WEGA (Sondereinheit)

Die Einsatzeinheit WEGA (vom früheren Namen Wiener Einsatzgruppe Alarmabteilung) ist eine Sondereinheit der österreichischen Polizei in der Bundeshauptstadt Wien. Sie ist der Landespolizeidirektion Wien, genauer der Abteilung für Sondereinheiten (ASE), unterstellt, zu der auch die Diensthundeeinheit gehört. Die WEGA wird in erster Linie bei Einsätzen mit erhöhtem Gefährdungsgrad angefordert. Auch wenn die WEGA im Laufe der Jahre vielfach reformiert wurde, ist sie die älteste polizeiliche Sondereinheit Österreichs. Im Jahr 2009 wurde die WEGA als Unterstützungseinheit zur Vollziehung von 785 Festnahmen angefordert. 350 Mal verhinderte die Spezialeinheit mittels Anwendung von Körperkraft einen Waffengebrauch. Es wurde 29 Mal zur Schusswaffe gegriffen. Ein Schuss wurde abgegeben. 17 Gewalttäter wurden im Rahmen des GSOD festgenommen.

2005 hatte die WEGA etwa 220 Beamte.[1]

Inhaltsverzeichnis

Auftrag

Die WEGA gilt als operative, nicht als ermittelnde Einheit. Das Aufgabengebiet der Sondereinheit unterteilt sich in folgende Sparten:

Wega-Beamter mit Ramme
  • verbarrikadierte Personen
  • Selbstmörder
  • Razzien und Durchsuchungen, bei denen mit Widerstand gerechnet wird
  • risikoreiche Verhaftungen
  • andere Einsätze, bei denen mit Widerstand gerechnet werden muss
  • Einsätze, die Beamte mit Seiltechnikausbildung erfordern
  • Einsätze, die Beamte mit Polizeitaucherausbildung erfordern
  • Auflösung von Hausbesetzungen
  • Greiftruppeinsätze im Rahmen des GSOD
  • Objektschutz von besonders gefährdeten Einrichtungen

Die Interventionen erfolgen sowohl durch den Kriminaldienst als auch durch die Kollegen der Polizeiinspektionen. Greiftruppeinsätze im GSOD ergeben sich bei gewalttätigen Demonstrationen oder Ausschreitungen bei Fußballspielen. In diesen Fällen gilt es, durch einsatztaktisches Geschick und entschlossenes Auftreten einzelne Gewalttäter aus der Menge zu filtern und in Gewahrsam zu nehmen.

WEGA durchsucht

Organisation

Die Ausrüstung und die Struktur der Einheit orientiert sich an jener diverser amerikanischer S.W.A.T.- Teams (z.B. NYPD ESU). Es wird in speziell ausgerüsteten Sektorfahrzeugen in Zweimann-Teams überlagernder Streifendienst versehen. Der große Vorteil der Sektorstreifen ist, dass binnen kürzester Zeit ein vollausgerüstetes Zugriffsteam verfügbar ist. Außerdem werden generell in Wien alle Aufgaben, die den normalen Risikorahmen der Polizei übersteigen, allerdings noch nicht in den Aufgabenbereich des Einsatzkommando Cobra fallen, der WEGA überlassen.

Eine ständige Fort- und Weiterbildung wird im Rahmen des Dienstbetriebes gewährleistet. Versehen die WEGA-Beamten keinen Außendienst als Sektorstreife werden sie zur Ausbildung herangezogen um ihre Fertigkeiten im Bereich des Schießens, der Einsatztechnik und der Einsatztaktik zu trainieren. Anlassbezogen werden natürlich auch Ausbildungsschwerpunkte gesetzt. Im Oktober 2007 vertraten Beamte der WEGA beim "Trinationalen GSOD-Seminar" die Republik Österreich. Bei diesem fünftägigen Seminar, an dem neben der WEGA auch Polizeibeamte aus Deutschland und der Schweiz teilgenommen hatten, wurden sowohl in der Theorie als auch in der Praxis Erfahrungswerte im polizeilichen Ordnungsdienst (im Hinblick auf die Fußball-Europameisterschaft 2008) ausgetauscht.

Rekrutierung und Ausbildung

Beamte beim Üben der Menschenpyramide

Um Mitglied dieser Einheit zu werden, wird ein Mindestmaß an Außendiensterfahrung verlangt. Man muss wenigstens ein Jahr Praxis auf einer Polizeiinspektion versehen haben und eine Auswahlprüfung [2] bestehen. Diese umfasst einen 3000-m-Lauftest, Schießtest mit der Glock 17, 6er-Test (Klimmzüge, Standweitsprung, Kastenboomeranglauf, Sit-ups, Treppensteigtest, Liegestütze), einen Taktikparkour unter physischem und psychischem Stress, welcher binnen 20,5 Sekunden zu absolvieren und bei dem zum Abschluss eine rund 50 Kilogramm schwere Puppe aus der "Gefahrenzone" zu retten ist. Außerdem ist ein psychologisches Auswahlverfahren zu bestehen, bei dem Werthaltungen, emotionale Stabilität, Teamfähigkeit und Motivation geprüft werden.

Bewältigt man diese Tests allesamt positiv und ist man in der darauffolgenden Reihung bei den Besten, wird man zum sechsmonatigen Basisausbildungslehrgang (WEGA BAL) geladen. Es werden die Schieß-, Taktik- und Selbstverteidigungsfertigkeiten geschult. Nach der Grundausbildung werden die neuen „WEGA-MÄNNER“ in die sechs vorhandenen Kompanien aufgeteilt. Als Mitglied dieser können sich die Beamten für folgende Sonderausbildungen bewerben: Seiltechnik, Einsatztauchen, Sicherungsschütze, Techniker, Problemabschiebungen auf dem Luftweg, Sonderwagen- bzw. Wasserwerferfahrer.

Ausrüstung

Gepanzertes Spezialfahrzeug der WEGA
Wasserwerfer

Zusätzlich zur Standardprimärwaffe, der Pistole Glock 17 (mit Laser-Lichtmodul), wird von den WEGA-Beamten im Sektorstreifen- sowie Überwachungsdienst das Steyr StG 77 als Langwaffe mitgeführt. Weiters gibt es die Mehrzweckpistole (MZP von Heckler & Koch) zum Verschießen von Tränengas, den Taser XP26 als Elektroimpulswaffe, den Einsatzstock (Tonfa), verschiedene Pfeffersprays sowie andere Glockmodelle.

Im Fuhrpark der WEGA befinden sich neben den Sektor- und Zivilfahrzeugen auch Spezialfahrzeuge. Unter den Begriff Spezialfahrzeuge fallen ein Sonderwagen, Wasserwerfer sowie diverse Einsatzmittelfahrzeuge.

Zur gewaltsamen Objektöffnung bietet das Einsatzmittelfahrzeug der WEGA Geräte wie Motorsägen, Rammen, hydraulische Spreizgeräte u.a.m. Nach jeweiliger Einsatzlage können die Beamten bei der Schutzausrüstung zwischen mehreren Modellen von Schutzwesten bzw. Helmen wählen. Die WEGA-Männer tragen, so wie viele andere internationale Sondereinheiten, das rote Barett als Kopfbedeckung.

Geschichte

Abzeichen der WEGA

Die Ereignisse im Zuge des Justizpalastbrandes führten im Jahr 1928 zur Gründung der „Alarmabteilung“ aus den Reihen der Wiener Sicherheitswache. Es hatte sich gezeigt, dass der Wachmann ohne Helm und Gewehr, ohne Gummiknüppel und mit dem damals verwendeten Säbel, der sich als zu lang herausstellte, bei gewalttätigen Demonstrationen nur ineffizient einschreiten konnte. Ebenso fehlte eine entsprechende Ausbildung der herkömmlichen Sicherheitswachebeamten. Da es in den Reihen der Polizei in den Jahren nach dem Ersten Weltkrieg viele Beamte mit Fronterfahrung gab, gestaltete sich die Rekrutierung relativ einfach. Diese Polizisten waren auch bereit, die paramilitärischen Exerzierübungen und Manöver zu absolvieren.

Nach dem Zweiten Weltkrieg entwickelte sich die heute als WEGA bekannte Einheit aus der 1955 organisatorisch eingerichteten „Bereitschaftsabteilung“, die im Jahr 1959 wieder in „Alarmabteilung“ umbenannt wurde. Diese bestand aus zwei Einsatzkommanden, so genannten EKOs. Durch die Entwicklung in den 1970er-Jahren (1973 Überfall eines palästinensischen Terrorkommandos auf einen Transport jüdischer Emigranten, 1975 Ermordung des türkischen Botschafters durch armenische Terroristen in Wien und Anschlag auf die OPEC-Konferenz mit Geiselnahme durch ein Terrorkommando unter Carlos) fand ein Umdenken im Innenressort statt und es wurden Einheiten (Gendarmerie Einsatzkommando, WEGA, Kranich) eingerichtet, um gegen die erhöhte Gefährdung durch Terroranschläge gerüstet zu sein. 1994 kam es zu einer Umstellung des Dienstsystems innerhalb der Abteilung auf den 6-Gruppen-Plandienst. Eine weitere Umstellung gab es 2001 mit der Unterteilung in WEGA PEK und WEGA MEK.[3] 2005 fand die bislang letzte organisatorische Umstellung statt und die Abteilung ist seither in der Abteilung für Sondereinheiten des LPK Wien unter dem Namen Einsatzeinheit (EE) WEGA[4] geführt.

Vorkommnisse

Im April 2006 wurde der Gambier Bakary J. nach einer gescheiterten Abschiebung in einer Lagerhalle von WEGA-Beamten schwer misshandelt. Nach Interventionen durch den UN-Sonderberichterstatter über Folter, Manfred Nowak wurde der Vorfall publik.[5][6] Wegen Quälens eines Gefangenen wurden die vier beteiligten Beamten zu mehrmonatigen bedingten Haftstrafen verurteilt und nach längerem Instanzenzug durch Disziplinar-, Disziplinaroberkommission und Verwaltungsgerichtshof, wurden 2012 drei Beteiligte aus dem Polizeidienst entlassen.[7][8][9]

Mediale Rezeption

Im Jahr 2010 entstand für den österreichischen Privatfernsehsender ATV eine 9-teilige Reportageserie des Fernsehproduzenten Andreas Mannsberger. Die Reportageserie wurde ab Jänner 2011 unter dem Titel „WEGA – Die Spezialeinheit der Polizei“ ausgestrahlt.[10][11]

Literatur

Weblinks

 Commons: WEGA – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. http://www.bmi.gv.at/cms/BMI_OeffentlicheSicherheit/2005/09_10/files/SONDEREINHEITEN.pdf
  2. Artikel in der Zeitschrift „Öffentliche Sicherheit“ zum Thema „Wahl mit Qual“. (Ausgabe 01/02 2008)
  3. MEK und PEK Reorganisation 2001
  4. Die Neue WEGA Reorganisation 2005
  5. Folter: Realität in 90 Prozent aller Staaten diepresse.com; Voller Folter fm4.orf.at
  6. Manfred Nowak: Folter - die Alltäglichkeit des Unfassbaren. Kremayr & Scheriau, Wien 2012, ISBN 978-3-218-00833-4.
  7. Chronologie der Causa Bakary J.; Artikel von orf.at abgerufen am 25. April 2012
  8. Fall Bakary J.: Drei Polizisten nun doch entlassen derstandard.at, 24. April 2012
  9. Nach Bakary J.: Künftig automatischer Amtsverlust wien.orf.at, abgerufen am 17. August 2012
  10. WEGA – Die Spezialeinheit der Polizei im Internetauftritt des Fernsehsenders ATV.
  11. DiePresse.com: ATV zeigt Reportageserie zur Polizeieinheit Wega. Artikel vom 5. Jänner 2011.