Wien Hauptbahnhof

Dieser Artikel befasst sich hauptsächlich mit den Bahnsteigen 3–12, sprich dem oberirdischen Teil des Hauptbahnhofes. Detailliertere Informationen zur Verkehrsstation Wien Hauptbahnhof mit dem Verkehr der Wiener Linien und der S-Bahn Stammstrecke finden sich unter Verkehrsstation Wien Hauptbahnhof.
Wien Hauptbahnhof
Wien Hauptbahnhof 01.JPG
Die Baustelle im November 2012 (Blick nach Osten)
Daten
Betriebsart Durchgangsbahnhof
Bauform Bstg. 1–2 Tunnelbahnhof
Bahnsteiggleise
Reisende 125.000 täglich prognostiziert[1]
Abkürzung Wbf, Wsp (S-Bahn-Stammstrecke)
Eröffnung Teilinbetriebnahme: 2012
Vollinbetriebnahme: 2015
Webadresse hauptbahnhof-wien.at
Architektonische Daten
Architekt Hotz/Hoffmann/Wimmer
Lage
Stadt Wien
Bundesland Wien
Staat Österreich
Koordinaten 48° 11′ 6″ N, 16° 22′ 40″ O48.18516.377777777778Koordinaten: 48° 11′ 6″ N, 16° 22′ 40″ O
Eisenbahnstrecken
Liste der Bahnhöfe in Österreich

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Der Wiener Hauptbahnhof ist ein beim Südtiroler Platz im 10. Gemeindebezirk Wiens gelegener, teilweise noch in Bau befindlicher Bahnhof, der die Süd-, Ost- und Laaer Ostbahn auf dem Areal des ehemaligen Südbahnhofs verknüpfen wird. Darüber hinaus wird es möglich sein, Züge der Westbahn über den Lainzer Tunnel sowie Züge der Nordbahn über die Laaer Ostbahn zum Hauptbahnhof zu führen und so den Fernverkehr aus allen Richtungen über den neuen Bahnhof abzuwickeln. Sein erster Teil, vorläufig nur für Nahverkehrszüge, wurde am 9. Dezember 2012 eröffnet. Wien erhält damit zum ersten Mal in der Geschichte der Stadt einen Hauptbahnhof.

Anstelle der zwei durch ein gemeinsames Aufnahmsgebäude verbundenen annähernd rechtwinklig zueinander stehenden Kopfbahnhöfe des so bis 2009 betriebenen Südbahnhofs wird ein in der Diagonale der beiden Hauptstrecken situierter Durchgangsbahnhof gebaut. Somit können Fernzüge von der Westbahn nach Ungarn und zum Flughafen Wien weitergeführt werden, ebenso wie Züge von der Südbahn nach Tschechien und in die Slowakei.

Der Bahnhof wurde mit Fahrplanwechsel am 9. Dezember 2012 in Teilbetrieb genommen und soll bis 2015 fertiggestellt werden. Er nimmt mit den anschließenden Gleisanlagen eine Fläche von etwa 50 Hektar ein. Auf durch den Abriss des Südbahnhofs, die Entfernung alter Gleisanlagen und die Absiedlung des Frachtenbahnhofs freigewordenen Flächen im 10. Bezirk (insgesamt 109 Hektar) sind außer dem Bahnhof zwei neue Stadtteile mit insgesamt etwa 59 Hektar im Entstehen. In der Bahnhofshalle und in angrenzend vorgesehenen Gebäuden werden von den Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB) Flächen für Handel, Dienstleistungen, Gastronomie und Hotels angeboten. Hier soll zudem ein Gesundheitszentrum eingerichtet werden. Wie am Westbahnhof wird die Verkehrsstation samt Einkaufszentrum unter dem Namen BahnhofCity vermarktet werden.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Der südliche Bahnhofsvorplatz im August 2012
Die Bahnsteige 9 und 10 nach der Teilinbetriebnahme

Planung

Erste Planungen für einen Zentralbahnhof in Wien gab es schon in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, allerdings wurde die Ausführung aus Kostengründen immer wieder verschoben.

1995 wurde ein Expertenverfahren für einen neuen Zentralbahnhof eingeleitet. Das Siegerprojekt des Architekten Theo Hotz scheiterte unter anderem an hohen Kosten.[2]

2003 unterzeichneten Bund, Stadt Wien und ÖBB eine Absichtserklärung, das Projekt Durchgangsbahnhof Wien gemeinsam zu realisieren. Für die Gestaltung des geplanten neuen Stadtteils wurde 2004 ein internationales Expertenverfahren für den Masterplan Stadtteil Wien Südbahnhof ausgeschrieben. Der daraus hervorgehende Masterplan Bahnhof Wien – Europa Mitte wurde vom Wiener Gemeinderat einstimmig beschlossen. Er sah ein Bauvolumen von rund einer Million Quadratmetern Bruttogeschoßfläche vor, darunter 550.000 m² Büroflächen. 5.000 Wohnungen für 13.000 Menschen sollen ebenso entstehen wie 8 Hektar Park.[2]

Das Projekt war als Vorhaben 8/9 im Oktober 2003 vorgelegten Masterplan Verkehr 2003 der Stadt Wien enthalten. Die Realisierung war bis 2011 vorgesehen. Die damalige Planung war gegenüber vorherigen Planungen reduziert worden und sah noch zehn Bahnsteiggleise vor, davon zwei für den Stadtschnellbahnverkehr, sowie zwei bahnsteiglose Durchfahrgleise. Die geplante Station trug zeitweise bei der Stadtverwaltung den Projektnamen „Bahnhof Wien – Europa Mitte“.[3]

Dem ÖBB-Aufsichtsrat wurde das Projekt bei seiner Sitzung vom 12. Oktober 2006 zur Beschlussfassung vorgelegt. Die veranschlagten Gesamtkosten wurden dabei von zuvor 420 auf 660 Millionen Euro angehoben. Da das Finanzierungskonzept für die Mehrkosten fehlte, wurde keine Entscheidung getroffen. Da andererseits auch kein Beschluss gegen das Projekt gefasst wurde, sah der Vorsitzende des Aufsichtsgremiums, Martin Huber, eine grundsätzliche Befürwortung seitens des Gremiums gegeben und ließ die Bauarbeiten beginnen. Die Stadt Wien schätzte die Gesamtkosten Ende 2006 auf 850 Millionen Euro.[4]

Am Schnittpunkt dreier TEN-Hauptachsen. Durch die Verbindung von Süd- und Ostbahnhof (zweier Kopfbahnhöfe) sowie der Gleisanlagen der Süd- und der Ostbahn soll Reisenden zwischen dem Süden und dem Osten mit durchgebundenen Linien eine Reisezeitverkürzung von rund 40 Minuten ermöglicht werden.[5] Im für den Richtungsbetrieb[5] ausgelegten Hauptbahnhof sollen die meisten Fernverkehrszüge sowie die Regionalzüge – außer jener der Westbahn und Franz-Josefs-Bahn – zusammengeführt werden.

Nach Fertigstellung der Anlagen, im Jahr 2013, sollen mehr als 1.000 Züge mit 145.000 Menschen pro Tag den Bahnhof nutzen. Der Bahnhof soll als Taktknoten für Österreich dienen, wobei stündliche Eurocity-Züge in alle Richtungen angeboten werden sollen.[2] Zugwenden sollen entfallen und Leerfahrten reduziert werden. Durch eine reduzierte Zahl von Fahrstraßenkonflikten und eine Verkürzung von Fahrzeiten soll die Kapazität gegenüber den Bestandsanlagen erhöht und der Flächenbedarf gegenüber den bestehenden Anlagen vermindert werden.[6]

Für das Jahr 2025 werden pro Tag etwa 150.000 Fahrgäste und Besucher erwartet (Stand: 2008).[6]

Bauarbeiten 2006–2010

Das „Bahnorama“ beherbergt auch ein Informationszentrum

Der Flächenwidmungs- und Bebauungsplan für das gegenwärtige Projekt mit einer Gesamtfläche von 109 Hektar wurde 2006 vom Wiener Gemeinderat im Einvernehmen mit den Österreichischen Bundesbahnen als Bauherren des Bahnhofes und Grundbesitzer beschlossen. Weiters startete 2006 die Einreichphase und die strategische Umweltprüfung. Der Spatenstich für die Vorarbeiten sowie für den Umbau der bestehenden Verkehrsstation Südtiroler Platz erfolgte 2007.[7]

Der 12. Dezember 2009 war der letzte Betriebstag des Südbahnhofes für die Südbahn, am 13. Dezember 2009 wurden die alte Aufnahmshalle sowie die Bahnsteig- und Gleisanlagen des Südbahnhofes geschlossen und anschließend abgetragen. Züge der Südbahn verkehren seit damals nur bis zum Bahnhof Wien Meidling. Die Bahnsteige der Ostseite wurden um ca. 150 Meter verkürzt, und auf Höhe der Schweizer-Garten-Straße wurde ein provisorischer Bahnhof mit dem Namen Wien Südbahnhof (Ostbahn) errichtet. Nahverkehrszüge der Ostbahn fuhren bis 8. Dezember 2012 dieses Provisorium an, Fernverkehrszüge werden mit Halt in Meidling zum Westbahnhof geführt oder nach Wiener Neustadt (Südbahn) verlängert. Die unterirdische S-Bahn-Haltestelle Wien Südbahnhof blieb in Betrieb; sie erhielt statt der Zugänge aus dem Südbahnhof neue Zugänge aus dem Schweizer Garten, Ecke Arsenalstraße, und wurde im Dezember 2012 in Wien Quartier Belvedere umbenannt. Auch die Haltestellen der Straßenbahnlinien O und 18 wurden dorthin verlegt.

Die Hauptbauphase des Bahnhofs begann im Frühjahr 2010. Seit 19. August 2010 ist das 66,72 Meter hohe „Bahnorama“, ein 150 Tonnen schwerer Aussichtsturm aus 160 Kubikmetern heimischem Fichtenholz mit Infozentrum und Plattform in 40 Metern Höhe, zugänglich (10.Favoritenstraße 51). Die Holzkonstruktion soll bis 2015 bestehen bleiben und in der Folge auch auf andere Großbaustellen übersiedeln.[8] Vom Turm aus sind der Bauplatz des neuen Bahnhofs, die beiderseits des Bahnhofs vorgesehenen neuen Stadtteile und die bestehenden Begrenzungen des Areals (Wiedner Gürtel, Schweizer Garten, Arsenal, Gudrunstraße und Sonnwendgasse) zu sehen.

Arbeiten ab 2011

2011 wurden die Tragwerke der rund 25.000 Quadratmeter großen rautenförmigen Dachkonstruktion installiert, die die Bahnsteige 3 bis 12 überdeckt. Ebenso haben 2011 die Gleisbauarbeiten begonnen. Im Frühjahr 2012 wurden die ersten drei Gleise fertiggestellt, die seit 6. August 2012 die zuvor eingerichtete provisorische Baustellendurchfahrt ersetzen. Am 9. Dezember 2012 wurde der Hauptbahnhof mit vier Bahnsteigen und einem Durchfahrtsgleis in Teilbetrieb genommen und nimmt nun die Züge des Ostbahn-Nahverkehrs auf. Zeitgerecht wurde der an die Sonnwendgasse anschließende Bahnhofsvorplatz an der neuen Gerhard-Bronner-Straße fertiggestellt.[9] Bis Dezember 2014 werden sechs weitere Bahnsteige und die nördlich gelegene Haupthalle errichtet. Schon einige Monate davor soll das Einkaufszentrum mit etwa 100 Geschäften auf rund 20.000 m² eröffnen. Ebenfalls im Dezember 2014 sollen dann auch Fernzüge am Hauptbahnhof halten. Die Vollinbetriebnahme und die Fertigstellung des gesamten Projekts ist im Dezember 2015 vorgesehen.[10]

Bahnhof

Dachkonstruktion

Das „Rautendach“ im November 2012

Das Dach über den Bahnsteigen ist eine offene Konstruktion bestehend aus 2 Hälften. Eine Hälfte besteht von oben gesehen aus 5 Reihen abwechselnd geneigter Trapezflächen, die pro Reihe so halb-versetzt sind, dass zwischen den Dachflächen eine vertikale Öffnung entsteht, die verglast wird und Licht unter das Dach bringt. Zusätzlich existieren zwischen 2 Zwillingsstützen Oberlichter an den höchsten Punkten der Dachflächen. Die Unterseite der Dachkonstruktion ist in Dreiecksflächen aufgelöst, wobei diese zu den Zwillingsstützen hin geneigt sind. Zum Südtiroler Platz verjüngt sich dieses Ensemble von Dachflächen, der Südbahn folgend.
Die andere Hälfte des Daches besteht aus Flachdächern, die sich am Ende nach oben schwingen. Die Bahnsteige werden etwa 7 Meter, der höchste Dachflächenpunkt etwa 23 Meter über Straßenniveau liegen. Das Innere des Daches besteht aus mehreren miteinander verbundenen Stahlstäben (Fachwerk).

Bahnsteige, Gleise

Der Hauptbahnhof wird oberirdisch über fünf Inselbahnsteige (oder Mittelbahnsteige) mit je zwei Gleisen sowie zwei Durchfahrtsgleise ohne Bahnsteig verfügen. Entsprechend der Bahnsteignummerierung der ÖBB werden diese zehn Bahnsteige bzw. Gleise von Nord nach Süd mit 3 bis 12 bezeichnet, da die Nummern 1 und 2 für die unterirdische S-Bahn-Station vorgesehen sind:

  • Über die Gleise 3 und 4 (Bahnsteiglänge 340 m[4]) werden die Linien S60 und S 80[4] in die S-Bahn-Stammstrecke Richtung Meidling und weiter zur Westbahn eingebunden.
  • Die Gleise 5 und 6 (420 m) sollen von Eilzügen zur Süd- und zur Westbahn benützt werden.[4]
  • Die Gleise 7 und 8 (450 m)[4] sollen dem Süd-West-Umsteigeverkehr gewidmet werden.
  • Die Gleise 9 und 10 (450 m)[4] sollen dem Umsteigeverkehr zwischen Nord- und Ostbahn dienen.
  • Die Gleise 11 und 12 (450 m)[4] sollen die Züge Richtung Stadlau (Laaer Ostbahn und Marchegger Ostbahn) aufnehmen.
  • Die zwei für Güterzüge vorgesehenen Durchfahrtsgleise ohne Bahnsteige werden sich zwischen den Gleisen 8 und 9 sowie am südlichen Rand in Anschluss an Gleis 12 befinden; sie dienen als Ersatz für den bereits aufgelassenen Steudeltunnel.

Die beiden bestehenden Seitenbahnsteige der Schnellbahn-Haltestelle Wien Südtiroler Platz werden informationstechnisch als Gleise 1 und 2 in den Hauptbahnhof integriert. Die Entscheidung, diesen beiden Gleisen, die auf 210 m Bahnsteiglänge ausgebaut wurden, die Nummern 1 und 2 vorzubehalten, ergab sich daraus, dass die Haltestelle nach ihrer Umbenennung in elektronischen Zuganzeigen als Teil des Hauptbahnhofs aufscheinen wird und dass diese beiden Gleise auf Grund des dichten S-Bahn-Intervalls die meistbefahrenen unter diesem Bahnhofsnamen sein werden.

Infrastruktur

Lage des künftigen Wiener Hauptbahnhofs im Eisenbahnnetz von Wien

Die Planung rechnet für 2025 inklusive S-Bahn Wien mit bis zu 120.000 Reisenden und bis zu 1.000 Zügen pro Tag. Im Bahnhof wird es auf 20.000 Quadratmeter Fläche etwa 100 Geschäfte und Gastronomiebetriebe geben.[1]

Unterhalb des Bahnhofs entstehen Unterführungen für öffentlichen und privaten Verkehr, Abstellplätze für 600 PKW und für 1.100 Fahrräder. Entlang der nördlichen Längsseite des Bahnhofs wird die Canettistraße zum Schweizer Garten führen, entlang der südlichen Längsseite wird die Gerhard-Bronner-Straße eine Verbindung von Südtiroler Platz/Sonnwendgasse zur Alfred-Adler-Straße sein, die 10. und 3. Bezirk durch das Neubaugebiet (und unter den neuen Gleisen durch) verbinden wird. Insgesamt sind drei Unterführungen (zwei davon direkt unter den Bahnsteigen), die so genannte Südbahnhofbrücke (über die Ostbahn zur Arsenalstraße) und der Arsenalsteg vorgesehen, um die Stadtteile beiderseits des neuen Bahnhofsareals zu verbinden[1] Die Tragwerke von Brücke und Steg waren Ende 2011 bereits in Position, die Zufahrtswege noch in Arbeit.

Anbindung an den Wiener Stadt- und Regionalverkehr

Siehe auch: Verkehrsstation Wien Hauptbahnhof

S-Bahn-Station Wien Hauptbahnhof

Am 17. Jänner 1962 wurde die unterirdische S-Bahn-Haltestelle Südtiroler Platz gemeinsam mit der S-Bahn-Stammstrecke der ÖBB in Betrieb genommen. Seit 9. Dezember 2012 heißt die Haltestelle Wien Hauptbahnhof (Bahnsteige 1 und 2). Hier verkehren seit dem Fahrplanwechsel an diesem Tag die Linien S1, S2 und S3. Man gelangt mit ihnen unter anderem zum Vergnügungsviertel Prater (Bahnhof Wien Praterstern). Die Haltestelle ist unterirdisch mit der U-Bahn-Station, der Straßenbahnhaltestelle und dem Hauptbahnhof verbunden, der Durchgang zum Bahnhof aber noch nicht in Betrieb.

Seit 9. Dezember 2012 halten Züge der S-Bahn-Linien S60 und S 80 an den Bahnsteigen 9 bis 12 des Hauptbahnhofs in Hochlage. Die S60 verbindet West- und Ostbahn; die S80 kombiniert einen Teil der Marchegger Ostbahn mit der Pottendorfer Linie nach Wr. Neustadt Hbf..

U-Bahn-Station Südtiroler Platz – Hauptbahnhof

1978 eröffneten die Wiener Linien hier ihre in Nord-Süd-Richtung unter der Favoritenstraße verlaufende U-Bahn-Linie U1, heute Direktverbindung vom Hauptbahnhof ins Stadtzentrum, zum Prater, zur Donauschifffahrt und zur UNO-City. Die Station unter dem Südtiroler Platz heißt seit 9. Dezember 2012 Südtiroler Platz – Hauptbahnhof. Die Station ist unterirdisch mit der Straßenbahnhaltestelle, der S-Bahn-Station und dem Hauptbahnhof verbunden, der Durchgang zum Bahnhof aber noch nicht in Betrieb.

Straßenbahn, Autobus

Seit 1959 besteht für die auf dem Wiedner Gürtel verkehrende Straßenbahnlinie 18 der Wiener Linien (Direktverbindung zum Westbahnhof) unter dem Südtiroler Platz eine unterirdische Haltestelle, die nun nach dem Hauptbahnhof benannt ist. Die Haltestelle ist unterirdisch mit den Stationen von S-Bahn und U-Bahn und dem Hauptbahnhof verbunden und nunmehr nach dem Hauptbahnhof benannt; der Durchgang zum Bahnhof ist noch nicht in Betrieb.

Die Straßenbahnlinie O, die den östlichen Wiedner Gürtel mit der Laxenburger Straße verbindet, sowie die Autobuslinien 13A (Verbindung durch die Bezirke 4 bis 8 zu Mariahilfer Straße und Alser Straße) und 69A (am 21er Haus und am Arsenal vorbei zur U-Bahn-Station Simmering) halten nahe dem Hauptbahnhof bei einer nach ihm benannten Haltestelle auf dem Südtiroler Platz.

Seit 9. Dezember 2012 hat die am Schloss Belvedere vorbei ins Stadtzentrum führende Straßenbahnlinie D, die ihre südliche Endstation bis dahin beim Südbahnhof hatte, in einiger Entfernung von den anderen genannten Linien an der (projektierten) Karl-Popper-Straße, die den Bahnhof unterquert, eine Haltestelle namens Hauptbahnhof Ost. Dazu verlässt man den langgestreckten Bahnhof nicht, wie zu den anderen Linien, Richtung Westen, sondern nach Osten.

Autobusbahnhof

Am westlichen Rand des Südtiroler Platzes befindet sich ein provisorischer Autobusbahnhof für regionale Buslinien.

Neue Stadtteile

Blick vom Arsenal über den Arsenalsteg zum künftigen Sonnwendviertel

Durch den Wegfall des Frachtenbahnhofs und die schlankere Anordnung des neuen Bahnhofs entstanden große Freiflächen.[11] Von der Gesamtfläche des alten Bahnhofsareals, 109 Hektar, entfallen nunmehr etwa 50 Hektar auf den neuen Bahnhof samt Zufahrtsgleisen, etwa 25 Hektar auf das Quartier Belvedere und etwa 34 Hektar auf das Sonnwendviertel, beide in Planung und Bau befindliche Stadtteile.

Kritik

Kritiker bemängeln hauptsächlich das städtebauliche und architektonische Programm des zukünftigen Hauptbahnhofareals.

  • So soll im Hauptbahnhof ein Einkaufszentrum mit über 100 Geschäften angesiedelt werden. Dies könnte sich nach Meinung des Stadtplaners Reinhard Seiß nachteilig auf die gefestigte umliegende Einzelhandel-Infrastruktur (insbesondere die Favoritenstraße) auswirken. Vor allem wird bemängelt, dass das Einkaufen im Hauptbahnhof eine dominierendere Stellung einnehmen könnte als die eigentliche Bahnhofsfunktion.[12]
  • Im Sonnwendviertel bemängelt Seiß die hohe Wohnraumdichte abseits des Parks (durchwegs 10-stöckige Gebäude) und die mangelnde Durchmischung mit anderen Nutzungsarten (wie z. B. Büro, Handel), was zu einer Monotonisierung des Viertels und des öffentlichen Lebens führen könnte.[12]
  • Der Verkehrsplaner Hermann Knoflacher bemängelt, die Bahnsteiggleise im Hauptbahnhof würden nicht ausreichen, um den Fahrgaststrom im Fall einer Zunahme der Fahrgastzahlen bewältigen zu können. Auch wären zu wenig bauliche „Pufferflächen“ für eventuelle zukünftige Bahnsteigausbauten vorgesehen. Der Hauptbahnhof könnte so zu einem Nadelöhr im Schienenverkehr werden.[12]
  • Problematisiert wird auch die Anbindung an das öffentliche Verkehrsnetz. So wird nur eine U-Bahn-Linie (U1) den Hauptbahnhof anfahren. Die Wegzeit von der U-Bahn-Station Südtiroler Platz zum Hauptbahnhof (ca. 6,5 min, rund 440 m) wird vom Rechnungshof[13] und vom EU-Verkehrspolitiker Michael Cramer[14] kritisiert. Eine Netzanalyse hat ergeben, dass sich durch den Einfluss des Hauptbahnhofs auf das Wiener U-Bahn-Netz die U-Bahn-Linien U1 und U6 „ihren Auslastungsgrenzen nähern werden“ und dass „über das Jahr 2025 hinaus eine ausreichende Betriebsqualität nicht mehr sicherzustellen sei.“[15] Die Verlängerung der Linie U2 zum Hauptbahnhof, wie sie unter anderem von Hermann Knoflacher gefordert wurde,[16] ist nicht geplant.
  • Der Rechnungshof äußerte sich kritisch über die geschätzten Kosten des Bauvorhabens und ihre Entwicklung.[17]

Kritiker sehen keine betriebliche Notwendigkeit für den Neubau des Hauptbahnhofs.[4]

Literatur

  • Wolfgang Kos, Günter Dinhobl (Hrsg.): Großer Bahnhof. Wien und die weite Welt. Czernin, Wien 2006, ISBN 3-7076-0212-5 (Sonderausstellung des Wien-Museums 332), (Ausstellungskatalog, Wien, Wien-Museum, 28. September 2006 – 25. Februar 2007).
  • Ralf Roman Rossberg: Wien Hbf - Europas neue Mitte. In: Eisenbahn-Magazin 6/2011, S. 28-30.

Weblinks

 Commons: Wien Hauptbahnhof – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. a b c wien.at, Mitteilungsblatt der Stadt Wien, Heft 6/2010, Beilage, S. 2
  2. a b c Karl-Johann Hartig: Hauptbahnhof Wien – ein Jahrhundertprojekt entsteht. In: Eisenbahntechnische Rundschau, Heft September 2008, S. 570−573.
  3. „Masterplan für Wien“ auch für den Eisenbahnverkehr. In: Eisenbahn Österreich, 4/2004, S. 152 f, ISSN 1421-2900.
  4. a b c d e f g h Hauptbahnhof Wien behindert Ausbau der ÖBB. In: Eisenbahn Österreich, 1/2007, S. 50.
  5. a b Judith Engel: Die Weichen sind gestellt. Hauptbahnhof Wien – die zentrale Verkehrs-Drehscheibe. In: Eisenbahntechnische Rundschau, Heft September 2008, S. 574−577.
  6. a b Dietmar Zierl: Neugestaltung von historisch gewachsenen Eisenbahnknoten am Beispiel von Wien und Salzburg. In: Eisenbahntechnische Rundschau, Nr. 12, Dezember 2008, S. 837–841.
  7. orf.at: Bau für Hauptbahnhof Wien hat begonnen, abgerufen am 12. Juni 2007
  8. Spatenstich für Bahnorama
  9. [1] vom 15.April 2012.
  10. http://diepresse.com/home/panorama/wien/1314386/Wien_Hauptbahnhof-geht-in-drei-Wochen-in-Teilbetrieb-?_vl_backlink=/home/panorama/wien/index.do , vom 19. November 2012
  11. Special # 45, Beilage zur Wochenzeitschrift Falter, Wien, Nr. 23, 8. Juni 2011, im Auftrag der Stadt Wien
  12. a b c Es wird einmal ein Bahnhof sein. artgenossen im Kulturmontag vom 29. August 2011 im ORF
  13. Bericht der Rechnungshofs: Verkehrsanbindung und Stadtentwicklung Hauptbahnhof Wien. Wien 2010/03. TZ 37.2 (PDF-Datei. Website des Rechnungshofs; 6,6 MB) Abgerufen am 31. August 2011.
  14. Christian Mayr: EU-Verkehrsexperte kritisiert Hauptbahnhof. In: Wiener Zeitung, 4. Oktober 2010. Abgerufen am 31. August 2011.
  15. Bericht der Rechnungshofs: Verkehrsanbindung und Stadtentwicklung Hauptbahnhof Wien. Wien 2010/03. TZ 38.1 (PDF-Datei. Website des Rechnungshofs; 6,6 MB) Abgerufen am 31. August 2011.
  16. http://diepresse.com/home/panorama/oesterreich/312214/Kritik-an-Hauptbahnhof_Fehlende-U2-eine-Katastrophe
  17. Bericht der Rechnungshofs: Verkehrsanbindung und Stadtentwicklung Hauptbahnhof Wien. Wien 2010/03. TZ 9-13 (PDF-Datei. Website des Rechnungshofs; 6,6 MB) Abgerufen am 13. Dezember 2011.