Wiener Hinrichtungsstätten

Die Wiener Hinrichtungsstätten, auf denen zur Abschreckung der Bevölkerung die Todesurteile und andere Strafen öffentlich vollstreckt wurden, wechselten immer wieder ihren Standort.

Inhaltsverzeichnis

Zivilpersonen

  • Am Tabor (Alter Tabor, heute 20., Gaußplatz)
Hinrichtungen durch Ertränken auf der Brücke
Gedenktafel für Balthasar Hubmaier
Hinrichtungen meist durch Verbrennen
1420 ließ Erzherzog Albrecht V. ungefähr 200 Juden anlässlich der Judenvertreibung aus Wien verbrennen. Offiziell begründet wurde dies mit einer Hostienschändung. 1528 wurde Balthasar Hubmaier als Wiedertäufer und 1583 Elisabeth Plainacher als Hexe (einzige Hexenverbrennung in Wien) verbrannt.
Hingerichtet durch Köpfen und anschließendes Verbrennen wurden hier auch Sodomiten, etwa im Jahr 1661 ein Schneider aus Traiskirchen oder 1672 ein Mann aus dem Waldviertel. Er teilte sein Schicksal mit seinem Pferd.
Die Art der Hinrichtung durch das Verbrennen wurde von Kaiser Karl VI. 1733 abgeschafft.
  • Am Hof, heute 1. Bezirk, 15. und 16. Jahrhundert
Hinrichtung von Bürgermeister Wolfgang Holzer mit einigen seiner Anhänger durch Vierteilen, 1463
Hinrichtung von Ferdinand Graf Hardegg, 1595
Hinrichtung einiger Bauernführer, 1597
  • Schweinemarkt (heute 1., Lobkowitzplatz)
Hinrichtungen durch Erhängen
Zum Beispiel am 11. Juli 1408 der Bürgermeister Konrad Vorlauf und die Ratsherren Hans Rockh und Konrad Ramperstorffer, eine andere Quelle spricht von Köpfen. Die Mönche des Augustinerklosters fühlten sich durch den Lärm der Schaulustigen in ihrer Andacht gestört.
  • der Rabenstein (bei 9., Schlickplatz)[1]
Hinrichtungsstätte Rabenstein in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts
Hinrichtungen meist durch Erhängen und Rädern, aber auch durch das Schwert.
Erste urkundliche Erwähnungen stammen aus den Jahren 1311 und 1488.
Am 23. März 1747 wurde auf Befehl von Maria Theresia der Galgen vom Wienerberg hierher in die Rossau versetzt. Sie wollte ihn und vor allem die dort hängenden Leichname bei ihren Fahrten nach Laxenburg nicht sehen.
Nachdem Kaiser Joseph II. die Todesstrafe abgeschafft hatte, begann man am 25. August 1786 mit dem Abbruch der aus Stein errichteten Hinrichungsplattform. Später wurde der Galgen aber wieder aufgerichtet, denn 1818 wurde hier der berühmt-berüchtigte Räuberhauptmann Johann Georg Grasel hingerichtet.
Er verblieb hier bis 1850, dann wurde er auf Drängen der Bewohner der Rossau wieder auf den Wienerberg zur Spinnerin am Kreuz versetzt.
Hinrichtungen durch Erhängen, Verbrennen und Rädern.
Erstmals erwähnt wird die Hinrichtungsstätte am Wienerberg 1311, sie dürfte aber älter sein. Am 23. März 1747 wurde auf Befehl von Maria Theresia der Galgen vom Wienerberg auf den Rabenstein in der Rossau versetzt.
Die erste Hinrichtung nach der Rückversetzung des Galgens erfolgte am 16. Mai 1850. Zwischen 1850 und dem 30. Mai 1868 fanden hier alle öffentlichen Hinrichtungen statt. Ihr letztes Gebet verrichteten die Verurteilten an der Matzleinsdorfer Linienkapelle.
Im Jahr 1708 wurde hier die erste Frau, eine Kindesmörderin, hingerichtet.
Hier fanden Hinrichtungen durch Erhängen im so genannten „Galgenhof“ statt. Die Todesstrafe wurde am Würgegalgen vollzogen.
Die erste Hinrichtung fand am 16. Dezember 1876 hier statt, da seit 1873 keine öffentlichen Hinrichtungen mehr stattfinden durften.
Nach der Wiedereinführung des Todesstrafe, 1933, kam es hier bis 1938 zu weiteren Hinrichtungen, besonders nach den Februarkämpfen und dem Juliputsch, beide 1934.
Zur Zeit der NS-Herrschaft wurden zwischen dem 6. Dezember 1938 und dem 4. April 1945 Hinrichtungen im Gebäude selbst mit dem Fallbeil durchgeführt. Aufzeichnungen des Anstaltsseelsorgers Heinrich Zeder belegen die Enthauptung von 1.184 Männern und Frauen. Am 30. März 1943 wurde Helene Kafka (Schwester Maria Restituta) im Wiener Landesgericht enthauptet. Sie wurde anlässlich des Papstbesuches in Wien im Juni 1998 seliggesprochen.
Am 24. März 1950 wurde im „Galgenhof“ der Raubmörder Johann Trnka gehängt. Es war dies die letzte Vollstreckung der Todesstrafe nach österreichischem Recht.
1967 wurde diese Hinrichtungsstätte in eine Gedenkstätte umgewandelt, deren Besichtigung nach vorangegangener Anmeldung möglich ist.

Militärpersonen

  • Erdberger Lände
Auf der Erdberger Lände befand sich im 18. Jahrhundert eine Hinrichtungsstätte für Militärpersonen.
  • Getreidemarkt
Bis 28. Jänner 1747 befand sich hier auf dem Getreidemarkt ein militärischer Richtplatz, auf dem seit 1702 die Hinrichtungen nur noch durch Erschießen vollstreckt wurden. Hinrichtungen von Militärpersonen durch Erhängen wurden danach an die Alser Straße verlegt, wo später das Wiener Landesgericht erbaut wurde.
Am 24. Juni 1809 wurde von den französischen Besatzungssoldaten der Anführer der Wiener Bürgermiliz (Peter Tell, Tischler) und am 26. Juni 1809 der Bürger Jakob Eschenbacher an der Mauer des Jesuitenhofs am Getreidemarkt erschossen.
  • Militärschießplatz Kagran
Während der NS-Zeit wurden auf dem ehemaligen Militärschießplatz Kagran (jetzt Donaupark Wien) Angehörige der deutschen Wehrmacht sowie zwei Mitglieder der Berufsfeuerwehr Wien hingerichtet. Am 5. November 1984 wurde ein Gedenkstein enthüllt.

Weitere

Die hier aufgeführten Hinrichtungsstätten waren die im Laufe der Geschichte Wiens wichtigsten.

Außer den hier genannten Orten fanden Hinrichtungen auch am Graben (zum Beispiel 1601 und 1640), Am Hof und in der Ratsstube des alten Rathauses statt (am 30. April 1671 Franz Graf Nádasdy wegen seiner Verwicklung in eine Verschwörung gegen Kaiser Leopold I.).

Standrechtliche Erschießungen nach der Revolution im Jahr 1848 wurden häufig im Stadtgraben durchgeführt. Die Mörder von Kriegsminister Graf Baillet von Latour (er wurde während der Revolution an einer Gaslaterne erhängt) wurden auf dem Glacis vor dem Schottentor im Jahr 1849 hingerichtet.

Ob der Attentäter Janos Libényi (18. Februar 1853) der Einzige war, der auf der Simmeringer Haide hingerichtet wurde, ist unbekannt. Der Ort seiner Hinrichtung ist jedoch nur durch ein Lied überliefert, es fehlen dokumentarische Beweise.

Einzelnachweise

  1. Karl Hofbauer: Die Rossau und das Fischerdörfchen am oberen Werd. Wien 1866, S. 27–30.

Weblinks