Wiesrotte

Die Wiesrotte ist ein Ortsteil der niederösterreichischen Marktgemeinde Frankenfels, welcher sich rund sieben Kilometer vom Ortszentrum befindet.

Inhaltsverzeichnis

Lage

Die Wiesrotte befindet sich im Norden von Frankenfels, entlang des Weißenbaches, angrenzend im Osten an die Tiefgrabenrotte und im Westen an den Ortsteil Weißenbach in Texingtal. Richtung Hundsbaumeben führt die Wiesrotte zu Frankenfelsberg.

Geschichte

1837 schreibt Franz Xaver Schweickhardt in seinen historisch-topographische Beschreibungen, dass die Rotte 7 ½ h Entfernung zur nächsten Poststation (St. Pölten) hat. Weiters ist zu entnehmen, dass die Rotte zum Wehrkreis des Linien-Infanterie-Regiments Nr. 49 gehört. Die Seelenzahl beträgt 13 Familien, 37 männliche und 36 weibliche Personen sowie zwei schulfähige Kinder. An Viehbestand sind drei Pferde, 40 Ochsen, 34 Kühe, 72 Schafe und 36 Schweine vermerkt. Unter den Bewohnern sind Waldbauern, welche Viehzucht und etwas Ackerbau (Korn und Hafer) und Obstbau für den Eigenbedarf betreiben. Die Häuser liegen sehr zerstreut in einer Entfernung von zwei Stunden von Frankenfels. Sie dehnen sich über eine halbe Stunde über eine Talgegend, welche mit Waldgebirgen und Wiesen abwechselt, zwischen Weißenburg und Plankenstein. Das Klima ist, obgleich der hiesigen Gegend etwas rau, gesund und das Wasser besonders gut. Die Jagd, ein Eigentum der Herrschaft Kirchberg an der Pielach, liefert Hochwild[1].

Bis zur Aufhebung der Leibeigenschaft 1848[2] wurde die Rotte großteils vom herrschaftlichen Maierhof der Burg Weißenburg bewirtschaftet. Rotthaus war das Gehöft Groß-Wies mit der Nummer 7[3].

Im 19. Jahrhundert wurde die Wiesrotte wegen der Bergschmiede (Nummer 1) auch Schmieddorf genannt.

Häuser

In der Wiesrotte existieren derzeit etwa 20 Häuser, wobei 12 einen Flurnamen besitzen.

Liste der Häuser

In Klammer ist hier die Wortherkunft angeführt.

  • Wiesrotte 1: Bergschmiede (Hammerschmied)
  • Wiesrotte 2: Steinhaufen (schottiger Grund)
  • Wiesrotte 3: Berg (Anhöhe, örtlich auch Beri genannt)
  • Wiesrotte 4: Brandstatt (Brandrodung oder ungewolltes Feuer)
  • Wiesrotte 5: Gstetten (Stelle oder schiefe Fläche)
  • Wiesrotte 6: Spiellaube (Laube und Ort gesellschaftlicher Treffen)
  • Wiesrotte 7: Groß-Wies (Wiese)
  • Wiesrotte 8: Klein-Wies
  • Wiesrotte 9: Hundsbaumeben (Ebener Platz im Wald mit Hundsbäume (Dirndlstrach, Faulbaum, Kreuzdorn, Heckenkirsche und andere))
  • Wiesrotte 10: Mühlbauer (Mautmühle)
  • Wiesrotte 11: Nothäusl (Lage an einem wenig Wasserführendem Bach)
  • Wiesrotte 12: Winkl (Lage am Talende, im letzten Winkel)

Es existierte auch ein Haus namens Sternreit, welches aber von der Spiellaube übernommen wurde. Der Hausname ist in der Bevölkerung noch als Flurname erhalten geblieben[3]. Aufgrund der oft identischen oder relativ rasch wechselnden Nachnamen der Einwohner, sind in der Wiesrotte sowie im gesamten ländlichen Raum durchaus noch die Flurnamen üblich.

Wirtschaft

In der Tiefgrabenrotte wurden neben der Land- und Forstwirtschaft auch andere Gewerbe betrieben. So übte in der Wiesrotte 1 ein Hammerschmied seinen Beruf aus. Heute gibt es nur mehr land- und forstwirtschaftliche Betriebe.

Sonstiges

Die nordöstlichen Häuser gehören zur Pfarre Plankenstein und zur Pfarre St. Gotthard (Gemeinde Texingtal). Aufgrund der weiten Entfernung zur Volksschule Frankenfels besuchten die Kinder teilweise die Schule in Plankenstein. Die Verbundenheit zu Plankenstein zeigt sich noch heute an den regelmäßigen Kirchgängen der Bewohner nach Plankenstein.

Zwischen Brandstatt und Spiellaube befindet sich ein Kreuz, welches an einen alten Bruckmühler aus der Falkensteinrotte 12 erinnern soll, welcher hier verunglückte.

Um 1930 wurde im Gemeinderat darüber diskutiert, eine eigene Schule im Weißenbachtal zu errichten[4].

Noch heute ist folgender Spruch bekannt: Der Weißenbach fängt im Elend an und hört in der Not auf. Gemeint sind dabei die Häuser Elendgarten (Weißenburggegend 15) und Not (Wiesrotte 11)[5].

Söhne und Töchter

  • Johannes Fahrngruber (1845-1901), Theologieprofessor, Heimatforscher, Kunsthistoriker und Gründer des St. Pöltner Diözesanmuseums stammte von der Bergschmiede (Wiesrotte 1) ab.

Einzelnachweise

  1. Franz Xaver Schweickhardt: Darstellung des Erzherzogthums Österreich unter der Ens, Viertel Ober-Wienerwald (heute etwa Mostviertel), 7. Band: Schwerbach-Gegend (Herrschaft Kirchberg) bis Weissenbach, Wien 1837, S. 27
  2. Kaiserliches Patent betreffend die Aufhebung des Untertänigkeitsverbandes und die Entlastung des bäuerlichen Besitzes vom 7. September 1848, Ferdinand I., constitutioneller Kaiser von Österreich
  3. a b Bernhard Gamsjäger: Frankenfelser Häuserbuch, Frankenfels 1987, S. 459
  4. Bernhard Gamsjäger: Frankenfelser Häuserbuch, Frankenfels 1987, S. 450
  5. Bernhard Gamsjäger: Frankenfelser Häuserbuch, Frankenfels 1987, Seite 422

Literatur

  • Franz Xaver Schweickhardt: Darstellung des Erzherzogthums Österreich unter der Ens, Viertel Ober-Wienerwald (heute etwa Mostviertel), 7. Band: Schwerbach-Gegend (Herrschaft Kirchberg) bis Weissenbach, Wien 1837 (Online-Version)
  • Bernhard Gamsjäger: Frankenfelser Häuserbuch, Frankenfels 1987
  • Ortsbauernrat Frankenfels (Hubert Größbacher) (Hrsg.): Frankenfelser Flurdenkmäler. Frankenfels um 1995
  • Bernhard Gamsjäger und Ernst Langthaler (Hrsg.): Das Frankenfelser Buch. Frankenfels 1997

48.01527777777815.3375Koordinaten: 48° 1′ N, 15° 20′ O