Wien Aspangbahnhof

Bild des Aspangbahnhofs um 1905
Gedenkstein und Transparent anlässlich des 70. Gedenktages am 9. November 2008.

Der Aspangbahnhof war der Ausgangsbahnhof der Aspangbahn in Wien und befand sich im 3. Wiener Gemeindebezirk Landstraße auf den Aspanggründen an der Aspangstraße.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Der 1803 eröffnete Wiener Neustädter Kanal wurde gegen Ende des 19. Jahrhunderts zunehmend als unwirtschaftlich betrachtet. Die Erste österreichische Schiffahrts-Canal-Actiengesellschaft, die den Kanal betrieb, suchte daher 1872 erfolgreich um eine Konzession für den Bau und Betrieb einer Eisenbahnstrecke an, der Aspangbahn. Im Juli 1879 wurde die Schifffahrt im Wiener Stadtgebiet eingestellt und das Wasser im Kanal abgelassen.

Noch im gleichen Jahr wurde das Hafenbecken zugeschüttet und an dessen Stelle von 1880 bis 1881 der Kopfbahnhof der neuen Aspangbahn errichtet. Das Aufnahmegebäude befand sich nördlich der Gleisanlage; es wurde von Franz von Gruber, Professor an der k.u.k. Technischen Militärakademie, im historisierenden Renaissancestil errichtet. Das Bahnhofsgebäude war 97 Meter lang und verfügte über ein sehr modernes Postamt mit Telegrafenamt und Rohrpost; der Perron hatte eine Länge von 160 Meter. Daneben gab es eine Gastwirtschaft mit einem großen Restaurantsaal und einer kleineren Gaststube.

Der Bahnhof hatte eine Fläche von etwa acht Hektar, hatte 7,7 km Gleise und 45 Weichen. 1881 wurde ein Verbindungsgleis zur Wiener Verbindungsbahn eröffnet, sodass der Bahnhof kein Kopfbahnhof mehr war. Die am Bahnhof entlang führende Straße erhielt 1894 den Namen Aspangstraße (zuvor: Am Kanal).

Nach dem Anschluss Österreichs an das Großdeutsche Reich im Jahr 1938 war der Bahnhof bis 1942 Ausgangspunkt für die Deportierungen der jüdischen Bürger Wiens.

Während des Zweiten Weltkrieges wurden zwischen Oktober 1939 und Oktober 1942 insgesamt etwa 50.000 jüdische Wiener durch die Gestapo-Hauptleitstelle im Hotel Metropol zusammengetrieben und vom Aspangbahnhof aus in 47 Zugtransporten zunächst in „Ghettos“ genannte Sammellager, später direkt in Konzentrations- und Vernichtungslager der Nationalsozialisten abtransportiert. Ab 1943 erfolgte die Abfertigung der Deportationszüge vom Nordbahnhof aus. 1994 wurde hier der Platz der Opfer der Deportationen benannt. Ein am 8. Mai 1995 an diesem Platz enthüllter Gedenkstein erinnert an die Transporte.

Der Betrieb des Bahnhofs musste Anfang 1945 kriegsbedingt eingestellt werden; am 26. Juli 1945 fuhr wieder der erste Zug. Bis 1947 musste der Bahnbetrieb wegen akuten Kohlemangels auf einen Zug pro Tag beschränkt werden.

Während der Besatzungszeit nach dem Zweiten Weltkrieg diente der Bahnhof den britischen Besatzungstruppen bis zu deren Abzug 1955 als Kopfbahnhof für die Strecke nach Villach.

Nachdem auch nach 1955 keine nennenswerten Erneuerungen und Renovierungen an den Bahnanlagen vorgenommen worden waren, verfielen diese zunehmend. Der letzte Dampfzug nach Puchberg verließ den Bahnhof am 26. September 1970. Nachdem im Mai 1971 die Schnellbahnhaltestelle Rennweg eröffnet wurde verlor der nahe gelegene Aspangbahnhof jede Funktion; am 31. Mai 1971 wurde der Bahnhofsverkehr offiziell eingestellt. Seit Mai 1979 fuhren die Züge der Aspangbahn nicht mehr auf der ursprünglichen Wiener Strecke, sondern starteten vom Südbahnhof. Die ehemalige Aspangstrecke wird heute teilweise von der S-Bahn S7 benutzt.

Im Juni und Juli 1977 wurden die Bahnanlagen abgetragen. Auf den Aspanggründen befand sich die Zivilstadt des römischen Lagers Vindobona; beim Abriss des Bahnhofs wurden römische Mauern und zahlreiche antike Artefakte gefunden.

Seither ist dieser Platz unbebaut geblieben. Mittlerweile wurden die Aspanggründe allerdings zum Stadtentwicklungsgebiet erklärt und sollen unter dem Projektnamen Eurogate in den nächsten Jahren mit Wohnungen, Büros und sozialer wie technischer Infrastruktur bebaut werden. Unter anderem wird geplant, das größte Passivhaus Europas mit 740 Wohnungen dort anzusiedeln.

Literatur

  • Wolfgang Kos, Günter Dinhobl (Hrsg.): Großer Bahnhof. Wien und die weite Welt. Czernin, Wien 2006, ISBN 3-7076-0212-5 (Sonderausstellung des Wien-Museums 332), (Ausstellungskatalog, Wien, Wien-Museum, 28. September 2006 – 25. Februar 2007).
  • Gerhard Kletter: Der Aspangbahnhof und die Wien-Saloniki-Bahn. Sutton Verlag, Erfurt 2006, ISBN 978-3-89702-928-6
  • Josef Steindl (Red.): 125 Jahre Eisenbahn Wien – Aspang. 1881 – 2006. Selbstverlag des Museums- und Bildungsvereins Pitten, Pitten 2006[1]

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Permalink Österreichischer Bibliothekenverbund

48.19027777777816.394722222222Koordinaten: 48° 11′ 25″ N, 16° 23′ 41″ O