Wiener Stadt- und Landesarchiv

Wiener Stadt- und Landesarchiv (MA 8)
Leiterin Brigitte Rigele[1]
Geschäftsgruppe Kultur und Wissenschaft[2]
Gründung 13. oder 14. Jahrhundert
www.archiv.wien.at/

Das Wiener Stadt- und Landesarchiv (Magistratsabteilung 8 oder MA 8, zuvor MA 67) mit seinem Standort im östlichsten der vier Wiener Gasometer ist das Archiv der österreichischen Bundeshauptstadt und des Bundeslandes Wien. Es bewahrt die archivwürdigen Unterlagen Wiens als (Stadt-)Gemeinde und seit 1920 in seiner Funktion als eines der neun Bundesländer Österreichs auf, erschließt diese und macht sie zur Nutzung durch die Öffentlichkeit zugänglich. Grundlage für das Wirken des Wiener Stadt- und Landesarchivs ist das Wiener Archivgesetz 2000.[3] Das Archiv zählt zur Geschäftsgruppe Kultur des Magistrats der Stadt Wien.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Das Archiv hat Felix Czeike zufolge bereits im 14. Jahrhundert bestanden. (Die älteste verwahrte Urkunde stammt aus dem Jahr 1208.) Vom 15. Jahrhundert an war es im heutigen Alten Rathaus untergebracht und wurde in den achtziger Jahren des 19. Jahrhunderts in das 1883 fertiggestellte Neue Rathaus übersiedelt (wie dieses bis etwa 1960 bezeichnet wurde). 1889 wurde das Archiv von den anderen städtischen Sammlungen getrennt.

1920 wurde Wien in der neuen Bundesverfassung als eigenes Bundesland definiert; gleichzeitig mit ihr trat die neue Stadtverfassung in Kraft, die Wien auch als Land konstituiert. Die formale Herauslösung Wiens aus dem Bundesland Niederösterreich wurde Ende 1921 abgeschlossen. Seither fungiert das Archiv auch als Landesarchiv, behielt aber noch Jahrzehnte die Bezeichnung Archiv der Stadt Wien bei. Von 1969 an wurde es Archiv der Stadt und des Landes Wien genannt, 1973 wurde der Name Wiener Stadt- und Landesarchiv bestimmt.[4]

Die Raumprobleme des Archivs im Rathaus wurden jahrzehntelang durch zuletzt zehn Dependancen in diversen Amtsgebäuden behoben und sind erst seit der Übersiedlung in den Gasometer D in Simmering im Jahr 2001 / 2002 für längere Zeit gelöst worden. Das Gebäude ist seit 2000 über die U-Bahn-Station Gasometer erreichbar. Bei der Eröffnung am neuen Standort im Herbst 2001 wurde mitgeteilt, man müsse 35 km Dokumente unterbringen[5] und hoffe, die Übersiedlung bis zum Sommer 2002 abschließen zu können.

Wissenschaftler

Am Wiener Stadt- und Landesarchiv wirkten für die Stadtgeschichtsforschung Wiens wichtige Wissenschaftler, darunter:

  • Karl Uhlirz (Direktor 1889–1903)
  • Karl Hango (Direktor 1903–1923)
  • Hanns Jäger-Sunstenau (Genealoge und Heraldiker, am Archiv 1946–1973)[6]
  • Felix Czeike (Direktor 1976–1989)
  • Ferdinand Opll (Direktor 1989–2010)
  • Peter Csendes (Direktor-Stellvertreter 1978–2004)

Gliederung der Bestände

Dem Aufbau des österreichischen Archivwesens entsprechend, beruht das Wachstum der Bestände des Wiener Stadt- und Landesarchivs auf dem Herkunfts- oder Provenienzprinzip. Diesem Prinzip zufolge werden die übernommenen Bestände in ihrem ursprünglichen Ordnungszustand belassen.

Gemäß der Funktion Wiens als Stadt werden Unterlagen aus den städtischen Ämtern, den historischen Registraturen, den Magistratsabteilungen und Bezirksämtern, den leitenden Ämtern und Behörden, den Vertretungskörpern und den städtischen Anstalten, Fonds und Unternehmungen verwahrt.

Gemäß der Funktion Wiens als Bundesland gehört Schriftgut der staatlichen Verwaltung, der staatlichen Gerichte, Anstalten und Unternehmungen, der Polizei, der konfessionellen Ämter, der Patrimonialherrschaften, der Innungen und der Handelsgremien zu den Beständen; staatliches Schriftgut nur insoweit, als es nicht vom Österreichischen Staatsarchiv verwahrt wird.

Die Archivalien amtlichen Ursprungs werden ergänzt durch Sammlungen und Dokumentationen unterschiedlichster Art zur Geschichte der Stadt, so etwa durch eine biografische, eine topografische und eine kartografische Sammlung, durch eine Fotosammlung und eine Handschriftensammlung.

Die vom Archiv geführte Landtags- und Gemeinderatsdokumentation, die online abgefragt werden kann („Infodat Wien“), dient der wissenschaftlichen Erschließung der öffentlichen Sitzungen des Wiener Landtags und Gemeinderats und der Datensammlung zu Wiener Politikern.

Von 1977 bis 2011 arbeitete das Archiv in Kooperation mit dem Ludwig-Boltzmann-Institut für Stadtgeschichtsforschung an der Herausgabe historischer Städteatlanten und nahm damit an einem europaweiten Forschungsprojekt teil.

In einer 120.000 Bände umfassenden Archivbibliothek werden fachspezifische Publikationen gesammelt, die im Benützersaal des Archivs eingesehen werden können. Die Erfassung von Materialien aller politischen Strömungen in Wien erfolgt in einer Politischen Dokumentation.

Benützung

Die Benützung des Archivs geschieht in der Regel durch Einsicht in Archivgut im Benützersaal des Archivs, wobei die gesetzlichen Schutzfristen beachtet werden müssen. Schwerpunkte des Interesses an den Archivbeständen liegen im Bereich wissenschaftlicher Forschung und wissenschaftsnaher Fragestellungen ebenso wie in heimatkundlichen oder genealogischen Recherchen, in der Verfolgung persönlicher Rechtsangelegenheiten, darunter Pensions-, Grundstücks- und Erbschaftssachen, sowie in der amtsinternen Nutzung durch Kommunalpolitik und Stadtverwaltung. Über das Wiener Archivinformationssystem (WAIS) können Bestände online recherchiert und bestellt werden.

Öffentlichkeitsarbeit

Durch themenbasierte Kleinausstellungen bietet das Wiener Stadt- und Landesarchiv immer wieder einen Einblick in seine Bestände. In Zusammenarbeit mit anderen Forschungseinrichtungen werden zudem Workshops, Vorträge und Tagungen abgehalten.

Kooperationen

Im Rahmen seiner Verpflichtung zur wissenschaftlichen Forschung arbeitet das Wiener Stadt- und Landesarchiv mit einer Reihe von Forschungseinrichtungen zusammen, darunter dem Verein für Geschichte der Stadt Wien und dem Verein für Geschichte der Arbeiterbewegung.

Literatur

  • Peter Csendes: Das Wiener Stadt- und Landesarchiv. Ein Führer. Wien 1991
  • Ferdinand Opll: Geschichte des Wiener Stadt- und Landesarchivs. Wien 1994
  • Ferdinand Opll: Tätigkeitsbericht des Wiener Stadt- und Landesarchivs 2001-2005. Wien 2006
  • Brigitte Rigele: Das Wiener Stadt- und Landesarchiv in den Jahren 1938-1945. in: Sabine Bohmann, et al.: Österreichs Archive unter dem Hakenkreuz. StudienVerl.,Innsbruck 2010, Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 54,ISBN 978-3-7065-4941-7, S.387-424.

Einzelnachweise

  1. Personensuche: Mag. Dr. Brigitte Rigele, MAS, MA 08. Abgerufen am 31. Juli 2011.
  2. Stellenansicht Magistratsabteilung 8 Wiener Stadt- und Landesarchiv. Abgerufen am 20. März 2010.
  3. Aktuelle Fassung des Gesetzes auf der Website der Wiener Stadtverwaltung
  4. Felix Czeike: Historisches Lexikon Wien, Band 5, Kremayr & Scheriau, Wien 1997, ISBN 3-218-00547-7, S. 642
  5. Aussendung der Stadtverwaltung, 25. September 2001, über APA-Originaltextservice
  6. Meldung der Wiener Rathauskorrespondenz vom 26. März 2008

Weblinks