Welser Heide

Der Regensburger Zwergginster ist Teil der ursprünglichen Heidevegetation

Als Welser Heide bezeichnet man ein Gebiet in Oberösterreich, das etwa von Lambach bis Hörsching im Unterlauf der Traun liegt. Die Welser Heide mit dem Hauptort Wels ist heute relativ dicht besiedelt.[1]

Ursprünglich bestand die Welser Heide aus trockenen Schotterfeldern und Niederterrassen. Durch jahrhundertelange Schlierdüngung wurde die Gegend fruchtbar gemacht. Dieser Prozess wurde in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhundert abgeschlossen. Über die ursprüngliche Pflanzenwelt können somit nur mehr Vermutungen angestellt werden. Im Bereich der Ortschaft Eben in der Nähe von Wels existiert ein kleines Naturschutzgebiet, das letzte Reste der ursprünglichen Welser Heide enthält. Hier gedeihen Pflanzen, die sonst im pannonischen Gebiet (Wien, Niederösterreich, Burgenland) verbreitet sind.[2]

Inhaltsverzeichnis

Geologie

Die in unseren heutigen Kalkalpen gut rekonstruierbare Ablagerungsfolge, welche später auch Auswirkungen auf die Beschaffenheit des fruchtbaren Lehm-Löss-Bodens hatte (jener bedingt die recht frühe Besiedelung der Welser Heide), setzt bereits ein im auslaufenden Erdaltertum (Mesozoikum) mit Salz und Gips aus flachen Lagunen des damals das „oberösterreichische“ Landschaftsbild beherrschende Tethysmeeres. (ca. 150 Mio – 70 Mio Jahre v. Chr.)

Im Laufe der Triaszeit folgten sandige, tonige und kalkreiche Ablagerungen in Verbindung mit Korallenriffen, wobei auch die mehrere tausend Meter mächtigen Kalksteinpakete der Kalkhochalpen (Dachsteinmassiv, Totes Gebirge) sowie die der Wettersteinkalkalpen (Höllengebirge, Traunstein, Haller Mauern, Niedere Voralpen) entstanden.

Die weite Schotterfläche der Welser Heide, dahinter Linz und die sich abrupt aufbauende Böhmische Masse (Mühlviertel, Pfenningberg)

Von der Kreidezeit an, die Gebirgsbildung bedingend, wurde dann der einst gegen 1000 Kilometer breite Meeresboden immer wieder eingeengt, so dass diese ehemals weit südlich ihrer heutigen Position abgelagerten Gesteinsmassen gefaltet, weit nach Norden verfrachtet und übereinander geschoben wurden. Dabei tauchte der Südrand der bereits erstarrten Böhmischen Masse (heute Mühlviertel, Waldviertel) in die Tiefe, so dass hier in der Kreidezeit zwischen dem Dachsteinkalk und dem heutigen Granit- und Gneishochland ein Meerestrog entstand, in dem sich Gesteine (Sandsteine und Mergel) der heute den Alpenrand bildenden Flyschalpen ablagerten. (70 Mio – 65 Mio Jahre v. Chr.)

Erst im Känozoikum (Erdneuzeit) erhielten die Alpen annähernd deren Antlitz, welches sie heutzutage aufweisen. Immer wieder stieß der Tethys-Ozean vor und zog sich wieder zurück. Jene Pegelschwankungen schwemmten eine große Masse an Feinsedimet in die Flurlandschaft der damaligen, von jenem Meer durchspülten, oberösterreichischen Kalkalpen, welches den „Meerestrog“ dieser Übergangsszohne des Dachsteinkalkes zur Böhmischen Masse (die Küste erstreckte sich damals im Raum Linz von Aschach über Ottensheim und Urfahr bis nach Mauthausen) stetig mit der sogenannten „Molasse“ (Schotter, Lem-Löss-Schlick) auffüllte und somit langsam einebnete, bevor sich dieses Tethysmeer endgültig zurückziehen sollte. (65 Mio – 17 Mio Jahre v. Chr.)

Von nun an wurde das Gebiet der Heide im heutigen Raum Wels nur mehr durch die mächtigen Gletscher der nun folgenden Eiszeiten (ab 2,5 Mio Jahre v. Chr.) modelliert, sowie durch die geringfügige, aber stetig nagende Erosion des Bachnetzes, welches das Tethysmeer bei seinem letzten Rückzug hinterließ (heutige Traunauen & Traunfluss). Immer wieder stießen die eiszeitlichen Gletscher über die Alpenränder hervor bis in das Gebiet der Welser Heide, was unter Anderem zur Bildung der sogenannten Traunterassen führte. Ebenfalls beförderten (und befördern) die Bäche und die sich immer stärker herausbildenden Flüsse (Traun, Donau) eine große Masse an Schotter und abgetragenem Feinsediment der Kalkalpen in die vorgelagerten Ebenen.

Die Gletscher der letzten Kaltzeit, der Würmeiszeit, mit ihrem Höhepunkt vor 20.000 Jahren, stießen dann gerade noch bis in die großen Seebecken am Alpenrand vor (der „Traungletscher“ hatte zu dieser Zeit etwa auf der Höhe Gmunden seine Endmoräne ausgebildet). Im Bereich der heutigen Welser Heide herrschte in diesem Zeitraum bereits Tundra und Kaltsteppe mit einer diesen Verhältnissen angepassten Tierwelt wie Mammut, Wollnashorn, Riesenhirsch, Steppenwisent, Rentier und Höhlenbär. Auch der Mensch durchstreifte zu dieser Zeit bereits dieses Land und drang bei seinen Jagdzügen tief ins Gebirge vor.

Vor etwa 12.000 – 10.000 Jahren breiteten sich wieder großräumig Holzgewächse aus, bis der Mensch in der Jungsteinzeit (Neolithikum) zunehmend sesshaft wird und damit aktiv in die natürliche Entwicklung und in die Ausbreitung der nacheiszeitlichen Wälder eingreift.[3]

Eine archäologisch eruierte Besiedelungsgeschichte

Die Welser Heide zählt aufgrund ihrer Fruchtbarkeit (Lehm-Löss-Schlick) zu den am längsten besiedelten Landschaften Oberösterreichs. Die ersten menschlichen Spuren führen tief in die Steinzeit zurück.

Folgend wird anhand von Auszügen der archäologischen Grabungen im Bereich der Welser Heide ein Überblick über die urgeschichtliche Besiedelung gegeben.[4]

Leondine (ca. 4.500 – 4.300 v. Chr.)

Das Grab der "Leondine" aus der dreiphasigen neolithischen Siedlung bei dem heutigen Polizeiposten Leonding (ca. 4500-4300 v. Chr.) zählt zu den ältesten Bestattungen Oberösterreichs. Bei der Ausgrabung 1994 konnten reiche und zum Teil auch ungewöhnliche Beigaben, wie Keramik, Schmuck und Steingeräte, dokumentiert werden.[5]

Jungsteinzeitlicher Fund von Niederperwend (ca. 2.500 v. Chr.)

Beim Ausheben eines Apfelbaumes beim Beitelmayrgut bei Marchtrenk stieß man auf eine aus dem späten Neolithikum stammende Abfallgrube. Der Fund umfasste Gefäßscherben und Werkzeuge, Schöpflöffel, Steinbeile, Pfeilspitzen und Hüttenwandreste. Solche gemischte Funde weisen auf eine nahe beständige Siedlung hin. Die Menschen wurden zu dieser Zeit sesshaft und bevorzugten vor Allem im Bereich der Steppe und Tundra leicht erhaben gelegene Orte, um ihre „Sippenhöfe“ zu errichten. Dieser Fund ist teilweise im Stadtmuseum Wels ausgestellt.[6]

Spätneolithische Funde von Rutzing – Haid (ca. 2.500 v. Chr.)

In Rutzing wurde neben einem Gräberfeld mit 24 Körpergräbern und Grabbeigaben auch ein Schuhleistenkeil gefunden. Ebenfalls konnte nahe dem Gräberfeld ein zeitgleicher Wohnplatz durch weitere Funde nachgewiesen werden. In der Ortschaft Neubau fand man Steinbeile, in Haid ein Lochbeil, in Holzleiten und in Öhndorf einen Steinhammer.[7]

Bronzezeitliche Hockergräber in Leithen - Holzleithen 
(ca .1.500 v. Chr.)

Beim Anlegen von Schottergruben 1957 wurde südlich der Bundesstraße in Leithen ein großes bronzezeitliches Hockergräberfeld 
mit umfangreichen Grabbeigaben entdeckt, das 
sich über Holzleithen noch weiter nach Osten ausbreitet. Die zugehörige Wohnsiedlung wird in Leithen vermutet.[8]

Frühhallstattzeitliche Hügelgräber am Flugfeld Wels (ca. 1.000 – 900 v. Chr.)

Im Jahr 1939 stieß man bei dem Ausbau des Flugplatzes Wels auf 70 Grabformen mit zahlreichen Funden. Die Urnen waren leider bereits beinahe ausnahmslos von Planierraupen beschädigt, die Position der Gräber teilweise nur mehr durch Bodenverfärbungen feststellbar. Eine Untersuchung von gefundenen Holzresten ergab den Nachweis von Stieleiche und Zirbelkiefer. Die Funde sind teilweise im Welser Stadtmuseum einsehbar.[9]

Hallstattzeitliche Funde entlang der Bundesstraße 1 in Neubau (ca. 800 – 400 v. Chr.)

Zahlreiche keltische Funde konnten entlang der heutigen Bundesstraße 1 beim Neubau ab 2005 systematisch geborgen werden und zeigen, dass die Besiedelung in der Welser Heide auch in der Eisenzeit dauerhaft war. Die feste, schotterige, ebene Heide, das leicht erreichbare Ufer 
und Wasser der Traun, der Fischreichtum der Traun sowie der Heidebäche ließen trotz der Kargheit des Bodens erfolgreiches Wirtschaften zu.[10]

Der Beginn der Römerzeit in Noricum (ca. 15 v. Chr.)

Nach der verheerenden Ausmerzung der französischen Kelten (Gallier) ging mit dem Ende der La-Tène-Zeit (ca. 400 – 15 v. Chr.) der Zusammenschluss Noricum (Oberösterreich, Salzburg, teilw. Niederösterreich, teilw. Kärnten, teilw. Steiermark, teilw. Bayern) beinahe kampflos ins Römische Reich über. Die Donau stellte die nasse Grenze zu den nördlichen Völkern, den Germanen dar. Auch südlichere Verteidigungswälle wurden errichtet. Das ehemals keltische Willabs (Wels) wird durch die günstige Lage und seine Brücke zum pulsierenden Handelsknotenpunkt Ovilava. In dieser Zeit wurden erste feste Straßen schnurgerade durch die Welser Heide gezogen. Die Trassen einiger solcher Reichsstraßen werden heute noch genutzt (z. B. Bundesstraße 1 Wels–Linz, Römerstraße Wels, teilw. Bundesstraße Wels–Lambach, Römerstraße Pasching/Leonding, Bundesstraße Wels–Buchkirchen)[11]

Die Welser Heide – Von der Römerzeit bis Heute

Die heute stark bebaute Welser Heide, vom Thalheimer Reinberg aus gesehen

Durch die immer großflächigere Bebauung und die breiträumigen, als landwirtschaftliche Flächen genutzten Areale mutete das Gebiet zwischen Lambach, Wels und Linz immer strukturierter an. Ebenfalls überzog eine zunehmend dicke, fruchtbare Humus-Schlick-Schicht (Viehhaltung, Düngung, allg. Landwirtschaft) den ehemals teilweise kargen, schotterigen Boden der Welser Heide. Flüsse (Traunfluss) und Bäche wurden immer mehr zusammengefasst und begradigt, so wurden ehemalige Sumpfgebiete trockengesetzt, und für den Ackerbau nutzbar gemacht. Ebenfalls wurden die nun mehr Wasser führenden Bäche langsam zur Mühlung genutzt (z.B. Mühlbach in Wels).

Straßen wurden immer weiter ausgebaut, es entstanden zunehmend wachsende Häuseransammlungen in günstiger Lage (Marchtrenk, Hörsching, Pasching, etc.). Besonders die heutige Bundesstraße 1, die bis in die Monarchie als Reichsstraße bekannt war, kurbelte Handel und später Wirtschaft an.

Die letzte durchgehend erhaltene, ursprüngliche Fläche der Welser Heide stellt mit beachtlicher Größe der Flugplatz Wels dar. Doch auch dieses schützenswerte Areal, auf dem der gefährdete Große Brachvogel (Numenius Arquata) brütet, ist heutzutage von der Ausweitung des südöstlich angrenzenden Welser Industriegebietes bedroht und es zeichnet sich ab, dass dieses Refugium nicht mehr lange Zeit in dieser Form bestehen bleibt. Heutzutage sichert ein Vertrag der Weißen Möwe (Fliegerclub Wels) den Fortbestand dieses Brachlandes in Form eines Segel- und Motorflughafens bis Ende 2030, jedoch wird diese schriftliche Vereinbarung aktuell von der Stadt Wels angefochten, um eine Expansion des bestehenden, südwestlich angrenzenden Industriegebietes zu ermöglichen.[12]

Siehe auch

Einzelnachweise

  1. Harald Kutzenberger. Die Welser Heide - eine alte Kulturlandschaft in Dynamik. Überlegungen zum regionalen Raumordnungsprogramm. In: Oberösterreichische Heimatblätter 50(1996)1, S. 3-27 (Digitalisat)
  2. Carl Gottfried Heinsse. Linz und seine Umgebungen: mit einem Überblicke der merkwürdigsten Städte (1812), S.159ff (books.google.com)
  3. Rudlolf Lehr: LandesChronik Oberösterreich, Rubrik "Geologie in Oberösterreich", Verlag Christian Brandstätter, Wien, S. 31
  4. Landesarchiv Linz: "1200 Jahre Hörsching", Stadtmuseum Wels, Elektronisches Heimatbuch der Stadt Marchtrenk, Überblick
  5. Stadtmuseum Leonding: Körperskelett ‚Leondine' – stumme Zeitzeugin, OÖ Museumsverbund
  6. Landesarchiv Linz: "1200 Jahre Hörsching", Stadtmuseum Wels, Elektronisches Heimatbuch der Stadt Marchtrenk, Überblick
  7. Linz-Land.at: Regionalforum Linz, Frühgeschichte von Hörsching
  8. Landesarchiv Linz: "1200 Jahre Hörsching", Stadtmuseum Wels, Elektronisches Heimatbuch der Stadt Marchtrenk, Überblick
  9. Kurt Holter/Wilhelm Rieß: Stadtmuseum Wels/Katalog, Vorgeschichte. S.31
  10. Landesarchiv Linz: "1200 Jahre Hörsching", Stadtmuseum Wels, Elektronisches Heimatbuch der Stadt Marchtrenk, Überblick
  11. Hepp Markus: Besiedelungsgeschichte der Welser Heide
  12. Hepp Markus: Besiedelungsgeschichte der Welser Heide