Wilhelm Lenk von Wolfsberg

Wilhelm Freiherr Lenk von Wolfsberg um 1865, damals Generalmajor

Nikolaus Wilhelm Freiherr Lenk von Wolfsberg, Rufname Wilhelm, (* 17. März 1809 in Budweis; † 18. Oktober 1894 in Troppau) war ein österreichischer Offizier (Feldzeugmeister) und Naturwissenschaftler aus der Familie Lenk von Wolfsberg.

Inhaltsverzeichnis

Biographie

Als Kadett wurde er seit 1823 in den österreichischen Militärausbildungsstätten erzogen, doch war er während seiner Laufbahn nicht nur Offizier im Feld, sondern auch Forscher auf dem Gebiet der technischen Chemie.

1852 beförderte man Wilhelm als Hauptmann der Wiener Artillerie-Zeugs-Verwaltungs-Distrikts beim 2. Artillerieregiments zum Major.

1854 wurde er zum Oberstleutnant ernannt und Vorstand der 2. Abteilungder General-Artillerie-Direktion.[1] Diese Position hielt er inne, bis er außer der Rangtour 1861 zum Generalmajor befördert und mit der Leitung des Artillerie-Comités betraut wurde.[2]

1862 erfolgte die Berufung zum Landes-Artillerie-Direktor in Wien 1862.[3][4]

Als Generalmajor[5], wurde er 1866 zweiter Inhaber des 1. Artillerie-Regiments "Kaiser Franz Joseph"[6]und sorgte als Artilleriechef im Krieg von 1866 für die Armierung des Brückenkopfs bei Florisdorf, was ihm 1867 die Beförderung zum Feldmarschalleutnant einbrachte und 1871 die Ernennung zum Inhaber des Corpsartillerie – Regiments Nr. 4.

Im April desselben Jahres vertraute man ihm das Festungskommando in Olmütz an, das er bis zu seiner Pensionierung ausübte.

Am 1. April 1877 wurde er zum Feldzeugmeister a. h. ernannt und trat auf eigenen Wunsch in den Ruhestand.[7][8]

Technische Leistungen

Er beschäftigte sich ab 1849 mit technischen Arbeiten, vor allem intensiv mit der Verbesserung und Verdichtung der Schießbaumwolle [Trinitrozellulose].

Das Verfahren der geregelten Verdichtung der Faser bei der Schießbaumwolle wurde am 4. Juni 1864 patentiert. Er wurde deswegen zu Vorträgen nach England und Frankreich gebeten. In Frankreich durfte er Kaiser Napoleon III. persönlich berichten und empfing aus dessen Hand das Kommandeurkreuz der Ehrenlegion sowie eine mit dessen Initialen versehenen, reich mit Brillianten verzierten Dose.[7][9]

Die Produktion wurde aber – wegen zweier Magazinexplosionen 1865 aus Furcht vor Selbstentzündung in Österreich vorschnell aufgegeben.

A. Grün schreibt dazu: „Es war eine verhängnisvolle Voreiligkeit, dass die von Generalmajor Lenk von Wolfsberg entwickelte Methode, Schießbaumwolle als Treibmittel bei Geschützen zu verwenden, nach der Explosion eines Depots nicht weiterverfolgt wurde. Schließlich war gerade auch die österreichische Artillerie, deren Offiziere Absoventen der [Ingenieurs]akdemie waren Hauptleidtragende der Niederlage bei Königgrätz: die Batterie der Toten“.[10]

Weiters erfand Wilhelm einen sich gut bewährenden Perkussionszünder, eine Kartätschgranate, zerlegbare Rohre für Gebirgsgeschütze. Auch lieferte er eine Konstruktion der so genannten Keilzüge bei gezogenen Geschützen. Die Resultate überzeugten, infolgedessen man 30 Feldbatterien damit ausrüstete.>[9][8]

Feldzeugmeister Wilhelm Freiherr Lenk von Wolfsberg um 1877

Leistung aus heutiger Sicht

Seine Forschungsarbeit ist bis heute nicht ganz vergessen.

Gerhard Freiherr von Ledebur schreibt in seinem Buch über die geschichtliche Darstellung der Seemine, dass Lenk die Herstellung einer Trinitrocellulose gelungen war, die die militärischen Forderungen nach langer Haltbarkeit, gleichmäßiger Verbrennung bei hoher Effizienz erfüllte.[11]

In der Schrift der „European Association for Chemical and Molecular Sciences“ steht in der Rubrik „Erfidungen von 1849“ zusammen mit den Namen von Ebelman, Halliday, Max von Pettenkofer im Bereich technische Chemie der von Wilhelm Lenk von Wolfsberg.[12]

Auch in der Festschrift der Hirtenberger AG (bis 1851 Serafin Keller) anlässlich des 150-jährigen Bestehens, die auf Grund Lenks Bestrebens errichtet wurde, wird Wilhelm wie folgt erwähnt: „Hier wurde Schießbaumwolle erzeugt, um sie als Treibmittelersatz für das damals einzig bekannte Treibmittel Schwarzpulver für die österreichische Artillerie zu verwenden. Hinter dieser revolutionären Idee stand Hauptmann Wilhelm Freiherr Lenk von Wolfsberg, der vom General-Artillerie-Direktor Franz Ritter von Hausloh bei diesern Projekt unterstützt wurde.“ Weiters wird das o. a. Stoppen des Projektes erwähnt, da, wie es hieß, die Zeit dafür noch nicht reif gewesen sei. Das Nitrosezellulosepulver sollte erst 1890 Einzug in die Waffen- und Munitionstechnik erhalten.[13]

Die letzte Erwähnung stammt schließlich vom Österreichischen Bundesheer 2010: „1860 verbesserte der österreichische Offizier Wilhelm Lenk von Wolfsberg die Schiessbaumwolle.“ Weiterhin wurde auf die unabdingbare Mitverwendung dieses Materials für die Herstellung von Torpedos ab den 1890-er Jahren hingewiesen.[14]

Auszeichnungen

Familie

Berta geb. Freiin Lenk von Wolfsberg (um 1865)
Familie Lenk von Wolfsberg (um 1865)

Von Wolfsberg heiratete am 24. Juni 1833 in Mainz Eveline Aloisia Schreher (* 2. November 1810 in Mainz; † 7. Januar 1871 in Troppau). Aus dieser Verbindung gingen die Söhne Rudolf und Eugen sowie drei Töchter (Eveline, Malwine und Berta) hervor. Letztere, Susanne Friederike Bert(h)a Hermine (* 28. Dezember 1843 in Mainz; † 12. Oktober 1906 in Wien) war mit dem Reichsratsabgeordneten, Großgrund- und Brauereibesitzer Freiherrn Karl Borromäus Ferdinand Putz von Rolsberg (1852–1921)[22], Malvine (* 14. Oktober 1839 in Mainz; † 23. September 1866 in Troppau) mit dem Generalmajor Constantin Buol von Wiischenau (* 19. November 1822; † 4. Oktober 1893).[23]

Einzelnachweise

  1. k. k. Armee-Verordnungsblatt No. 42, S. , vom 24. Juli 1854
  2. Armee-Nachrichten No. 6, S. 39, vom 15. März 1861
  3. Allgemeiner Militär-Kalender auf das Jahr 1866, 6. Jg., S. 46, Verlag von Chr. Winter, Frankfurt a.M. 1866,
  4. Dr. Constant von Wurzbach, Biographisches Lexikon des Kaiserthums Österreich, Verlag der k. k. Hof- und Staatsdruckerei, 14. Teil, S. 362, Wien, 1865
  5. Beilage zu Allgemeinen Zeutung Nr. 44, München vom 13. Februar 1862
  6. Allgemeiner Militärkalender auf das Jahr 1866, Verlag Chr. Winter, Frankfurt a. M., S. 46
  7. a b c Constant von Wurzbach: Lenk von Wolfsberg, Wilhelm, in: Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich. 14. Teil. Verlag der k. k. Hof- und Staatsdruckerei, Wien 1865, S. 361–363
  8. a b Egger: Lenk von Wolfsberg, Wilhelm. In: Österreichisches Biographisches Lexikon 1815–1950 (ÖBL). Band 5, Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Wien 1972, S. 136.
  9. a b Meyers Konversationslexikon. Band 18. 1890, S. 579
  10. Dietmar Scharmitzer, Anastasius Grün (1808-1876), Leben und Werk, Böhlau Verlag Wien . Köln . Weimar, 2010, S. 351
  11. Gerhard Freiherr von Ledebur, "Die Seemine", Verlag J. J. Lehmann, München 1977
  12. European Association for Chemical and Molecular Sciences, Webseite
  13. Hirtenberger AG (Hrsg.): Hirtenberger AG. Die ersten 150 Jahre. Festschrift anlässlich des Firmenjubiläums, Hirtenberger AG, Hirtenberg 2010, S. 19
  14. Österreichs Bundesheer - Truppendienst - Ausgabe 6/2010
  15. k. k. Armee-Verordnungs-Blatt Nr.46, S. 141, vom 12. August 1854
  16. k. k. Armeeverordnungsblatt No. 40, S 137 vom 10. Oktober 1861
  17. Armee-Nachrichten, Beilage zur militärischen Zeitschrift No. 20, S. 145, vom 15. Oktober 1861
  18. Hof- u. Staatshandbuch des Kgr. Bayern, München 1867
  19. Das Vaterland, Zeitung für die Österreichische Monarchie vom 20. Oktober 1894 (Digitalisat ANNO)
  20. Streffleurs Österreichische Militärische Zeitschrift VII. Jahrgang, 3. Band, VIII. Heft, Verlag Carl Gerold's Sohn, Wien 1866, S. 193
  21. Anno: "Das Vaterland" Zeitung für die Österreichische Monarchie vom 20. Oktober 1894
  22. Maximilian Mayerhoffer, Stammtafel und Adelsnachweise der Familie Putz von Rolsberg, Tannheim 1951
  23. Schweizerisches Geschlechterbuch - Almanach généalogique suisse, Band 3, Genealogisches Institut Zwicky., 1910, S. 90

Literatur