Willi Brundert

Willi Brundert vorne rechts

Willi Brundert (* 12. Juni 1912 in Magdeburg; † 7. Mai 1970 in Frankfurt am Main) war ein deutscher Widerstandskämpfer gegen den Nationalsozialismus und Politiker (SPD).

Inhaltsverzeichnis

Leben und Wirken

Ehrengrab in Frankfurt

Willi Brundert trat 1930 in die SPD ein, von 1931 bis 1933 war er Vorsitzender der Sozialistischen Studentenschaft an der Universität Halle. Im Widerstand arbeitete er im Kreisauer Kreis unter anderem mit Adolf Reichwein und Carlo Mierendorff zusammen. Bis zu seiner Einberufung zur Kriegsmarine im September 1941 arbeitete er als Steuersachbearbeiter. 1944 geriet er in britische Kriegsgefangenschaft.

Nach seiner Entlassung 1946 wurde er Ministerialdirektor im Wirtschaftsministerium von Sachsen-Anhalt und ab Mai 1948 Professor an der Universität Halle. Seine politische Überzeugung brachte ihn erneut in Konflikt mit der Staatsgewalt. Am 28. Oktober 1949 wurde er verhaftet und am 29. April 1950 im Dessauer Schauprozess gemeinsam mit Leo Herwegen wegen Wirtschaftssabotage und Sozialdemokratismus zu 15 Jahren Zuchthaus verurteilt. Nach sieben Jahren, die er überwiegend in Einzelhaft verbrachte, wurde er in die Bundesrepublik Deutschland entlassen und kam nach Hessen, wo er 1958 die Leitung der Landesfinanzschule in Rotenburg an der Fulda übernahm.

Dank seines rhetorischen Talents schaffte er bald auch einen politischen Aufstieg in der hessischen SPD. Von 1962 bis 1964 amtierte er als Staatssekretär und Chef der Staatskanzlei in der von Ministerpräsident Georg August Zinn geführten Regierung des Landes Hessen. Am 1. Juli 1964 wurde er zum Oberbürgermeister von Frankfurt am Main gewählt., wo er sich schnell Ansehen und Respekt in der Bevölkerung und in den einflußreichen Kreisen von Politik, Wirtschaft und Gesellschaft erwarb.

Seine Amtszeit war durch Finanznot und die erste Nachkriegsrezession von 1967 geprägt. Als Oberbürgermeister gelang es ihm, die Verschuldung der Stadt zu reduzieren und die Haushaltsdefizite abzubauen. Dafür musste er auch unpopuläre Entscheidungen durchsetzen, zum Beispiel 1965 den Verzicht auf die für 1969 geplante Bundesgartenschau, Gebühren- und Steuererhöhungen und Einsparungen in der Verwaltung. In seiner Amtszeit fielen Großprojekte wie der Bau der 1968 eröffneten Frankfurter U-Bahn, der Nordweststadt und der erste Hochhausrahmenplan von 1967. In der Kulturpolitik mußte Brundert im Streit um die Mitbestimmung an den Städtischen Bühnen vermitteln. Es gelang ihm, Ulrich Erfurth als Generalintendanten und Nachfolger des zurückgetretenen Harry Buckwitz zu gewinnen.

Bei seine Wiederwahl am 19. März 1970 war Brundert schon schwer erkrankt. Er litt an den Folgen der von Unterernährung und Mißhandlung während seiner DDR-Haft. Die Wiederwahl war zudem von der sogenannten Littmann-Affäre belastet. Der radikale Flügel der Frankfurter SPD forderte die Ablösung des Polizeipräsidenten Gerhard Littmann wegen der – politisch vom Oberbürgermeister zu verantwortenden – Polizeimaßnahmen gegen demonstrierende Studenten.

Am 7. Mai verstarb Brundert im Alter von 57 Jahren nach einer Lungenentzündung. Er erhielt ein Ehrengrab auf dem Frankfurter Hauptfriedhof. Nach ihm ist die Willi-Brundert-Siedlung im Frankfurter Stadtteil Hausen benannt.

Verheiratet war Willi Brundert mit Irmgard geb. Schrader († 1988) aus Wernigerode.

Auszeichnungen

Literatur

  • Jutta Braun, Nils Klawitter, Falco Werkentin: Die Hinterbühne politischer Strafjustiz in den frühen Jahren der SBZ/DDR. Berlin 1997, (Schriftenreihe des Berliner Landesbeauftragten für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen DDR) ISBN 3-934085-00-8
  • Wolfgang Klötzer (Hrsg.), Frankfurter Biographie. Erster Band A-L, Verlag Waldemar Kramer, Frankfurt am Main 1994, ISBN 3-7829-0444-3
  • Kurzbiografie zu: Brundert, Willi. In: Wer war wer in der DDR? 5. Ausgabe. Band 1. Links, Berlin 2010, ISBN 978-3-86153-561-4.

Weblinks

 Commons: Willi Brundert – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Aufstellung aller durch den Bundespräsidenten verliehenen Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich ab 1952