Yadegar Asisi

Yadegar Asisi (* 1955 in Wien), eigentlich Yadegar Azizi Namini, ist Architekt, Hochschullehrer und Künstler.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Asisi wurde als Sohn persischer Eltern in Wien geboren. Kindheit und Schulzeit verbrachte er in Leipzig. Von 1973 bis 1978 studierte er Architektur an der Technischen Universität Dresden und schloss sein Studium als Diplom-Ingenieur ab. Es folgte ein Studium der Malerei an der Hochschule der Künste in Berlin von 1978 bis 1984. Danach hatte Asisi von 1987 bis 1994 einen Lehrauftrag für perspektivisches Zeichnen an dieser Hochschule, 1991 war er Gastprofessor im Fachbereich Architektur ebenda. Von 1996 bis 2008 war er Professor für freie Darstellung im Fachbereich Architektur an der Beuth-Hochschule für Technik Berlin.

Nach mehreren Preisen in städtebaulichen Wettbewerben – gemeinsam mit seinen Kollegen aus dem Architekturbüro Brandt-Asisi-Böttcher bekam Asisi 1989 den Mies-van-der-Rohe-Preis für den Entwurf des Endbahnhofs der Berliner Magnetschwebebahn verliehen – wandte sich Asisi zu Beginn der 1990er Jahre besonders den Panoramadarstellungen zu.

Panometer

Mit seinen monumentalen Panoramabildern in den sogenannten „Panometern“ in Leipzig und Dresden knüpft er an die großen Panoramen des 19. Jahrhunderts an. Panometer ist eine Wortschöpfung des Künstlers, gebildet durch das Zusammenziehen der Wörter Panorama und Gasometer. Es bezeichnet einen umfunktionierten ehemaligen Gasometer, der heute als Ausstellungsgebäude für 360-Grad-Panoramen und besonderer Veranstaltungsort dient. Das Panometer Leipzig besteht seit 2003, das Panometer Dresden seit Dezember 2006. Beide Panometer zeigen großformatige, über 100 Meter lange und rund 30 Meter hohe Panoramadarstellungen. Das Asisi-Panorama „8848Everest360°“ im Panometer Leipzig betrachteten zwischen 2003 und Anfang 2005 rund 450.000 Besucher, das Nachfolgepanorama „Rom CCCXII“ seit November 2005 mehr als 300.000 Besucher. Das Panometer Dresden zeigt seit dem 10. September 2011 die überarbeitete Version von „Rom CCCXII“, in Leipzig ist seit dem 9. Juni 2012 die Panoramaausstellung „Amazonien“ zu sehen.

Werke

  • 8848Everest360° war das erste Riesenpanorama des Künstlers und wurde im Panometer Leipzig von 2003 bis 2005 und 2011 gezeigt. Ab Januar 2012 ist es dann wiederin Leipzig zu sehen.
  • Rom CCCXII ist der Titel eines 106 Meter langen und 31 Meter hohen Panoramagemäldes, das im Panometer Leipzig von 2005 bis 2009 und seit 2011 gezeigt wird. Das Gemälde, das auf einer Panoramadarstellung aus dem 19. Jahrhundert von Josef Bühlmann und Alexander von Wagner basiert, zeigte den Einzug Kaiser Konstantins mit seinen Soldaten im Jahr 312 n. Chr. in Rom, nachdem er bei der Schlacht an der Milvischen Brücke seinen Konkurrenten Maxentius ausgeschaltet hatte. Das Rundgemälde war die einzige umfassende Darstellung des antiken Rom im Maßstab 1:1; begleitet wurde es von einer Rahmenausstellung, die in die Themen Antike, Rom und Kaiser Konstantin einführt. Eine Rekonstruktion im Maßstab 1:1 der nur in Fragmenten vorhandenen, einst zwölf Meter großen Kolossalstatue des römischen Kaisers Konstantin präsentierte die Asisi Factory bei ihrem Panoramaprojekt „Rom 312“ im Panometer Leipzig, die zweite im Rahmen der Trierer Ausstellung „Konstantin der Große“ (2. Juni bis 4. November 2007).
  • 1756 Dresden ist der Titel eines 105 Meter langen und 27 Meter hohen Panoramagemäldes. Zwischen 2006 und 2011 wurde es im Panometer Dresden gezeigt, und ist dort, in einer überarbeiteten Version, ab Dezember 2012 wieder zu sehen. Es zeigt einen weitgehend historischen, aber auch teilweise künstlerisch frei interpretierten Ausblick auf das Dresden der Barockzeit im Maßstab 1:1.
  • Amazonien ist die aktuelle Ausstellung Asisis, die seit dem 9. Juni 2012 im Panometer Leipzig zu sehen ist. Sie zeigt die Wunderwelt des südamerikanischen Regenwaldes rund um den Amazonas (Amazonasbecken) auf einem 360°-Panorama mit über 3200 Quadratmetern Bildfläche. Untermalt von stimmungsvoller Musik komponiert von Eric Babak kann man einen kompletten Tag von Sonnenauf- bis Sonnenuntergang und Nacht sowie einen typischen Gewitterguss erleben. Abgerundet wird das Panorama von einer Ausstellung über Flora und Fauna des Amazonasbeckens, Daten und Fakten seiner Erforschung durch z. B. Alexander von Humboldt und einem annähernd originalgroßen Modell eines Urwaldbaumes.
  • Pergamon – Panorama der antiken Metropole wurde in Kooperation mit der Antikensammlung der Staatlichen Museen zu Berlin gezeigt. Das zweite Antikenpanorama Asisis war von Oktober 2011 bis einschließlich September 2012 im Ehrenhof des Pergamonmuseums auf der Berliner Museumsinsel zu sehen und war eine Attraktion der ersten umfassenden gleichnamigen Ausstellung der Antikensammlung zu Kultur, Alltag und Bedeutung der antiken Stadt Pergamon, heute Bergama in der Türkei, im Nordflügel des Pergamonmuseums. Das Panorama zeigt die vielbesungene Architektur und umgebende Landschaft Pergamons und stellt das Leben in römischer Zeit, zur Regierungszeit von Kaiser Hadrian dar. Gezeigt wird u. a. die künstlerische Rekonstruktion eines Teils des Frieses des Pergamonaltars, der parallel im Museum betrachtet werden kann. Außerdem waren zahlreiche Exponate im Museum – zum Teil erstmals ausgestellt – im 360°-Panorama Asisis wiederzufinden und lassen sich auf diese Weise in ihren antiken Alltag einordnen. Untermalt von der Geräuschkulisse einer antiken Stadt sowie dezenter Musik von Eric Babak ist ein ganzer Tag in der Antike von Sonnenauf- bis Sonnenuntergang und während der Nacht in Pergamon dargestellt.
  • Leipzig 1813 ist ein geplantes Panorama von Asisi. Es soll ab der zweiten Jahreshälfte 2013 im Panometer Leipzig gezeigt werden. Und zeigt die Völkerschlacht bei Leipzig aus der Perspektive der Stadt Leipzig vom Turm der Thomaskirche. Wie bei allen Panoramen Asisis wird die Musik wieder von Eric Babak gestaltet. Das Panorama ist Teil des Leipziger Jubiläumsjahres Leipzig 1813-1913-2013.
  • Die Mauer wird seit dem 23. September 2012 in einer extra für das Panorama gebauten Rotunde am Checkpoint Charlie in Berlin gezeigt. Es zeigt einen Blick auf die Anlagen der Berliner Mauer an einem grauen Novembertag in den 1980er Jahren in der Sebastianstraße. Yadegar Asisi verdichtet zahlreiche Aspekte des Kalten Krieges im Panorama. Er zeigt seine persönliche Beziehung zur Mauer; und stellt dar,wie banal alltäglich und zugleich subtil grausam das Leben in der geteilten Stadt war.

Literatur

  • Berlin 2005: Architektur-Panoramen; Ausstellung Juni/Juli 1995, Aedes East, Hackesche Höfe / Yadegar Asisi, Berlin, Aedes 1995
  • Yadegar Asisi: Architekt der Illusionen, Leipzig, Faber & Faber 2004. ISBN 3-936618-43-7

Weblinks