Zentralbad

Vorgängerbau Alter Ramhof in der Weihburggasse (oben links hinter dem Turm der Franziskaner-Kirche)
Kaiserbründl-Sauna im Zentralbad Wien
Weihburg-Gasse 18-20

Das Wiener Zentralbad (früher auch Centralbad oder Central-Bad), gelegen in einem Gründerzeit-Zinshaus des Späthistorismus in der Weihburg-Gasse 18-20, war seit seiner Eröffnung 1889 und bis in die 1970er Jahre eine exklusive Badeanstalt im Zentrum von Wien. Das Zentralbad hatte jedoch nie die Funktion eines Schwimm- oder gar Sportbades, sondern wurde von Anbeginn als eine Art Wellness-Institution konzipiert, die stets von ausgewiesenen Medizinern betreut wurde. Seit den 1980er Jahren ist in einem Teilbereich der Räumlichkeiten des Bades die Herrensauna[1] Kaiserbründl untergebracht.

Inhaltsverzeichnis

Vorgeschichte

Das Zentralbad gilt zu Recht als ältestes und vornehmstes noch heute bestehendes Bade-Etablissement in Wien. Es liegt zwischen Stephansdom und Stadtpark, in nächster Nähe zur ursprünglichen Stadtbefestigung, der Weihenburg (danach benannt heute die Weihburggasse) und dem Palais Coburg.Der noch heute auf dem Areal befindliche Hausbrunnen soll schon zur Römerzeit für das hier gelegene Brückenkopf-Castell genutzt worden sein. Er ist sehr ertragreich und speiste früher den Wasserbedarf mit einem täglichen Ausstoß von rund 200.000 Litern Frischwasser.[2]

Seit dem Mittelalter (erste urkundliche Erwähnung 1369) und bis zum Abbruch um 1880 befand sich der Alte Ramhof (ein Zentrum der Textil-Industrie) auf diesem Grundstück. Das Bad kann als Nachfolge-Institution einer Reihe von nahegelegenen Bädern des Mittelalters und der früheren Neuzeit gelten. In der näheren Umgebung des Franziskanerplatzes gab es folgende Bäder:

Seuchen wie Pest und Syphilis leiteten aber im 15. und 16. Jahrhundert einen Niedergang der Wiener Badekultur ein.[6] Seitdem in der Neuzeit für die Wiener Bürger Badegelegenheiten hauptsächlich vor den Stadttoren bestanden (in der Leopoldstadt im Dianabad und auf der Landstraße im Sofienbad), war auch in der Inneren Stadt die neuerliche Errichtung einer Badeanstalt wichtig.

Gebäude- und Innenarchitektur

Kaltes Bassin im Souterrain (1889)

Adolf Endl (1847-1887), der um 1885 die Leitung des Bauunternehmens Honus & Lang[7] übernommen hatte, entschloss sich, in dem Wohn- und Geschäftshaus in der Weihburggasse 18-20 ein repräsentatives Bad zu errichten. Dies wurde zu einem seiner wichtigsten Bauvorhaben, das er noch in der damals üblichen Formensprache des Späthistorismus gestaltete.[8] Hier plante er im Mezzanin, im Parterre und im Souterrain eine großzügig angelegte Badeanstalt, das spätere Centralbad (zunächst als Wiener General-Bad angekündigt). Da Endl noch 1887 starb (im selben Jahr, in dem er das Grundstück erwarb und die ersten Pläne entwarf), wurde das Projekt von seinen Partnern (wieder Honus & Lang) weitergeführt,[9] wobei sich aufgrund des Einspruchs der Anrainer – insbesondere der Mönche des Franziskanerklosters – bei der Fertigstellung erhebliche Verzögerungen ergaben.[10]

Mit den weiteren innenarchitektonischen Planungen wurde Albert Constantin Swoboda (1853-1941) betraut. Swoboda hatte nach seinem Studium an der Technischen Hochschule sowie an der Akademie der bildenden Künste Wien in Odessa und im Russischen Reich Erfahrungen im orientalisch-maurischen Stil gesammelt. Er zeichnete in der Folge für die Detailplanung (insbesondere die Innenausstattung) des Wiener Bades verantwortlich. Die elektrische Ausstattung übernahm die Firma Siemens & Halske. In der Neuen freien Presse ist die Eröffnung für den 26. Mai 1889 in einer großen Anzeige angekündigt worden.[11] Doch stammt nur ein Teil der architektonischen Entwürfe der heute noch erhaltenen orientalischen Ausstattung von Swoboda.[12] Ein Grund- und Aufriss des ursprünglichen Bades von 1889 ist in dem Artikel von Anton Honus abgedruckt:

Pläne als Beilage zu Anton Honus’ Aufsatz: Das Wiener Zentralbad

Das frühere Damen-Dampfbad[13] – das erst 1894 von den Gebrüdern Czada[14] in den vorigen Kesselräumlichkeiten eingerichtet wurde[15] und dessen Ausstattung wie beim Türkischen Bad des Schlosses Albrechtsberg in Dresden (1855) im maurischen Stil in Anlehnung an den Löwenhof der Alhambra in Granada gestaltet wurde – weist noch heute ein kleines Wasserbecken auf.[16] Noch heute ziert die Gemäuer des Bades Keramik der Firma Milton[17] aus Stoke-on-Trent[18]

Die in dem Bad vorgesehenen Anwendungen umfassten Dampf-, Schwefel- und Moorbäder, darüber hinaus gab es Frigidarien und Calarien (Wärmestrahlung aus dem Boden und Öfen von ca. 45°- 60 °C).

Eingang zur Damen-Abteilung
Bassin im Damen-Dampfbad (1894)

Erwähnungen und Urteile über das Bad in der Literatur

Central-Bad-Werbung um etwa 1900

Simon Baruch, der berühmte Pionier auf dem Gebiet der Hydrotherapie und Gründer des Öffentlichen Badewesens von New York bezeichnete die von den medizinischen Kapazitäten Josef Hertzka (Badearzt in Ischl) und Wilhelm Sperber beratene Bade-Institution als "the most substantial, elegant and complete bath in the world."[19] Um 1900 gehörte es für gehobene Schichten dazu, das Wiener Centralbad zu besuchen, und es wird auch in Reiseführern empfohlen.[20] Prominenteste Stammgäste des Etablissements waren – nach Auskunft der Fürstin Nora Fugger – um 1900 beispielsweise der jüngere Bruder des Kaisers Erzherzog Ludwig Viktor[21] sowie in den 1920er Jahren Eduard, Prince of Wales (später Herzog von Windsor). Die Popularität in gehobenen Kreisen geht auch aus literarischen Schilderungen hervor, in denen Besuche des Bades erwähnt werden.[22] Namhafte Künstler wurden für die Plakatwerbung verpflichtet, so auch Hermann Grom-Rottmayer, der 1904 zunächst einen Entwurf vorlegte, der zensiert wurde.[23] In einer überarbeiteten Version wurde er dann aber doch verwendet.[24]

Der österreichische Schriftsteller Karl Kraus kommt mehrmals in pikanten Zusammenhängen auf das Centralbad zu sprechen. Aus seinen knappen Anspielungen geht der Stellenwert bzw. die Wertschätzung des Bades in der öffentlichen Wahrnehmung um 1900 deutlich hervor: In der Fackel vom 8. November 1905 (VII. Jahr, Nr. 187) äußert Kraus sich unter dem Titel Die Kinderfreunde über einen Prozess gegen Dr. Theodor Beer beiläufig über den besonderen Komfort der (normalerweise) warmen Duschen im Centralbad.[25] In seinen "Ausgewählten Schriften" zu Sittlichkeit und Kriminalität (1908) kommentiert Karl Kraus die “Bitte um Aufhebung des § 129b, die das Wissenschaftlich-humanitäre Komitee in Berlin anläßlich der Reform des Strafgesetzes an den österreichischen Justizminister gerichtet hat”. Er geht hier also auf Magnus Hirschfelds Initiative ein, den Paragrafen gegen Homosexualität im Strafrecht auch in Österreich aufzuheben.[26] Und schließlich lässt Kraus in seinem Monumental-Drama Die letzten Tage der Menschheit (1915/1922) einen "Abonnenten" der Presse und einen "Patrioten" darüber sinnieren, ob denn die Bewohner von Downing Street 10 oder Schloss Schönbrunn sich regelmäßig badeten. Der Patriot glaubt zu wissen, dass weder da noch dort ein Badezimmer eingebaut sei und bezweifelt darüber hinaus auch (zu Recht), dass deshalb “der Kaiser […] ins Zentralbad” gehe.[27]

Renovierung und Adaptionen als Café und Sauna in den 1970er Jahren

Bassin im Damen-Dampfbad (2009)
Detail im maurischen Stil (2009)

Nach dem Zweiten Weltkrieg war das Bad bis in die 1970er Jahre mit getrennter Frauen- und Männerabteilung teilweise schon als Clubsauna in Betrieb. Dann übernahmen Johann Merkader, Peter Jansky und Gottfried Gindl als Pächter das Bad und renovierten es, teils auch aus Mitteln der Stadt Wien, unter denkmalgerechten Aspekten (Leitung der Arbeiten: Architekt Josef Freisling). Jansky betrieb im ebenerdigen Teil zwischen 1978 und 1981 ein Caféhaus, das u. a. auch von Friederike Mayröcker besucht wurde, übersiedelte mit dieser Institution jedoch anschließend in sein Operncafé Hartauer. Der Badebetrieb für Frauen wurde seit der Neueröffnung eingestellt, zunächst blieben aber für die männlichen Gäste nur die Teile des ehemaligen Damen-Dampfbades geöffnet.[28] Anlässlich der Neuwidmung des Etablissements seit Beginn der 1980er Jahre – als das Bad unter dem Namen Kaiserbründl als Herrensauna weitergeführt wurde – wurden eine Reihe von historisch bemerkenswerten oder auch recht spektakulären Vorkommnissen in Wiener Bädern stellvertretend der Institutionsgeschichte des Zentralbads einverleibt.[29] Zum Beleg, dass diese Badeanstalt mit dem eigentlichen Ursprung Wiens in Verbindung zu bringen sei, ist auch die Entlehnung des Namens "Kaiserbründl" der gefassten Wienfluss-Quelle (Kaiserbrünndl) herangezogen worden, die am 23. April 1882 von der Kaiserin Sisi besucht worden sein soll.[30] Für den konservatorischen Erhalt einerseits sowie den Ausbau des Bades andererseits sorgt eine Gruppe von Aktivisten, die sich Societas Conspiranti Heliogabali nennt und in Bezug auf ihre Pläne und Tätigkeiten auf die "Dombauhütte" des Stephansdomes anspielt. Diese Gesellschaft strebt – eigenen Angaben auf der Homepage gemäß – die Verwandlung des "Kaiserbründls" in den unterirdischen Sonnentempel des syrischen Hemesa an, "um nach einer Unterbrechung von 1777 Jahren die Divinatio Heliogabali zu vollenden." Man beruft sich dabei in einer speziellen Form des Jugendkultes auf den spätrömischen Jünglings-Kaiser Heliogabalus. Dieser verehrte in seiner kurzen Herrschaft, die er in einem Alter von 14 bis 18 Jahren zelebrierte, in rauschenden Festen und Orgien den antiken Gott Elagabal. Dieser Kult wurde damals in Rom zur Staatsreligion und frönte in den Augen römischer Traditionalisten vielfältigen sexuellen Lastern wie Homosexualität, Transsexualität, rituelle (sakrale) Prostitution, Androgynie und sogar Kastration.

Seit der Renovierung in den 1990er-Jahren weisen die Räumlichkeiten des Bades freizügige Wand- und Deckenmalereien des Künstlers und Bühnenbildners Stefan Riedl[31] auf. Teilweise sind sie von berühmten Gemälden oder auch bekannten Mythen (etwa Zeus und Ganymed) inspiriert,[32] wie etwa die von ihm ausgestaltete "Römische Grotte" (mit Lararium und Nymphaeum).[33] Die Decke des heute zu einem Tempel umgestalteten Saals des früheren Kalten Bassins im Herrenbad, das erst seit 1999 wieder zugänglich ist, zeigt Merkmale des Jugendstils. Das dort bis in die 1970er Jahre benutzbare Wasserbecken ist noch erhalten, wurde aber abgedeckt.

Für Frauen ist das Etablissement nur zu seltenen Anlässen zugänglich, für Club-Events oder Präsentationen. Es diente jedoch für eine ganze Reihe von Filmaufnahmen als Kulisse, darunter Comedian Harmonists, Tatort und eine Folge von Kommissar Rex. Auch namhafte Schauspieler, wie etwa Klaus-Maria Brandauer oder Hollywood-Star Mickey Rourke (9½ Wochen in Paris, 1997) drehten hier und George Michael war zu Gast.

Überregionale Medienberichte erlangte die Institution auch durch den Vermisstenfall des amerikanischen UNIDO-Mitarbeiters Aeryn Gillern, der sich unmittelbar vor seinem Verschwinden am 29. Oktober 2007 im Zentralbad-Kaiserbründl aufgehalten haben soll.[34]

Das heutige Publikum des Etablissements inkludiert Angehörige aller Gesellschaftsschichten (und unterschiedlichen Alters zwischen 18 und ca. 80 Jahren), darunter auch Künstler, Adel, Geistlichkeit und Diplomaten aller Gegenden der Welt.

Siehe auch

Historische Kabine

Literatur

  • Die moderne Zinshaus-Architektur. In: Wiener Bauindustrie-Zeitung/Österreichische Bauzeitung, Jahrgang 1888, S. 48 (Online bei ANNO)Vorlage:ANNO/Wartung/wbz
  • Ein neues Bade-Etablissement in Wien. In: Wiener Bauindustrie-Zeitung/Österreichische Bauzeitung, Jahrgang 1888, S. 69 (Online bei ANNO)Vorlage:ANNO/Wartung/wbz
  • Anonym: Wiener Central-Bad, I. Bez., Weihburggasse 18 u. 20. In: Der Bautechniker 9 (1889), S. 379ff.
  • Anton Honus: Das Wiener Zentralbad. In: Wochenschrift des Österreichischen Ingenieur- u. Architekten-Vereins 1890, Nr. 1, S. 1-3.
  • Anonym: Wiener Zentralbad. In: Gesundheits-Ingenieur: Zeitschrift für die gesamte Städtehygiene, Band 13, Nr. 11, R. Oldenbourg 1890, S. 371.
  • Victor Höfert: Die Neuanlagen im "Wiener Centralbad". In: Wiener Bauindustrie-Zeitung/Österreichische Bauzeitung, Jahrgang 1894, S. 613 (Online bei ANNO)Vorlage:ANNO/Wartung/wbz
  • Architektonische Details von ausgeführten modernen Wiener Wohn- und Geschäftshäusern, Villen etc. Wien 1896, Bl. 22.
  • Paul Kortz: Wien am Anfang des XX. Jahrhunderts, Wien 1905-1906, Bd. 2, S. 279.
  • Gunther Martin: Das Dampfbad aus 1001 Nacht. In: Wien Aktuell 6, 1976, S. 27ff. (Hier auch noch Farbabbildungen des heutigen “Tempels” mit Wasserbecken sowie der neobarock gestalteten ursprünglichen Herrengarderoben.)

Einzelnachweise

  1. So lautet die Bezeichnung des Etablissements auf der eigenen Homepage und dem Facebook-Profil.
  2. “Als das Centralbad in der Weihburggasse gebaut wurde, wollte man ursprünglich Hochquellwasser zu den Bädern benützen; schliesslich entschloss man sich aber, einen Brunnen zu graben.” Vgl. Die Wasserversorgung Wiens, nach dem officiellen Protokoll der K. K. Gesellschaft der Aerzte in Wien: Sitzungen vom 1., 8., 29. April und 6. Mai 1892. Hölder, 1892, S. 76.
  3. Es befand sich bis ins 18. Jahrhundert gut 100m entfernt (rechts neben dem Palais des Prinzen Eugen) auf der der Weihburggasse nicht zugewandten Straßenseite), also trotz seines Namens nicht auf dem eigentlichen Areal des Bürgerspitals.
  4. In der Wollzeile 11, Ecke Essiggasse 1 (heute ist dort die Buchhandlung Morawa) befand sich bis Mitte des 18. Jahrhunderts die letzte bereits im Mittelalter zugängliche Badestube dieser Gegend. In der Wollzeile Nr. 24 befand sich 1818-1898 das sogenannte “erste Wiener Dampfbad” Vgl. Felix Czeike, Historisches Lexikon Wien, 2004, Bd. 5, S. 676).
  5. Ein Verzeichnis der wichtigsten Bäder des Mittelalters und der frühen Neuzeit in Wien findet sich bei Leopold Senfelder in dem Beitrag “Öffentliche Gesundheitspflege und Heilkunde”. In: Anton Mayer, Hrsg.: Geschichte der Stadt Wien, Vom Ausgange des Mittelalters bis zum Regierungsantritt der Kaiserin Maria Theresia. Wien 1918, S. 242-249.
  6. Die Wiener Badehäuser wurden in den Jahren 1521, 1554, 1562 und 1691 zeitweise wegen Seuchengefahr geschlossen.
  7. Josef Honus (* um 1850, †1913) war Stadtbaumeister; Endls Stiefsohn Anton Lang (1860-1940) war wiederum Vater des berühmten Filmregisseurs Fritz Lang (M – Eine Stadt sucht einen Mörder).
  8. Dass der persische Botschafter Sam Ir Cha Kek Mitte der 1880er Jahre einen Neubau angeregt und diesen seinem Schwiegersohn geschenkt haben soll, gehört in den Bereich der Legenden, die sich um das Etablissement seit Jahrzehnten ranken.
  9. Anton Honus berichtete in einem Vortrag vom 7. Dezember 1889 davon, dass ursprünglich geplant war, das Architektenteam Fellner & Helmer mit einem Umbau des mittelalterlichen Vorgängerbaus (Alter Ramhof) zu beauftragen und hier schon die Idee entstand, aufgrund der “äußerst günstigen Wasserverhältnisse” eine Badeanstalt einzurichten, zumal sich Ende des 19. Jahrhunderts im Zentrum Wiens keine befand. A. Honus, Das Wiener Zentralbad. In: Wochenschrift des Österreichischen Ingenieur- u. Architekten-Vereins 1890, Nr. 1, S. 1.
  10. Wiener Bauindustrie-Zeitung 1888, S. 69.
  11. Das eleganteste Bad Wiens. Das Wiener Central-Bad, Stadt, Weihburggasse Nr. 20, wird Sonntag den 26. d. M. eröffnet.. In: Neue Freie Presse, Morgenblatt, 25. Mai 1889, S. 14 (Online bei ANNO)Vorlage:ANNO/Wartung/nfp
  12. Als Spezialist für Badeanlagen errichtete Swoboda dann noch weitere Einrichtungen dieser Art u. a. im (heute slowenischen) Marburg und in Pressburg. Alle diese Anlagen sind jedoch – bis auf das Wiener Bad – im Laufe der Zeit abgerissen worden.
  13. Damen-Dampfbad (1894).
  14. Die Entwürfe stammten von Franz Czada (1872-1903). Dessen älterer Bruder, bei dem es sich um den Baumeister Edmund Czada (1861-1920), zugleich den Vater der Maria Ley-Piscator handelt, führte die Pläne baulich aus.
  15. Bericht vom 17. Mai 1894 in der Wiener Bauindustrie-Zeitung, Nr. 33, Jg. 11, 1894 [1] Ab 14. Juni 1894 inserierte das Bad die Eröffnung der neuen Damen-Abteilung täglich[2] in der Neuen freien Presse.
  16. Damen-Dampfbad (2012).
  17. Vgl. F. Czeike, Historisches Lexikon Wien, 2004, Bd. 5, S. 696.
  18. Geburtsstadt des Titanic-Kapitäns und von Robbie Williams.
  19. Patricia Spain Ward: Simon Baruch: rebel in the ranks of medicine, 1840-1921, University of Alabama Press, 1994, S. 168.
  20. Hier heißt es, das Bad sei “nach Art des römischen Bades großartig [1912, S. 43: “sehr vornehm”] eingerichtet, in allen Räumen elektrisch beleuchtet, bietet den größten Luxus und enthält Dampf-, Wannen- und Heilbäder für Damen und Herren. Badezeit von 7 Uhr früh bis 6 Uhr abends, an Feiertagen Kassenschluß 2 Uhr nachmittags, an Sonntagen geschlossen." Wien und Umgebung. Griebens Reiseführer, 68 (1907, S. 27). Über das Römische Bad heißt es ebenda “Gehört unstreitig zu den schönsten Bädern” und sei “Elegant, komfortabel und billig.” 1941 erfolgt hier dagegen vom Zentralbad keine Erwähnung mehr. Zwischen 1937 und 1940 hatten auch die Pächter(innen) des Bades und der in diesem befindlichen Gastwirtschaft gewechselt: Zunächst waren es eine G.m.b.H., Martha Hernried und Auguste Jurak (Jb. Wiener Gastwirte, 1937, S. 31), dann Maria Steininger (1940, S. 24).
  21. "Nun ereignete sich aber der immer wieder erwähnte und oft völlig falsch beschriebene Vorfall im Zentralbad in der Weihburggasse, einer Institution die sich bis heute als Treffpunkt Homosexueller erhalten hat, damals aber nicht ausschließlich von gleichgeschlechtlich Veranlagten besucht wurde. Es gibt viele Varianten des Geschehens. Auf einen einfachen Nenner gebracht, könnte man die Situation so beschreiben: Ludwig Victor versuchte näheren Kontakt mit einem attraktiven jungen Mann herzustellen und erhielt eine Ohrfeige. Der Skandal konnte nicht mehr vertuscht werden und wurde rasch in weiten Kreisen bekannt. Angeblich soll Ludwig Victor, der wie wir wissen aus seiner Veranlagung kein großes Staatsgeheimnis machte, “mit seinem Hofwagen plus Lakaien” mehrmals wöchentlich in das Zentralbad gefahren sein. […] Homoerotische Exkursionen als Staatsakt sozusagen. Zuzutrauen wäre es ihm schon. Vielleicht hatte er auch einige seiner berühmten Uhren bei sich als Liebesgaben für die netten jungen 'Freunde'." Helmut Neuhold: Das andere Habsburg: Homoerotik im österreichischen Kaiserhaus, Tectum: Marburg 2008, p. 158.
  22. Richard von Schaukals Protagonist Heinrich Dietmann (Synonym für Schaukal selbst in seinem Roman Intérieurs aus dem Leben eines Zwanzigjährigen, Leipzig 1901, S. 94f.), besucht das Centralbad aus Langeweile.
  23. Hermann Grom-Rottmayer: Centralbad-Plakat (Litho-Entwurf 1904).
  24. Hermann Grom-Rottmayer: Centralbad-Plakat (zensierte Version 1912).
  25. Nur in einer sehr spezifischen Randbemerkung wird das Centralbad tangiert, und zwar wo es um Onanie geht: “Ein Junge hat ausnahmsweise von einem Professor gelernt, was er sonst unfehlbar von einem Mitschüler gelernt hätte. Die Tat des Erwachsenen mag beklagenswert sein. Aber dem offiziellen Österreich, dem Land der Konvikte, steht es wahrlich schlecht genug an, sich darüber zu entrüsten, daß die Jugend aus dem Geleise der normalen Geschlechtsentwicklung geworfen werde. In den Pflanzstätten bureaukratischen und aristokratischen Geistes wird freilich die Altersgrenze strenge respektiert, und es kommt dort gewiß selten genug vor, daß ein Knabe unter vierzehn Jahren einen älteren mißbraucht. Aber ist denn nicht die ganze österreichische Staatskunst ein Produkt mutueller Onanie? In diesem Reich der wüstesten theresianistischen Triebe sollte sich offizielle Sittlichkeit doch nicht so patzig machen! Ihre Blamierung würde wie eine kalte Dusche im Centralbad wirken.”
  26. “Sonderbare Schwärmer! Die nicht wissen, daß in Österreich nicht die Menschlichkeit Sexualgesetze macht, sondern die Sittlichkeit, nicht die Lebenserfahrung, sondern die Unverdorbenheit, nicht der Fortschritt, sondern die Feigheit, nicht Phantasie, sondern die normale Sexualität eines Universitätsprofessors und eines Oberstaatsanwalts. Die nicht wissen, daß eher die Furcht, für einen Dieb gehalten zu werden, den Gesetzgeber die Freigebung des Diebstahls wagen lassen wird, als die Furcht, für einen Päderasten gehalten zu werden, die Abschaffung des homosexuellen Strafparagraphen. Wahrlich, ich sage euch, es wird noch viel Wasser in das Bassin des Centralbades fließen, ehe sich die Erkenntnis Bahn bricht, daß kein Staatsbürger für die Richtung seiner Nervenwünsche verantwortlich gemacht werden kann!” (Bitte um Aufhebung des § 129b).
  27.  Karl Kraus: Die letzten Tage der Menschheit. Kapitel 5, Szene 37 (gutenberg.spiegel.de).
  28. Gunther Martin, in: Wien Aktuell, Heft 6 (Juni 1976), S. 27-29.
  29. Demnach sollen in den 1870er-Jahren, längere Zeit bevor das heutige Gebäude an dieser Stelle errichtet wurde, gekrönte Häupter das Bad besucht haben, nämlich Kaiser Franz Joseph (12. August 1873), Dom Pedro II. (13. März 1877) und der persische Schah Nāser al-Dīn (13. Juli 1878). Im Bad suggerieren repräsentative Porträts all dieser Kaiser die Authentizität von deren Besuchen. Für diese Persönlichkeiten (und in den relevanten Jahren) ist allerdings nur der Besuch des 1873 eröffneten, in der Nähe des Pratersterns gelegenen Römischen Bades belegt. Vgl. F. Czeike, Historisches Lexikon Wien, 2004, Bd. 4, S. 690.
  30. Vgl. F. Czeike, Historisches Lexikon Wien, 2004, Bd. 3, S. 420.
  31. Stefan Riedls Gemälde, die er bis 2011 schuf (und sich dort auch selbst mehrmals porträtierte) wurden vielfach abgebildet und beschrieben, so etwa als Zeitschriftencover "Glück im Unglück" (2000) (oder größere Abbildung) und in Internet-Blogs der Falter-Kolumnistin Comandantina Dusilova ("Narrative Exkursion in ein Bild meines alten Freundes Stefan Riedl") bzw. Andrea Maria Dusl ("Zwischen Stein und Anstoß").
  32. Abb. 1 und Abb. 2.
  33. Abbildungen der "Römischen Grotte" findet man unter dem Stichwort Wandmalereien auf Riedls Homepage. Sie befinden sich in der Nähe der Bar im Souterrain, sind jedoch bis auf Weiteres nicht für Badende zugänglich.
  34. Dazu gibt es eine ganze Reihe von Berichten in der Presse (z.B.: Der Tag, an dem Aeryn verschwand, Die Polizei, kein Freund und Helfer), eine parlamentarische Anfrage der Grünen (Vermisstenfall Aeryn Gillern), eine detaillierte Privatdokumentation über den Vermissten sowie inzwischen einen Dokumentarfilm unter dem Titel Gone (2011). Der Film wurde am 23. Oktober 2011 auch bei der Viennale gezeigt (Viennale-Tagebuch).

Weblinks

 Commons: Zentralbad (Wien) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

48.20578888888916.374591111111Koordinaten: 48° 12′ 21″ N, 16° 22′ 29″ O