Weißenburggegend

Die Weißenburggegend ist ein Ortsteil der niederösterreichischen Marktgemeinde Frankenfels, welcher sich rund vier km vom Ortszentrum befindet und nach der Burg Weißenburg benannt wurde. Nicht zu verwechseln ist diese Gegend mit dem ebenfalls nach der Burg benannten Ortsteil Weißenburg, welcher sich in der Tiefgrabenrotte befindet.

Inhaltsverzeichnis

Lage

Burg Weißenburg am 2. August 2009, fotografiert vom Annakreuz

Die Weißenburggegend befindet sich im Nordosten von Frankenfels, entlang des Weißenbachtales bis zur Mündung in die Pielach, angrenzend im Nordosten an Kirchberg an der Pielach. Im Süden grenzt der Frankenfelsberg (Lehenrotte) an das Weißenbachtal, sowie die Hofstadtgegend und die Pielachleitengegend. Westlich befindet sich, Richtung Plankenstein (Gemeinde Texingtal), die Tiefgrabenrotte.

Geschichte

Die Bezeichnung dieser Gegend leitete sich von der Burg Weißenburg ab. Unterhalb der Burg bildete sich das Dörfl mit der Taverne, einem Meierhof und einer Mühle. Bis 1860 führte der Weg von Kirchberg an der Pielach über zwei Holzbrücken über den Weißenbach zur Taverne und dann über das Annakreuz und Ober-Grub zum Ort Frankenfels[1].

Häuser

In der Weißenburggegend existieren derzeit etwa vierzig Häuser, wobei 17 einen heute großteils nicht mehr verwendeten Flurnamen besitzen.

Liste der Häuser

Anna-Kapelle beim Anna-Kreuz am 2. August 2009

In Klammer ist hier die Wortherkunft angeführt.

  • Weißenburggegend 1: Steingrund bzw. Landgerichtsdienerhäusl (Haus eines Gerichtsdieners)
  • Weißenburggegend 2: Scheibstatthäusl (Lageplatz, wo Holz zu scheiben war)
  • Weißenburggegend 3: Burg Weißenburg
  • Weißenburggegend 4: Saghäusl (Wohnort eines Sägewerkmeisters)
  • Weißenburggegend 5: Brandgrabenhäusl (Häusl der Gehöfte Brandgraben in Kirchberg an der Pielach, welche aufgrund Brandrodungen benannt wurden)
  • Weißenburggegend 6: Unter-Wies (Lage neben einer Wiese)
  • Weißenburggegend 7: Mitter-Wies (siehe Weißenburggegend 6)
  • Weißenburggegend 8: Vorder-Wies (siehe Weißenburggegend 6)
  • Weißenburggegend 9: Jägerhaus (Wohnsitz des herrschaftlichen Jägers)
  • Weißenburggegend 10: Bleichgarten (Bleichung des Flachses, welcher im Haarstubenhäusl erzeugt wurde)
  • Weißenburggegend 11: Untersäge (Herrschaftssäge und -mühle)
  • Weißenburggegend 12: Tavern (Taverne die bis zum 17. Jahrhundert zur Herrschaft bzw. Burg Weißenburg gehörte)
  • Weißenburggegend 13: Hofhäusl (Hof bedeutet hier Herrschaftseigentum)
  • Weißenburggegend 14: Haarstubenhäusl (Hier wurde Flachs gewärmt, damit er vom Stengel gewonnen werden konnte)
  • Weißenburggegend 15: Elendgartenhäusl (Angeblich war hier ein Tiergarten der Weißenburg, in dem Elche gehalten wurden)
  • Weißenburggegend 16: Tavernmühle (Mühle der Weißenburg)
  • Weißenburggegend 17: Schönau (Lage an einer schönen Au)

Das Elendgartenhäusl (Weißenburggegend 15) existiert nicht mehr. An dieser Stelle war einst die Ladestelle Weißenburg der Mariazellerbahn.

Heute gibt es nur mehr Wohnhäuser und die historischen Flurnamen gehen langsam in Vergessenheit.

Wirtschaft

In der Weißenburggegend wurden neben der Land- und Forstwirtschaft auch andere Gewerbe betrieben. So war in der Weißenburggegend eine Taverne, ein Sägewerk und ein Hufschmied vorhanden. Später wurden Dachzielgel gefertigt. Eine Holzstielerzeugung übersiedelte um 1930 von der Weißenburggegend 2 in die Tiefgrabenrotte 23.

Sonstiges

Zwischen der Taverne und der Weißenburg befindet sich das 1708 errichtete und später zur Kapelle umgewandelte Annakreuz[2].

Um 1930 wurde im Gemeinderat darüber diskutiert, eine eigene Schule im Weißenbachtal zu errichten[3].

Die Taverne wurde als Gasthaus um 1975 geschlossen. Es gibt aber seit dem 19. Jahrhundert das Gasthaus Schönau (Weißenburggegend 17), welches noch heute im Betrieb ist.

Noch heute ist folgender Spruch bekannt: Der Weißenbach fängt im Elend an und hört in der Not auf. Gemeint sind dabei die Häuser Elendgarten (Weißenburggegend 15) und Not (Wiesrotte 11)[4].

Einzelnachweise

  1. Franz Xaver Schweickhardt: Darstellung des Erzherzogthums Österreich unter der Ens, Viertel Ober-Wienerwald (heute etwa Mostviertel), 7. Band: Schwerbach-Gegend (Herrschaft Kirchberg) bis Weissenbach, Wien 1837, Seite 21
  2. Ortsbauernrat Frankenfels (Hubert Größbacher) (Hrsg.): Frankenfelser Flurdenkmäler. Frankenfels um 1995
  3. Bernhard Gamsjäger: Frankenfelser Häuserbuch, Frankenfels 1987, Seite 450
  4. Bernhard Gamsjäger: Frankenfelser Häuserbuch, Frankenfels 1987, Seite 422

Literatur

  • Franz Xaver Schweickhardt: Darstellung des Erzherzogthums Österreich unter der Ens, Viertel Ober-Wienerwald (heute etwa Mostviertel), 7. Band: Schwerbach-Gegend (Herrschaft Kirchberg) bis Weissenbach, Wien 1837 (Online-Version)
  • Bernhard Gamsjäger: Frankenfelser Häuserbuch, Frankenfels 1987
  • Ortsbauernrat Frankenfels (Hubert Größbacher) (Hrsg.): Frankenfelser Flurdenkmäler. Frankenfels um 1995
  • Bernhard Gamsjäger und Ernst Langthaler (Hrsg.): Das Frankenfelser Buch. Frankenfels 1997