Walter Forstmann

Walter Forstmann, auch Walther Forstmann (* 9. März 1883 in Essen-Werden; † 2. September 1973 in Essen) war ein deutscher U-Bootkommandant im Ersten Weltkrieg und Träger des Ordens Pour le Mérite. Er versenkte mit seinem U-Boot SM U 39 auf 16 Unternehmungen insgesamt 146 Schiffe mit 384.304 BRT und gehört damit zu den Kommandanten, die die meisten Schiffe versenkt haben.[1]

Inhaltsverzeichnis

Werdegang vor dem Ersten Weltkrieg

Auf SMS Sperber fuhr Forstmann als Wachoffizier

Walter Forstmann wurde als Sohn des Sanitätsrates Dr. med Gustav Forstmann geboren. Er trat am 7. April 1900 als Seekadett in die Kaiserliche Marine ein und war somit Mitglied der „Crew 00“.[2] Bis zum April des Folgejahres erhielt Kadett Forstmann eine seemännische Grundausbildung. In dieser Zeit bereiste er an Bord der Schiffe der Kaiserlichen Marine unter anderem das Mittelmeer und die Gewässer um Großbritannien und Skandinavien. Im April 1901 wurde Walter Forstmann zum Fähnrich zur See befördert und kam auf die kieler Marineschule. Im Jahr 1903 fuhr Forstmann auf SMS Kaiser Wilhelm der Große. Im August desselben Jahres wurde er zum Leutnant zur See befördert und fuhr im Anschluss daran als Wachoffizier auf dem Kleinen Kreuzer SMS Ariadne. Als Offizier der I. Matrosen-Division in Kiel nahm Leutnant z. S. Forstmann im Jahr 1905 an Erprobungsfahrten des neugebauten Linienschiffs SMS Preußen teil. Er wurde anschließend Wachoffizier auf dem Kleinen Kreuzer SMS Sperber und mit diesem in der deutschen Kolonie Kamerun stationiert. Ende März 1906 wurde Walter Forstmann zum Oberleutnant zur See befördert. Im Jahr 1908 erhielt Oberleutnant Forstmann das Kommando auf dem Torpedoboot D-8. Für die Rettung eines über Bord gefallenen Matrosen wurde ihm die Rettungsmedaille am Bande zugesprochen und am 25. August 1908 verliehen. Am 1. Oktober 1909 wurde Walter Forstmann zur U-Bootwaffe abkommandiert und fuhr unter dem Kommandanten Eberhard von Mantey als Erster Offizier auf dem Hebeschiff SMS Vulkan. In dieser Zeit erhielt er seine U-Bootausbildung.

U-Boothafen in Kiel 1914

Sein erstes U-Bootkommando trat Forstmann am 1. Mai 1910 an. Er wurde Kommandant des Hochsee-U-Bootes U 11. Auf diesem Boot nahm Kapitänleutnant Forstmann – befördert am 10. April 1911 – am großen Kaisermanöver im Sommer 1912 teil. Für seine Teilnahme wurde er vom Kaiser mit dem Roten Adlerorden IV. Klasse ausgezeichnet. In diesem Jahr unternahm U 11 gemeinsam mit U 5 eine elftägige Dauerfahrt, auf der die Boote 300 sm zurücklegten. Da die deutschen Unterseeboote bis dahin höchstens bis zu 50-stündige Marschübungen durchgeführt hatten, galt diese Fahrt als ein fast unwahrscheinlicher Rekord. Im Winter desselben Jahres beorderte Großadmiral von Tirpitz, aufbauend auf diesen Erfahrungen, die gesamte 1. U-Flottille auf eine Dauererprobungsfahrt von 300 sm, was den An- und Abmarschweg zwischen Helgoland und England simulierte. Im Oktober 1913 wurde Kapitänleutnant Forstmann an die kieler Marineakademie kommandiert. Das Kommando auf U 11 übernahm Kapitänleutnant von Suchodoletz.[3] Kapitänleutnant Forstmann nahm während der Ferienzeit auf dem Kleinen Kreuzer SMS Cöln am Manöver der Hochseeflotte teil. Bei Kriegsausbruch war er Flottillenchef der Hafen-Flottille von Helgoland.

U-Bootkommandant im Ersten Weltkrieg

HMS Niger - das erste von Forstmann versenkte Schiff

Zu Beginn des Krieges wurde der U-Bootflotte keine große Bedeutung beigemessen. Dementsprechend verhandelte das Reichsmarineamt bereits mit anderen Nationen über den Verkauf von U-Booten, beispielsweise nach Griechenland. Erst die Erfolge von Otto Weddigen auf SM U 9 brachten ein langsames Umdenken in Gang.[4]. Am 6. August 1914 übernahm Kapitänleutnant Forstmann das Kommando auf SM U 12[5], einem Boot desselben Typs (Typ U 9) wie sein vormaliges Boot, SM U 11. Mit diesem Boot versenkte er vor der britischen Stadt Deal am 11. November das Kanonenboot HMS Niger. Am 13. Januar 1915 wurde Kapitänleutnant Forstmann Kommandant von SM U 39, einem modernen Boot des Typs U31, das im September des Vorjahres bei der Germaniawerft vom Stapel gelaufen war. Der spätere Befehlshaber der U-Boote Karl Dönitz diente bis Dezember 1917 als Wach- und Schriftoffizier unter Forstmann auf U 39. Mit U 39 absolvierte Kapitänleutnant Forstmann 16 Feindfahrten, auf denen er 147 Handelsschiffe versenkte. Im Mai 1916 beschoss er mit Erfolg die Hafenanlagen von Portoferraio. Für seine Verdienste wurde er im August 1916 mit dem Pour le Mérite geehrt und im November desselben Jahres mit dem Ritterkreuz des Hausordens von Hohenzollern sowie dem Ritterkreuz des Leopold-Ordens mit Kriegsdekoration ausgezeichnet. Im Dezember 1917 wurde Kapitänleutnant Forstmann zur U-Boot Inspektion (UI) beordert, die im März 1914 eingerichtet worden war um sowohl bauliche Maßnahmen und Typveränderungen vorzuschlagen, als auch zu überprüfen und die kriegsmäßige Ausbildung der U-Bootoffiziere zu gewährleisten.[6] Bis Dezember 1917 verblieb Kapitänleutnant Forstmann bei der UI in Kiel. Im Januar des Folgejahres wurde er Flottillenchef der 3. U-Flottille in Wilhelmshaven. Auf diesem Posten verblieb er über das Kriegsende hinaus, bis er schließlich im März 1919 aus der Marine verabschiedet wurde.

Einsatz im Zweiten Weltkrieg

Im August 1939 kam Walter Forstmann zum Rüstungskommando Osnabrück. Bis April 1940 war er dort als Leiter der Abteilung Marine eingesetzt, bis er am 16. April zum Oberkommando der Wehrmacht kommandiert wurde, wo er als Leiter der Verbindungsstelle Kopenhagen diente und im Rahmen vom Unternehmen Weserübung mit der Besetzung Dänemarks (Weserübung Süd) beauftragt war. Am 10. April landete Walter Forstmann im Stab des Kommandeurs der Besatzungstruppen, General Röttger, in Korsør an. Bis Mai 1945 war er Chef des Wehrwirtschaftstabes [7] in Kopenhagen. In dieser Zeit wurde Walter Forstmann mehrmals befördert: Am 15. April zum Korvettenkapitän, am 7. April 1941 zum Fregattenkapitän und schließlich am 1. Juli 1942 zum Kapitän zur See. Am 9. Mai 1945 geriet er in britische Kriegsgefangenschaft und war in Malente-Gremsmühlen interniert. Walter Forstmann wurde am 3. August 1945 aus der Kriegsgefangenschaft entlassen.

Weitere Auszeichnungen

Literatur

  • Erwin Dickhoff: Essener Köpfe: Wer war was? Bacht, Essen 1985.
  • Andreas Michelsen: Der U-Bootskrieg 1914–1918. v. Hase & Koehler Verlag, Leipzig 1925.
  • Bodo Herzog, Günter Schomaekers: Ritter der Tiefe Graue Wölfe. Die erfolgreichsten U-Boot-Kommandanten der Welt. Verlag Welsermühl, München 1976, ISBN 3-85339-136-2.
  • Paul Kemp: Deutsche und österreichische U-Bootverluste in beiden Weltkriegen. Urbes Verlag, Gräfelfing 1997, ISBN 3-924896-43-7.
  • Helmut Pemsel: Biographisches Lexikon zur Seekriegsgeschichte: Seehelden von der Antike bis zur Gegenwart. Bernard & Graefe, Koblenz 1985.
  • Eberhard Rössler: Geschichte des deutschen U-Bootbaus. Bernard & Graefe Verlag, Bonn 1996, ISBN 3-86047-153-8.

Weblinks

Anmerkungen und Einzelnachweise

  1. U-Boote im Ersten Weltkrieg
  2. In der Kaiserlichen Marine wurde der Offiziersjahrgang als Crew bezeichnet, diese Tradition wurde später von der Reichsmarine und von der Kriegsmarine übernommen
  3. Kommandant von Suchodoletz versank mit U 11 am 9. Dezember 1914 vor der belgischen Küste, vermutlich durch eine Mine
  4. E. Rössler: “Geschichte des deutschen U-Bootbaus“ Bd. 1, S.55
  5. U 12 versenkte sich am 10. März westlich von Schottland selbst, nachdem der Nachfolger Forstmanns, Kommandant Kratzsch, durch Granattreffer eines der drei britischen Zerstörer, mit denen das Boot im Gefecht lag, getötet worden war
  6. E. Rössler “Geschichte des deutschen U-Bootbaus“ Bd. 1, S. 71
  7. Die Wehrwirtschaftsstellen organisierten und koordinierten die Aufträge an Rüstungsbetriebe, sowie die Zuteilung der Arbeitskräfte. Der Begriff Wehrwirtschaftsstab wurde ab Mai 1942 durch den Begriff Rüstungsstab abgelöst und war ab dann nicht mehr dem OKW, sondern dem Reichsministerium für Bewaffnung und Munition unterstellt.
  8. a b Rangliste der Kaiserlich Deutschen Marine für das Jahr 1918, Hrsg.: Marine-Kabinett, Mittler & Sohn Verlag, Berlin 1918, S.30
  9. Rangliste der Kaiserlich Deutschen Marine, Hrsg.: Marinekabinett, Ernst Siegfried Mittler und Sohn, Berlin 1914, S.137