Vorderkrimml

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Vorderkrimml (Dorf)
Ortschaft
Vorderkrimml (Österreich)
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Basisdaten
Pol. Bezirk, Bundesland Zell am See (ZE), Salzburg
Pol. Gemeinde Wald im Pinzgau  (KG Wald)
Koordinaten 47° 14′ 20″ N, 12° 11′ 57″ O47.23888888888912.199166666667911Koordinaten: 47° 14′ 20″ N, 12° 11′ 57″ O
Höhe 911 m ü. A.
Einwohner d. Ortsch. 307 (2001)
Postleitzahl A-5742f1
Vorwahl +43/06565f1
Statistische Kennzeichnung
Ortschaftskennziffer 14330
Zählbezirk/Zählsprengel Wald im Pinzgau (50626 000)
Bild
Vorderkrimml, westwärts gegen Krimml, mit Breitlahner Gabel (2601 m) und Achselkogel (2666 m) der Venedigergruppe links und dem Gerloskamm der Zillertaler Alpen im Hintergrund
Quelle: STAT: Ortsverzeichnis; BEV: GEONAM

Vorderkrimml ist ein Dorf im Oberpinzgau, dem hinteren Salzachtal im Land Salzburg, und Ortschaft der Gemeinde Wald im Pinzgau, Bezirk Zell am See/Pinzgau.

Zur Ortschaft gehört auch der Bahnhof Krimml, Endstation der Pinzgauer Lokalbahn.

Inhaltsverzeichnis

Lage und Landschaft

Das Dorf liegt direkt an der Einmündung der Krimmler Ache in die Salzach, und dem Ausgang des Achentales in das Salzachtal, auf 911 m ü. A., und an der Krimmler Landstraße L 113 nach Krimml.

Zum Ortschaftsgebiet zählen auch die Rotte Schloßberg und die Einöden Bräuern, Leiten, Fink und Orgler, vier Hofstellen. Das Ortschaftgebiet erstreckt sich etwa 2,6 km in Ost–West-Richtung.

Nachbarortschaften:

Hinterwaldberg Lahn
Nachbargemeinden
Oberkrimml (Gemeinde Krimml)

Geschichte

„Wald“. Franzisco-Josephinische Landesaufnahme, Blatt 30-47 Bruneck, um 1900
Ende der Pinzgaubahn unbeschriftet[1]

Der Name des Dorfs weist auf seine Lage als Taleingang nach Krimml hin. Der alte Saumpfad von Mittersill als Handelsknoten über den Gerlospass (Pinzgauer Höhe) nach Zell am Ziller führte aber am Sonnhang entlang (Ausbau zum Fuhrweg 1631, heute Alte Gerlosstraße B 165), sodass Vorderkrimml nur für den Weg nach Krimml von Bedeutung war.[2]

1807 brach die Salzach im Bereich von Vorderkrimml aus und setzte große Teile des Walder Talbodens unter Wasser.[3] Im Anschluss an dieses Hochwasser wurde unter Kaiser Franz I. mit der Salzachregulierung im Oberpinzgau begonnen, die 1837 fertiggestellt wurde (Kaiser-Franz Denkmal Mittersill).[4] 1903 gab es wieder schwere Überschwemmungen[3] (das Donauhochwasser 1899 war im Oberpinzgau weniger folgenschwer gewesen).

Beim Bau der Pinzgaubahn 1898, die für das kleine Dorf eine Weiterentwicklung der Verkehrsbedeutung darstellt, wurde auf eine Weiterführung bis zu den touristisch interessanten und viel besuchten Krimmler Wasserfällen verzichtet. Ausschlaggebend dafür dürfte der Widerstand der Krimmler Fuhrleute gewesen sein, die sich gegen die logische Verlängerung gewehrt hätten. Sie arbeiteten auf dem steilen Stück zwischen Vorderkrimml und Krimml und sahen ihr Geschäft bedroht. Somit blieb Vorderkrimml bis in die Zwischenkriegszeit der Umschlagplatz von Bahn auf Fuhrwerk – und auch ein Ort der Bewirtung, wie der Ortsname Bräuerhof zeigt.

1962 wurde die über Krimml führende neue Gerlos Alpenstraße eröffnet, die Dipl. Ing. Franz Wallack, der Erbauer der Großglockner Hochalpenstraße, geplant hatte.[2] Damit lag Vorderkrimml plötzlich an einer überregionalen Verkehrsader. Schon seit dem Krieg hatte sich der Transport primär auf die Straße verlagerte, die Holzverladung wurde 1998 (mit dem gesamten Gütertransport) dann endgültig stillgelegt.

Der Bahnhof Krimml im Umbau (2010)

Ursprünglich als reine Regionalverkehrs- und Holztransportbahn konzipiert, wurde Oberkrimml aber ab den 1970ern die einzige Anbindung des öffentlichen Nahverkehrs an das Schigebiet Gerlosplatte/Hochkrimml 1965 (heute Zillertal Arena) von Osten, den Westteil des neuen Nationalpark Hohe Tauern 1984, mit den Wasserfällen, dem Naturschutzgebiet Krimmler Hochtal, und die ganze westliche Venedigergruppe, und auch Ausgangspunkt des Tauernradweges (Pinzgauer Radwegekonzept 1990), daher ist der Streckenzug von Zell am See zum Bahnhof Krimml von großer landespolitischer tourismuswirtschaftlicher Bedeutung.

1987 gab es ein weiteres Jahrhunderthochwasser, ebenso 2006.[3] Nach dem Julihochwasser 2005 (ein lokal stärkeres Ereignis als das große Augusthochwasser) war der Bahnhof Krimml über fünf Jahre hinweg nicht auf dem Schienenweg erreichbar. Der Bahnhof Krimml wurde – wie die ganze Pinzgauer Lokalbahn – bis 2008 von der ÖBB Personenverkehr AG betrieben, und war über viele Jahre, auch schon vor dem Hochwasserschaden, von der Auflassung bedroht, wie an vielen anderen Nebenstrecken Österreichs auch. Erst der Kauf der Bahn durch das Land Salzburg 2008 – die Infrastruktur war zuvor im Besitz des Bundes und wurde von der ÖBB Infrastruktur, und ist jetzt im Besitz des Landes – und die Übernahme des Betriebs durch die Salzburg AG stellten sicher, dass die an mehreren Stellen gänzlich zerstörte Strecke zwischen Mittersill und Krimml wieder aufgebaut wurde. Seit 11. September 2010[5][6] verkehrt die Pinzgaubahn wieder bis an ihre ursprüngliche Endhaltestelle am Bahnhof Krimml.[7][8]

Erwartet werden für den Oberpinzgau 620.000 Fahrtkilometer Schiene und 420.000 Bus jährlich,[8] und man hofft, einen wesentlichen Anteil der 350.000 Besucher, die die Krimmlerfälle und den Hinterpinzgau jährlich besuchen, auf die Schiene verlagern zu können.[9] Angedacht ist auch ein Ausbau des Luftkurbetriebs (WasserWunderWelt Krimml) am Wasserfall. Eine Projektstudie über den Weiterbau Strecke zumindest bis vor Krimml ist in den 2010ern in Arbeit.[10]

Einwohnerentwicklung

Bevölkerung und Gebäudestand[11]
Salzachkr.
(Kgr. Bay./
Österr. o.d.E.)
Krld. Sbg. Österr.- Ugrn.) Rep. Österr.
1811 1817 1869 1951 1961 1971 1981 1991 2001
15 15 15 25 25 32 52 72 83
111 115 105 161 144 173 179 244 307

Bahnhof Krimml

Der Bahnhof Krimml zu Zeiten der ÖBB (2002)

Der Bahnhof Krimml steht direkt am Ausgang des Tals, etwa eine halben Kilometer südwestlich des Dorfs ( !547.2347265512.196117547.23472612.196117911), beim alten Fuhrgasthof Marienhof an der Bräuerbrücke (Kote 911 !547.2330185512.197464547.23301812.197464911).

Der Bahnhof Krimml wird neben der Pinzgauer Lokalbahn auch von der Postbuslinie 670/671[12] angefahren. Der Postbus stellt auch die Verbindung zu den Krimmler Wasserfällen her, und ist mit dem Bahnbetrieb vertaktet.[12] Der Bahnhof ist unbesetzt, der Fahrscheinverkauf erfolgt im Zug. Der Bahnbetrieb wird von der Fahrdienstleitung in Zell am See Tischlerhäusl koordiniert.

Infrastruktur und Betrieb

Der Bahnhof Krimml war ursprünglich mit vier Gleisen ausgestattet, seit der Reaktivierung besitzt er drei Bahnsteiggleise an zwei Bahnsteigen. Es besteht des Weiteren ein Aufnahmsgebäude mit Toiletten und Warteraum, ein Güterschuppen und ein zweigleisiger Lokschuppen, in diesem sind die nicht betriebsfähige Dampflok Uh 7 und ein Reservedrehgestell für die Lokomotiven der Baureihe Gmeinder D 75 BB-SE (Vs 8x) hinterstellt. Eine ursprünglich vorhandene Drehscheibe wurde bereits zu Zeiten der ÖBB abgebaut. Da Endstelle der Lokalbahn, wenden die Züge im Bahnhof Krimml. Der letzte Zug des Tages übernachtet hier, für das Personal stehen Schlafräume im Aufnahmsgebäude zur Verfügung.

Im Rahmen des Wiederaufbaus der Pinzgauer Lokalbahn 2010 wurde der Bahnhof Krimml generalsaniert und das Aufnahmsgebäude weitgehend in den ursprünglichen Zustand zurück versetzt. Neben der Neulage aller Gleise und dem Bau eines gekiesten Parkplatzes wurden auch alle Bahnsteige neu errichtet: Es bestehen nun ein breiter Hausbahnsteig mit Blindenleitsystem (taktile Einkerbungen) und ein schmaler Mittelbahnsteig; beide mit Betonpflasterung. Am Güterschuppen wurde bei der Eröffnung der wiederaufgebauten Strecke das von Behinderten gemalte Wandbild Rote Lok enthüllt.

Tourismus und Sehenswürdigkeiten

Vom Bahnhof aus fährt die Postbuslinie 671 über Krimml und die Gerlos Alpenstraße weiter nach Zell am Ziller, an das Westende des Nationalparks Hohe Tauern, auch das Schigebiet Gerlosplatte (Zillertal Arena) wird von dieser Linie angefahren.

Für den Radfahrer ist der Tauernradweg angebunden, der, von Krimml kommen, die Salzach entlang oder über die Saalach bis Salzburg nach Passau führt.

Vom Bahnhof führen auch zahlreiche Wanderwege, über die Gerlos, über die hintere Salzach nach Norden in die Kitzbühler Alpen, etwa zum Salzachgeier (Salzachursprung) oder über die Neue Bamberger Hütte und die Wildalpenseen Richtung Hopfgarten im Brixental in Tirol. Über den Tauernradweg (Wegnr. 37, 11) sind es ca. 3 km zum den Krimmlfällen, dem Eingang zum Krimmler Achental und dem Arnoweg. In die Venedigergruppe selbst führt in der Nähe nur zum Rinderkarsse ober Krimml ein markierter Weg.

Unter Geologen ist der Ort als Fundstelle des Vorderkrimmler Flussspat am Schloßberg bekannt, die im Fluorit-Schaustollen abgebaut wurden.[13][14]

Literatur

Karten:

  • f&b 121 Großvenediger– und Oberpinzgau 1:50.000

Medien

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Die Ortslage „Schraßleiten“ links oberhalb ist der Hof zwischen Orgler und Leiten (in der ÖK) und gehört zur heutigen Ortschaft Vorderkrimml
  2. a b Geschichte. In: www.wald.salzburg.at > Geschehen in Wald > Chronik > 1). Gemeinde Wald, abgerufen am 2010.
  3. a b c Katastrophen. In: www.wald.salzburg.at > Geschehen in Wald > Chronik > 6). Gemeinde Wald, abgerufen am 2010.
  4. Kaiser-Franz Denkmal. In Salzburger Nachrichten: Salzburgwiki.
  5. Festakt anlässlich der Eröffnung der Bahnstrecke am Samstag, 11. September, in Mittersill, Bramberg und Krimml / Wald. Salzburger Landeskorrespondenz, 2. September 2010
  6. Pinzgaubahn ab sofort in voller Länge. salzburg.orf.at.
  7. Pinzgauer Lokalbahn fährt wieder bis Krimml. In: Artikelarchiv. SLB Pinzgauer Lokalbahn, abgerufen am 11. November 2010.
  8. a b  SN-kain: Neue Ära für den öffentlichen Verkehr im Oberpinzgau. In: Salzburger Nachrichten. 7. September 2010 (Artikelarchiv).
  9. Per Zug zu den Wasserfällen. salzburg.com, 8. September 2010 (letzter Absatz)
  10.  Land Salzburg (Hrsg.): Sachprogramm Raumplanung und Verkehr. Vorhabensbericht. Mai 2010 (pdf, salzburg.gv.at, abgerufen am 8. November 2010).
  11.  Kurt Klein (Bearb.), Vienna Institute of Demography (VID) d. Österreichische Akademie der Wissenschaften (Hrsg.): Historisches Ortslexikon. Statistische Dokumentation zur Bevölkerungs- und Siedlungsgeschichte. Salzburg, o.D. (aktual.), Leopoldskron KG, S. 16 (Onlinedokument, Erläuterungen. Suppl.; pdf).
    Spezielle Quellenangaben: 1811: Zählung der bayrischen Verwaltung des Salzachkreises. In:  Franz Xaver Weilmeyr: Topographisches Lexikon vom Salzach-Kreise. 1812. · 1817: Ergebnisse der Militär-Konskription (einheimische Bevölkerung). In: Salzburger Landesarchiv (SLA): Kreisamt Fasz. 889, M II/2. · 1869:  Statistische Central-Commission (Hrsg.): Orts-Repertorien der im österreichischen Reichsrat vertretenen Königreiche und Länder. 1871 ff. · 1951 und später:  Österreichisches Statistischen Zentralamt (Hrsg.): Ortsverzeichnis. (Ergebnisse der Volkszählungen).
  12. a b 670 Zell an See – Krimml; 671 Bhf. Krimml – Krimml als Fortführung der PLB-Kurse; Linie 670 und PLP-Kurse/Linie 671 fahren im Takt untereinander abwechselnd; siehe Kursbuch
  13. TBV Wald Königsleiten: Kalkofen und Fluorit-Schau-Stollen. In: YouTube. www.wald-koenigsleiten.at, 2010, abgerufen am 11. November 2010 (Video, Prod. KCI Media, Beitext: Andi Kammerlander (Wald im Pinzgau) erzählt über den Kalkofen aus dem 19. Jhd. und dem Fluorit-Schau-Stollen).
  14. Sehenswertes → Mineralienmuseum; Mineraliengrotte und Kalkofen in Vorderkrimml. In: wald-koenigsleiten.at → Sommer-Aktiv. Tourismusverband Wald/Königsleiten, abgerufen am 11. November 2010 (Kontakt und Besuchszeiten).