Wallfahrtskirche Allerheiligen im Mühlkreis

Wallfahrtskirche Allerheiligen im Mühlkreis

Die römisch-katholische Pfarr- und Wallfahrtskirche „Unsere liebe Frau, Königin Aller Heiligen “, steht im Ortszentrum auf einem der höchsten Punkte in der Gemeinde Allerheiligen im Mühlkreis im Bezirk Perg in Oberösterreich.

Inhaltsverzeichnis

Geographie

Lage der Pfarre Allerheiligen im Dekanat Perg

Die Wallfahrtskirche ist die Pfarrkirche der Pfarre Allerheiligen, einer römisch-katholischen Pfarre im Dekanat Perg in der Region Mühlviertel in der für das Bundesland Oberösterreich zuständigen österreichischen Diözese Linz in der Kirchenprovinz Wien.

Die unter der Pfarrnummer 4008 geführte Pfarre betreut 625 Katholiken,[1] die sich mit Ausnahme der zur Pfarre Perg gehörenden Ortschaften Judenleiten und Niederlebing im Süden und der zur Pfarre Tragwein gehörenden Ortschaften Baumgarten, Hennberg und Kriechbaum im Westen auf das Gemeindegebiet von Allerheiligen im Mühlkreis verteilen.[2]

Zur Pfarre gehören im Wesentlichen die Ortschaften Allerheiligen und Oberlebing sowie ein sehr kleiner Abschnitt der Marktgemeinde Tragwein. Die Pfarre ist Teil des Seelsorgsraumes Perg, dem die Pfarren Allerheiligen, Münzbach, Pergkirchen, Perg und Windhaag angehören.

Nachbarpfarren sind Bad Zell und Tragwein im Dekanat Pregarten sowie Perg, Schwertberg und Windhaag/Perg im Dekanat Perg.

Gründungslegende und Geschichte

Die erste urkundliche Erwähnung einer Kirche in Allerheiligen findet man im Jahre 1454.

Die Gründungslegende besagt:

Um das Jahr 1490 lebte in Allerheiligen ein von der Pest befallener Bauer. Sein letzter Wunsch war, seinen Leichnam auf einen Karren zu legen, ein paar Rinder vorzuspannen und diese frei ziehen lassen. An der Stelle, an der sie stehen blieben, sollte er begraben und eine Hütte zum Gebet errichtet werden. Der Ort, wo der Wagen stehenblieb, war unbewohnte Wildnis. Zu der aus einer riesigen Föhre erbauten kleinen Kapelle pilgerten alsbald viele Menschen, vor allem Kranke, die sich Genesung erhofften und spendeten dabei so viel Geld, dass schon im Jahre 1492 mit dem Bau der heutigen Kirche begonnen werden konnte.

Kirche und Pfarre Allerheiligen gehörten im Lauf der Jahrhunderte zu verschiedenen Grundherrschaften, beispielsweise ab 1551 zur Herrschaft Schwertberg. Die seelsorgliche Betreuung erfolgte damals von der Nachbarpfarre Tragwein aus, wurde aber erst 1784 eine Pfarrexpositur von Tragwein. Seit 1823 ist Allerheiligen eine selbständige Pfarre.

Pfarrer von Allerheiligen

  • Johann Brunner (1823 bis 1832)
  • Johann Putschögl (1832 bis 1856)
  • Franz Xaver Voglmayr (1856 bis 1866)
  • Franz Xaver Bohdanovicz (1866 bis 1892)
  • Georg Wagner (1892 bis 1904)
  • Leopold Fuchs (1904 bis 1918)
  • Andreas Hebrank (1918 bis 1929)
  • Josef Radgeb (1929 bis 1970)
  • Pater Edilbert Unterberger (1970 bis 1992)
  • Pater Christof Mösserer (1992 bis dato)

Kirchenbau

Spindellose, freischwebende Wendeltreppe

Die heutige Wallfahrtskirche ist eine dreischiffige, spätgotische Langhaushalle mit einem barocken Kreuzgratgewölbe. Mit dem Bau einer massiven Kirche in den nach wie vor bestehenden Ausmaßen mit einer Gesamtlänge von 29 Metern, einer Breite des Kirchenschiffs von 12 Metern und einer Breite des Presbyteriums von 8 Metern wurde 1504 begonnen, das Oratorium über der Sakristei war 1521 fertig, der Kirchturm 1522. Das Langhaus wurde in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts (1649) nach einem Brand wiedererrichtet. An drei Seiten der Kirche befinden sich spätgotische Emporen.

Im Erdgeschoss des gotischen, 35 Meter hohen Südturms befindet sich die Sakristei mit einem Zellengewölbe. An der westlichen Giebelfassade erhebt sich der Schneckenturm, ein oktogonaler, der Öffentlichkeit zugänglicher Treppenturm, der auf 62 Stufen einer freischwebenden, spindellosen Wendeltreppe bestiegen werden kann. Im vierstimmigen Geläute der Kirche läutet auch eine Glocke aus dem 15. Jahrhundert, die bereits in der ursprünglich errichteten Holzkirche verwendet wurde. Die drei weiteren Glocken wurden 1950 als Ersatz für die in den Weltkriegen für Kriegszwecke abgenommenen Glocken mit maßgeblicher Unterstützung der Kamig AG und er Bevölkerung angeschafft.

Neben der großen Sanierung nach dem Brand 1649 erfolgten weitere Sanierungen des Kirchengebäudes, unter anderem 1766 die Neueindeckung des Turms, 1796 die Erneuerung der durch Hagel zerstörten Kirchenfenster, 1840 Anbringung eines neuen Außenputzes, 1892 vergoldetes Kreuz und Blechdach für den Turm, 1897 Erneuerung des nördlichen Kirchentors, 1924, Verkleidung des Kirchturms mit Eternit, 1931 Erneuerung der Kirchenuhr. Zwischen 1972 und 1985 wurde die Kirche sowohl außen als auch innen gründlich saniert.

Innenraum

Orgel aus dem 17. Jahrhundert

Im Altarraum befinden sich ein gotisches Sakramentshäuschen und eine gotische Empore. Der Hochaltar ist ein neugotisches Werk von Franz Oberhuber aus dem Jahr 1879. Im Zentrum stehen eine Figur der Muttergottes, die einen Geisteskranken heilt (Gründungslegende) und verschiedene Heiligenstatuen sowie Reliefs mit Szenen aus dem Leben Mariens. Die beiden Seitenaltäre sind ebenfalls neugotisch (1890/1903) und dem hl. Josef bzw. dem Heiligsten Herzen - Jesu gewidmet. Auf beiden Seitenaltären befinden sich ebenfalls zahlreiche Heiligenstatuen.

Sanierungen im Innenraum betrafen unter anderem die Erneuerung der alten Kanzel 1747, Verlegung eines Steinpflasters 1767, Anschaffung eines neuen Tabernakel 1827, Ausbesserung der Altäre 1831 und Restaurierung des Altarbilds 1845, Einleitung des elektrischen Lichts 1948, Aufstellung des Volksaltars 1970. Zwischen 1972 und 1985 wurde die Kirche sowohl außen als auch innen gründlich saniert.

Orgel

Heiligensteinkapelle in Allerheiligen im Mühlkreis

Eine Besonderheit in der Wallfahrtskirche ist die frühbarocke Orgel aus dem 17. Jahrhundert. Ein schmales hohes Gehäuse mit rekonstruierten Flügeltüren beherbergt ein Werk mit zehn Registern auf einem Manual. Jährlich finden im Sommer die Allerheiligener Orgeltage mit Musikern aus aller Welt statt. Die mitteltönige Orgel ist eines der ältesten und seltensten Instrumente Österreichs. Die Orgel wurde 1995 von den Orgelbaumeistern Marc Garnier und Reinhold Humer restauriert. Der Pfeifenbestand wurde vervollständigt und die Orgel erhielt auch wieder die ursprüngliche mitteltönige Stimmung. Die Aufbringung der Mittel erfolgte durch einen Orgelverein.

Heiligensteinkapelle

Unweit der Kirche wurde eine auf einem Felsblock eine Kapelle errichtet, die schon im Jahr 1504 urkundlich erwähnt wurde. In deren Inneren befinden sich eine Pietà aus dem Jahr 1900 sowie Wandbilder von Johann Nirnberger mit Allerheiligen-Motiven aus 1982.[3]

Literatur

  • Bundesdenkmalamt Österreich (Hrsg.): Dehio - Oberösterreich Mühlviertel. Verlag Berger, Horn/Wien 2003, ISBN 3-85028-362-3.

Weblinks

 Commons: Churches in Allerheiligen im Mühlkreis – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Pfarren-Finder Pfarre 4008 abgefragt am 6. November 2011
  2. Pfarre Allerheiligen im Kulturatlas Doris - Land Oberösterreich, abgefragt am 6. November 2011 (Auf der Karte Grenzen der Gemeinden und Katastralgemeinden dazu schalten)
  3. Heiligenstein-Kapelle auf der Homepage der Gemeinde Allerheiligen

48.30194444444414.651666666667Koordinaten: 48° 18′ 7″ N, 14° 39′ 6″ O