Wasserbehälter Hackenberg

Behälter Hackenberg – Die Vorderfront
Behälter Hackenberg – Die Rückansicht

Der Wasserbehälter Hackenberg ist ein Behälter im Netz der Wiener Wasserversorgung. Er gehört zu den wenigen Wasserbehältern der Stadt, die über ein Pumpwerk (Druckwerk Krottenbachstraße)[1] mit Hochquellwasser versorgt werden müssen. Er steht unter dem Schutz der Haager Konvention zum Schutz von Kulturgut bei bewaffneten Konflikten.

Der Wasserbehälter Hackenberg mit einem Fassungsvermögen von ungefähr 11.600 Kubikmetern wurde zwischen dem 19. Oktober 1908 und Ende Oktober 1910 im Zuge der Errichtung der II. Wiener Hochquellenwasserleitung in rund 295 Metern Seehöhe auf dem Hackenberg (Hackenbergweg) errichtet.

Um die Anlieferung der Baustoffe zu erleichtern, wurde zwischen der Baustelle auf dem Hackenberg und der Krottenbachstraße ein zweigleisiger Schrägaufzug errichtet, der mit einer Geschwindigkeit von 0,5 Metern pro Sekunde eine Höhendifferenz von 61 Metern zu überwinden hatte. Als Antrieb diente ein Lokomobil mit einer Leistung von 10 PS. Zusätzlich trieb dieses Lokomobil einen Dynamo mit 3 PS an, der den Strom für eine Pumpe lieferte, um das für den Bau notwendige Wasser auf den Berg zu fördern. Für den Materialtransport innerhalb der Baugrube wurden ebenfalls Feldbahngleise verlegt, die Güterloren wurden auf den kurzen Strecken entweder mit Pferden gezogen oder häufiger mit menschlicher Muskelkraft bewegt.

Die Pläne für die Schieberkammer, dem äußerlich sichtbaren Teil des wahrscheinlich schönsten Wasserreservoirs der Stadt, wurden vom Architekten Eduard Bodenseher senior des Wiener Stadtbauamts ausgearbeitet[2] Die Baufirma Rella & Co unter der Leitung des Architekten Rudolf Nemetschke übernahm die Planung und Errichtung des mit Erde überschütteten Behälterteils[3], der als Doppelkammerbehälter in Stampfbetonbauweise mit 14 x 8 Jochen ausgeführt wurde. Das Schieberkammergebäude wurde aus teilweise bossierten Granitquadern als neoromanisch-secessionistisches Bauwerk errichtet.

Hinter einem flachen rechteckigen Wasserbecken, das an drei Seiten von einer steinernen Brüstung umgeben ist, liegt etwas erhöht hinter einer dreibogigen Arkade der Zugang zur Schieberkammer. Das Flachdach der Schieberkammer ist als Terrasse ausgelegt und trägt mittig an der Vorderkante ein vierseitiges Belvedere mit abgeschrägten Ecken und einer flachen Steinkuppel. Die Öffnungen sind segmentbogenförmig mit Mittelpfosten ausgeführt. Die Aussichtsterrasse wird mit einer seitlichen, auf Steinpfeilern aufliegenden Pergola abgeschlossen.

Die Eröffnung der Zweiten Kaiser-Franz-Joseph-Hochquellenwasserleitung fand zwar am 2. Oktober 1910 im Wiener Rathaus in Gegenwart von Kaiser Franz Joseph I. statt, trotzdem zeigt das gezeichnete Titelbild der ‚Illustrierten Kronen-Zeitung’ vom Samstag, dem 3. Dezember als Hintergrund des historischen Ereignisses unter anderem auch die charakteristische Silhouette des Behälters Hackenberg.

Im September und Oktober 2002 war der Wasserbehälter Hackenberg Drehort für Teile einer Folge der Fernsehreihe „Kommissar Rex“ mit Elke Winkens und Alexander Pschill.[4]

Fußnoten

  1. ’’BASSENA Mitarbeiterinformation der Wiener Wasserwerke, Mai 2004’’
  2. Eduard Bodenseher. In: Architektenlexikon Wien 1770–1945. Herausgegeben vom Architekturzentrum Wien. Wien 2007.
  3. Rudolf Nemetschke. In: Architektenlexikon Wien 1770–1945. Herausgegeben vom Architekturzentrum Wien. Wien 2007.
  4. ’’BASSENA Mitarbeiterinformation der Wiener Wasserwerke, Dezember 2002’’

Literatur

  • Die Zweite Kaiser-Franz-Josef-Hochquellenleitung der Stadt Wien – Eine Gedenkschrift zum 2. Dezember 1910, Gerlach & Wiedling, Kommissionsverlag der Gemeinde Wien
  • Die Wasserwerke der Stadt Wien 1927, Druck „Thalia“ (Josef Schweinberger), 1930, Wien
  • Josef Donner: Dich zu erquicken, mein geliebtes Wien … - Geschichte der Wiener Wasserversorgung von den Anfängen bis 1910, Norka Verlag Dr. Norbert Kastelic, ISBN 3-85126-25-2 (formal falsche ISBN)
  • DEHIO Wien – X. bis XIX. und XXI. bis XXIII. Bezirk, Anton Schroll & Co, Wien, 1996, ISBN 3-7031-0693-X
  • Manfred Hohn: Feldbahnen beim Bau der Wiener Hochquellenleitungen – Eisenbahnen beim Bau der I. und II. Wiener Hochquellenleitungen, dem Schneealpenstollen, der Pfannbauernquelle-Überleitung und dem Wasserleitungskraftwerk Gaming, Bohmann Druck und Verlag Gesellschaft m.b.H. & Co. KG., Wien, 2007, ISBN 978-3-901983-73-3

Weblinks

48.24972222222216.313333333333Koordinaten: 48° 14′ 59″ N, 16° 18′ 48″ O