Vordere Tormäuer

47.91694444444415.193333333333440Koordinaten: 47° 55′ 1″ N, 15° 11′ 36″ O

Reliefkarte: Niederösterreich
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Vordere Tormäuer
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Niederösterreich

Die Vorderen Tormäuer sind eine Felsformation, und Talabschnitt (als solcher auch Toreckklamm genannt) der Erlauf im Ötschergebiet in den Ybbstaler Alpen Niederösterreichs. Sie bilden den Kern des Naturparks Ötscher-Tormäuer.

Inhaltsverzeichnis

Lage und Landschaft

Erlauf bei Toter Mann (Fortsetzung der Tormäuerformation flussaufwärts, selbige im Hintergrund sichtbar; der Berg ist der Turmkogel)

Der Oberlauf der Erlauf ist ein enges Durchbruchstal, und wird auf seiner Länge zwischen der Gegend Mariazell bis in die Nähe von Kienberg (Gemeinde Gaming) Tormäuer genannt. Der unterste Abschnitt sind die Vorderen Tormäuer. Insbesondere bezeichnet man so die 200 bis 400 Meter hohe Felsabbrüche, orographisch rechten Südabbrüche des Turmkogel (1130 m ü. A.), die sich vom Trefflingfall mit ihren nordöstlichsten Pfeiler, dem Toreck,[1] bis zum Dornreithgraben unterhalb des Falkenstein (Falkensteinhöhe, ca. 830 m ü. A.) erstrecken. Oberhalb der Wände befindet sich eine Talschulter, auf der die Höfe Ober- und Untereiben (578 m bzw. ca. 660 m ü. A.) und Unterfalkenstein (ca. 590 m ü. A.) der Ortschaft Anger (Gemeinde St. Anton a.d. Jeßnitz) liegen. In weiterem Sinne zählt man auch den Abschnitt zwischen Trübenbach und dem Eibenboden (Teufelskirche – Toter Mann – Trefflingbach) zu den Vorderen Tormäuern.[2]

Naturschutz

Trefflingfall, am Ostende der Formation

Die Tormäuer gehören zu den bedeutenden Naturräumen wie auch Geotopen der Eisenwurzen–Ötscher-Region. Es handelt sich um eine weitgehend naturbelassene Freifließstrecke. Wie in anderen Tälern gab es auch hier in der Nachkriegszeit Kraftwerksplanungen, 1966 wurden diese aber nach einer Unterschriftenaktion beseite gestellt[3] Im Europäischen Naturschutzjahr 1970 wurde dann das Gebiet als Naturpark unter Schutz gestellt.[4]

Geologie

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Die Tallandschaft ist ein Einschnitt der Erlauf in eine mächtige Platte Gutensteiner Kalk, Muschelkalkmassen mit aufgelagerten Lunzer Schichten, die man hier Reisalpendecke oder Annaberger Teildecke nennt.[5][6]

In den Vorderen Tormäuern befinden sich etliche nennenswerte Höhlen,[7] so die Eibenmühlenhöhle (HKat.Nr. 1836/182)[8], die Urmannshöhle in der Urmannsau bei Kienberg (1836/32)[9] und die 60 Meter tiefe Schreinerödhöhle im Falkenstein (1836/64), und zahlreiche Löcher.[10] Auch der Gegenhang ist höhlenreich, allen voran die Ötscher Tropfsteinhöhle im Steinbühel (Roßkogelgraben, 1824/10), wo auch zahlreiche andere Kleinhöhlen zu finden sind.[11]

Sport und Wandern

Das Tal ist bekanntes Wildwassersportgebiet,[12][13][14] und unter Eiskletterern bekannt.
Der Talweg ist eine reizvolle Wanderung,[15] und eine Variante des Österreichischen Weitwanderwegs 04 Voralpenweg. Auch die Gebiete oberhalb der Wände sind leichtes Wandergebiet, insbesondere läuft hier der WW 05 Nord-Süd-Weg, der mit einer – mit 05,277 bezeichneten – Variante an der Wandkante ausmarkiert ist.

Literatur

  •  Franz Hauleitner, Rudolf Hauleitner: Wiener Wanderberge. 1. Auflage. Rother Bergverlag, München 2006, ISBN 978-3-7633-3027-0, 29 Vordere Tormäuer, 530 m. Vom Eibenboden nach Trübenbach, S. 111 (rother.de; eingeschränkte Vorschau in der Google Buchsuche).
  • Anton Ruttner: Geologische Aufnahmen 1961 im Gebiet Vordere Tormäuer–Puchenstuben auf Blatt Mariaseell (72). In: Verhandlungen der Geologischen Bundesanstalt 1962, Heft 3, S. 56–60 (pdf, geologie.ac.at)
  • Alexander Tollmann: Der geologische Bau des Erlaufgebietes im Raum der Tormäuer. In: Unsere Heimat 37, Wien 1966, S. 237–248.

Einzelnachweise

  1. nicht in der ÖK, Angabe nach Lit. Ruttner, S. 56
  2. Karl Gutkas: Landeschronik Niederösterreich: 3000 Jahre in Daten, Dokumenten und Bildern. Verlag C. Brandstätter, 1990, S. 57
  3. Aktion Rettet die Tormäuer, Sammlung von 50.000 Unterschriften; Österreichischer Naturschutzbund: Natur und Land. Heft 1-1994; auszugsweise in: Naturschutzbund Steiermark: 85 Jahre Naturschutzbund. Das Grüne Gewissen Österreich. 1998, S. 5 (pdf, landesmuseum.at)
  4. Die Geschichte des Naturparks, Naturpark Ötscher-Tormäuer > Abenteuer Naturpark > Geschichte
  5. Erich Spengler: Versuch einer Rekonstruktion des Ablagerungsraumes der Decken der Nördlichen Kalkalpen: III. Teil: Der Ostabschnitt der Kalkalpen: dem Andenken Otto Ampferers gewidmet. Jahrbuch der Geologischen Bundesanstalt, 102, Wien 1959. S. 265 (Artikel S. 193-312).
  6. Alexander Tollmann: Geologie der Kalkvoralpen im Ötscherland als Beispiel alpiner Deckentektonik In: Mitteilungen der Geologischen Gesellschaft in Wien 58. Band, 1965, S. 103–207 (pdf, uibk.ac.at) – zahlreiche Erwähnungen, zur Problematik der Tormäuerschuppe nach Spengler 1928 insb. S. 173 (pdf S. 71)
  7. vergl. auch H. Nagl: Geomorphologie der Region um den Kattenberg und der benachbarten Gebirgsgruppen. In: Geographischer Jahresbericht aus Osterreich, 31. Jg., 1967, S. 152 (Artikel S. 133–169)
  8. Thomas Gundacker, Walter Fischer: Die Eibenmühlenhöhle (1836/182) in den Vorderen Tormäuern In: HKM 9/2008 (online, Höhlenforschung Niederösterreich - West
  9. E. Solar, G. Solar: Die Urmannshöhle. In: Höhlenkundliche Mitteilungen 13, 71 Wien, 1957.
  10. etwa: Reinhard Fischer, Walter Fischer: Höhlen in den Vorderen Tormäuern (Teilgruppe 1836) In: HKM 7-8/1997 (online, Höhlenforschung Niederösterreich - West
  11. Thomas Gundacker, Reinhard Fischer, Walter Fischer: Höhlen im Roßkogelgraben in den Vorderen Tormäuern (Teilgruppe 1824) In: HKM 9/2008 (online, Höhlenforschung Niederösterreich - West
  12. Wildwasserpaddeln in der Erlauf, eisenstrasse.info
  13. Erlauf – Niederösterreich / Österreich, kajaktour.de
  14. Erlauf: Frühlingsgefühle in den Tormäuern. Reisereportage, kanumagazin.de
  15. Thomas Rambauske: Vordere Tormäuer, Nestelberg, Molterkogel, Trefflingfall Die Stimmen der Erlauf, bergnews.com, Mai 2009, abgerufen 4. März 2012