Walther Rode

Walther Rode (ursprünglich Rosenzweig; * 9. April 1876 in Czernowitz, Bukowina; † 12. August 1934 in Comologno, Tessin, Schweiz) war Rechtsanwalt und Schriftsteller.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Aus großbürgerlichem, assimiliertem Elternhaus stammend, empfing er erste literarische Anregungen von seinem Vater Leon Rosenzweig (1840-1914) Bankier, Gemeinderats-, später Reichsratsabgeordneter, der Theaterstücke und Erzählungen verfasste. Studium der Rechtswissenschaften in Czernowitz, Fortsetzung des Studiums in Wien, wo er im Jahr 1900 zum Dr. jur. promoviert wurde und sich nach Absolvierung einer Ausbildungszeit in Wien als Rechtsanwalt niederließ. Um 1900 Änderung des Familiennamens auf Rode. Verteidiger in aufsehenerregenden politischen Prozessen. Seine Justizerfahrungen machen bald einen erbitterten Gegner verknöcherten Beamtentums und menschenverachtender Justiz aus ihm und führen zu ersten satirischen Pamphleten. Im Ersten Weltkrieg als Verteidiger und Ermittlungsrichter bei einem Kriegsgericht in Laibach/Ljubljana zu Kriegsdienst einberufen, versucht er den Terror der k.k. Militärjustiz zu lindern. Rückkehr nach Wien 1915, als er aus gesundheitlichen Gründen aus dem Militärdienst entlassen wird. Als Mitglied der vom Großkaufmann Julius Meinl II. mitbegründeten „Österreichischen Politischen Gesellschaft“ Bemühungen um einen raschen Verständigungsfrieden. Erster Konflikt mit dem „Obersten Gerichtshof“, dem er „bewußte Gesetzesverletzung, Rechtshohn und Willkür“ vorwirft. Die Disziplinarrichter sprechen ihn frei.

Verstärkte publizistische Tätigkeit, so an der pazifistisch-demokratischen Zeitschrift „Der Friede“, bald auch an weiteren Wiener Zeitungen ( „Der Morgen“, „Der Tag“, „Neue Freie Presse“, „Neues 8-Uhr-Blatt“, „Arbeiterzeitung“ u.a.). Hierdurch ergeben sich freundschaftliche Beziehungen zu publizistisch tätigen Schriftstellern wie Kurt Tucholsky, Anton Kuh, Leo Perutz, Roda Roda, Franz Blei, Joseph Roth und Rudolf Olden. Es erscheinen mehrere Bände mit Sammlungen seiner Vorträge und Zeitungsbeiträge. Im Jahr 1925 neuerlicher Konflikt mit dem Obersten Gerichtshof, den er in einem Zeitungsartikel wegen der Bestätigung eines Fehlurteils in einem Mordprozeß scharf geißelt. Als Beleidiger des Obersten Gerichteshofes vor ein Geschworenengericht gestellt, verteidigt er sich glänzend und wird neuerlich freigesprochen.

Eine bittere Satire gegen das Beamtentum führt zum Boykott seiner Anwaltskanzlei durch die empörte Beamtenschaft. 1928 gibt er die Advokatur auf und geht in die Schweiz, wo er vom „Prager Tagblatt“ zum Korrespondenten beim Völkerbund in Genf bestellt wird. Daneben intensive publizistische und literarische Tätigkeit für die „Weltbühne“, "Das Tage-Buch“ und zahlreiche Tageszeitungen. Er gibt Bücher mit der Quintessenz seiner Justizerfahrungen („Justiz“), seiner Völkerbund-Berichte („Frieden und Friedensleute“) und ein satirisch gemeintes „Lesebuch für Angeklagte“ („Knöpfe und Vögel“) heraus. Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten in Deutschland beginnt er sofort den publizistischen Kampf gegen Rassismus, Unterdrückung und Barbarei durch sein Buch „Deutschland ist Caliban“ und die Mitarbeit an führenden Zeitschriften des antifaschistischen Exils „Die Sammlung“, „Das Neue Tage-Buch“ und „Die Neue Weltbühne“. Er verkehrt im Kreis um den Zürcher Rechtsanwalt Wladimir Rosenbaum und dessen Frau Aline Valangin, beide tatkräftige Unterstützer des literarischen Exils, in deren Haus im Tessin er im August 1934 stirbt. Seine Schriften werden durch die Nationalsozialisten verboten und verbrannt und geraten in Vergessenheit. Sein „Lesebuch für Angeklagte“ wird auch im österreichischen Ständestaat 1937 als „staatsgefährdend“ verboten.

Walther Rode-Preis

Seit 2011 verleiht Medienhaus Wien den Walther Rode-Preis. Diese Würdigung wird journalistischem und publizistischem Schaffen zuerkannt, das sich durch qualitätsvolle und vom tagespolitischen Opportunismus unbeeinflusste Haltung ausweist. Die Preisträger werden von dessen Gründungsgesellschaftern Andy Kaltenbrunner, Matthias Karmasin, Daniela Kraus, Alfred J. Noll, Astrid Zimmermann ausgewählt. Neben dem Preisgeld wird ein Buch mit der Jury-Begründung überreicht, das von Gabriele Lenz, büro für visuelle gestaltung, konzipiert wurde.

Preisträger 2011 war die Redaktion von Diagonal – Radio für Zeitgenossen, Ö1.

Werke

  • Erotische Literatur. Zwei Verteidigungsreden. Wien, 1912.
  • Aus der Wiener Justiz. (Unter dem Pseudonym „Pamphilius“). Wien, 1913.
  • Die Wahrheit und ihre Grenzen vor Gericht. Wien, 1917.
  • Der Fall Petko Peneff und der mündliche Gerichtstag vor dem Kassationshof. Wien, 1917.
  • Nationalitätenkampf und politischer Prozeß im ehemaligen Österreich. Wien, 1919.
  • (Gemeinsam mit Leo Perutz): Die Feldgerichte und das Volksgericht. Wien, 1919.
  • Wien und die Republik. Wien-Leipzig 1920.
  • Justiz, Justizleute und Anderes. Wien, Leipzig, Zürich, o. J. (1921).
  • Gericht über den Obersten Gerichtshof. Wien, 1925.
  • Österreichs fröhliche Agonie. Streitschriften und Pamphlete. Wien, 1926.
  • Österreichs Beamtenpyramide. Wien, 1927.
  • Antrag auf Einleitung der Voruntersuchung wider Dr. Ernst Hauser und Genossen wegen Verbrechen des Mordes. Wien, 1927.
  • Justiz. Fragmente. Berlin, 1929.
  • Knöpfe und Vögel. Lesebuch für Angeklagte. Berlin, 1931.
  • Frieden und Friedensleute. Berlin, 1931.
  • Deutschland ist Caliban. Zürich, 1934.
  • Neuauflage Knöpfe und Vögel. Lesebuch für Angeklagte. Mit einem Essay von Anton Kuh u. einem Nachwort von Gerd Baumgartner. Hrsg. v. Thomas B. Schumann. Hürth, 2000.
  • Werkausgabe in vier Bänden. Hrsg. v. Gerd Baumgartner. Wien, 2007. ISBN 3-85409-444-2.

Literatur

Weblinks