Wilhelm Reich

Wilhelm Reich (* 24. März 1897 in Dobzau, Galizien, Österreich-Ungarn; † 3. November 1957 in Lewisburg, Pennsylvania, USA[1]) war ein österreichisch-US-amerikanischer Psychiater, Psychoanalytiker, Sexualforscher und Soziologe. Mit der von ihm ab 1934 entwickelten Vegetotherapie war er einer der wesentlichen Begründer der Körperpsychotherapie. Nach seiner „Entdeckung des Orgons“ 1940 bezeichnete Reich seine Lehre als Orgonomie.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Gedenktafel für Wilhelm und Annie Reich in Berlin

Wilhelm Reich wurde 1897 als erster von zwei Söhnen des Gutsbesitzers Léon Reich und dessen Frau Cecilia geboren. Reichs Geburtsort Dobzau, auch Dobrzanica, liegt im damals österreichischen Teil Galiziens, der Ort Jurinetz, wo Reich den Großteil seiner Kindheit verbrachte, in der Bukowina, dem damals östlichsten Teil des k.u.k. Österreich-Ungarn. Reichs Eltern waren zwar jüdischer Herkunft, hatten sich aber vom jüdischen Glauben gelöst, weshalb Reich keine religiöse Erziehung erhielt. Er wurde zuhause von Privatlehrern unterrichtet, bis er auf das Gymnasium von Czernowitz ging. Mit einem dieser Privatlehrer unterhielt Reichs Mutter zeitweilig eine intime Beziehung, die der etwa elfjährige Wilhelm aufdeckte. Seine Mutter verübte Suizid, als er vierzehn war; sein Vater wurde schwermütig und zog sich bald darauf – mehr oder weniger absichtlich – eine Krankheit zu, an der er 1914 starb. Der siebzehnjährige Reich musste nun die Leitung des Gutsbetriebs übernehmen, wurde aber 1915 durch einrückende russische Truppen zur Flucht gezwungen. Er trat der k.u.k. Armee bei und blieb bis zum Kriegsende 1918 im Militärdienst.

Wilhelm Reich ging anschließend nach Wien und studierte, nach einem Semester Rechtswissenschaften, Medizin. Er wurde durch ein Seminar zur Sexualität, das sein Kommilitone Otto Fenichel außeruniversitär organisiert hatte, auf Sigmund Freud und die Psychoanalyse aufmerksam. 1920, noch als Student, wurde er – eine große Ausnahme – in die Wiener Psychoanalytische Vereinigung aufgenommen. Ohne jemals eine Lehranalyse abgeschlossen zu haben, praktizierte er mit kaum 23 Jahren als Psychoanalytiker und leitete von 1924 bis 1930 das Wiener Seminar für Psychoanalytische Therapie, wo man praktische Probleme der Behandlung systematisch erforschte. Aus den Diskussionen im Seminar für Psychoanalytische Therapie und aus einer konsequenten Weiterentwicklung der Freudschen Libidotheorie zur Orgasmustheorie (1927) gingen seine therapietechnischen Innovationen hervor: von der Widerstandsanalyse zur Charakteranalyse (1933), danach zur körperorientierten Vegetotherapie (1935) und in den 1940er Jahren zur Orgontherapie.

Unter dem Eindruck der Geschehnisse beim Wiener Justizpalastbrand vom 15. Juli 1927 trat Reich in die Kommunistische Partei Österreichs ein[2] und wurde politisch aktiv. Unter anderem eröffnete er mit Marie Frischauf und anderen kommunistischen oder sozialdemokratischen Ärzten in verschiedenen Stadtteilen Wiens Sexualberatungsstellen.[3]

Reich heiratete 1921 in Wien eine ehemalige Patientin, die Medizinstudentin Annie Pink, die später ebenfalls Psychoanalytikerin wurde. Aus der Ehe, die bis 1932 dauerte, gingen zwei Töchter hervor: 1924 Eva und 1928 Lore. 1933 wurde die Balletttänzerin Elsa Lindenberg, die Reich in Berlin kennengelernt hatte, im skandinavischen Exil ohne formelle Eheschließung seine zweite Frau; sie blieb jedoch, als Reich 1939 nach New York emigrierte, in Norwegen. In den USA heiratete Reich Ilse Ollendorff, die aus Deutschland emigriert war. Diese Ehe, aus der 1944 der Sohn Peter hervorging, wurde 1954 geschieden.

Reich war mit A. S. Neill befreundet und schickte später seinen Sohn Peter auf dessen Schule Summerhill.

Mit der Orgasmustheorie führte Reich ein Kriterium für psychische Gesundheit und somit auch als Therapieziel ein: die orgastische Potenz. Zugleich betonte er, dass dieses Ziel nur schwer erreichbar ist und die Neurose als Massenerscheinung ohnehin nicht durch Einzeltherapien zu beseitigen sei, sondern nur durch Prophylaxe. Sowohl wegen seiner Auffassung von psychischer Gesundheit als auch wegen der im Gebot der Prophylaxe implizierten politischen Konsequenzen geriet Reich schon um 1926 in einen schwelenden Konflikt mit Freud, der schließlich – ohne jede sachliche Auseinandersetzung – im August 1934 zu Reichs Ausschluss aus der Internationalen Psychoanalytischen Vereinigung (IPV) führte.[4]

Seit Mitte 1927 hatte Reich außerdem, parallel zu seiner Arbeit innerhalb der Psychoanalyse, eine Synthese von Marxismus und Psychoanalyse (siehe: Freudomarxismus) auf theoretischer wie praktischer Ebene versucht. Er war 1930 von Wien nach Berlin gegangen, wo er der KPD beitrat und 1931 den Deutschen Reichsverband für Proletarische Sexualpolitik gründete, kurz: die Sexpol. Auch diese Arbeit war so konfliktträchtig, dass er 1933, vor allem wegen seines Buches Massenpsychologie des Faschismus,[5] aus der Partei ausgeschlossen wurde. Reichs Buch Die Sexualität im Kulturkampf (1936)[6] enthält eine scharfe Kritik der rückschrittlichen Entwicklung in der Sowjetunion unter Stalin.[7]

Reich lieferte mit seiner Massenpsychologie des Faschismus die erste größere, aus psychoanalytisch-gesellschaftskritischer Sicht geschriebene Auseinandersetzung mit dem Faschismus bzw. dem Nationalsozialismus. Er behauptet einen fundamentalen Zusammenhang zwischen autoritärer Triebunterdrückung und faschistischer Ideologie. Die patriarchalische (Zwangs-)Familie als Keimzelle des Staates schaffe die Charaktere, die sich der repressiven Ordnung, trotz Not und Erniedrigung, unterwerfen. Das später von Erich Fromm entwickelte Konzept des autoritären Charakters sah Reich als verwässerndes Plagiat seiner Theorie an.[8]

Als Reich Ende 1930 nach Berlin kam, begann Fritz Perls, der bereits 1927 in Wien an Reichs „Technischem Seminar“ teilgenommen hatte, eine Lehranalyse bei ihm. Sie wurde durch die Emigration Reichs im Frühjahr 1933 beendet. Reichs Einfluss war maßgeblich für Perls' spätere Entwicklung der Gestalttherapie.[9]

1933 floh Reich zusammen mit seiner Frau vor den Nationalsozialisten zunächst nach Wien und emigrierte dann nach Dänemark. Seine Bücher wurden zu dieser Zeit in Deutschland verbrannt. 1934 verlor er die Aufenthaltsgenehmigung für Dänemark und floh deshalb nach Norwegen. Im August 1939, kurz vor Beginn des Krieges, übersiedelte Reich mitsamt seinem Labor nach New York, was nur möglich war, weil er einen Lehrauftrag an der New School for Social Research erhalten hatte. Dort hatte er Einfluss auf spätere Körperpsychotherapeuten wie Alexander Lowen, die insbesondere seine Erweiterung der psychoanalytischen „Redekur“ zu einem psychosomatischen Konzept schätzten. Reich hatte in den 1930er Jahren von dem damals zu den führenden Physiologen zählenden Friedrich Kraus das Konzept der „vegetativen Strömung“ übernommen und seine Charakteranalyse zur Vegetotherapie weiterentwickelt.

Parallel dazu hatte Reich ein gut ausgestattetes Labor eingerichtet, mikrobiologische Forschungen durchgeführt und schließlich vesikuläre Gebilde im Grenzbereich zwischen Anorganischem und Organischem gefunden, die er nicht zu identifizieren vermochte und deshalb mit einem neuen Begriff als Bione bezeichnete.[10] Die Arbeit mit ihnen führte ihn zum Postulat einer „spezifisch biologischen“ Energie, die er Orgon nannte. Diese Energie sei, so Reich, in Orgonakkumulatoren konzentrierbar und biophysikalische Grundlage seiner Therapie.

Ein 1955 verfügtes gerichtliches Verbot der Verwendung dieser Orgon-Akkumulatoren sowie die Verfügung, diese Geräte selbst sowie alle seine Bücher zu vernichten, wurde von Reich nicht akzeptiert, da es sich um eine wissenschaftliche Frage handele, die nicht von einem Gericht zu klären sei. Nachdem ein Mitarbeiter Reichs gegen das gerichtliche Verbot verstieß, Orgon-Akkumulatoren über Grenzen der US-Bundesstaaten zu transportieren, wurde Reich 1956 zu einer zweijährigen Haftstrafe wegen „Missachtung des Gerichts“ verurteilt. Reich trat die Strafe am 12. März 1957 an und starb während der Haft am 3. November 1957. Als Todesursache wurde Herzversagen angegeben; eine Autopsie seines Leichnams fand jedoch nicht statt.

Reichs Bücher wurden zu Werbeschriften für den „Orgon-Akkumulator“ erklärt und unter Aufsicht der Food and Drug Administration (FDA) verbrannt. Die FDA bestand auf der Verbrennung aller Arbeiten Reichs, wenn in ihnen das Wort Orgon vorkam, oder, sofern nicht, wenn ihnen gedankliche Vorarbeit für die Orgonomie unterstellt werden konnte, so dass fast alle publizierten Schriften Reichs betroffen waren.[11]

Reich verfügte in seinem Testament, dass sein Nachlass erst fünfzig Jahre nach seinem Tode der Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt werde; die Dokumente wurden demgemäß im November 2007 von der Bibliothek der Harvard University Medical School für wissenschaftliche Studien freigegeben.[12]

Werk

Reich hinterließ ein interdisziplinäres Werk, das weit über die Grenzen der Psychologie oder Psychoanalyse hinausgeht: Auf der Makroebene ragen seine Arbeiten bis hinein in die politische Soziologie; auf der Mikroebene erstrecken sie sich über Biologie, Mikrobiologie bis hin zur Paraphysik. Man kann seine Beschäftigung als jeweils logische und unmittelbare Konsequenz der zuvor erbrachten Ergebnisse aus Forschungsarbeiten betrachten, die bei der Frage nach dem Verständnis und der Therapie psychischer Beeinträchtigungen ansetzen. Der heute mögliche Gesamtüberblick über sein Lebenswerk lässt deutlich erkennen, dass ein roter Faden seine Arbeiten durchzieht. Reich beginnt als Psychoanalytiker, beschreibt sehr ausführlich das Vorhandensein der verschiedenen Abwehrmuster des Menschen (Charakterpanzerungen, zunächst psychisch, dann somatisch) und die Möglichkeiten ihrer Auflösung. Seine konsequente Verfolgung der energetischen Basis (was Freud Libido-Ökonomie nannte, aber nicht weiterverfolgte) führte ihn zur Frage, was denn eigentlich das Lebendige sei, zur Entwicklung der Sexualökonomie und schließlich zur „Entdeckung des Orgons“.[13] Seine besondere Aufmerksamkeit galt der Erforschung der Krebserkrankungen, seiner Meinung nach eine Erkrankung des gesamten Organismus, der eine gestörte Pulsation des Orgons im Körper zugrunde liege, die wiederum in der Unfähigkeit des Organismus wurzele, sich vollständig den vegetativen Zuckungen im Orgasmus hinzugeben. Diese Unfähigkeit, die orgastische Impotenz des Menschen bzw. ihre Behebung, ist ein Kernpunkt seiner Arbeit.

In der Praxis gebührt ihm das Verdienst, dass er als einer der ersten die praktische Beratung in Sexualfragen fordert und auch durchführt, die selbst heute nur in Teilen erfüllt sind. Darüber hinaus hat er selbst unter erschwerten äußeren Bedingungen die „klinisch-therapeutische Arbeit mit Unterschicht-Klienten“ geleistet.[14] In diesem Zusammenhang muss auch sein sexualpädagogisches Wirken in der proletarischen Jugendbewegung erwähnt werden ("Der sexuelle Kampf der Jugend").[15]

Zahlreiche Autoren, auch wissenschaftliche Kritiker, bestätigten, dass Reichs Werk durch Stringenz und Logik gekennzeichnet ist (Fragestellung, Forschung, Ergebnisse, neue Implikationen). Die sexuelle Revolution der 1970er Jahre hat sich kaum - und wenn geschehen, dann oft in Verkennung seiner Auffassung von Sexualität - auf Reich berufen. Das besondere seines Werks ist die Entdeckung der ganzheitlichen Sicht des Menschen,[16] die u. a. in den Annahme gipfelte, dass „Erinnerungen immer von entsprechenden körperlichen Auswirkungen begleitet werden, (...) Emotionen sich in Form eines Muskelpanzers im Körper manifestieren“.[17]

Rezeption

Wissenschaft, Philosophie

Reichs Theorien über das „Orgon“ wurden und werden in der akademischen Naturwissenschaft nicht für diskussionswürdig erachtet. Sie werden gemeinhin als parawissenschaftlich betrachtet.

Die Thesen Wilhelm Reichs provozierten dennoch heftige Reaktionen, auch von Wissenschaftlern, z. B. von Peter R. Hofstätter und Erwin Ackerknecht.[18] Seine Arbeiten polarisierten und polarisieren heute noch sehr stark. Die frühen Beiträge im Rahmen der Psychoanalyse, auch noch deren Weiterentwicklung zur Charakteranalyse, fanden noch breite Zustimmung, doch schon sein Postulat der orgastischen Potenz als Therapieziel traf auf Skepsis und, insbesondere bei Freud, auf Ablehnung. Die Fortentwicklung der Charakteranalyse zur Vegetotherapie, also die Begründung der Körperpsychotherapie, wurde von der Mehrzahl seiner Kollegen, innerhalb und außerhalb der Psychoanalyse, als Irrweg betrachtet.

Albert Einstein, der 1941 privat Reichs Messungen an einem Orgonakkumulator überprüfte, konnte Reichs Postulat einer noch unerforschten Energieart nicht bestätigen. Er gab Reich eine konventionelle Interpretation der beobachteten Phänomene und schrieb ihm: „Ich hoffe, dass dies Ihre Skepsis entwickeln wird, dass Sie sich nicht durch eine an sich verständliche Illusion trügen lassen.“[19]

Reichs Theorien gerieten nach seinem Tod 1957 schnell in Vergessenheit. Ein Jahrzehnt später wurde er von der Studentenbewegung wiederentdeckt. Um 1964 brachte Monika Seifert die Kunde vom Werk Reichs aus England mit. Man las Reich zunächst nur als Freudo-Marxisten und als Herold einer sexuellen Revolution. Reichs einschlägige Werke wurden zu Bestsellern unter den sogenannten Raubdrucken.[20] Einige Jahre später entdeckte man Reich als Begründer der körperorientierten Psychotherapie und bald danach, mit dem Aufkommen der esoterischen New-Age-Bewegungen, auch als Entdecker einer von ihm in seinen späten Jahren postulierten „primordialen“ Lebensenergie Orgon. Unabhängig von dieser breiteren Rezeption hat sich seit 1967 in den USA das „American College of Orgonomy“ etabliert.[21] Körperorientierte Psychotherapieverfahren gründen auf Reichs Ideen, wurden aber von Nachfolgern wie Alexander Lowen, später Gerda Boyesen und heute von verschiedenen Vertretern der Körperpsychotherapie so stark nach neuen Erkenntnissen in der Psychologie und der Neurobiologie modifiziert, dass die ursprünglichen Vorstellungen von Reich oft nur noch wenig Bedeutung haben.

Reichs (potenzielle) Bedeutung für die Ideengeschichte des 20. Jahrhunderts wurde erstmals von Paul Edwards, dem Verfasser eines einst weitverbreiteten textbooks zur Philosophie und editor-in-chief der achtbändigen Encyclopedia of Philosophy (1967 ff.) in einem ausführlichen Artikel über Reich in dieser Enzyklopädie deutlich zu machen versucht. Edwards, der sich eines Urteils über Reichs Orgontheorie weitgehend enthält, hebt besonders Reichs Bedeutung als Religionskritiker hervor, der in seiner Charakterlehre gründlicher als Freud und andere die psychische (und somatische) Verankerung des religiösen Fühlens im Individuum erforscht habe. Außerdem betont Edwards die Bedeutung der Theorien Reichs für das Leib-Seele-Problem in der Philosophie des Geistes.[22]

Bernd A. Laska, der 1975–1982 die Zeitschrift „wilhelm-reich-blätter“ herausgab, versucht mit einem 1985 begonnenen „paraphilosophischen“ Projekt,[23] Reichs Rang als Aufklärer aus seinem Gegensatz zu Freud (als dem einflussreichsten Aufklärer im 20. Jahrhundert) abzuleiten, wobei er es für nebensächlich hält, welchen wissenschaftlichen Status nicht nur Reichs spätere Orgontheorie, sondern auch die psychologischen Theorien Freuds und Reichs aktuell haben. Reich ist dabei nach Laskas Auffassung eine von drei „Schlüsselfiguren“, deren Schicksale in der Geschichte der neuzeitlichen Aufklärung trotz unterschiedlichster Kontexte erstaunliche Ähnlichkeiten aufweisen und auf prinzipiell gleiche inhaltliche Positionen zurückzuführen sind: Neben Reich, der von Freud ins Abseits „verdrängt“ wurde (s. Weblink unten), La Mettrie, dessen Ideen im 18. Jahrhundert von Voltaire, Rousseau u. a. ausgeschaltet worden seien wie die Stirners im 19. Jahrhundert von Marx und Nietzsche.

Zum 100. Geburtstag (1997) und zum 50. Todestag (2007) Reichs fanden weltweit zahlreiche Kongresse bzw. Symposien über seine Ideen statt, die meist von Anhängern, aber in einigen Fällen auch von neutralen Institutionen veranstaltet wurden.[24]

Musik, Film

Regisseur Svoboda und Hauptdarsteller Brandauer bei der Premiere von The Strange Case of Wilhelm Reich (Wien 2012)

1985 veröffentlichte Kate Bush ein Video zu ihrer Single Cloudbusting, in dem der kanadische Schauspieler Donald Sutherland Wilhelm Reich darstellt und Kate Bush seinen Sohn Peter. Das Video basiert auf der Geschichte, dass Reich 1953 in Maine von Farmern engagiert wurde um Regen zu erzeugen. Trotz anders lautender Wettervorhersage regnete es innerhalb von 24 Stunden und Reich bekam eine mit den Farmern für den Erfolgsfall vereinbarte Summe.[25]

Der österreichische Filmemacher Antonin Svoboda produzierte 2009 die TV-Dokumentation Wer hat Angst vor Wilhelm Reich? und stellte 2012 den Spielfilm The Strange Case of Wilhelm Reich über die letzten Lebensjahre Reichs im Exil in den Vereinigten Staaten vor, in dem Klaus Maria Brandauer in der Rolle Reichs zu sehen ist.[26]

Schriften (Auswahl)

  • Der triebhafte Charakter (1925). In: Frühe Schriften I, Kiepenheuer & Witsch, Köln 1977
  • Die Funktion des Orgasmus (1927). Revidierte Fassung: Genitalität in der Theorie und Therapie der Neurose/Frühe Schriften II, Kiepenheuer & Witsch, Köln 1982
  • Dialektischer Materialismus und Psychoanalyse (1929)
  • Der Einbruch der Sexualmoral (1932). Erweiterte und revidierte Fassung: Kiepenheuer & Witsch, Köln 1972
  • Die Massenpsychologie des Faschismus (1933). Erweiterte und revidierte Fassung: Kiepenheuer & Witsch, Köln 1971
  • Charakteranalyse (1933). Erweiterte Fassung: Kiepenheuer & Witsch, Köln 1970
  • Was ist Klassenbewusstsein? (1934) – (Pseudonym „Ernst Parell“)
  • Die Sexualität im Kulturkampf (1936), rev. Neuauflage: Die sexuelle Revolution, Europäische Verlagsanstalt, Frankfurt am Main 1966
  • Die Bione (1938)
  • The Function of Orgasm (1942). Deutsches Original: Die Funktion des Orgasmus (völlig verschieden von dem Buch gleichen Titels 1927), Kiepenheuer & Witsch, Köln 1969
  • The Cancer Biopathy (1948). Deutsches Original: Der Krebs, Kiepenheuer & Witsch, Köln 1974
  • Listen, Little Man! (1948). Deutsches Original: Rede an den kleinen Mann, Fischer Taschenbuch, Frankfurt am Main 1984
  • Ether, God, and Devil (1949). Deutsches Original: Äther, Gott und Teufel, Nexus, Frankfurt am Main 1983
  • Cosmic Superimposition (1951)
  • The ORANUR Experiment – First Report (1951)
  • People in Trouble (1953). Deutsches Original: Menschen im Staat, Nexus, Frankfurt am Main 1982; verbesserte Auflage: Stroemfeld, Frankfurt am Main 1995
  • The Murder of Christ (1953). Übersetzt von Bernd A. Laska als Christusmord, Walter, Olten/Freiburg 1978
  • Contact with Space, The ORANUR Experiment – Second Report (1957)

Im Verlag und Vertrieb Zweitausendeins erschienen 1995–1997 Reichs „Späte Schriften“ in deutscher Übersetzung in sechs Bänden: 1) Die Bionexperimente; 2) Orop Wüste (Artikelsammlung), 3) Das ORANUR-Experiment – Erster Bericht; 4) Das ORANUR-Experiment – Zweiter Bericht; 5) Die kosmische Überlagerung; 6) Christusmord

Postum erschienen außerdem einige Bücher mit (auto-)biografischem Material:

  • Reich speaks of Freud, New York 1967. Deutsch auszugsweise (Raubdruck) als Wilhelm Reich über Sigmund Freud, o. O./o. J. (Schloß Dätzingen 1976)
  • Beverley A. Placzek (ed.): Record of a Friendship (Correspondence Wilhelm Reich/Alexander S. Neill), New York 1981. Deutsch als Zeugnisse einer Freundschaft, Kiepenheuer & Witsch, Köln 1986
  • Leidenschaft der Jugend. Eine Autobiographie 1897–1922 (frühe Arbeiten und autobiographische Manuskripte), Kiepenheuer & Witsch, Köln 1994
  • Beyond Psychology (Letters and Journals 1934–1939), New York 1994. Deutsch als Jenseits der Psychologie, Kiepenheuer & Witsch, Köln 1996
  • An American Odyssey (Letters and Journals 1940–1947), Farrar, Straus & Giroux, New York 1999
  • Where's the Truth? Letters and Journals 1948–1957, Farrar, Straus & Giroux, New York 2012

Literatur

  • David Boadella: Wilhelm Reich. Leben und Werk des Mannes, der in der Sexualität das Problem der modernen Gesellschaft erkannte und der Psychologie neue Wege wies. Scherz, Bern/München 1981; überarbeitete Neuausgabe unter dem Titel Wilhelm Reich. Pionier des neuen Denkens. Eine Biographie. Ebd. 1996, ISBN 3-502-13052-3 (engl. Orig. 1973).
  • Wilhelm Burian: Psychoanalyse und Marxismus. Eine intellektuelle Biographie Wilhelm Reichs. Makol, Frankfurt 1972; Neuausgabe: Sexualität, Natur, Gesellschaft. Eine psycho-politische Biographie Wilhelm Reichs. Ça-Ira, Freiburg im Breisgau 1985, ISBN 3-924627-04-5.
  • Janine Chasseguet-Smirgel / Béla Grunberger: Freud oder Reich? Psychoanalyse und Illusion, Ullstein, Frankfurt/M. u.a. 1979 ISBN 3-548-03583-3 (franz. Orig. 1976)
  • Karl Fallend, Bernd Nitzschke (Hrsg.): Der „Fall“ Wilhelm Reich. Beiträge zum Verhältnis von Psychoanalyse und Politik. Suhrkamp, Frankfurt 1997, ISBN 3-518-28885-7; überarbeitete und mit einem aktuellen Vorwort versehene Neuauflage: Psychosozial-Verlag, Gießen 2002, ISBN 3-89806-147-7 (Vorwort zur Neuauflage).
  • Karl Fallend: Wilhelm Reich in Wien. Psychoanalyse und Politik. Geyer-Edition, Wien 1988.
  • Jerome Greenfield: USA gegen Wilhelm Reich. Zweitausenundeins, Frankfurt am Main 1995, ISBN 3-86150-107-4 (engl. Orig. 1974).
  • Fritz Erik Hoevels: Wilhelm Reichs Beitrag zur Psychoanalyse. Ahriman, Freiburg 2001, ISBN 3-89484-813-8.
  • Birgit Johler (Hrsg.): Wilhelm Reich Revisited. Turia + Kant, Wien 2008, ISBN 978-3-85132-501-0.
  • Martin Konitzer: Wilhelm Reich zur Einführung. Junius, Hamburg 1989; 2., überarbeitete Auflage 1992, ISBN 3-88506-879-6.
  • Bernd A. Laska: Wilhelm Reich in Selbstzeugnissen und Bilddokumenten. Rowohlt, Reinbek 1981; aktualisierte 6. Auflage 2008, ISBN 3-499-50298-4 (Inhaltsübersicht und Auszüge online).
  • Harry Mulisch: Das sexuelle Bollwerk. Sinn und Wahnsinn von Wilhelm Reich. Hanser, München/Wien 1997, ISBN 3-446-18947-5 (niederl. Orig. 1973).
  • Stefan Müschenich: Der Gesundheitsbegriff im Werk des Arztes Wilhelm Reich (1897–1957). Görich und Weiershäuser, Marburg 1995, ISBN 3-922906-54-0 (Dissertation an der Universität Marburg).
  • Bernd Nitzschke: Wilhelm Reich (1897-1957). In: Volkmar Sigusch und Günter Grau (Hrsg.): Personenlexikon der Sexualforschung. Campus, Frankfurt am Main/New York 2009, ISBN 978-3-593-39049-9, S. 578-585.
  • Ilse Ollendorff-Reich: Wilhelm Reich. Das Leben des großen Psychoanalytikers und Forschers, aufgezeichnet von seiner Frau und Mitarbeiterin. Kindler, München 1975, ISBN 3-463-00606-5 (engl. Orig. 1969).
  • Peter Reich: Der Traumvater. Meine Erinnerungen an Wilhelm Reich. Bertelsmann, München/Gütersloh/Wien 1975, ISBN 3-570-02251-X; Simon & Leutner, Berlin 1997, ISBN 3-922389-79-1 (engl. Orig. 1973).
  • Charles Rycroft: Wilhelm Reich. Dtv, München 1972, ISBN 3-423-00847-4 (engl. Orig. 1971).
  • Bernd Senf: Die Wiederentdeckung des Lebendigen: Erforschung der Lebensenergie durch Reich, Schauberger, Lakhovsky u. a. Omega Aachen 2003, ISBN 3-930243-28-8.
  • Myron Sharaf: Wilhelm Reich. Der heilige Zorn des Lebendigen. Die Biografie. Simon & Leutner, Berlin 1994, ISBN 3-922389-60-0 (engl. Orig. 1983).
  • Christopher Turner: Adventures in the Orgasmatron. How the Sexual Revolution Came to America. Farrar, Straus & Giroux, New York 2011, ISBN 978-0-374-10094-0
  • Hermann Weber, Andreas Herbst: Reich, Wilhelm. In: Deutsche Kommunisten. Biographisches Handbuch 1918 bis 1945. 2. Auflage. Karl Dietz Verlag, Berlin 2008, ISBN 978-3-320-02130-6.
  • Colin Wilson: The Quest for Wilhelm Reich. Granada, London 1981, ISBN 0-246-11093-7.

Weblinks

 Commons: Wilhelm Reich – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Reich starb dort im Hochsicherheitsgefängnis Lewisburg Federal Penitentiary
  2. Wilhelm Reich: Menschen im Staat. (1937/1953) Frankfurt/M.: Stroemfeld 1995, S. 42
  3. Vgl. Wilhelm Reich: Erfahrungen und Probleme der Sexualberatungsstellen für Arbeiter und Angestellte in Wien. In: Der sozialistische Arzt, 5(1929), S. 98–102
  4. Weil in den Zeitschriften der Psychoanalytiker nur kurz sein „Austritt“ gemeldet wurde, veröffentlichte Reich 1935 einen Bericht über den Ausschluss Wilhelm Reichs aus der IPV
  5. Hier ist zu beachten, dass die seit 1971 im Handel befindliche Version der Massenpsychologie des Faschismus (Verlage k&w, Fischer-TB) eine von Reich terminologisch stark veränderte (Umwandlung marxistischer Begriffe) und um einige später in den USA geschriebene Kapitel erweiterte ist.
  6. Neuveröffentlichung 1966ff unter dem Titel Die Sexuelle Revolution
  7. Vgl. auch den kritischen Bericht über die Moskauer Prozesse in Reichs Zeitschrift für Politische Psychologie und Sexualökonomie.
  8. Für eine Zusammenfassung der Kritik an Fromm vom Standpunkt Reichs mit ausführlichen Zitaten aus mehreren Rezensionen siehe Bernd A. Laska: Über Erich Fromm
  9. Bernd Bocian: Fritz Perls in Berlin. Wuppertal: Peter Hammer 2007, S. 200ff, 248ff
  10. Beschreibung im Vorwort zu seinem Buch Die Bione (1938), nachgedruckt als Die Bionexperimente. Zweitausendeins, Frankfurt am Main 1995, S. 15-25
  11. Ausführlich dazu: Jerome Greenfield: USA gegen Wilhelm Reich. Frankfurt/M.: Zweitausendeins 1995, 486 S.
  12. Archives of the Orgone Institute
  13. Karl-Heinz Ignatz Kerscher, Taini Kerscher: Wilhelm Reich - die theoretischen Grundlagen der Sexualpädagogik. GRIN, München u. a. 2008, S. 36 ff.
  14. Helmut Johach: Von Freud zur humanistischen Psychologie : therapeutisch-biographische Profile : Sigmund Freud, Lou Andreas-Salome, Sándor Ferenczi, Georg Groddeck, Wilhelm Reich, Erich Fromm, Fritz und Laura Perls, Ruth C. Cohn. Transcript, Bielefeld 2009, S. 189.
  15. Friedrich Koch: Sexualität und Systemveränderung? Zur Bedeutung Wilhelm Reichs für die Sexualpädagogik. In: Hans-Jochen Gamm/Friedrich Koch (Hrsg.): Bilanz der Sexualpädagogik. Frankfurt am Main/New York 1977, Seite 39 ff. - Friedrich Koch: Sexualpädagogik und politische Erziehung. München 1975.
  16. Walter Leitmeier: Kompetenzen fördern: Gestalttherapeutisches Lehrertraining für Religionslehrer. Lit Verlag, Berlin/Münster 2010, S. 157.
  17. Gustl Marlock: Handbuch der Körperpsychotherapie. Schattauer, Stuttgart/New York 2006, S. 898.
  18. Vgl. Bernd A. Laska: Zur aktuellen Rezeption Wilhelm Reichs. In: wilhelm-reich-blätter, Heft 2/81, S. 96-100
  19. Dokumentiert in der Broschüre The Einstein Affair, hrsg. v. Orgone Institute Press, Rangeley ME/USA 1953
  20. Vgl. Albrecht Götz von Olenhusen/Christa Gnirss: Handbuch der Raubdrucke 2. Verlag Dokumentation, Pullach bei München 1973, S. 335–353
  21. The American College of Orgonomy
  22. Paul Edwards: Wilhelm Reich. In: Encyclopedia of Philosophy. New York: MacMillan 1968; idem in 2nd, enlarged edition 2006
  23. LSR-Projekt, dort auch Seiten der einstigen wilhelm-reich-blätter
  24. Conference on New Research in Orgonomy 2007 (Abstract of Papers)
    1. Wilhelm-Reich-Symposion Mainz des „Arbeitskreises Wilhelm Reich“ (Univ. Mainz)
    Kongress „Sexualität und Lebensenergie“ der deutschen Wilhelm-Reich-Gesellschaft
    Jüdisches Museum Wien, Ausstellung Wilhelm Reich 2007
    Sigmund Freud Privat Universität Wien, Symposium 50 Jahre nach Wilhelm Reich, 2007
  25. | Biografie beim Wilhelm Reich Infant Trust (englisch)
  26. Viennale 2012: The Strange Case of Wilhelm Reich - Antonin Svoboda (A 2012)