Wenzel Jaksch

Wenzel Jaksch (* 25. September 1896 in Langstrobnitz, Böhmen; † 27. November 1966 in Wiesbaden) war ein sudetendeutscher sozialdemokratischer Politiker.

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Leben und Beruf

Als 14-jähriger verließ Jaksch die Schule und arbeitete als Saisonarbeiter auf dem Bau in Wien. Eine höhere Schulbildung blieb ihm versagt. Im heutigen Wiener Bezirk Ottakring erlernte er ab 1910 das Maurerhandwerk und schloss sich dem Verband jugendlicher Arbeiter an. Im Ersten Weltkrieg wurde er schwer verwundet. Anschließend arbeitete er als Journalist für die deutsche Sozialdemokratie in der Tschechoslowakei. Er war Redakteur der in Prag erscheinenden Zeitung der Deutschen sozialdemokratischen Arbeiterpartei in der Tschechoslowakischen Republik (DSAP) (Sozialdemokrat). Im Jahre 1924 wurde Jaksch in den Parteivorstand der DSAP gewählt, 1938 wurde er deren letzter Parteivorsitzender.

Nach dem Einmarsch des nationalsozialistischen Deutschland in seine Heimat musste er als Sozialdemokrat emigrieren und ging zuerst nach Polen, nach dem Ausbruch des Zweiten Weltkrieges nach London, wo er zur sozialdemokratischen Treuegemeinschaft gehörte. Er vertrat hier ab 1939 die Interessen der Sudetendeutschen gegenüber der tschechoslowakischen Exilregierung. In London traf er wiederholt mit Edvard Beneš zusammen, erstmals am 3. August 1939 und versuchte den bereits erkennbaren Bestrebungen entgegenzuwirken, die deutschstämmige Bevölkerung nach dem Krieg aus der Tschechoslowakei zu vertreiben. Dies misslang und führte bereits während des Krieges zu einem Zerwürfnis der beiden Politiker.

Nach dem Krieg ging Jaksch aus dem britischen Exil nach Westdeutschland. Von 1950 bis 1953 leitete er in Hessen das Landesamt für Vertriebene, Flüchtlinge und Evakuierte. Von 1964 bis zu seinem Tode war er Präsident des Bundes der Vertriebenen, nachdem er bereits seit 1961 Vizepräsident der Sudetendeutschen Landsmannschaft gewesen war. Er war neben Reinhold Rehs, der später zur CDU übertrat, der bisher einzige Sozialdemokrat in diesem Amt. Sein politisches Wirken in der Bundesrepublik Deutschland war geprägt von seinem Engagement für die Heimatvertriebenen. Außerdem war er Präsident der Deutschen Stiftung für Europäische Friedensfragen.

Am 27. November 1966 kam er bei einem Verkehrsunfall ums Leben.

Die sozialdemokratische Seliger-Gemeinde gedachte ihres Gründungsmitglieds am 16. September 2006 mit der Wenzel-Jaksch-Gedächtnisfeier im Sudetendeutschen Haus in München.

Partei

1913 schloss Jaksch sich der österreichischen SDAP an. Nach 1918 gehörte er der Deutschen Sozialdemokratischen Arbeiterpartei (DSAP) in der Tschechoslowakei an. Vor 1933 gelang es ihm, viele der Sudetendeutschen gegen die Sudetendeutsche Heimatfront von Konrad Henlein einzunehmen. Bekannt wurde er dort vor allem wegen seiner Opposition gegen Adolf Hitler in den 1930er Jahren. Im März 1938 wurde er als Nachfolger von Ludwig Czech Vorsitzender der DSAP.

Nach dem Zweiten Weltkrieg schloss Jaksch sich der SPD an und übernahm 1949 deren zentrale Flüchtlingsbetreuung. Im Bundestagswahlkampf 1961 gehörte er zur SPD-Regierungsmannschaft, die Erich Ollenhauer am 25. November 1960 in Hannover für den Fall einer Regierungsübernahme vorgestellt hatte. Er war als Bundesvertriebenenminister vorgesehen.

Jaksch leitete von 1951 bis zu seinem Tode außerdem die Seliger-Gemeinde (Gesinnungsgemeinschaft sudetendeutscher Sozialdemokraten), das sozialdemokratische Gegenstück zur katholisch-konservativen Ackermann-Gemeinde.

Abgeordneter

Von 1929 bis 1938 war Jaksch Abgeordneter im tschechoslowakischen Abgeordnetenhaus. Von 1953 bis zu seinem Tode war er Mitglied des Deutschen Bundestages.

Ehrungen

Jaksch war Träger des Großkreuzes mit Stern des Bundesverdienstkreuzes und der Ehrenplakette des Bundes der Vertriebenen. Er wurde außerdem mit dem Ehrenbrief der Sudetendeutschen Landsmannschaft und der Rudolf Lodgmann-Plakette ausgezeichnet.

Nach Jaksch ist der Wenzel-Jaksch-Preis der Seliger-Gemeinde (Gesinnungsgemeinschaft sudetendeutscher Sozialdemokraten) benannt.

Zu Ehren seiner Person sind Straßen in Wiesbaden (in der er selbst gewohnt hat), Nauheim, Bad Vilbel und Griesheim nach ihm benannt worden.

Im 16. Wiener Gemeindebezirk Ottakring erinnert eine Gedenktafel in der Lindauergasse 34-36 an den großen Sozialdemokraten.

Veröffentlichungen von Wenzel Jaksch

  • Was kommt nach Hitler?, in: Jitka Vondrová, Češi a sudetoněmecká otázka, 1939
  • Can industrial peoples be transferred? - The future of the Sudeten population, Executive of the Sudeten Social Democratic Party (Herausg.), London 1943
  • Mass transfer of minorities, Aufsatz in: Socialist commentary (4 S.), London, ca. 1944
  • Sudeten labour and the Sudeten problem - a report to international labour, Herausg.: Executive of the Sudeten German Social Democracy Party, London 1945. - 47 S.
  • Wir heischen Gehör - ein wichtiges historisches Dokument für die Wiedergutmachung der völkerrechtswidrigen Ausweisungen; Petition an die Vereinten Nationen / von Wenzel Jaksch (37 S.). München, Verl. "Das Volk", 1948.
  • Sozialdemokratie und Sudetenproblem (15 S.), Frankfurt a. M./Höchst, 1949
  • Der Dolchstoß gegen den Frieden - Untertitel: Richters neue Legende, SPD-Faltblatt, Bonn, ca. 1950
  • Heimatrecht. Anspruch und Wirklichkeit (mit Erich von Hoffmann), Verlag der Altherrenschaft bündischer Studentenverbände, Erlangen 1957.
  • Europas Weg nach Potsdam (533 S.), 1958; 4. Auflage (mit einem Nachruf von Willy Brandt), München 1990, ISBN 3-7844-2304-3. (Das Hauptwerk von Wenzel Jaksch)
  • Der 4. März 1919 und das Elend der deutschen Geschichtsschreibung, Verlag des Münchner Buchgewerbehauses, München 1959.
  • Deutsche Ostpolitik - ein Experiment in Sachlichkeit; in: Die Neue Gesellschaft, Nr. 12/1965, S. 800 - 802.
  • Gedanken zur Ostpolitik, Verlag „Die Brücke“, Hg.: Seliger-Gemeinde, 32 Seiten, ca. 1966

Literatur

  • Martin K. Bachstein: Wenzel Jaksch und die sudetendeutsche Sozialdemokratie. München 1974.
  • Detlef Brandes: Der Weg zur Vertreibung 1938-1945. Pläne und Entscheidungen zum Transfer der Deutschen aus der Tschechoslowakei und aus Polen. München 2001.
  • Edmund Jauernig: Sozialdemokratie und Revanchismus. Zur Geschichte und Politik Wenzel Jakschs und der Seliger Gemeinde. Deutscher Verlag der Wissenschaften, (Ost-)Berlin 1968.
  • Hans-Werner Martin: „… nicht spurlos aus der Geschichte verschwinden“: Wenzel Jaksch und die Integration der sudetendeutschen Demokraten in die SPD nach dem II. Weltkrieg (1945-1949). Lang, Frankfurt am Main 1996.
  • Friedrich Prinz: Benes, Jaksch und die Sudetendeutschen. Stuttgart: Seliger-Archiv, 1975, 76 S.
  • Emil Werner: Wenzel Jaksch. Bonn 1991.

Weblinks