Viktor von Scheuchenstuel

Viktor von Scheuchenstuel als Generalmajor um 1910

Viktor Graf von Scheuchenstuel (* 10. Mai 1857 in Witkowitz (Vítkovice/Ostrava); † 17. April 1938 in Wien), war Wirklicher Geheimer Rat, österreichischer Offizier (Generaloberst) und Befehlshaber der 11. k. u. k. Armee im Ersten Weltkrieg.

Inhaltsverzeichnis

Herkunft

In der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts waren unter der Rosenheimer Bürgerschaft die Scheuchenstuel bereits sesshaft. Herrliche Grabdenkmale in Rosenheim zeugen von der Bedeutung dieses Geschlechtes.

Als Stammvater der in zahlreichen Linien in Österreich lebenden Scheuchenstuel ist Hans anzusehen, der 1541 Sabine Hofer ehelichte. Sein Sohn Albrecht, kaiserlicher Salzmeier in Reichenhall, erhielt von Kaiser Rudolf II. am 18. Juli 1679 in Anerkennung seiner eigenen und seiner Voreltern sowie seiner beiden Söhne, Wilhelm und Peter, Verdienste den rittermäßigen Reichs- und erbländischen Adel verliehen.

Von seinem Nachfahren Hans Karl, (1664−1688) Vorgeher in Weyer, dann Verweser in Wildalpen, stammten aus einer Ehe mit Eva, Tochter des Jakob v. Pantz, Mitgewerken und Oberwaldmeister in Weyer und Urahns den nachmaligen Feldmarschalleutnants Viktor von Panz, die weit verbreiteten Angehörigen dieses Geschlechtes.

Karl Freiherr von Scheuchenstuel (* 28. Oktober 1792 in Schwarzenbach (Črna na Koroškem); † 21. Juli 1867 in Salzburg), ein Nachkomme aus der „Klagenfurter Linie“, war ein hochverdienter Montanist und Jurist, k. k. Sektionschef und Geheimer Rat. Im Jahre 1848 wurden in Österreich Wahlen zur Deutschen Nationalversammlung in Frankfurt am Main ausgeschrieben. Das Herzogtum Steiermark wurde dazu in 16 Bezirke eingeteilt, damit je 50 000 Einwohner einen Abgeordneten wählen konnten. Das Land entsandte mit dieser Wahl ihre fähigsten Köpfe nach Frankfurt. Der Bezirk Leoben wählte Oberbergdirektor Karl von Scheuchenstuel in das Frankfurter Parlament. Der Reichsritter wurde durch Allerhöchste Entschließung am 30. Oktober 1856 zu Wien österreichischer Freiherr.

Der Armeekommandant Viktor von Scheuchenstuel entspross einem nach Witkowitz gekommenen Zweig der Familie.[1]

Biographie

Der aus diesem bayerischen Adelsgeschlecht stammende Viktor schlug die Offizierslaufbahn ein und besuchte ab 1874 die Pionierkadettenschule in Hainburg. Am 1. September 1878 wurde er dort als Leutnant zum 3. Pionierregiment ausgemustert.[2] 1884–1886 absolvierte er als Oberleutnant die Kriegsschule in Wien und wurde anschließend dem Generalstab zugeteilt, wo er 10 Jahre lang diente, dabei am 1. November 1905 zum Major aufstieg, danach vier Jahre im Truppendienst (1. Mai 1897 Oberstleutnant) im 33. Infanterieregiment, sodann am 1. Mai 1901 als Oberst und Kommandant des 50. Infanterieregiments (13. März 1903).[3]

Mit Rang vom 1. November 1907 Generalmajor sowie Kommandant der 69. Infanteriebrigade übernahm er 1909 die 8. Gebirgsdivision, danach 1910 die 10. Infanterietruppendivision, 1912 die 9. Infanterietruppendivision. Zwischenzeitlich hatte er den Rang eines Feldmarschalleutnants mit Rang vom 1. November 1911 erlangt.

Mit Ausbruch des Krieges übernahm er am 13. September 1914 das heikle Kommando des 8. (Prager) Korps, das er in die Feldzüge nach Serbien – hierbei machte er sich besonders um die Eroberung Belgrads verdient – später nach Albanien und 1916 nach Südtirol führte, wo er bei der Schlacht von Asiago siegreich hervorging.[4] Er wurde daraufhin zum Wirklichen Geheimen Rat ernannt.

Wegen der Brussilow-Offensive geriet der Vormarsch der Armee ins Stocken, auch wurde das 8. Korps zur Bekämpfung der Russen eingesetzt. Scheuchenstuel geriet in einen Konflikt mit der Obersten Heeresleitung, da er sich weigerte, in dieser aussichtslosen Situation das Kommando zu übernehmen. Das 8. Korps wurde aufgelöst und er sollte (zwangs)pensioniert werden.[5] Daraufhin intervenierte Kaiser Franz Joseph I. zu seinen Gunsten und übertrug ihm zum 8. September 1916 das Kommando des 1. Korps in der 7. Armee Hermann Kövess von Kövesshazas in Nordrumänien.

Da die Kämpfe dort bald zu Ende waren, kehrte er an die italienische Front zurück. Am 13. September 1917 wurde er durch Allerhöchste Entschließung Kaiser Karl I. in den Grafenstand (Diplom zu Wien am 3. Januar 1918) sowie zum Kommandanten über die 11. Armee ernannt. Nachdem er bei der Schlacht von Karfreit siegreich hervorgegangen war, wurde der Graf zur Belohnung am 16. November 1917 zum Generaloberst befördert.[6][7]

Die Schlacht an der Piave war nicht von Erfolg gekrönt, weil der General mit seinen geschwächten Truppen nicht vorrücken konnte. Nach der letzten Schlacht von Vittorio Veneto zog er sich aus dem Trentino zurück.[8]

Der Graf wurde zum 1. Januar 1919 pensioniert und zog nach Wien, wo er unverheiratet bis zu seinem Tod lebte.[9] Er erhielt ein Ehrengrab auf dem Wiener Zentralfriedhof (Zentralfriedhof, Gruppe 15 A, Reihe 1, Nr. 10).[10]

Wappen der Ritter von Scheuchenstuel, 1629

Wappen

1579: In Rot auf schwarzem Dreiberge ein nackter Knabe mit krausem goldenem Haar, die Arme in die Hüften gestemmt, Stechhelm mit schwarz-rotem Wulst, darüber das Knäblein auf dem schwarzen Berge inmitten eines roten Fluges. Decken: schwarz-rot.[1]

1629: Gespalten, vorne in Rot auf grünem Hügel ein nackter Knabe mit krausem goldenem Haar, hinten in Gold auf grünem Dreiberge ein Jäger in grünem Gewande, grünem Hut mit Feder, Pulverflasche und Büchse (mit Kolben nach aufwärts) umgehängt; in der Rechten hält er das zum Blasen angesetzte goldene Horn, in der gesenkten Linken, an einem braunen Leitseil einen rechtsschreitenden braunen Leithund mit braunem Lederhalsband. Zwei Helme: I. Der Knabe auf dem Hügel, II. zwischen zwei Hörnern, von welchen das rechte schwarz, das linke golden ist, sitzt eine schwarzbehalsbandete weiße Bracke.

Literatur

  • Genealogisches Taschenbuch der adeligen Häuser Österreichs, Band 1, O. Maas' Söhne, Wien 1905
  • Antonio Schmidt-Brentano: Die k. k. bzw. k. u. k. Generalität 1816–1918, Österreichisches Staatsarchiv, 1907
  • Peter Broucek: „Ein General im Zwielicht – Die Erinnerungen des Edmund Glaise von Horstenau“, Verlag Böhlau, Wien 1980
  • Theodor Ritter von Zeynek: „Ein Offizier im Generalstabskorps erinnert sich“, Verlag Böhlau, Wien 2009

Weblinks

 Commons: Viktor von Scheuchenstuel – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. a b http://www.kalwang.at/Die-Gewerkenfamilie-Scheuchenstuehl.117.0.html
  2. Felix Kemenovič von Belovar: „1811–1911: Geschichte der Pionierkadetten und deren Schulen“, Im Selbstverlag, in Kommission bei L.W. Seidel, Wien 1911, S. 423
  3. http://www.weltkriege.at/Generalitaet/02%20Generaloberst/Scheuchenstuel/scheuchenstuel.htm
  4. Gaetano V. Cavallaro: „Disaster Ending in Final Victory“, copyright Gaetano V. Cavallaro, USA 2010, S. 60 ff
  5. Theodor Ritter von Zeynek: „Ein Offizier im Generalstabskorps erinnert sich“, Böhlauverlag, Wien 2009, S. 253
  6. Genealogisches Taschenbuch der adeligen Häuser Österreichs, Band 1, O. Maas' Söhne, Wien 1905, S. 534 ff
  7. Antonio Schmidt-Brentano: Die k. k. bzw. k. u. k. Generalität 1816–1918, Österreichisches Staatsarchiv, 1907, S. 161
  8. Peter Broucek: „Ein General im Zwielicht – Die Erinnerungen des Edmund Glaise von Horstenau“, Verlag Böhlau, Wien 1980, S. 410
  9. http://www.biographien.ac.at/oebl/oebl_S/Scheuchenstuel_Viktor_1857_1938.xml
  10. http://www.viennatouristguide.at/Friedhoefe/Zentralfriedhof/Index_Rest/html/15A_1_scheuchenstuel.htm