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Pflanzenwelt rund um den Hochschwab#

Naturschutzgebiet Karlschütt - Festlau-Ost#

Aus nah und fern, nicht selten auch über die Grenzen Österreichs herein, kommen naturbegeisterte Menschen und Botanik-Freunde, um in der Karlschütt zur rechten Zeit die schönste und größtblütige Orchidee Europas, den Gelben Frauenschuh, bewundern zu können.

Mit diesem Satz beginnt der Artikel "Die Karlschütt im Ilgner Tal" von Willi Kandlbauer im Reibeisen Nr. 10/1993. Diesem Mann verdanken wir es, dass dieses Gebiet zum Naturschutzgebiet erklärt wurde und dadurch sein Orchideenreichtum und der Wacholderbestand gerettet werden konnten. Zwei Kilometer nach Innerzwain bei der Johannesmauer, an der die Statue des Heiligen Johannes angebracht ist, befindet sich der Parkplatz, wo man die Wanderung auf den Karlhochkogel beginnt und sich dort an den Orchideen erfreuen kann. 18 Orchideenarten finden wir in diesem Gebiet. Drei davon sollen hier an dieser Stelle ein wenig näher vorgestellt werden.

Frauenschuh
Frauenschuh

Gelber Frauenschuh - Cypripedium calceolus#

Bereits ab Mitte Mai bis Mitte Juni, hier im subalpinen Bereich bis Anfang Juli, blüht die schönste der heimischen Orchideen mit einer Wuchshöhe bis zu 60 cm, Die aufrechten, groß beblätterten Stengel tragen ein bis zwei, sehr selten drei bis vier Blüten, die einzigartig in ihrer Form auf europäischem Boden sind. Die Blüten können einen Durchmesser von sechs bis neun Zentimetern erreichen, wovon die Lippe eine Zitronen- bis goldgelbe bauchige Form von drei bis vier Zentimeter Länge besitzt, die der Miniatur eines Holzschuhs gleicht. Der Frauenschuh kommt hier so häufig vor, dass es sich um das größte geschlossene Frauenschuhvorkommen, zumindest in der Steiermark, handelt.

Fliegen-Ragwurz
Fliegen-Ragwurz

Fliegen-Ragwurz - Ophrys insectifera#

Ihre Standorte sind Magerrasen, lichte, trockene Wälder, sonnige Hänge. Sie liebt kalkreiche, etwas lehmige Böden, steinige Höhenzüge; in Berggebieten findet man sie bis in 1700 Meter Höhe. Die einzige Chance, sie zu entdecken, besteht während der Blütezeit. Von Mitte Mai bis Juni trägt die zierliche, 15 bis 40 cm hohe Fliegen-Ragwurz in aufgelockerter Ähre zwei bis zehn fliegenähnliche Blüten von samtiger, braunpurpurner Färbung. Mit einem vorgetäuschten Köpfchen samt kurzen, fadenförmig dünnen Fühlern endet die Blüte oben mit den drei grünlichen, voneinander abgespreizten Sepalen. Die längste Zeit war es den Botanikern ein Rätsel gewesen, welche Bewandtnis es mit dem an Insekten gemahnenden Aussehen der Ophrys-Blüten hat. Endlich gelang es, das Geheimnis zu klären: Es handelt sich um „Sexual-Täuschblumen". Die Erklärung: Der Engländer Godfery beobachtete in Südfrankreich, dass die Männchen der Grabwespe, die acht bis 14 Tage vor ihren Weibchen aus der Puppe schlüpfen, in der weibchenlosen Zeit die den Weibchen in den Umrissen ähnelnden Fliegenblumen besuchen, sie zu begatten trachten und dabei die Bestäubung vollziehen. Beim Erscheinen der Weibchen hört der Besuch bei den Blüten auf. Fehlen die speziell auf die Fliegenblume eingestellten Insekten, findet keine Bestäubung statt.

Brandknabenkraut
Brandknabenkraut

Korallenwurz - Corallorhiza trifida#

Diese Pflanze zählt zu den kleinstblütigen, deshalb unscheinbaren Orchideen. Ihre Standorte sind in schattigen Laub-, Nadel-, insbesondere Fichtenwäldern, auch in Hochmooren. Blütezeit: Ende Mai bis Juli. Sie wächst ohne Laubblätter und der Stengel ist lediglich von bräunlich überlaufenen Hüllen umfasst. In ihren unterirdischen Teilen ist die Pflanze von korallenähnlicher Beschaffenheit ohne Wurzeln, sie lebt als Parasit auf Bodenpilzen.

Die fünfzehn weiteren Orchideenarten, die im Naturschutzgebiet Karlschütt - Festlau-Ost vorkommen, seien hier noch kurz aufgezählt: Sumpf-Stendelwurz, Breitblättrige Stendelwurz, Braunrote Stendelwurz, Bleiches Waldvögelein, Schwertblättriges Waldvögelein, Vogel-Nestwurz, Großes Zweiblatt, Kriechendes Netzblatt, Waldhyazinthe, Grüne Hohlzunge, Höswurz (Weißzüngel), Mücken-Händelwurz, Wohlriechende Händelwurz, Geflecktes Knabenkraut, Fuchs'sches Knabenkraut.

Wer mit diesen 18 Orchideen noch nicht genug hat, dem sei eine Wanderung auf die Jauring-Alm empfohlen, dort findet der Naturliebhaber weitere Orchideensorten, wie das Brandknabenkraut und die Pyramidenorchidee.

Wacholderbaum - Juniperus communis#

Im Jänner 1982 fand in der Karlschütt eine Wacholderbaum-Zählung statt. Die Seltenheit solch großer Wacholderbestände gab schlussendlich den Ausschlag dafür, dieses Gebiet als Naturschutzgebiet auszuweisen. Insgesamt konnten 542 Wacholderbäume nachgewiesen werden.
Botanischer "Steckbrief" zur Wacholderart Juniperus communis oder Heide-Wacholder, auch Gemeiner Wacholder und auch Machandelbaum, angehörend der Familie der Zypressengewächse: Immergrüner Klein- bis Großstrauch (ein bis vier Meter) oder Baum von säulenartigem Wuchs mit tief angesetzter Krone. Er ist genügsam, lichtbedürftig, bevorzugt sandige, felsige Böden, Trocken-Nadelwälder. Der Wacholder wächst sehr langsam, erträgt strenge Winterkälte und Sommerdürre - in Tiefebenen und im Gebirge. Er blüht zweihäusig (April/Mai), das heißt, es gibt Sträucher oder Bäume mit nur männlichen und solche mit ausschließlich weiblichen Blüten. Die Früchte sind kugelige "Beerenzapfen", sieben bis neun Millimeter dick, grün, reif im Herbst, dann dunkelbraun-violett und bläulich bereift. Der Heide-Wacholder wird bis zu 800 Jahre alt.

Arnika
Arnika

Arnika-Oase auf der Bürgeralm/Jauringalm #

Die Bürgeralm ist nicht nur als Wintersportoase bei der einheimischen Bevölkerung und den zahlreichen Touristen bekannt. Zwischen Juni und August wissen Blumenfreunde die Pracht der hier in unzähliger Häufigkeit vorkommenden Arnika zu schätzen. 20 bis 60 cm hoch, wird die Arnica montana im Volksmund auch noch Orangegelbe Margarite, Wohlverleih, Gemswurz, Kraftwurz, Bluttrieb, Mönchskappe und Christwurz genannt. Diese Ausdrücke geben auch bereits wieder, welch Allheilmittel diese Pflanze darstellt. Arnika regt das Nervensystem ebenso an wie Verdauung, Atmung und Kreislauf.

Edelweiß
Edelweiß

Pflückst ma a Edelweiß? Na, moch liaba a Foto!#

Diese Überschrift sollen wir uns auch zu Herzen nehmen. Schutz der Pflanzen ist eben nur dann gegeben, wenn man sie nicht ausreißt. Wandert man, von der Bürgeralm kommend oder auch von der Jauringalm, weiter in Richtung Höchstein, wird man ein Meer von klein gewachsenen Edelweiß blühen sehen. Ein weiterer Geheimtipp Edelweiß sehen zu können ist, eine Wanderung auf den Fölzkogel zu unternehmen. Das Leontopodium alpinum wird fünf bis zehn Zentimeter hoch, wächst sonst noch an schwer zugänglichen Felswänden, in sonnigen Halden und auf kalkhaltigem Gestein. Es blüht von Juli bis August in Höhen von 1700 m aufwärts.

Enzian
Enzian

Enzian - so weit das Auge reicht#

So präsent die Gämsen im Hochschwabgebiet sind, so zahlreich findet man auch den Enzian rund um den Hochschwab. Den Stengellosen Enzian, auch Gentiana clusii genannt, findet man zwischen Mai bis August fast jeden Gipfel des Hochschwab hinaufreichen. Aber Plätze wie die Sackwiesenalm oder Mitteralm tun sich durch ihren Reichtum an dieser Pflanze noch besonders hervor.

Petergstamm - ein Zeichen, dass die Kletterzeit beginnt#

Petergstamm
Petergstamm

Diese Aussage trifft vor allem für jene Bergsteiger zu, die sich der Fölzalm nähern. Blüht der Petergstamm, ist's Zeit die Wände zu erklimmen. Die Primula auricula, auch Gamsveigerl oder Gelber Speik genannt, erfreut uns von April bis Juni ebenfalls im gesamten Hochschwabgebiet. In der Form der Blüten sind sie den Himmelschlüsseln ähnlich, ihre Blätter sind aber viel dicker und graugrün angehaucht. Sie erreicht eine Höhe von 5 bis 25 cm.

Alpenrose
Alpenrose

Alpenrose – Rhododendron#

Wer kennt noch nicht den alten Witz, wo der Lehrer den Franzl fragt: "Der Bergsteiger steht vor einem großen Almsee und dahinter wächst der Almrausch. Links und rechts seitlich des Sees türmen sich riesige Felswände auf. Wie kommt der Bergsteiger zu seinem Almrausch?" Jeder kennt natürlich auch die Antwort vom schlauen Franz: "Mein Vater kehrt in der nächsten Hütte ein und bringt auch seinen Almrausch mit nach Hause."
Aber Spaß beiseite, der Hochschwab bietet uns dieses Gewächs in so verschwenderischer Menge an, dass jedem Wanderer, egal welche Tour er unternimmt, diese prächtige Rose zu Gesicht kommen wird, es sei denn, er ist im Juni oder Juli unterwegs.

Narzissenblütiges Windröschen
Narzissenblütiges Windröschen

Narzissenblütiges Windröschen - Geheimtipp Zlaken#

Je öfter man sich um das Gebiet des Höchstein, der Zlaken, am Übergang zur Baumeralm bzw. zum Aufstieg auf die Mitteralm aufhält, dessen bewusster wird einem, welche Artenvielfalt an Blumen dieses riesige Plateau zu bieten hat. Zwischen Mai und Juni kann man hier das Berghähnlein oder Anemone narcissiflora antreffen. Es wird 30 bis 60 cm hoch und liebt kalkhaltige, lockere und feuchte Erde.

Kohlröschen
Kohlröschen

Schwarzes Kohlröschen, Rotes Kohlröschen, Steirisches Kohlröschen - Geruch, der verzaubert#

Unseren Streifzug durch die Blumenwelt des Hochschwab begannen wir mit den Orchideen, und mit einer Orchidee, der Nigritella, dem Kohlröschen, werden wir unsere kurze Exkursion in die Pflanzenwelt auch beenden. Weithin macht es sich auf sonnigen Weiden und Wiesen durch seinen intensiven Vanillegeruch bemerkbar. Vor allem auf dem Weg zur Hochalm und auch zum Höchstein ist diese Pflanze oft anzutreffen. Achtung: Streng geschützt!

Europäische Trollblume
Europäische Trollblume

Europäische Trollblume#

Diese Blume gehört wie das Windröschen ebenfalls zu den Hahnenfußgewächsen. Überall am Hochschwab, wo es genug Feuchtigkeit vorfindet, ist sie anzutreffen. Trollius europaeus oder auch Kugelranunkel genannt, blüht zwischen Mai und Juni und erreicht eine Höhe von 30 bis 60 cm.

Feuerlilie
Feuerlilie

Feuerlilie - reif fürs Titelbild#

Die Feuerlilie und dahinter der Zinken, der Beilstein und die Stangenwand. Welch eine herrliche Kombination! Bis zu einem Meter hoch werdend kann man die Lilium bulhiferum auf den Wiesen der schönen Hochschwabregion blühen sehen. Man muss sich nur zwischen Mai und Juli in dieser herrlichen Gegend aufhalten und kann Fotos schießen, die Jahre später noch erfreuen.

Türkenbund-Lilie
Türkenbund-Lilie

Türkenbund-Lilie#

Wer sich für die Feuerlilie begeistert, wird sich in genau demselben Ausmaß über die Türkenbund-Lilie erfreuen. Ein Monat später, nämlich von Juni bis August, blüht die bis zu 120 cm hoch werdende Lilium martagon. Die Bilder können hier mehr aussagen als alle noch so begeisterten Worte.


© Bild und Text Fritz Bayerl, Karl und Inge Friedl