Wilhelm Beckmann (Maler)

Wilhelm Beckmann (* 3. Oktober 1852 in Düsseldorf; † 1942 in Berlin) war ein deutscher Maler.

Er war zu Lebzeiten ein bekannter Künstler, der auch Festzüge und lebende Bilder gestaltete und von vielen hochgestellten Persönlichkeiten als Porträtmaler angefragt wurde. 1905 wurden ihm das österreichische Ritterkreuz des Franz-Joseph-Ordens sowie der Rote Adlerorden verliehen.[1]

Inhaltsverzeichnis

Leben

Kindheit und Jugend

Wilhelm Beckmann wurde am 3. Oktober 1852 in Düsseldorf geboren. Seine Eltern führten am Carlsplatz ein gutgehendes Restaurant. Beckmann schreibt in seiner Autobiographie, dass sein Pate, der Stilllebenmaler Johann Wilhelm Preyer, bei der Taufe den Trinkspruch ausgebracht habe: „Dieser Junge soll dereinst ein Maler werden.“

Studium

Nach dem Besuch der Realschule studierte er ab Herbst 1868 an der Kunstakademie Düsseldorf bei Eduard Bendemann, dem ehemaligen leitenden Direktor. Wegen seiner Kurzsichtigkeit wurde er 1870 vom Kriegsdienst zurückgestellt. Nach einem Brand der Akademie wechselt er ab 1. April 1872 als Privatschüler zu Bendemann. Ein Jahr später bezieht er sein erstes eigenes Atelier. Im Herbst 1873 führt in eine Reise nach München, dort stellt er sich beim Direktor der Kunstakademie, Wilhelm von Kaulbach, vor. Offensichtlich fand Kaulbach Gefallen an Beckmann. Denn nachdem die Cholera in München immer weiter um sich griff, bot Kaulbach dem jungen Maler sein Gartenhaus als Quartier an. Über Nürnberg, Frankfurt, Mainz und Bonn kehrt Beckmann nach Düsseldorf zurück. Beseelt von der Reise entsteht sein Werk „Die Hussiten“. Der nächste Auftrag führt ihn nach Berlin, wo er für seinen Lehrer Bendemann zusammen mit Ernst und Fritz Roeber sowie Bendemanns Sohn Rudolf den Corneliussaal der Nationalgalerie mit Bendemanns Wandbildern ausmalt.

Erste Erfolge als Historienmaler

1877 führt ihn eine Studienreise nach Holland. Die auf der Kunstausstellung 1880 in Düsseldorf ausgestellte „Übergabe der Feste Rosenberg im Hussitenkrieg“ wird von einer Stockholmer Galerie angekauft, das Bild erfährt durch die Reproduktionen des Kunstverlages „Franz Hanfstaengl“ weite Verbreitung. Für den Umzug zur Fertigstellung des Kölner Domes am 16. Oktober 1880 wird Beckmann als einer der künstlerischen Leiter berufen. Die Darstellungen stoßen auf breite Zustimmung - Kaiser Wilhelm I. lässt die Teilnehmer nach Beendigung ein zweites Mal aufmarschieren – und legen den Grundstock für weitere Aufträge der Kölner Gesellschaft, etwa die Ausmalung des Saales im Gürzenich. Im Mai 1881 führte ihn eine Studienreise nach Paris zum Salon de Paris, der jährlichen Pariser Kunstausstellung, wo er auch Edouard Manet traf. Nach dem Rhein-Hochwasser 1882/1883 fertigte er einen Entwurf für die lebenden Bilder, mit denen Geld für die Hochwasserschäden gesammelt werden sollte.

Während er noch an einem Lutherbild arbeitet, erhält er von der Stadt Eisleben den Auftrag, den Festzug zum 400-jährigen Lutherjubiläum am 10. November 1883 zu arrangieren. Den Auftrag verbindet er mit einer Reise nach Merseburg, Torgau und Berlin. Im Februar 1885 reist er erneut nach München, das immer noch den Mittelpunkt der deutschen Malerei bildete. Sehr verbunden fühlt sich Beckmann mit Fritz von Uhde, dem „ultraradikalen Drauflosstürmer“. Von München aus macht er einen Abstecher nach Venedig. Der Plan, ein Bildnis des verstorbenen Richard Wagner zu malen, führt ihn 1886 nach erstmals nach Bayreuth. Im Juli fährt er zu den Bayreuther Festspielen und wohnt den Aufführungen von „Parzifal“ und „Tristan“ bei. Am 31.Juli überschattet der Tod Franz Liszts die Festspiele. Wieder daheim, gründet Beckmann - noch ganz unter dem Eindruck Bayreuths - in Düsseldorf den Richard-Wagner-Verein, der nach kurzer Zeit bereits 500 Mitglieder zählt.

Die Berliner Zeit

Als Kaiser Friedrich III. am 15. Juni 1888 stirbt, setzt sich Beckmann in den nächsten Zug und fährt nach Berlin, wo er auch die Erlaubnis zum Zeichnen erhält. Sein Bild des aufgebahrten Kaisers wird ein großer Erfolg. Es reist durch verschiedene Städte und wird besonders auch in Schulen gezeigt. Dieses Bild markiert die Zuwendung Beckmanns zum Realismus.

Der Erfolg bestärkt ihn darin, den Wohnort zu wechseln und nach Berlin zu ziehen. Dort erhält er vom Auswärtigen Amt die Anfrage, an einer Gesandtschaftsreise nach Marokko teilzunehmen, die vom 1. April bis zum Juni 1890 dauert. Im Herbst des Jahres wird er Lehrer der Porträt- und Malklasse des Vereins Berliner Künstlerinnen. Die Berliner Zeit ist auch gekennzeichnet durch eine Zunahme der privaten Aufträge, von denen einer ihn mehrmals nach Antwerpen führt. Dort lernt Beckmann seine spätere Frau kennen, die Tochter des deutschen Kaufmannes Köhler. Schon im Februar 1893 findet die Hochzeit in Antwerpen statt und die Braut folgt ihm nach Berlin.

Am 12. Mai 1896 reist er für die Deutsche Botschaft zu den Krönungsfeierlichkeiten des Zaren Nikolaus II. nach Moskau. Den Sommer verbringt das Ehepaar in Italien: über Venedig und Padua, Ravenna, Bologna und Florenz führt die Reise nach Rom, dann weiter nach Neapel und Palermo. Von Marsala setzen sie über nach Tunis, um von dort wieder Rom anzusteuern, wo sie den Winter verbringen. Besonderen Eindruck machte auf Beckmann ein Treffen mit Arnold Böcklin in Florenz an dessen 70. Geburtstag. Ende Juli 1898, nach über zweijähriger Reise, treffen die Eheleute wieder in Berlin ein.

Nicht zuletzt durch die Italienreise verändert sich die Einstellung Beckmanns. Er folgt nun den moderneren Kunstanschauungen und stürzt sich auf ein intensiveres Studium der Landschaft. Deshalb verbringt er einen Sommer in Mecklenburg und den folgenden in der Lüneburger Heide. Als Schriftführer der Kommission für die Große Berliner Kunstausstellung reist er 1904 nach München, Dresden, Wien und Budapest, um dort Kontakte zu den Künstlern zu knüpfen und sie zur Teilnahme an der Ausstellung aufzufordern. Die Glanzpunkte der Ausstellung wurden die ungarische Abteilung sowie die Kollektivausstellung von Franz von Lenbach, der noch während der Ausstellung im Mai 1904 starb. Beckmann reiste zusammen mit Paul Meyerheim als Abgesandter der Berliner Künstler zur Beerdigung, die einen tiefen Eindruck bei ihm hinterließ. Bei einer Audienz werden die Berliner Künstler von Prinzregent Luitpold empfangen, dessen Erscheinung Beckmann an einen „Waldgott“ erinnert. Im Mai 1905 unternimmt er eine Studienreise nach Paris, Reims, Luxemburg, Trier sowie an den Rhein und die Mosel. Zwei Jahre später wird er Mitglied der Kommission für die Große Berliner Kunstausstellung sowie Hängekommissar der Deutsch-Nationalen Kunstausstellung in Düsseldorf. Die Vorkriegsjahre sind geprägt von z.T. mehrfachen Studienaufenthalten in Tirol, Bayern sowie Lübeck. 1913 plant er als Leiter des Festkomitees zum Regierungsjubiläum des Kaisers ein mittelalterliches Turnier mit 2000 Beteiligten. Die Vorbereitungen auf einen Weltkrieg und die vom Reichstag beschlossene Wehrvorlage veranlassten Wilhelm II., die großangelegten Feierlichkeiten abzusagen. Beckmann widmet sich in dieser Zeit verstärkt der Interieurmalerei. Als Motive dienen ihm Räume in den Schlössern Paretz, Tegel, Schloß Belvedere in Weimar sowie im Rathaus von Lüneburg.

Der letzte Lebensabschnitt

Im Dezember 1918 stirbt seine Frau. Beckmann stürzt sich in die Arbeit, fährt zum Tegernsee und besucht anschließend die Schriftstellerin Elisabeth von Heyking auf Schloß Crossen an der Elster. 1920 führt ihn ein Auftrag zu Graf Finckenstein nach Pommern. Auch die Freundschaft mit der verwitweten Prinzessin Hermine von Schoeneich-Carolath führt zu mehreren Besuchen ihres Schlosses Saabor in Schlesien (heute Zabór). Sie heiratete 1922 den ehemaligen Kaiser Wilhelm II., der im niederländischen Exil in Haus Doorn lebte. Auch in Saabor sowie im nahegelegenen Trebschen (Trzebiechów) arbeitet Beckmann an seinen Interieurbildern. Dafür reiste er auch nach Bayern, wo er in Schloß Weikersheim und mehrmals in Schloß Sigmaringen arbeitet.

Auf diesen Reisen lernt er 1925 die aus Elbing stammende Witwe des Fabrikbesitzers Schmidt kennen, die er am 30. Januar 1926 in Berlin heiratet. Die Hochzeitsreise führt das frisch vermählte Paar nach Italien und Bayern. Beckmann verlässt Berlin und zieht zu seiner Frau nach Danzig. Auf Einladung von Lina von Hindenburg besuchen sie das Gut Neudeck, das 1928 dem Reichspräsidenten Paul von Hindenburg „vom deutschen Volke“ geschenkt wurde. Zu den Feierlichkeiten zum 80. Geburtstag Hindenburg erhält Beckmann eine Einladung in das Palais des Reichspräsidenten.

Beckmanns Autobiographie endet hier, weshalb über seine letzten Lebensjahre nichts bekannt ist. Er starb 1942 in Berlin.

Werke (Auswahl)

  • Übergabe der Veste Rosenberg im Hussitenkrieg, 1880
  • Reiherbeize, 1882
  • Luther nach seiner Rede auf dem Reichstag in Worms, 1884
  • Ausmalung der Burgkapelle von Abenberg bei Roth, 1886
  • Richard Wagner in seinem Heim Wahnfried, 1886
  • Straßenbild aus Marokko, 1890
  • Krönung des Zaren Nikolaus II. in Moskau im Jahre 1896
  • Die Gattin des Künstlers, 1926
  • Ansichten des Gutshauses von Neudeck, 1927
  • Selbstporträt, 1927
  • Oderlandschaft bei Carolath, 1929

Literatur

Wilhelm Beckmann, Im Wandel der Zeiten, Berlin 1930.

Einzelnachweise

  1. Der Artikel orientiert sich vorwiegend an der Autobiographie des Künstlers, vgl. Beckmann 1930.