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Landschaft-Pfarrkirche St Dionysen
Landschaft-Ultscher Ulrichskirche
Landschaft-Blumen

Oberaich - St. Dionysen - Utschtal#

Bild 'oberaich_wappen'
Bild 'oberaich_landschaft'
Westlich angrenzend an die Kornmesserstadt Bruck an der Mur befindet sich das knapp 3000 Einwohner zählende Oberaich. Durch Zusammenlegung der Gemeinden Picheldorf und Oberaich entstand 1968 die neue, große Gemeinde Oberaich. Sie erstreckt sich beiderseits der Mur auf 47 km2. Das Gemeindegebiet reicht vom Lammerkogel und Madereck im Norden bis zu den Ausläufern der Hochalpe im Süden. 

Überwiegend von Wald bedeckt, stellt der hier nur ca. l km breite Bereich des Murtales sowie das Utschtal mit seinen Seitengräben den eigentlichen Siedlungsraum dar. 

Für seine alte Tradition als Kulturboden gibt es heute neben einigen Sagen noch eine Fülle steinerner Zeugen. Die alte Römerbrücke etwa oder der Altarstein des Hercules Augustus im Pfarrhof der Kirche zu St. Dionysen. Von hier aus hat man einen wunderbaren Überblick  über den Reichtum der Region: den landschaftlichen an Wald, Wiesen und Feldern mit zahlreichen Wandermöglichkeiten und den kulturellen, denn auf Sichtweite gegenüber, auf der anderen Seite der Mur, liegt in der Utsch die Kirche St. Ulrich, äußerlich unscheinbar, im Innern aber reich an künstlerischen und kunsthistorischen Werten.

Bild 'rom-bruecke'

St. Dionysen, "Pfarrdorf in der Mitte zwischen Brück und Leoben, am Ausgange des Kotzgrabens, in vollkommen windgeschützter Lage, an dem südlichen Gelände eines von der Pfarrkirche und dem schloss1 artigen Pfarrhofe gekrönten Hügels gelegen und malerisch zwischen reichen Obstkulturen sich ausbreitend." So beschreibt ein Reiseführer des 19. Jh.s, "Die eherne Mark", die Gemeinde St. Dionysen. Ausdrücklich erwähnt er die reich entwickelten Zwetschkenplantagen und erzählt, dass bis zum Beginn des 19. Jh.s hier Weinbau betrieben wurde.

Die Geschichte von St. Dionysen ist auch eng verbunden mit der Pfarrkirche. Wer kennt sie nicht, die Kirche in erhöhter Lage, von einem ummauerten Friedhof umgeben. Zumindest beim Vorbeifahren auf der Bundesstraße Brück - Leoben fällt der Blick bisweilen auf den Kirchenbau am linken Murufer. Dabei hat die fast 900 Jahre alte Kirche für den Besucher einiges zu bieten!

Wie wäre es mit einem Nachmittagsausflug nach Dionysen, einem Spaziergang zur Kirche hinauf - lassen Sie sich einladen, ein Stückchen Ihrer näheren (oder auch weiteren) Umgebung kennen zu lernen!

Die Geschichte der Pfarrkirche St. Dionysen#

Alte Ansicht, 1910
Alte Ansicht, 1910
Am 1. Oktober 1187 weilte Herzog Otakar auf der neu erbauten Burg Gutenberg bei Weiz. Der Burgherr Liutold von Dionysen-Gutenberg war gerade im Begriff mit Kaiser Friedrich Barbarossa in den Kreuzzug zu ziehen, um das Heilige Land zu befreien. Vorher jedoch wollte er noch sein Vermögen ordnen, für den Fall, dass er nicht mehr zurückkehren würde. So kam es dazu, dass der Herzog eine Urkunde ausstellte, in der die Kirche des Heiligen Dionysius und 50 Höfe dazu an seine Tochter fielen, die später Äbtissin des Klosters Goß wurde, unter dessen Patronat die Kirche auch bis zur Auflösung des Klosters 1782 blieb.

Die Kirche ist in einer Murenge auf einen Hügel gebaut, ein Bauplatz, auch gut geeignet für eine Burg. An diesen Schwemmhügel, den der Bach beim Eintritt ins breite Murtal aufschüttet, erinnert auch der Name Picheldorf = Dorf am Pichel = Hügel.

Hier nun bauten die Edlen von Gutenberg ihre Eigenkirche, die 1144 das erste Mal genannt wird. Vermutlich stand in der Nähe der heutigen Kirche wirklich eine Burg, viell-leicht an der Stelle des heutigen Pfarrhotes. Zur Kirche gehörten, wie wir gehört haben, auch 50 Höfe, die von untertänigen Bauern bewirtschaftet waren.

Bis 1848, bis zur Aufhebung der Grunduntertänigkeit, war der Bauer als Untertan im Verband einer Grundherrschaft nicht Eigentümer des Landes, das er bewirtschaftete, sondern der Grundherr, in diesem Fall der Pfarrer.

Pfarrkirche St. Dionysen
Pfarrkirche St. Dionysen

Solche Pfarrgülten gab es viele, jedoch nur wenige waren so gut dotiert wie St. Dionysen, das Untertanen in Mötschlach, Picheldorf, Kotzdorf und Oberdorf hatte. Da reiche Einkünfte zu erwarten waren, finden sich unter den Pfarrern honorige Leute wie Erzpriester, Hofkapläne und sehr früh um 1500 auch ein Akademiker. An diesen Mann, Dr. Johannes Ernst, erinnert uns ein Gedenkstein aus dem Jahre 1513 über der Einfahrt in den Pfarrhof. Da der Pfarrer auch Grundherr war, war naturgemäß das wirtschaftliche und geistliche Wohlergehen der Bauern eng verbunden mit der Persönlichkeit des Seelsorgers.

In der Pfarrchronik finden sich nun solche Geistliche, die der gesamten Gemeinde derart am Herzen lagen, dass sie für ihren Pfarrer sogar beim Erzbischof intervenierten. 1638 waren die Dionysener um die Gesundheit ihres Pfarrers Jacob Zaucher so besorgt, dass sie sogar einen Brief an den Erzbischof von Salzburg schrieben, mit der Bitte, ihm eine beschwerliche Reise zu ersparen. Sie seien sehr zufrieden mit der Seelsorge und dem Lebenswandel des Pfarrers, alle, von Herzen, möchten sie ihn "noch lenger winschen unt begeern".

Doch es konnte auch anders kommen. Nur wenige Jahrzehnte vorher hatten die Bauern unter Pfarrer Collär schwer zu leiden. Er hatte sie mit "Schlegen" und Gefängnis "tractirt, geplagt und gemartert", ihnen Vieh weggenommen, manchen sogar vom Hof vertrieben. Der Pfarrer rechtfertigte sein Handeln u.a. mit baulichen Tätigkeiten, z.B. ein "Heüssel auff  dem Freitoff" (Friedhof) für "die todten Paner" zu bauen, damit sie nicht mehr frei zugänglich seien für "allerley Zauberey".

Diesen Fall, der vor die höchsten Instanzen kam, kann man übrigens in der Ortschronik von Oberaich nachlesen. Darin wird auch von der schwierigen Zeit für die Pfarre während des Nationalsozialismus und dem Wiederaufleben des Gemeindelebens nach 1945 berichtet.

Die Pfarrkiche St. Dionysius#

Ein Rundgang um die Kirche und den Pfarrhof gibt uns Nachhilfe in Geschichte und führt uns in längst vergangene Zeiten. Römersteine an den Außenwänden erinnern uns daran, dass unser Land als Provinz Noricum Teil des Römischen Weltreiches war.

Besonders anschaulich ist die Grabplatte einer Familie, eines Ehepaares mit zwei Kindern. Die Mutter Sucela, übrigens ein keltischer Name, hat ihre Hand auf die Schulter ihres Sohnes Terentinus gelegt, dieser umarmt ein Mädchen, Juliana. Rechts sieht man den Ehemann der Sucela, Junianus, 50 Jahre alt, der seine Finger in Schwurgeste auf eine Schriftrolle hält. Der Text heißt übersetzt:

Römerstein an der Außenmauer der Kirche - Der heilige Dionysius
Römerstein an der Außenmauer der Kirche - Der heilige Dionysius

Dem Junianus, Sohn des Burranus, 50 Jahre alt,
(stiftet seine) Gattin Sucela, Tochter des Ucco, 
(dieses Grabmal) und (auch)
(ihrem Sohn) Terentinus und dem Enkelkind
Juliana, Tochter des Terentius.

An den Kirchenpatron, den hl. Dionysius Areopagita, wird man in der Steiermark nicht oft erinnert. Die Legende erzählt, dass er in der Nähe von Paris (St. Denis) enthauptet worden und zum Entsetzen der Henker, sein blutüberströmtes abgeschlagenes Haupt in seinen Händen tragend, weitergeschritten ist.

Bemerkenswert an der Kirche sind die mittelalterlichen Wandmalereien im Chorraum. Sie wurden erst 1947 durch den Vater des damaligen Pfarrers Michael Zweidek und Prof. Heinrich Prochaska entdeckt und freigelegt. Sie stammen aus dem 14. und 15. Jh. und zeigen Szenen aus dem Leben und dem Martyrium des hl. Dionysius sowie der Kindheit Jesu und Heiligenabbildungen. Eine noch ältere Schicht wurde 1974 freigelegt: An der Südwand finden sich Reste einer Malerei aus dem 12. oder 13. Jh., die u.a. den Heiligen Christophorus darstellt

Welch reizvoller Gegensatz: die alten, dem Vergessen entrissenen Fresken, einst übermalt, und dazu die barocke Pracht des Hochaltars und der Barockkanzel mit den kunstvollen Marmorimitationen.
Die Kinder, die in der Pfarrkirche getauft wurden, können sich rühmen, dass sie über ein Taufbecken gehalten wurden, das fast so alt ist wie die Kirche selbst. Der elfseitige Taufstein entstand um 1150, er wurde also an der Wende zwischen Romanik und Gotik geschaffen. Der unbekannte Künstler hat den Stein mit Ritzornamenten, Rosetten und Lilien, verziert.

Ein Überfall bei St. Dionysen#

Innenansicht der Ulrichskirche
Innenansicht der Ulrichskirche

Der Ritter Hartrid von Ort hatte sich durch "Räubereien und Bedrückungen" die Feindschaft der Stubenberger Herren auf Burg Oberkapfenberg zugezogen und war mit Friedrich von Stubenberg in Fehde geraten. Verhandlungen 1244 in Judenburg mit dem Herzog des Landes, dem Babenberger Friedrich II., blieben erfolglos. Also machte sich Hartrid auf und wollte mit dem Floß murabwärts fahren. Der Wasserweg war damals bequemer als ein Ritt auf der Straße und eigentlich auch sicherer. Aber bei St. Dionysen, an der Murenge, wurde das Floß schon von Friedrich von Stubenberg erwartet. Mit der Drohung, die ganze Mannschaft auf dem Floß zu töten, zwang er sie, in Dionysen anzulegen. Den feindlichen Ritter nahm er unversehens gefangen und legte ihn in Ketten, alle anderen durften weiterfahren.
Diese dramatischen Szenen, die sich ausgerechnet im friedlichen Dörfchen Dionysen zugetragen haben, sind außer in der Oberaicher Chronik in der sog. "Reimchronik" des Ottokar aus der Gaal nachzulesen, der es im 13. Jh. unternommen hat, die "Geschichte" des Landes zu erzählen. Von den 100.000 Versen des Monumentalwerkes erzählen immerhin 22 von St. Dionysen!

Der Ritter von Utsch#

In der Murenge bei St. Dionysen am rechten Ufer, dort wo das Utscher Plateau steil zur Mur abfällt, hier hatten die Ritter von Utsch ihren Hof. Die Utscher, der Name ist eine Abkürzung für Ulrich/Odalrich, waren kleine Ritter, die in der Mitte des 12. Jh.s erstmals in einer Urkunde auftauchen. Ihr ritterlicher Sitz unterschied sich wahrscheinlich kaum von großen Bauernhöfen, möglicherweise nur durch einen gemauerten Turm. Leute wie die kleinadeligen Utscher stellten für weltliche und geistliche Herren, an die sie durch Eid gebunden waren, die wehrhafte Mannschaft. Ab dem 14/15. Jh. hatte sich die wirtschaftliche Situation für die Ritter von Utsch derart verschlechtert, dass sie umfangreiche Teile ihrer Besitzungen verkaufen mussten. Der letzte genannte Utscher, Mitte des 16. Jh.s, ist Andre, der irrsinnig gewesen sein soll. Mit ihm verlieren sich die Spuren des Geschlechts. 

In Deutschland gibt es noch heute eine Familie gleichen Namens, die für sich in Anspruch nimmt, von den steirischen Utschern abzustammen. Einen endgültigen Beweis gibt es freilich nicht. Wenn es aber doch wahr wäre, dann wäre der berühmte Jäger aus Kurpfalz, dessen Name durch das Volkslied bekannt wurde, ein Nachfahre der steirischen Ritter. Sein richtiger Name lautete nämlich Wilhelm Utsch von Entenpfuhl im Soonwald.

Die Türken im Utschgraben#

"Die Weibsbilder geschändet, Männer, Weiber und Kinder in Ketten gebunden weggeführt.... Niemand war sicher, weder in den Almen noch auf den Bergen. Überall lagen tote Leiber der Menschen und vom Vieh, aber niemand war vorhanden, der sie begraben hätte. Teils in den Brunnen geworfen.... es war ein solcher Gestank, dass die übrigen Menschen kaum bleiben mochten." 

Die Chronik des Stiftes Goß schildert anschaulich, was die Menschen erwartete, wenn sie in die Hände der "Renner und Brenner", der Türken, fielen:
Im Jahr 1480 zogen sie von Kärnten kommend die Mur abwärts nach Brück. Die Sage vom "Türkenbrünnlein im Utschgraben" erzählt uns, dass es ein heißer Tag zu Anfang August war, im Utschtal war gerade der Haferschnitt abends glücklich beendet, als die Bauern und Dienstleute plötzlich auf der Mugel ein Feuer wahrnahmen. Es war ein Kreidfeuer, ein Feuerzeichen, dass die Türken im Land waren. Auch Feuer auf dem Reiting, dem Madereck und dem Rennfeld bestätigten die drohende Gefahr. Die Sage berichtet, dass die Leute nun schnell handelten. Die Frauen und Kinder packten Lebensmittel zusammen und trieben das Vieh den Utschgraben aufwärts in die Waldungen unterm Eisenpass. Die wehrhaften Männer trafen sich beim letzten Brünnlein im Graben, der engsten Stelle des

Tales. Bäume wurden gefällt, Felstrümmer herabgewälzt, jede Lücke mit Astwerk verflochten, sodass ein festes Hindernis den Graben versperrte. Mit Dreschflegeln, Mistgabeln, Sensen, Hacken und Eisenstangen bewaffnet, erwarteten die Männer hinter der Deckung die Feinde. Der nächste Tag ging ruhig vorüber, aber in der Nacht verkündete heller Feuerschein im Murtal von Brand und Mord. Am zweiten Tage schließlich kamen die Türken ins Utschtal und zogen weiter den Utschgraben aufwärts, bis sie zur Absperrung kamen, die sie nicht umgehen konnten. Als sie beratschlagten, was zu tun sei, rollten plötzlich gewaltige Felstrümmer und ganze Baumstämme von den Hängen. Mit grauenvollem Geheul flüchteten die Türken und die Einheimischen konnten wieder unversehrt in ihre Häuser zurückkehren. Auch wenn man bedenkt, dass dies eine sagenhafte Überlieferung ist, so ist doch anzunehmen, dass die Erzählung im Kern stimmt. Von Generation zu Generation wurde die Geschichte überliefert, und wer weiß, vielleicht war es wirklich ein heißer Tag im August, als die Türken kamen....

Ausflugstipps:
Kotzalm - Kletschachalm#

Blick vom Bergrücken der Kotzalm in Richtung Hochschwab
Blick vom Bergrücken der Kotzalm in Richtung Hochschwab
Kletschachalm
Kletschachalm
Kotzalm: Von St. Dionysen geht bzw. fährt man mit dem Mountainbike immer dem Kotzbach folgend in den Kotzgraben hinein. Nach wenigen Kilometern erreicht man den Sattel Kotzegg mit dem Bauerngasthaus Kaiser vulgo Kotzegger. Möglich wäre auch die Zufahrt aus dem Tragös-ser Tal nördlich von Stegg. Von hier entweder zu Fuß einem Waldrücken, ebenfalls Kotzegg genannt, folgend über die Eggeralm zur Kotzalm oder mit dem Rad die Forststraße weiter sich rechts haltend auf die Kotzalm. Nach über 600 Höhenmetern ist man auf der Kotzalm angelangt, die sich auf 1180 Meter Seehöhe befindet. Zwischen Ende Mai und Mitte September ist die Jausenstation an Wochenenden geöffnet.
Tipp: Unbedingt bis auf den Bergrücken hinaufwandern. Als Belohnung gibt es einen unvergesslichen Hochschwabblick.

Geschichte der Kotzalm: In den Jahren von 1441 -1449 kam es zu einem Rechtsstreit um die Weiderechte auf der Kotzalm zwischen dem Pfarrherrn von St. Dionysen und der Äbtissin von Goß, die beide für ihre Untertanen Auftriebsrechte beanspruchten. Weideland war kostbar und besonders Almweiden waren wichtig für die Aufzucht des Viehs.

Kletschachalm: Bis zum Kotzegg gleicher Anstieg wie zur Kotzalm, aber zur Kletschachalm muss man vorher links abbiegen. Die Kletschachalm ist an Wochenenden ebenfalls bewirtschaftet.
Der Kletschachkogel mit seinen 1457 Metern Seehöhe ist auch von einem anderen Ausgangspunkt erreichbar. Vom Rastal ausgehend, biegt man beim Gehöft Gurnisser dann auf einem Waldrücken zu einer Forststraße ein und geht weiter entlang einem Höhenrücken. Die Gehzeit beträgt 2 1/2 - 3 Stunden.


© Bild und Text Fritz Bayerl, Karl und Inge Friedl