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Landschaft Ortsansicht
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Gemeinde Etmißl
Gemeinde Etmißl

Gemeinde Etmißl#

So wie der Name Tragöß geht auch der Name Etmißl auf einen slawischen Eigennamen zurück. Möglicherweise war es der Ortsgründer selbst, der dem Ort den Namen gab. Die slawische Besiedlung erfolgte im Raum Etmißl wie im gesamten umhegenden Gebiet ab dem 7. Jh. Welche der Siedlungen die älteste ist, kann heute nicht mehr geklärt werden. Mit dem Vordringen der Baiern wahrscheinlich noch vor dem Jahr 800 begann siedlungsgeschichtlich eine neue Zeit: die Landnahme durch deutsche Siedler. Der Ortsname Etmißl erzählt uns, dass irgendwann in diesem Zeitraum sich slawische Bauern hier niedergelassen haben. Einer von ihnen spielte eine so bedeutende Rolle, dass die Reste seines Namens heute auf der steirischen Landkarte zu finden sind.

1390 wird ein „Gotfrid de Czetmiczel" erwähnt, der gemeinsam mit anderen Bauern von seinem Hof dem Grundherrn, dem Kloster St. Lambrecht, Dienste und Abgaben schuldig war. In der heutigen Katastralgemeinde Lonschütz, damals „Lonschicz", sind in diesem Jahr bereits 28 Bauerngüter verzeichnet. In den folgenden Jahrhunderten wird nicht nur die Landwirtschaft für die Region von Bedeutung sein, sondern auch die Eisenindustrie. Die Nähe zu den Thörler Werken sichert den Etmißler Bauern einen schönen Nebenerwerb, die Köhlerei. Ende des 19. Jh.s werden in den Wäldern um Etmißl jährlich 1.000 Fass Kohlen erzeugt, die in den umliegenden Eisenwerken abgesetzt werden.

Der Etrnißlerbach, der aus der Vereinigung des Oisching- und des Lonschützbaches entsteht, hat noch vor etwas mehr als 100 Jahren einen Hufschmiedhammer, eine Mahhnühle, eine Brettersäge und eine Drehmaschine angetrieben.

Etmißl um die Jahrhundertwende
Etmißl um die Jahrhundertwende

Um 1840 heißt es, dass der Kulm, hier der einzige Gemeindewald, nach drei Klassen (kleinere, mittlere und größere Besitzungen) eingeteilt war; auf die erste Klasse entfiel ein Joch, auf die zweite und auf die dritte Klasse drei. Der Sage nach soll sich in diesem Berg neben Schätzen eine ungeheure Wassermenge verschlossen halten, die bei Ausbruch das ganze Tal überfluten würde.

Der Volkserzählung zufolge sollen hier einstmals immer wieder Wölfe gehaust haben, die selbst vor den Menschen nicht zurückschraken. Als einmal die fürstnerischen Hausleute (das Anwesen Fürstner, oberhalb des Grubergutes gelegen, ist seit 1870 besitzmäßig beim Gruber, doch die Gebäude sind längst verschwunden) nach St. Ilgen in die Christmette gingen, wurden sie am Heimweg von einem Rudel Wölfe angefallen. Dabei soll die ganze Familie ausgerottet worden sein. Noch heute sieht man Reste eingebrochener Wolfsgruben, die deren Existenz bekunden sollen.

Kirche St. Anna
Kirche St. Anna

1892 liest man in einem Reiseführer über Etmißl: Pfarrdorf mit 49 Häusern und370 Einwohnern, auf 7 12 m Seehöhe, mit vier Gasthäusern mit je zwei Fremdenzimmern. Reizende Lage. Übergang nach Tragöß durch den Oischinggra-ben über Riegner-Sattel...

Der Tourismus spielt nach wie vor eine große Rolle für Etmißl, das sich als „Familien-Erholungsdorf' bezeichnet. Es lädt Familien ein, hier in diesem stillen und sonnenreichen Seitental des Hoch-schwab Dorfurlaub zu machen, auszuspannen, durchzuatmen oder sich auch einmal von der hier stattfindenden „Holzknechtolympiade" unterhalten zu lassen.

Die St-Anna-Kirche von Etmißl#

Kirche St. Anna innen
Kirche St. Anna innen

Bis zum 19. Jahrhundert diente die Bergkapelle den religiösen Bedürfnissen der Etmißler Bevölkerung. Die weite Entfernung von der Pfarrkirche in Aflenz erweckte aber schon im 18. Jh. den Wunsch, ein eigenes Gotteshaus zu besitzen. Bis zur Verwirklichung dieses Wunsches sollten jedoch mehr als 80 Jahre vergehen. Um 1780 erwarb die Gemeinde das Grundstück, auf dem die Kirche heute steht. Die Kriegswirren zur Zeit Napoleons und die damit verbundene Verarmung der Bevölkerung verzögerten den Bau der Kirche. Erst um 1858 entstand ein Bauplan; der Planer selbst ist namentlich nicht bekannt, wahrscheinlich ist es ein Baumeister aus der Aflenzer Gegend. Nun konnte das Werk begonnen werden. Bereits im Jahre 1860 wurde der Grundstein gelegt. 186l wurde in der Lonschitz und im Oischinggraben das Holz geschlagen. Das besondere Merkmal aber ist die Tatsache, dass der Bau in gemeinsamer Arbeit von den Gemeindebewohnern aufgeführt wurde, nur die Maurerstunden mussten von der Gemeinde bezahlt werden. Am 24. September 1865 schließlich weihte Dechant Bauer aus Mariazell die Kirche.

Die der hl. Anna geweihte Kirche ist seit 1964 eine Filialkirche von Thörl. Zur Ausstattung gehören neben den barocken Figuren der Gottesmutter und des hl. Johannes Nepomuk die dem 19. Jh. zugehörigen Hochaltarfiguren St. Peter und Paul sowie ein Tabernakelaufsatz mit der Marienkrönung.


© Bild und Text Fritz Bayerl, Karl und Inge Friedl