Walter Kohut

Walter Kohut (auch: Walter Kohout; * 20. November 1927 in Wien; † 18. Mai 1980 in Innsbruck) war ein österreichischer Schauspieler.

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Leben

Kohuts herausragende Fähigkeit bestand darin, zwielichtige oder schäbige Charaktere facettenreich und ausdrucksstark zu interpretieren. Kohut war ein gefragter Darsteller in diesem vielschichtigen Rollenfach und verkörperte Macho-Kleinkriminelle, Zuhältertypen („Wife-Beater“) oder Rechtsradikale in einer ihm eigenen, äußerlich zurückhaltenden Art der Darstellung. Hinter dieser Fassade ließ er häufig eine unterdrückte oder latente Gewalttätigkeit erahnen, die den von ihm dargestellten Figuren abgründige Tiefe verlieh. Berühmt wurde seine Darstellung des Franz Moor in Friedrich Schillers Die Räuber (1959) in der Regie von Gustav Manker am Wiener Volkstheater und sein Alfred in Ödön von Horváths Geschichten aus dem Wiener Wald (1961) im Fernsehen (Regie: Erich Neuberg).

Der Schauspieler erlitt während der Dreharbeiten zu dem Film Panische Zeiten am 14. Jänner 1980 einen Kreislaufkollaps, fiel daraufhin ins Koma und starb wenige Monate darauf, ohne das Bewusstsein wiedererlangt zu haben.[1]

Kohut war in erster Ehe mit der Schauspielerin Elfriede Irrall und in zweiter Ehe mit der Schauspielerin Immy Schell, der Schwester von Maria Schell, verheiratet. Er ruht auf dem Friedhof Mauer in Wien neben seiner Frau.

Theater

Gemeinsam mit Helmut Qualtinger, den er im Zweiten Weltkrieg bei den Flakhelfern kennengelernt hatte, gründete Kohut 1944 in Wien die „Mozart-Bühne“. Erste Premiere war „Nur keck“ von Johann Nepomuk Nestroy.

Kohut war nach dem Zweiten Weltkrieg am Wiener Volkstheater engagiert und spielte dort 1947 als 20-Jähriger an der Seite von Oskar Werner den Arthur in Verwirrung der Jugend von Eugene O’Neill (Regie: Günther Haenel), den Stiefsohn Adolf in Johann Nestroys Zu ebener Erde und erster Stock (Regie: Gustav Manker, 1948), und unter der Direktion von Leon Epp ab 1952 den Kubich in Der Prozeß nach Franz Kafka (Regie: Leon Epp, 1952), und in den folgenden Jahren unter Gustav Mankers Regie den melancholischen Sohn Guido in Johann Nestroys Das Haus der Temperamente (1953), Julius Fint in Johann Nestroys Mein Freund (1955), Nachtkellner Rocky Pioggi in der österreichischen Erstaufführung von Eugene O’Neills Der Eismann kommt (1955), Der Heutige in Max Frischs Die Chinesische Mauer (1956), den Tischler Leim in Johann Nestroy Der böse Geist Lumpazivagabundus (mit Fritz Muliar und Harry Fuss, 1957), Jimmy Porter in der österreichischen Erstaufführung von John Osbornes Blick zurück im Zorn (1958) und Napoleon Bonaparte in Hermann Bahrs Josephine (mit Blanche Aubry, 1959).

1959 feierte Walter Kohut als Franz Moor in Friedrich Schillers Die Räuber unter Gustav Mankers Regie seinen größten Erfolg. Nach Zwistigkeiten wegen einer abgelehnten Rolle wechselte Kohut 1960 ans Theater in der Josefstadt, wo er bis 1963 Ensemblemitglied war.[2] Er verkörperte dort u. a. den Glumow in Alexander Ostrowskis "Junger Mann macht Karriere" (1961), den Chris Keller in Arthur Millers "Alle meine Söhne" (1961), den Hugo in Jean-Paul Sartres "Die schmutzigen Hände" (1961) und den Signor Ponza in Luigi Pirandellos "So ist es - ist es so?" (1962). 1962 spielte er noch am Wiener Raimundtheater den Valentin in Ferdinand Raimunds Der Verschwender (mit Hilde Sochor als Rosa), inszenierte selbst im Theater an der Wien Johann Nestroys Der böse Geist Lumpazivagabundus mit Fritz Holzer als Knieriem, Georg Trenkwitz als Zwirn und Peter Gruber als Leim und zog sich dann gänzlich vom Theater zurück.

Hans Weigel schrieb über Kohut in einer Kritik: „Walter Kohut... so famos, daß dieses Wort schon fast lästerlich klingt, da kein Superlativ übertrieben wäre. ‚Ich hab noch den Kohut gesehen‘ werden unsere Kinder ihren Enkeln mit bewegter Stimme erzählen." [3] und 1957 hiess es im Bild-Telegraf zu Nestroys Der böse Geist Lumpazivagabundus am Volkstheater: Walter Kohut als Leim „rückt von Gnaden der Darstellung eine blasse Randfigur ins Zentrum und gewinnt ungeahnte Perspektiven.“[4]

Film und Fernsehen

Sein Leinwanddebüt hatte Kohut bereits 1949. Ab 1961 war Kohut dann bis zu seinem Tod in zahlreichen Filmproduktionen – oft als einer der Hauptdarsteller – zu sehen.

Besonders bekannt geworden ist er durch seinen Part in dem Film Supermarkt (1973), für den er 1974 den Deutschen Filmpreis erhielt.

In dem international starbesetzten Kriegsepos Die Brücke von Arnheim (Regie: Richard Attenborough) spielte er neben Maximilian Schell und Dirk Bogarde die Rolle des deutschen Generalfeldmarschalls Walter Model.

1978 spielte er unter Peter Patzaks Regie den Wiener Gemüsehändler Karl Kassbach in Kassbach (Drehbuch: Helmut Zenker, nach seinem Roman Kassbach oder Das allgemeine Interesse an Meerschweinchen), Mitglied der rechtsextremistischen Organisation „Initiative“, die zahlreiche kleinere Anschläge im Wiener Raum plant und durchführt.

Im Fernsehen trat Kohut häufig in populären Krimiserien auf, wie Der Kommissar, Tatort („Der Feinkosthändler“) und in der Folge „Drohbriefe“ der Fernsehserie Kottan ermittelt (Regie: Peter Patzak).

Berühmt wurde seine Darstellung des Alfred in der Fernsehverfilmung von Ödön von Horváths Geschichten aus dem Wiener Wald an der Seite von Hans Moser, Helmut Qualtinger und Johanna Matz (Regie: Erich Neuberg, 1961).

Filmografie (Auswahl)

Tonaufnahmen

Die Unbekannte aus der Seine von Ödön von Horváth (mit Hans Putz, Hans Frank, Hilde Sochor, Otto Schenk, Kurt Jaggberg, Lona Dubois u. a.)

1965 sprach Kohut für den NDR in Arthur Schnitzlers Anatol neben Michael Heltau als Anatol die Rolle des Max.

Kohut nahm auch Texte des Marquis de Sade auf Schallplatte auf.

Einzelnachweise

  1. Kay Weniger: Das große Personenlexikon des Films, Band 4, S. 436, Berlin 2001
  2. Weigel, Hans: 1001 Premiere. Wien 1982, S. 49. Laut Weigel handelte es sich um eine Rolle in einem Stück von Anton Wildgans, zu dem er aber keine genaueren Angaben macht. Die Verweigerung hatte die fristlose Entlassung zur Folge, an einer anderen Stelle (S. 348) spricht Weigel aber davon, daß Walter Kohut nach dem Vorfall freiwillig vom Volkstheater weggegangen wäre.
  3. http://www.zeit.de/1961/41/kritiker-aus-liebe/seite-2
  4. Der Theatermann Gustav Manker. Spurensuche. Amalthea, Wien 2010 ISBN 978-3-85002-738-0

Weblinks