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Der Geschichte auf der Spur #

Der Geschichte auf den Spuren
Der Geschichte auf den Spuren

Das Forschungsprojekt „Clobucciarich 2000" hat sich zum Ziel gesetzt, die vorhandenen Almwüstungen im Hochschwabgebiet, also verlassene und verfallene Almhütten, nach wissenschaftlichen Kriterien zu erforschen.

Eine alpine Alm- und Weidewirtschaft soll bis zum mittelalterlichen Zeithorizont dokumentiert werden. Ob es eine noch weiter zurückgehende Nutzung der Almen des Hochschwab gab (durch slawische oder bairische Siedler), wird ebenfalls Gegenstand der Forschung sein.

Augenmerk soll auch auf die alten Saumwege und Steige gelegt werden, deren Begehungsgeschichte zu untersuchen ist, ebenso wie auf die unzähligen Höhlen und Dolinen des Gebietes.

Verschiedene Disziplinen und Hilfswissenschaften sollen, soweit dies möglich ist, die Entwicklung der historischen und klimatischen Voraussetzungen, ihre wirtschaftliche, soziale und kulturelle Bedeutung, Bauformen und Geräte, Viehhaltung und -nutzung, die Beziehung zwischen den Almen und Heimhöfen sowie die Auswirkungen auf die Umwelt im Hochschwabgebiet erforschen.

Wissenschaftliche Mitarbeiter der Disziplinen Altwegeforschung, Archäologie, Botanik, Dendrochonologie, Klimatologie, Geschichte, Geomorphologie, Geodäsie, Klimatologie, Paläontologie, Pollenanalyse, Volkskunde und Zoologie sollen dieses gemeinsame Projekt durchführen. Besondere Bedeutung wird der Zusammenarbeit zwischen Historikern und Archäologen zukommen.

Erste Ergebnisse:
Archäologie auf der Karlalm/Hochschwab

Am 25. und 26. 5. 2000 wurde auf der 1884 aufgelassenen Alm "Karl" (OK 50 102 „Aflenz Kurort", Y= 262150, X = 274050, H etwa 1650 m) in Zusammenarbeit mit dem Verein "Der Hochschwab" eine archäologische Probeuntersuchung durchgeführt. Bereits 1999 und Anfang Mai dieses Jahres hatte es nicht archäologisch begleitete Fundbergungen an durch Ausschwemmungen im Gefolge der Schneeschmelze stark gefährdeten Stellen der Alm gegeben. Der leicht nach Süden geneigte, etwas wellige Almboden weist etliche Verflachungen auf, deren tiefer gelegene als teils erosiv, teils anthropogen entstandene "Müllhalden" interpretiert werden können. Im höheren Bereich des Almbodens weisen etliche z.T. gut erhaltene Fundamente von aus Stein bestehenden Hütten auf eine zeitweilig intensive Nutzung dieser doch eher abgelegenen Ahn hin. Die unterste und größte "Halde" schien am ehesten geeignet, einen stratigrafischen Querschnitt über den gesamten Zeitraum der Nutzung des Ahnbodens geben zu können. Hier wurde ein sechs Meter langes Querprofil gelegt, das im Wesentlichen vier fundführende Schichten erbrachte, die relativ hoch von subrezenten Kalksandablagerungen überschüttet sind. Die Menge und Qualität der Funde war überraschend; neben viel Keramik und den üblichen Tierknochen kamen auch Glas- und Metallgegenstände zutage. Die oberste Fundschicht gehört deutlich bereits dem 19. Jh. an. Das Material der untersten Fundschicht stammt nach gut datiertem Vergleichsmaterial aus dem Palten- und Mürztal, mit einiger Sicherheit zumindest aus dem späteren 16. Jh. Diese Schicht ist von den drei darüber liegenden durch eine Packung sterilen Materials getrennt; der Charakter ihres Fundmaterials ist eher "niederösterreichisch" als steirisch-inneralpin. Die dafür typische Keramikart (sog. "Kärntner" Schwarzhafnerware), die etwa im Dachsteingebiet sehr häufig ist, kommt erst in der zweiten Schicht vor. Vielleicht ist dies ein Hinweis auf eine Änderung von Besitzverhältnissen oder zumindest auf eine anfängliche Begehung der Alm nicht von Süden, sondern von Norden her.
An eine Fortführung der archäologischen Aktivitäten im Bereich der Hüttenruinen sowie an die topografische Kartierung der Alm ist gedacht.


© Bild und Text Fritz Bayerl, Karl und Inge Friedl