, ISBN 3-7031-0475-9, S. 202.

Einzelnachweise

  1. Marauschek: Das Tupay-Schlössl in der Schönau. S. 173f.
  2. Marauschek: Das Tupay-Schlössl in der Schönau. S. 175f.
  3. Marauschek: Das Tupay-Schlössl in der Schönau. S. 178
  4. Marauschek: Das Tupay-Schlössl in der Schönau. S. 181f.
  5. Marauschek: Das Tupay-Schlössl in der Schönau. S. 182
  6. Marauschek: Das Tupay-Schlössl in der Schönau. S. 179f.

47.05214722222215.445433333333Koordinaten: 47° 3′ 8″ N, 15° 26′ 44″ O