Urberg

Dieser Artikel beschreibt den Ortsteil der Gemeinde Dachsberg; Informationen über den Berg in Bad Iburg (Niedersachsen) siehe unter Urberg (Berg).

47.7347222222228.1244444444444970Koordinaten: 47° 44′ 5″ N, 8° 7′ 28″ O

Urberg
Wappen von Urberg
Höhe: 950–1000 m
Einwohner: 500
Postleitzahlen: 79875, 79837
Vorwahlen: 07672, 07755

Urberg ist ein Ortsteil der Gemeinde Dachsberg (Südschwarzwald) im Südschwarzwald. Die zwei Hauptortsteile bestehen aus Inner-Urberg im Bereich um die Kirche und Außer-Urberg sowie der Schwand.

Blick vom Garten auf den Studenhof
Gebäude der Freien Waldorfschule Dachsberg in Urberg

Inhaltsverzeichnis

Urberg Heute

Urberg liegt in 975 m Seehöhe zwischen zwei auf über 1000 m Höhe ansteigenden Kuppen in einer sich nach Süden öffnenden Talmulde.

Zum bis ins Jahr 1971 selbstständigen Ort Urberg gehören auch die Dörfer und Weiler Schmalenberg, Rüttewies, Oberbildstein, Höll, Schwand und Oberkutterau.

Während alle übrigen auf dem Hochplateau liegen, befindet sich der kleine Ortsteil Oberkutterau im Albtal, an den Albsee angrenzend, auf ca. 650 m Höhe.

Urberg wird 1237 erstmals urkundlich erwähnt. Es bestehen aber Erkenntnisse darüber, dass seine Ursprünge in das 11. Jahrhundert zurückgehen.

Die heutige Pfarrkirche St. Peter und Paul birgt einen bemerkenswerten Altar aus der Mitte des 17. Jahrhunderts, der aus dem im Jahr 1768 abgebrannten neuen Münster in St. Blasien stammen soll.

Heute ist in Urberg besonders das Mineralienmuseum sehenswert. Es ist von Ende April bis Anfang November immer donnerstags von 14 bis 16 Uhr und sonntags von 14 bis 16 Uhr geöffnet. Außerdem während der Weihnachts-, Fastnachts- und Osterferien. Sonderöffnungen für Gruppen und Schulklassen sind jederzeit möglich.

Sehr interessant ist auch eine kleine Wanderung auf dem Bergbaupfad bei Rüttewies, der entlang ehemaliger Pinge und Verhaue des mittelalterlichen Tagebaus vorbei am Ruprecht-Gangzug führt. Noch heute findet man hier außergewöhnliche Mineralien.

In Urberg gibt es keine Industrie, jedoch mehrere Handwerksbetriebe, Dienstleister, Landwirtschaft, ein Schullandheim und Anbieter von Ferienwohnungen.

Das öffentliche Leben in Urberg wird durch die Vereine geprägt. Die Freiwillige Feuerwehr Urberg feierte im Jahre 2002 ihr 50-jähriges Bestehen. Der Musikverein Urberg, erstmals 1842 urkundlich erwähnt, feiert im Jahre 2012 das 170-jährige Vereinsjubiläum.

Geprägt ist der ursprünglich eher wenig begüterte Ort vor allem durch die Forst- sowie Viehwirtschaft, die immer mehr abnimmt, sowie einem Neubaugebiet das von Menschen aus allen Gegenden Deutschlands bewohnt wird. Im Bereich Außer-Urberg wohnen viele anthroposophisch orientierte Menschen. Grund dafür, dass sich dort Anthroposophen niederließen waren offenbar Berechnungen, dass Urberg ein besonders günstiger und kraftvoller Ort sein sollte, weshalb die unten genannten Institutionen "Kurklinik Studenhof" und der Landwirtschaftsbetrieb Goldenhof gegründet wurden. Der Begründer der Anthroposophie Rudolf Steiner soll ebenfalls einmal dort gewesen sein. Anekdotisch heißt es, dass wenn die Welt einmal untergehen sollte, Urberg bestehen bleiben würde.

Überregional bekannt ist der Goldenhof, ein biologisch-dynamisch bewirtschafteter Bauernhof, der auch die Freie Waldorfschule Dachsberg beheimatet.

Urberg von Höchenschwand aus

Sehenswürdigkeiten

Als Ausflugsziele zu empfehlen ist einerseits der Blick vom 1085 m hohen Bildstein-Felsen in das Albtal. Dieser ist nach kurzer Wanderung von Außer-Urberg her zu erreichen. Andererseits bietet das 2001 eröffnete Mineralienmuseum einen Einblick in die Arbeit im ehemaligen Fluss- und Schwerspatbergwerk "Gottesehre" in Höll-Bildstein.

Geschichte

Angeblich schenkte Kaiser Otto II. im Jahr 983 dem Kloster St. Blasien die Hochtäler Bernau, Menzenschwand, die Vogtei Blasiwald und die Dörfer Urberg und Höchenschwand.[1]. Urkundlich belegt ist der Ort "Urberc" erst jedoch seit dem Jahr 1237.[2] Bereits früh wurde in der Gegend um Urberg Edelmetalle abgebaut. In unmittelbarer Nähe zur Ortschaft Urberg erhob sich auf dem "Bildsteinfluh" die Burg Bildstein. Sie wurde vermutlich ursprünglich zum Schutz, des seit 1328 nachgewiesenen Silberbergbaus angelegt.[3] Mit dem Bau der Anlage auf dem Bildsteinfluh konnte die bedeutendste Silbergrube des Hotzenwalds der "Ruprecht-Gangzug" geschützt werden. Noch im 19. Jahrhundert sollen von der Anlage noch reichlich Mauerwerk gestanden haben, welches heute jedoch gänzlich verschwunden ist.

Eine Kirche ist in Urberg seit 1318[4], eine Pfarrei gar seit 1241 nachweisbar. Zu ihrem Seelenheil überließen Hugo (der jüngere) von Tiefenstein und dessen Frau Agenes von Tiefenstein alle ihre Rechte, die ihnen über die ihnen über die in Urberg und im Bann des Dorfs gelegenen Güter zustanden.

Urberg hatte somit auch einen Ortsadel. Die erste urkundliche Erwähnung der Herren von Urberg geht auf einen "Gotfridus plebanus de Urberc" im Jahre 1241 zurück. In einer Urkunde des Abts des Klosters St. Peter aus dem Jahr 1237 erscheinen Volchardi et Hainrici Fromanni de Vrberge".[5]

Ebenso werden 1253 und 1279 ein Erlawinus und Henricus von Bildstein genannt[6], die wohl demselben Geschlecht zugeordnet werden dürfen. 1245 wird ein Volchardus de Urberc genannt.

1260 erscheint auch ein Ulrich von Urberg urkundlich[7] den Martin Gerbert für den Bruder des Oberrieder Priors Johanns von Urberg hält.[8] Johannes von Urberg war Bürger von Säckingen, wie dies aus einer Urkunde aus dem Jahr 1276 klar hervorgeht, darin heißt es: "Johannes von Urberc, bürger zu Sackingen."[9]

Die Herren von Urberg und das Kloster Oberried im Breisgau

Das Kloster Oberried wurde ursprünglich von Stiftsdamen des Kloster Günterstal betrieben.[10] Das Land worauf die Zisterzienserinnen das Klosters 1237 errichteten, war den Herren Schnewlin als Lehen des Klosters St. Gallen übertragen worden. Nachdem das Stift nach schwierigen Jahren in der Einöde bereits 1249 von den Stiftsdamen wieder aufgegeben wurde, bat Johannes von Urberg darum den Klosterbetrieb für die Wilhelmiten wieder aufnehmen zu dürfen. Diese Bitte wurde ihm gewährt woraufhin er in mühevoller Arbeit das Kloster wieder einrichtete und diesem von 1255 bis etwa 1295 als Prior vorstand. Johannes von Urberg wird noch 1308 als "brueder Johannes von Urberg, prior ze Oberriet" genannt. In derselben Urkunde erscheint jedoch auch sein Bruder Volkart auch als Prior, "bruder Volkart, prior ze Oberriet". Johann hatte demnach wahrscheinlich abgedankt.[11] Das Geschlecht der Herren von Urberg blieb dem Kloster Oberried auch danach treu. Der aus dem Freiburger Adelsgeschlecht Geben stammende Johannes (auch Lülech genannt) war in erster Ehe mit Guota von Urberg verheiratet. Gleich zwei Töchter aus dieser Ehe, Margaretha und Elisabeth die den Übernamen Lüllech trugen sind als Stiftsdamen des Klosters Günterstal urkundlich bekannt[12] Ebenso findet sich 1344 ein Jacob Geben als Mönch im Kloster Oberried. Der gleichnamige Sohn des Johannes Geben aus zweiter Ehe mit der Tochter des Ritters Egelolf Küchlin,[13] trug den Übernamen Schüser und wird 1342 als Vogt des Klosters Oberried genannt. Aus diesem Zweig heraus entwickelte sich das Geschlecht Schäfer das noch heute im Gebiet der ehemaligen Grafschaft Hauenstein vorzufinden ist.

Urberg und St. Blasien

Urberg war bis 1597 Gerichtsort, deren niedere Gerichtsbarkeit nach dem Fall der Tiefensteiner in die Hände der Habsburger gelangte. Als nach der Fehde mit den Tiefensteinern die Habsburger die von ihnen zerstörte Klosterzelle "Neuenzelle" bei Ibach wieder aufbauen ließen wurde diese mit Einkünften von Bannholz, Birkingen, Brunnadern, Eschbach, Gaiß, Görwihl, Happingen, Hochsal, Kuchelbach, Rotzel, Rotzingen, Oberalpfen, Strittmatt, Unteralpfen, Wilfingen, Wittenschwand, Wolpadingen und Urberg ausgestattet. Die Neue Zelle übergab schließlich Herzog Leopold von Österreich dem Kloster St. Blasien, behielt sich aber das Vogteirecht darüber vor. Die dort zahlreich ansässigen Freibauern konnten nach wie vor uneingeschränkt über ihre Freigüter dort verfügen.[14] Dieses Freibauerntum versuchte das Kloster St. Blasien mit allen Mitteln zu unterbinden, was schließlich in zahlreichen Konflikten mit den Bewohnern der Gegend und dem Kloster St. Blasien führte.

Literatur

  • Rudolf Metz: Geologische Landeskunde des Hotzenwalds, Verlag: Lahr/Schwarzwald: Schauenburg, 1980, ISBN 3-7946-0174-2
  • Zeitschrift für die Geschichte des Oberrheins, Volume 143, S. 71
  • Martin Gerbert: Reisen durch Alemannien, Welschland und Frankreich in Jahren 1759-62, S. 358 (Online in der Google Buchsuche)
  • ZGORh. bd. 35, S. 279

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Rudolf Metz: Geologische Landeskunde des Hotzenwalds, S. 641
  2. Badische Seiten
  3. Rudolf Metz: Geologische Landeskunde des Hotzenwalds, S. 378
  4. Rudolf Metz: Geologische Landeskunde des Hotzenwalds, S. 784
  5. ZGORh. Bd. 6, S. 227
  6. Rudolf Metz: Geologische Landeskunde des Hotzenwalds, S. 784
  7. Schreiber a. a. O. Bd. 1, 60
  8. Martin Gerbert: Historia Nigrae Silvae, ordinis Sancti Benedicti Coloniae, S. 81 (Online in der Google Buchsuche)
  9. Zeitschrift für Deutsches Altertum und Deutsche Literatur: Band 39 und Adolf Socin: "Mittelhochdeutsches Namenbuch: Nach oberrheinischen Quellen des 12. und 13. Jahrhunderts" S. 331
  10. Martin Gerbert: Reisen durch Alemannien, Welschland und Frankreich in Jahren 1759-62, S. 358 (Online in der Google Buchsuche)
  11. Quellensammlung der badischen Landesgeschichte, Bd. 1, S. 197 Fußnote (Online in der Google Buchsuche)
  12. Julius Kindler von Knobloch: Oberbadisches Geschlechterbuch.
  13. 1308 von Egelolf Küchlin bezeichnet 1308 Johannes Geben Schüser als seinen Schwiegersohn und bezeichnet ihn mit dem Beinamen "Lülech".
  14. Rudolf Metz: Geologische Landeskunde des Hotzenwalds, S. 224, 228