Zdenko von Forster zu Philippsberg

Zdenko Johann Emanuel Ernst Freiherr von Forster zu Philippsberg (* 9. Juni 1860 in Prag; † 15. Januar 1922 in Wien) war ein böhmisch-österreichischer Politiker. Er erwarb sich Verdienste um das böhmische und altösterreichische Eisenbahnwesen und um das Forstwesen und war erfolgreicher Brauereibesitzer.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Zdenko war der Sohn des Abgeordneten Michael von Forster zu Philippsberg, Mitglied einer im bayerisch-böhmischen Grenzgebiet lebenden Familie, die von Forstgütern und Brauereien lebte. Das Interesse Forsters für das Eisenbahnwesen wurde als Kind von seinem Vater gefördert, indem er ihn auf seinen ausgedehnten Reisen mitnahm. Er reiste mit seinen Eltern per Bahn nach Paris und London und war davon fasziniert. Zudem lernte er als Kind, fließend Englisch zu sprechen.

Nach einem Jusstudium in Prag und weiteren Studien in Wien und London, in denen er sich Kenntnisse über das Eisenbahnwesen erwarb, begann er im südböhmischen Raum Eisenbahnlinien zu planen und in Betrieb zu nehmen. Dabei kam es zu intensiver Zusammenarbeit mit Fürst Schwarzenberg und Graf Czernin.

Als Beamter schien er im Staatskalender erstmals 1886 als Ministerial-Concipist im k.k. Handelsministerium auf, 1890 als Ministerial-Vice-Secretär.[1] 1895 wurde Forster mit dem Ritterkreuz des Franz-Joseph-Ordens ausgezeichnet. Seit 1896 war er im neu gegründeten k.k. Eisenbahnministerium tätig, 1898 bereits als Vorstand des Präsidial-Bureaus. Im gleichen Jahr wurde er mit dem Orden der Eisernen Krone geehrt, 1903 mit dem Leopold-Orden. 1904 erreichte er den bis heute höchsten Beamtenrang in Österreich, Sektionschef.

Später leitete er das Ministerium in drei Kabinetten: 1908 / 1909 für drei Monate interimistisch im Kabinett von Richard von Bienerth-Schmerling, 1911–1916 als Minister im Kabinett Karl Graf Stürgkhs und nach siebenwöchigem Intermezzo zuletzt von 20. Dezember 1916 bis 23. Juni 1917 als Minister in der Regierung Clam-Martinic.[2]

Während seiner Amtszeit erfuhr das böhmische Eisenbahnwesen sowohl bei Bauten der k.k. Staatsbahnen als auch im Bau privater Bahnstrecken einen großen Aufschwung. Noch im hohen Alter war er im Eisenbahnwesen tätig und plante eine private Eisenbahnstrecke für Holztransporte seiner eigenen Ländereien. Die Strecke sollte über Mader nach Winterberg führen, wurde aber nicht vollendet. Die Bahnkörper der ausgeführten Bahnstrecke sind teilweise heute noch erkennbar.

Zdenko Forster zu Philippsberg war verehelicht mit Marianne Freiin von Ferstel (* 26. April 1869; † 13. Juli 1935)[3]; die Heirat erfolgte am 19. Juli 1890 auf Schloss Kojschitz. Der Ehe entstammten zwei Söhne: Michael Johann (*1892) und Anton Emanuel (*1894).

Forster, 1909 in den österreichischen Freiherrenstand erhoben[4], ist der Erbauer des Schlosses Kojschitz (Kojšice) bei Schüttenhofen in Böhmen, das nach den Plänen seines Schwiegervaters Heinrich von Ferstel errichtet wurde.

Forster wurde am 18. Jänner 1922 in der Ferstelschen Familiengruft auf dem Grinzinger Friedhof in Wien bestattet, wo auch seine Ehefrau Marianne ihre letzte Ruhestätte erhielt. Die Familiengruft besteht bis heute.[5][6]

Schloss Kojschitz

Literatur

Regier. Blatt des Königreich Bayerns 1823[7], Nummer 16. von Hellbach Seite 373. Und WB des KGR Bayern, X 32,

  • Von Hefner, Bayerischer Adel, Tabelle S 7 und 77.[8]
  • Zdenko von Forster zu Philippsburg: Das Böhmische Eisenbahnwesen im 20 Jhd. Wien, Prag 1910.[9]
  • Zdenko von Forster zu Philippsberg: Tagebuchaufzeichnungen der Jahre 1883 bis 1918. Privatbesitz.

Einzelnachweise

  1. Hof- und Staats-Handbuch der österreichisch-ungarischen Monarchie für 1890, k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Wien 1890, S. 376
  2. † Dr. Zdenko Forster.. In: Neue Freie Presse, Nachmittagblatt, 16. Jänner 1922, S. 4, oben Mitte. (Online bei ANNO)Vorlage:ANNO/Wartung/nfp
  3. Lotte Ferstel †.. In: Neue Freie Presse, Morgenblatt, 12. April 1922, S. 7, Mitte links. (Online bei ANNO)Vorlage:ANNO/Wartung/nfp
  4. ÖBL, Band 1, S. 338.
  5. Todesfälle.. In: Neue Freie Presse, Morgenblatt, 17. Jänner 1922, S. 6 Mitte. (Online bei ANNO)Vorlage:ANNO/Wartung/nfp
  6. Liste der in der Gruft Bestatteten auf der Website der Friedhöfe Wien GmbH.; Forster ist hier als Zdenko Forstel erfasst.
  7. Regierungsblatt für das Königreich Bayern erstmals 1826 erschienen. – Siehe: Permalink Deutsche Nationalbibliothek.
  8. bibliografisch uneindeutig
  9. nicht belegt

Weblinks