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Wiener Friedhöfe#

Alltägliches und außergewöhnliches Gewerbe und Handwerk#

Symbolbild für Handwerk und Gewerbe
Foto: G. Jontes

Die Bundeshauptstadt Wien verfügt heute über 55 Friedhöfe mit ungefähr 778.000 Grabstätten. Das heißt, dass Millionen von Wienern und in Wien verstorbener Menschen hier ihre letzte Ruhestätte gefunden haben und dieses Millionenheer die heutige Einwohnerzahl um ein Vielfaches übertrifft.

Den größten Zuwachs erfuhr Wien mit der Eingemeindung der umliegenden Gemeinden mit ihren Pfarren und Friedhöfen, die vorher zu Niederösterreich gehört hatten. Diese existieren zum Teil noch immer und werden weiterhin belegt, wenngleich Diskussionen über ihre Auflassung immer wieder geführt wurden, da man persönliche Bindungen der ansässigen Familien nicht außer Acht lassen wollte. Die außerhalb des Linienwalls, einer vorgeschobenen Verteidigungslinie, gelegenen 34 Vorstädte wurden 1850-1861, die 33 noch verbliebenen Vororte wurden 1892-1904 eingemeindet.

Heute sind die Wiener Friedhöfe nicht nur Leichenäcker. Sie stellen mit ihren Grünflächen, ihrem Baumbewuchs nicht nur Erholungszentren der Stille und Andacht dar. Sie bieten auch zahlreichen Vögeln und Wildtieren eine sichere Bleibe. Darüber hinaus sind sie auch ein kunst- und kulturhistorischer Schatz. Zahlreiche in vielerlei Rang bedeutende Persönlichkeiten ruhen hier in von der Stadtgemeinde Wien zur Verfügung gestellten und erhaltenen Ehrengräbern. Auf diese Weise sind die Wiener Friedhöfe auch ein Pantheon österreichischer und europäischer Kultur, das immer wieder das Interesse von Geschichtsinteressierten weckt.

Daneben sind Friedhöfe auch ein Beispiel, wie der Tod alle gleich macht. Alt und Jung, Arm und Reich sterben. Und danach richten sich auch die Grabstätten, die vom Armengrab bis zum prunkvollen Mausoleum reichen. Künstler, Geschäftsleute, Industrielle, hohe Militärs und Politiker verewigen sich auf andere Weise als biedere Handwerker und Gewerbetreibende, die auf ihren Grabsteinen stolz verkünden lassen, wie weit sie es mit ihrer Hände Arbeit gebracht hatten. Grabsteine sind auch Indikatoren von Selbstdarstellung und Eitelkeit. Und sie berichten auch von längst ausgestorbenen Metiers, wie diese Auswahl zeigen möge.