Wiener Kindertheater

Das 1994 von Sylvia Rotter gegründete Wiener Kindertheater ist das einzige Theater Wiens, dessen Ensemble ausschließlich aus Kindern besteht. Das Büro befindet sich in der Taborstraße 11b/2/26c, im 2. Gemeindebezirk Wiens. Die Workshop- und Proberäumlichkeiten sind im 3. Bezirk, in der Jacquingasse 57.

Das Theater hat jährlich 1 Produktion. Meistens werden klassische Theaterstücke einstudiert, die dann in Schulen und auf „richtigen“ Theaterbühnen für Erwachsene aufgeführt werden. Oft wird das Theater zu Gastspielen (in Österreich und im Ausland) eingeladen. Semesterweise werden Theaterkurse für Kinder angeboten, die allerdings nur nach Absolvierung von zwei internen Workshops besucht werden können. Die Mitarbeiter des Theaters legen Wert darauf, dass die Kinder ihren sprachlichen und körperlichen Ausdruck entdecken und ihn auf spielerische Weise entwickeln, nicht das Einpauken von Texten steht im Mittelpunkt. Bewegungsspiele, fantasieanregende Übungen, Atemtechnik und Gedächtnistraining stehen auf dem Programm der Kurse. Das Theaterspiel soll den Kindern helfen, auch ihre Alltagsprobleme zu bewältigen und selbstbewusster zu werden. Die Produktionen werden auch aufgezeichnet und Schulen für pädagogische Arbeit angeboten. Das Theater veranstaltet auch Sonderprojekte, wie z.B. Kulturvermittlungsarbeit bei jugendlichen Straftätern oder Projekte für Schulen mit einem Schwerpunkt.

Inhaltsverzeichnis

Das Team

Sylvia Rotter, die Leiterin des Wiener Kindertheaters ist selber Schauspielerin, sie hat in England, an der Royal Academy of Dramatic Arts ihre Schauspielausbildung absolviert. Sie spielte unter anderem auch im Royal National Theatre. Im Dezember 1999 wurde sie zur Vorsitzenden des Publikumsforum der Bundestheater Holding GmbH gewählt. In dieser Funktion war sie bis Dezember 2005 als Aufsichtsrat der Bundestheater tätig. Die Musicalautorin und Regisseurin Di Trevis leitet die Meisterklassen, Domenic Muldowney komponiert die Musik. Der Bühnenbildner Thomas Laber, die Kostümbildnerin Charlotte Tymms, die Tanzlehrerin Evelyne Werner und weiters Harriet Murray bzw. Aoife Smyth unterstützen die Entstehung der Produktionen.

Die bisher aufgeführten Stücke

Das frühere Wiener Kindertheater

Das jetzige Wiener Kindertheater ist allerdings nicht die erste Kinderbühne, die in Wien gegründet wurde. Ebenfalls unter dem Namen Wiener Kindertheater, aber nicht als Vorgänger der heutigen Institution, hatte die in Wien geborene Tänzerin, Choreografin und Pädagogin Hanna Berger ein Ensemble von 1945 bis 1950 geleitet. Bergers Ziel war es, Kindern aus armen Verhältnissen, die Möglichkeit zu Kreativität und Bildung zu geben und sie zu einer unverbildeten, natürlichen Spielweise hinzuführen. Unter dem Motto „Kinder spielen für Kinder“ brachte Berger vier große und mehrere kleine Produktionen in Wiener Volksbildungshäusern heraus und gastierte damit nicht nur in Österreich sondern u. a. auch in Berlin, Dresden und Budapest. Im Kinder-Ensemble befanden sich u.a. die später bekannt gewordenen Schauspieler Christine Ostermayer und Klaus Löwitsch, aber auch der Tänzer und Choreograf Gerhard Senft. Von 1950 an arbeitete unter dem Namen Wiener Kindertheater auch eine Kindertheatergruppe unter der Leitung von Grete Reinhart, im Kaiserpark in der Neubaugasse, das aus einer Kinderspielgruppe und einer Kindertanzgruppe bestand und auf der Freilichtbühne des Park die Aufführungen abhielt. Die Bühne tat sich später mit dem Theater der Jugend zusammen. Grete Reinhart war nicht nur Leiterin, sie schrieb auch Stücke und führte Regie, sie war auch für Choreografien, Bühnenbild, Kostüme zuständig und trat oft mit den Kinder auf. Und im Frühjahr 1951 wurde im Rahmen der ersten offiziellen Wiener Festwochen nach Kriegsende Struwelpeter im Walde in der Inszenierung der Kindertanzgruppe Reinhart aufgeführt.

Literatur

Andrea Amort: Gründung und Ende des Wiener Kindertheaters. In: Hanna Berger. Spuren einer Tänzerin im Widerstand. Hg. vom Deutschen Tanzarchiv Köln. Verlag Brandstätter Wien 2010, S. 66 - 72. sowie ausführliche Chronik ab S. 160.

Weblinks