Uhrmacher

Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Uhrmacher (Begriffsklärung) aufgeführt.
Uhrmacher um 1568
Uhrmacherstube im Schwarzwald (zirka 1900)

Ein Uhrmacher ist ein Erfinder, Konstrukteur oder Erbauer von Uhren, speziell mechanischen Uhrwerken und deren Zubehörteilen. Der Beruf beinhaltet auch die Wartung und Pflege von Uhren aller Art. Die Objekte eines Uhrmachers beziehen zum Teil auch die Anzeige anderer von der Zeit abgeleiteten Werte (siehe Komplikationen) oder völlig anderer Werte (mittels anderer Messinstrumente, zum Beispiel Barometer) mit ein.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Die ersten Uhrmacher waren Schlosser und Schmiede. Auch nachdem Mitte des 16. Jahrhunderts Uhrmacherzünfte in Deutschland entstanden waren, hatten Schlosser das Recht, Uhren zu bauen. Die ersten Uhrmachervereinigungen finden sich 1540 in Dresden, noch vereinigt mit der Innung der Kleinschmiede und ohne Zwang zum Meisterstück, 1544 in Paris und 1631 in London mit der Worshipful Company of Clockmakers.[1] Die Uhrmacherei zählte zunächst zu den Künsten, später zum Kunsthandwerk. Die Uhrmacher waren die Pioniere der Feinmechanik.

Der heutige Beruf Uhrmacher

Uhrmacherin bei der Dreharbeit

Berufsbild

Der Uhrmacher [2][3] beschäftigt sich mit Herstellung, Montieren, Demontieren und Reparieren von Uhrwerken und Zubehörteilen, insbesondere dem Uhrgehäuse, also mit Konstruktionszeichnungen, mechanischen, elektrischen und elektronischen Bauteilen von Groß- und Kleinuhrwerken in Serien- und Einzelfertigung, sowie Fehlersuche, Wartung, Pflege, Prüfung und Justage von modernen und historischen Uhren, sowie Grundlagen und angewandter Zeitmesstechnik. Daneben bildet Herstellung und Wartung der hochspezialisierten Betriebsmittel einen Anteil seiner Tätigkeit.

Das Berufsfeld umfasst

  • Gewerbetreibende und Fachverkäufer bzw. Fachberater in der Schmuckbranche und im technischen Kundendienst
  • In der Uhrenindustrie ist der Uhrmacher als Professionist der Fachmann, der andere Arbeitskräfte anleitet und überwacht. Er führt komplizierte Arbeiten aus und ist für die Qualitätssicherung zuständig.
  • Im Dienstleistungssektor sind Uhrmacher für die Pflege, Wartung und Erhaltung von Uhren zuständig – diesen Typus des Berufsbilds nennt man auch Rhabilleur. Das Spektrum reicht hier vom Batteriewechsel über Revisionen bis hin zu komplexen Restaurierungen von historischen Groß- und Kleinuhren (Uhrenrestaurator).
  • Der Furniturist ist Uhrmacher im Ersatzteilhandel (Uhrenfurniturenhandel).
  • Galvaniker, Polisseure, Cadranographen, Mikrozeichner und Mikromechaniker sind weitere Ausbildungen im Uhrmacherbereich.[4]

Das Berufsbild des Uhrmachers unterscheidet noch grundsätzlich zwischen Industrie und Handwerk, wobei die Übergänge bei den kleinen, unabhängigen Uhrenherstellern fließend sind (z. B. in der Académie Horlogère des Créateurs Indépendants).

  • Industrie: Herstellung von Uhren und anderen feinmechanischen Messgeräten.
  • Handwerk: Wartung und Reparatur aller Arten von Uhren und anderer Zeitmessgeräte.
  • Warenwirtschaft: das Verwalten von Betriebsmitteln und Ersatzteilen.

Uhrmacher führen ihre Arbeiten selbstständig auf der Grundlage von technischen Unterlagen und Arbeitsaufträgen durch. Sie beschaffen Informationen, planen und koordinieren ihre Arbeit und stimmen sie mit anderen, insbesondere mit Kunden, Betriebsinhabern und Kollegen ab. Weiterhin ergreifen sie qualitätssichernde Maßnahmen, dokumentieren ihre Leistungen und ergreifen Maßnahmen zur Arbeitssicherheit, zum Gesundheits- und Umweltschutz bei der Arbeit.[5] Uhrmacher sind wegen ihrer umfangreichen Ausbildung in der Mikromechanik unter anderem auch im Flugzeugbau, Musterbau und in der Mess- und Regeltechnik beschäftigte Fachkräfte.

Berufsausbildung

Die Ausbildung zum Uhrmacher[6][7] dauert in Deutschland drei Jahre und schließt mit dem Gesellenbrief ab. In Österreich werden Lehrlinge dreieinhalb Jahre ausgebildet und legen am Ende die Lehrabschlussprüfung ab.[8] In der Schweiz wird man je nach Fachgebiet drei bis vier Jahre ausgebildet und erhält dann – nach erfolgreich abgeschlosser Lehrabschlussprüfung – ein eidgenössisches Fähigkeitszeugnis.[9] In allen drei Ländern kann die Ausbildung heute auf zwei Arten erfolgen:

  • als Duale Ausbildung in einem Handwerks- oder Industriebetrieb mit begleitender Berufsschule
  • als schulische Vollzeitausbildung in einer Uhrmacherschule

Die Vergütung während der Ausbildung

Die Auszubildenden erhalten von den Unternehmen eine monatliche Ausbildungsvergütung, deren Höhe tarifvertraglich festgelegt wird und die von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich ist. Für den Ausbildungsberuf „Uhrmacher/in” betrug sie im Jahr 2011 durchschnittlich:


Industrie und Handel, Alte Bundesländer[10][11]

1. Ausbildungsjahr: € 818
2. Ausbildungsjahr: € 866
3. Ausbildungsjahr: € 942


Neue Bundesländer Empfehlung IHK (Industrie- Metallbranche) ab 1. September 2011[12]

1. Ausbildungsjahr: € 743
2. Ausbildungsjahr: € 764
3. Ausbildungsjahr: € 827

Fortbildung

Uhrmachermeister

Nach dem Ausbildungsabschluss ist eine Fortbildung zum Meister möglich.[13][14] Der Uhrmachermeister[15][16][17] ist durch seine Dreifachqualifikation ein Spezialist für sein Fachgebiet, Ausbilder und Unternehmer.

Restaurierung alter Uhren

In Deutschland wurde ab dem Jahr 2007 eine weitere Fortbildungsmöglichkeit für den Uhrmacherberuf geschaffen. Ausgebildete Uhrmachermeister können sich zum anerkannten Restaurator im Uhrmacherhandwerk [18] mit Abschlussprüfung[19] qualifizieren. Somit wurde eine neue Qualifikation[20] geschaffen, damit die Kunden – seien es private Auftraggeber, Sammler oder öffentliche Institutionen wie Museen – die Sicherheit haben, dass ihre kunsthistorisch wertvollen Instrumente in fachkundige Hände kommen. Der moderne Handwerker wird heutzutage immer mehr mit historischen Objekten konfrontiert, die ein andersartiges Vorgehen erfordern als es in einer konventionellen Handwerksausbildung gelehrt wird.

Passend zur langjährigen Tradition der Uhrenherstellung ist in der Schweiz die Spezialisierung auf die Restaurierung schon in der Grundausbildung möglich. Die Ausbildung zum Uhrmacher kann im sogenannten Fachgebiet Rhabillage absolviert werden.[21] Zur Weiterbildung wird ein großes Angebot verschiedenster Spezialkurse angeboten. In Österreich werden Weiterbildungen zur Restaurierung als Kursausbildungen der Uhrmacherinnungen und - schulen angeboten.[22]

Uhrmacherschulen

In Deutschland wurde die erste Uhrmacherschule 1850 in Furtwangen im Schwarzwald gegründet, in der Schweiz 1868 Uhrmacherschule in Le Locle, in Österreich 1873 in Karlstein an der Thaya.

Historische Schulen

  • Deutsche Uhrmacherschule Glashütte (DUS), Deutschland (1878–1956)
  • Uhrmacherschule Le Locle: seit 1868, heute Teil der Ecole technique neuchatelois, das Gebäude Château des Monts beherbergt seit 1959 das Uhrenmuseum Musée d'Horlogerie du Locle[23]

Berufsbildende und berufsweiterbildende Schulen

  • Deutschland
  • Österreich
  • Schweiz
    • Ecole technique neuchatelois (ET) des Centre interrégional de formation des Montagnes neuchâteloises (CIFOM)[34]
    • Internationale Uhrmacherschule WOSTEP[35]
    • ZeitZentrum Uhrmacherschule Grenchen[36]
  • Weitere

Verbände

  • Österreich
    • Bundesinnung der Gold- und Silberschmiede, Juweliere und Uhrmacher[39]

Bekannte Uhrmacher

siehe hierzu → Liste bedeutender Uhrmacher (chronologisch)

Neben ausgesprochen handwerklichen Uhrmachern finden sich in dieser Liste auch einige Physiker und Ingenieure, die sich ausführlich mit der Uhrmacherei beschäftigt haben.[45]

  • Einer der bekanntesten deutschen Uhrmacher war Peter Henlein (um 1479/80–1542) aus Nürnberg. Wahrscheinlich als Erster in Deutschland entwickelte und fertigte er kleine, am Körper tragbare Uhren.
  • Nicht ganz so bekannt ist sein Kollege, der Nürnberger Uhrmacher und Feinmechaniker Hans Gruber (um 1530–1597). Er stellte im Durchmesser lediglich 2 cm kleine Taschenuhren her und war auch Meister der Nürnberger Schlosserinnung.
  • Auf Christiaan Huygens (1629–1695) geht die die erste wirkliche Pendeluhr mit Spindelhemmung zurück (1656), sowie die Theorie von Feder und Pendel (Horologium oscillatorium. Paris, 1673). Er konstruierte auch Planetarien und arbeitete über die astronomischen Grundlagen der Zeitrechnung.
  • Daniel Jean-Richard begründete 1681 die Schweizer Uhrenindustrie.
  • Thomas Tompion (1638–1713, London) entwickelt 1695 die Zylinderhemmung.
  • George Graham (1673–1751) ist einer der bedeutendsten englischen Uhrmacher. Auf ihn geht die Graham-Ankerhemmung (der Grahamgang, 1715) zurück.
  • Matthew Stogden lässt sich 1728 das Repetitionsschlagwerk patentieren.
  • Pierre Le Roy 1724 entwickelt die erste Chronometerhemmung.
  • Pierre-Augustin Caron de Beaumarchais (1732–1799) erfindet die Doppelkommahemmung[46], wodurch der Bau deutlich kleinerer und ganggenauerer Uhren möglich wurde.
  • John Harrison (1693–1776) löst das Längenproblem – er gilt als Vater der modernen Chronometrie, obwohl ihm zu Lebzeiten die Anerkennung (H5, 1761) lange versagt blieb.
  • Abraham Louis Breguet (1747–1823) erfindet um 1800 in der Schweiz das Tourbillon und führt die aufgebogene Spiralenkurve (Breguet-Spirale) ein, 1810 baute er die erste Armbanduhr, auch einige andere Erfindungen (Parachute–Stoßsicherung, Echappement naturel, Pendule sympathique) gehen auf ihn zurück.
  • Urban Jürgensen 1807: Erstes Taschenchronometer
  • Carl August von Steinheil (1801–1870) in München entwickelt eine elektrische Nebenuhrenanlage (1829)
  • Adrien Philippe (1815–1894) erfindet den Bügelaufzug (Remontoir-Aufzug, 1842).
  • John Harwood entwickelt die automatische Armbanduhr (1923, Patent 1924, Harwood perpetual mit automatischem Aufzug Basel Messe 1926).[47]
  • Die Physiker Adolf Scheibe (1895–1958) und Udo Adelsberger (1902–1992) bauen 1934 (nach Erfindung durch Warren Alvin Marrison 1929) die erste funktionstüchtige Quarzuhr.
  • Reinhard Straumann (1892–1967), Schweizer Ingenieur, entwickelt 1926 die erste Zeitwaage und den Chronokomparator, sowie die Legierung Nivarox für die selbstkompensierende Spiralfeder (1932) und die bruchfeste Zugfeder (1952).

Literatur

  • Carl Schulte: Lexikon der Uhrmacherkunst. Handbuch für alle Gewerbetreibenden und Künstler der Uhrenbranche. 2. umgearbeitete stark vermehrte Auflage. Hübner, Bautzen 1902 (Fotomechanischer Neudruck: Callwey-Verlag, München 1980, ISBN 3-7667-0432-X).

TV-Dokumentation

Siehe auch

Weblinks

 Commons: Uhrmacher – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Deutschland:

Österreich:

Einzelnachweise

  1. Klaus Maurice: Von Uhren und Automaten. Prestel, München 1968.
  2. Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie – Uhrmacher/in
  3. Bundesagentur für Arbeit – Uhrmacher/in
  4. CPIH: Berufe und Ausbildungen im Uhrmacherbereich, abgerufen am 17. Januar 2012
  5. Bundesinstitut für Berufsbildung (BiBB) – Uhrmacher/in – Ausbildungsprofil
  6. Bundesinstitut für Berufsbildung (BiBB) – Uhrmacher/in
  7. Verordnung: „Uhrmacher/in“
  8. Ausbildungverordnung Österreich des österreichischen Wirtschaftsministeriums
  9. Ausbildungsinfos des Schweizerischen Dienstleistungszentrums Berufsbildung, Berufs-, Studien- und Laufbahnberatung SDBB.
  10. http://www.azubiyo.de/ausbildung/uhrmacher/
  11. http://www.bw.igm.de/downloads/artikel/files//ARTID_13749_YnH6sh?name=2010_Edelmetall_Entgelt_TV.pdf
  12. http://www.smwa.sachsen.de/set/431/20120718-Metall-und-Elektroindustrie.pdf
  13. Hessische Uhrmacherschule – Uhrmachermeister / Uhrmachermeisterin
  14. a b Bayerische Meisterschule für das Uhrmacherhandwerk
  15. Verordnung: „Uhrmachermeister / Uhrmachermeisterin“
  16. Meisterprüfungsordnung. Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ), abgerufen am 8. Juni 2008 (pdf).
  17. Meisterprüfungsordnung Schweiz
  18. Bundesagentur für Arbeit – Restaurator/in im Uhrmacherhandwerk
  19. Hessische Uhrmacherschule – Restaurator/in im Uhrmacherhandwerk
  20. Verordnung: „Geprüfter Restaurator / Geprüfte Restauratorin im Uhrmacherhandwerk“
  21. Infos Fachgebiet Rhabillage des Schweizerischen Dienstleistungszentrums Berufsbildung, Berufs-, Studien- und Laufbahnberatung SDBB.
  22. Weiterbildungsinfo Österreich des Instituts für Bildungsforschung der Wirtschaft
  23. Das Museum. Musée d'horlogerie du Locle, abgerufen am 8. Juni 2008 (deutsch).
  24. Franz-Oberthür-Schule Würzburg
  25. Berufsfachschule für Uhrmacher Hamburg
  26. Berufsfachschule – BSZ Dippoldiswalde
  27. Goldschmiedeschule mit Uhrmacherschule Pforzheim
  28. Nicolas G. Hayek Watchmaking School
  29. Hessische Uhrmacherschule (HUS)
  30. Robert-Gerwig-Schule Furtwangen
  31. Staatliche Feintechnikschule Villingen-Schwenningen
  32. Bundesfachschule für Uhrmacher in Karlstein an der Thaya
  33. Uhrenmuseum Karlstein an der Thaya
  34. Ecole technique neuchatelois
  35. Internationale Uhrmacherschule WOSTEP
  36. ZeitZentrum Uhrmacherschule Grenchen
  37. Fachschule Schoonhoven, Niederlande
  38. Verband der Deutschen Uhrenindustrie (WPG)
  39. Österreichische Bundesinnung der Gold- und Silberschmiede, Juweliere und Uhrmacher
  40. Verband deutschschweizerischer Uhrenfabrikanten
  41. Verband Schweizer Goldschmiede und Uhrenfachgeschäfte
  42. Académie Horlogère Des Créateurs Indépendants
  43. Convention patronale de l’industrie horlogère suisse
  44. Fédération Horlogère Suisse
  45. M. Loeske: Deutscher Uhrmacher-Kalender 1923 S. 82–87, Uhrmacher Jahrbuch 1956, S. 78f, zitiert nach Volker Vyskocil: Was wann geschah. In: www.uhrentechnik.de. Abgerufen am 8. Juni 2008.
  46. Fritz von Osterhausen: Callweys Uhrenlexikon. Callwey, München 1999, ISBN 978-3766713537, S. 187.
  47. Geschichte. Haarwood Watch Co. Switzerland, abgerufen am 8. Juni 2008 (deutsch).