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Eisenerz
St. Oswald-Kirche
Knappenmesse
St. Oswald-Kirche-Hauptaltar
ehemaliges Rathaus, hier waren der Pranger und der Gemeindekotter untergebracht
Blick von der St. Oswald Kirche
altes, noch bewohntes Knappenhaus
Freiheitsplatz, im Hintergrund der Erzberg
Knappenbrunnen am Bergmannsplatz
Erzberg
Linolschnitt-Schichtturm
Schichtturm
Wunderstufe
Kunstwerk
bewegliche Figur v M Tendler

Eisenerz#

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Keine andere Stadt der Steiermark trägt bereits in ihrem Namen so sehr ihre Identität wie Eisenerz. Der kostbare Rohstoff, den der Erzberg bereithielt, gab den Ausschlag für die Gründung der Siedlung und er lenkte auch die Geschicke der Stadt, die wirtschaftlichen wie die politischen. Andere Städte entstanden an Verkehrsknotenpunkten, an Flussübergängen oder auch am Fuße einer Burg. Eisenerz hingegen, fernab der großen Verkehrswege und schwer zugänglich, wurde nur um seinetwillen gegründet, wegen des Erzbergs. Wer Eisenerz betrachtet, wird bemerken, dass ein großer Hauptplatz fehlt, ein zentraler Punkt, um den herum sich die Stadt ausbreiten konnte. Das Herz der Stadt ist aber der Erzberg und aus diesem Grunde siedelten die ersten "Eisenerzer" nahe am Berg im oberen Krumpental und in der Trofeng. Zeilenförmige Anlagen zu beiden Seiten entstanden, die sich schließlich in Richtung zum heutigen Marktplatz hin verlängerten, um endlich in der Gegend der Marktkapelle zusammenzutreffen. Nun erst bildete sich so etwas wie das Zentrum einer Siedlung heraus. Der bäuerliche Charakter verlor sich langsam, neben den Eisenbauern begannen sich Handwerker aller Art anzusiedeln.

Um 1230 scheint in einer päpstlichen Urkunde der Name "Aerze" das erste Mal auf. Das galt noch für beide Bergmannsorte, Vordernberg und Eisenerz. 1293 erst wurde in einer Urkunde von einer Hube "im innern Eisenärzt" berichtet. Als Eisenerz ein Jahr später das Marktrecht erhielt, hatte der Ort bereits einen ungeheuren Aufschwung erlebt und die Bevölkerungszahl dürfte auf über 2000 angestiegen sein. Dieses alte Marktrecht galt aber noch für beide Bergwerksorte Eisenerz - Innerberg und Eisenerz Vordernberg.

Dies führte zu ständigen Streitereien, sodass sich Kaiser Friedrich III. in seinem letzten Regierungsjahr entschloss, beiden Siedlungen das Marktrecht zu ver leihen. Wie Albrecht Gfall in der Festschrift "25 Jahre Stadt Eisenerz" zu Recht schrieb, waren andere Orte, die vom Segen des Erzberges lebten, schon vor Eisenerz Städte geworden. Es sollte bis 1948 dauern, bis auch Eisenerz diese Ehre zuteil wurde. Und wieder war es der Berg, der mit dafür den Ausschlag gegeben hatte. Es war neben der hohen Einwohnerzahl von 13.000 die geschichtliche und wirtschaftliche Bedeutung des alten Knappenortes, die den steirischen Landtag dazu veranlasste, dem Markt beim Erzberg das Stadtrecht zu verleihen. Als "Eherner Brotlaib der Steiermark" hat der Erzberg eine ganze Region ernährt. Im Laufe der Geschichte wurden hier weit über 200 Millionen Tonnen Erz abgebaut. Auch als Wahrzeichen und Touristenattraktion möge der Berg den Eisenerzern zu einem guten Teil noch in Zukunft das schenken, was er jahrhundertelang getan hat: den Fortbestand und das Wohlergehen der Stadt zu sichern.

Die St.-Oswald-Kirche - wehrhaft wie eine Burg#

Eisenerz um die Jahrhundertwende
Eisenerz um die Jahrhundertwende
Respekt einflößend und imposant, das sind die Gedanken, die einem unwillkürlich einfallen, wenn man vor der Eisenerzer Pfarrkirche steht. Umgeben von massiven Mauern, wie eine Trutzburg auf die erhöhte Lage des Vogelbichl gestellt, sieht man ihr den Zweck an, zu dem sie erbaut wurde. Sie sollte ein Bollwerk sein, zunächst gegen Feinde von außen und später auch von innen. Nicht nur die ständig einfallenden Türken galt es abzuwehren, während der Glaubensunruhen des 16. u. 17 Jh. sollte sie auch der kaiserlichen Reformationskommission trotzen.

Die St.-Oswald-Kirche sollte also beides zugleich sein: Gotteshaus und Burg. Wie sie heute dasteht, ist sie eine der wenigen vollständig erhaltenen Wehrkirchen Österreichs und die größte und interessanteste Kirchenburg der Steiermark überhaupt. Mit dem Bau begonnen hatte man schon 1279; 1482 wurde die Kirche wegen der Türkeneinfälle bewehrt. Die hohen Ringtürme und Wehrtürme schließlich wurden wenig später, nämlich 1532 bis 1534, errichtet. Die Waffenvorräte wurden in dem Südwestturm untergebracht, der noch lange als bürgerliches Zeughaus diente. 1532 war Gefahr in Verzug, denn die Türkengefahr war für die Steiermark wieder einmal akut geworden. Die Eisenerzer handelten unverzüglich, verstärkten ihre Befestigung und rechneten in weiser Voraussicht auch mit dem Belagerungsfall. Ein Brunnen wurde neben dem Südosttor gegraben und sogar ein Verteidigungsgraben um die Kirche errichtet. Da für die Bevölkerung keine Burg als Zuflucht da war, musste eben die Kirche eine Burganlage werden. Das vermauerte ehemalige Hauptportal, heute mehrere Meter über dem Boden gelegen, erinnert uns noch an den längst zugeschütteten Burggraben.

Während der Türkenzeit mussten sich die Eisenerzer nicht hinter diesen Mauern verschanzen, denn die Osmanen rückten nicht bis zum Erzberg vor. Wenig später jedoch war die Kirchenburg Zufluchtsstätte für die protestantisch gesinnte Mehrheit der Bevölkerung. Der neue Landesfürst Erzherzog Ferdinand (1590 bis 1637) wollte sein Land auf jeden Fall wieder "katholisch machen". Die Vordernberger fügten sich bald und entließen ihre evangelischen Prediger, die sog. Prädikanten. Nicht so die Eisenerzer, die fast zur Gänze evangelisch geworden waren! Sie weigerten sich, sich dem Befehl des Landesfürsten zu beugen, und drohten sogar mit bewaffnetem Widerstand. Und tatsächlich, als am 24. September 1598 die landesfürstliche Kommission in Innerberg erschien, wurde sie von der gesamten Bevölkerung, Bürgern und Arbeitern, trotz des Arbeitstages am Marktplatz erwartet, sehr viele waren bewaffnet. Als Prädikanten und Kirchenschlüssel übergeben waren, rief jemand vom Rathaussaal in die Menge, man solle lieber Leib und Leben riskieren, als nachzugeben. Gesagt, getan, die Prädikanten wurden zurückberufen und der Kommission der Kirchenschlüssel mit Gewalt wieder abgenommen. Dieses Mal hatten sich die Eisnerzer durchgesetzt und die Kommission musste unverrichteter Dinge abziehen. Aber kein zweites Mal sollte dies wieder geschehen. In der Nacht des 15. Oktober überschritt ein wahres Heer den Präbichl: 200 Schützen und 116 Hellebardenträger marschierten in Eisenerz ein. Angesichts der Gefahr waren die Bewohner in die St.-Oswald-Kirche geflüchtet und harrten dort der Dinge, bewaffnet mit frisch geladenen Doppelhaken. Aber angesichts der militärischen Über macht gaben die Belagerten auf, obwohl die Kirchenfestung eigentlich eine kaum einnehmbare Burg war. Alle Waffen wurden übergeben und ein neuer, katholischer Pfarrer zog in den Pfarrhof ein. Dies war das einzige und letzte Mal, dass die Wehrkirche St. Oswald tatsächlich als Fluchtburg diente und einer wenn auch kurzen Belagerung standhalten musste. Eisenerz

Wie der Erzberg zu seinen Stufen kam#

Marktkapelle, am ältesten Platz in Eisenerz
Marktkapelle, am ältesten Platz in Eisenerz
Inmitten der Eisenerzer Gebirgslandschaft, zu Füßen des Reichensteins, des Pfaffensteins, der Seemauer und vom Kaiserschild, gekühlt durch den Leopoldsteiner See liegt es da, das Städtchen Eisenerz. Und in diesem landschaftlichen Szenario erhebt sich 800 m über der Talsohle und nach drei Seiten frei stehend ein Berg, der durch seine Lage, durch die braunrote Farbe und durch das hohe Gewicht des stellenweise zutage tretenden Gesteins schon frühzeitig die Aufmerksamkeit der Menschen auf sich gelenkt hat: der steirische Erzberg, einer riesigen Pyramide gleich. Zunächst arbeitete man sich in engen Stollen, in denen der Bergmann gerade knien konnte, entlang einer Erzader in den Berg hinein. Mit Schlägel und Eisen wurde der Stollen mühsam vorangetrieben. Der jährliche Vortrieb eines solchen Stollens betrug nur etwa drei bis fünf Meter. Erst seit 1720 verwendet man am Erzberg Sprengstoff und erst 1890 wurde der stufenförmige Tagbau eingeführt. Den Erzberg, wie wir ihn heute kennen, mit seinen Stufen und seinem pyramidenförmigen Aussehen gibt es also erst seit knapp 100 Jahren!

1907 war die Etagenbildung am Berg vollendet. Damals allerdings waren es noch 60 Stufen mit einer Höhe von 12 Metern. Im Jahr 1928 halbierte man die Anzahl auf 30 und schuf so 24 Meter hohe "Riesenstufen" Jede Abbaustufe hat einen Namen, meist nach einem Heiligen oder nach Männern benannt, die sich um den Bergbau verdient gemacht haben. Es gibt Etagen, die heißen Adam, Eva, Pauli oder Georgi, andere Vorauer, Kerbely oder Dulnig, nach dem Erbauer der Erzförderbahn in Vordernberg/Präbichl. Jede Großsprengung am Erzberg trieb die Etagenbildung weiter voran. Heute werden dabei mit einem Großbohrgerät 12 bis 36 Meter tiefe Löcher in den Berg gebohrt. Ein Tauchwagen bringt den flüssigen Sprengstoff in die Bohrlöcher ein, dazwischen werden die Sprengkapseln platziert. Täglich exakt um drei Minuten vor zehn Uhr erfolgt dann die Sprengung. Im Vergleich mit einer solchen Detonation war die erste Pulversprengung 1720 mit Schwarzpulver und Dynamit ein Böllerschießen.

Heute arbeiten am Erzberg an die 200 Bergleute. Mit modernster Technik ringen sie dem Berg etwa die Hälfte der Erzmenge ab wie vor 20 Jahren noch 2000 Bergleute. Also wird nicht eintreten, was noch vor nicht allzu langer Zeit befürchtet werden musste, dass der Erzberg durch intensiven Abbau einmal aus unserem Landschaftsbild verschwunden sein wird. Im Gegenteil, der Berg wird wieder zum Hoffnungsträger, als markantes Wahrzeichen und als gefragter Veranstaltungsortfür Kultur und Sport.

Die Tracht des Bergmanns#

Bild von Gauermann, Der Bergmann in seiner Tracht
Bild von Gauermann, Der Bergmann in seiner Tracht
Der 'Ledersprung', eine feierliche Zeremonie zur Aufnahme als Bergmann. In der Bildmitte Ex-Sozialminister Hesoun.
Der "Ledersprung", eine feierliche Zeremonie zur Aufnahme als Bergmann. In der Bildmitte Ex-Sozialminister Hesoun.
Betrachten wir das Bild des Bergmanns, das der Kammermaler Jakob Gauermann für Erzherzog Johann gemalt hat, und den Knappen am Bergmannsbrunnen in Eisenerz, beide in der Tracht aus der Zeit Kaiser Maximilians I.: Fast 400 Jahre liegen dazwischen, doch die Bekleidung der Bergknappen scheint sich kaum geändert zu haben. Wie der Bergmann im Eisenerzer Wappen tragen auch diese beiden Knappen die typische weiße oder "maximilianische Tracht". Die Bergleute wählten ihre Kleidung so, dass ihnen das scharfe Gestein nicht die Haut zerfetzen kann, herabrieselnder Sand nicht in die Augen fällt und ihnen von den Wänden tröpfelndes Wasser nichts anhaben kann. Der weiße Bergkittel mit Kapuze war ursprünglich ein einfacher Leinensack, den man dazu benutzte, Steine zu transportieren. Wenn er leer war, stülpten sich die Bergleute diesen Sack über den Kopf, als Schutz gegen Nässe und Kälte. Sehr praktisch in dem fast dunklen Stollen war die Farbe des Kittels. Er war aus weißem, grobem Leinen, sodass die Knappen einander auch bei ganz schwacher Beleuchtung sehen konnten. Diese Tracht wurde typisch für den Bergmannsstand, ihre Träger so angesehen, dass sie sogar ins Marktwappen aufgenommen wurden, das Kaiser Maximilian Eisenerz verlieh. Wie geschätzt dieser Umhang war, lässt sich auch daran erkennen, dass der "Pergkitl" in Testamenten vom Vater an den Sohn vererbt wurde.

Unter dem Kittel trug der Knappe Lederhose und Hemd, über dem Kittel einen Lodengürtel mit dem Berg- oder Arschleder. Dieses besondere Kleidungsstück war dazu da, das Hinterteil der Bergleute beim Abfahren über die Rutschen zu schützen. In der Hand trägt der Bergmann das "Hackel" und das Grubenlicht. Das Hackel, ursprünglich ein Beil zum Steineklopfen, wurde, immer reicher geschmückt, schließlich zum Würdezeichen. Neben der weißen begann sich die "schwarze" Tracht immer stärker durchzusetzen. Als die Bergleute neben Salz und Metallen auch vermehrt Kohle abbauten, kam der schwarze Bergkittel mit breitem, gezacktem Schulterkragen und goldenen Knöpfen mehr und mehr auf. Diese Tracht wird auch heute noch von Bergmännern in ganz Europa als Standestracht gerne getragen. Sei es, wenn Absolventen der Montanuniversität Leoben sich feierlich kleiden, oder eine Knappen-Musikkapelle aufmaschiert, durch die schwarze Bergmannstracht unterstreichen beide den Stolz auf ihren Stand und geben ein kräftiges Zeichen, dass dieser fortlebt und weiterbesteht.

Von den Eisenbauern zur Voest-Alpine#

Haus zum Hl. Geist, 1595 erbaut, mit einer reich verzierten Rokokofassade (17. Jh.), die die Erdteile darstellt.
Haus zum Hl. Geist, 1595 erbaut, mit einer reich verzierten Rokokofassade (17. Jh.), die die Erdteile darstellt.
Als im 8. Jh. bairische Siedler in unser Land kamen, dürfte auch Eisenerz sehr bald von ihnen besiedelt worden sein. Die Rechte am Erzabbau lagen in dieser Zeit allein beim König. Alle Bergwerke waren sein Eigentum und er konnte Abbaurechte vergeben, gegen Bezahlung versteht sich. Die Siedler, die sich in dem weltabgeschiedenen Tal, meilenweit von jedem größeren Ort entfernt, niederließen, waren auf Selbstversorgung angewiesen. Das Bergbaurecht war an den Pachtbesitz einer Hube gebunden, die den Bergmann mit allen notwendigen Lebensmitteln und Geräten für ihn, sein Gesinde und sein Vieh sowie mit Holz für den Bergbau versorgte. Diese ältesten Bergleute werden also mit Recht als "Eisenbauern" bezeichnet. Dass vor den deutschen Siedlern auch slawische Bewohner mit der Roheisenerzeugung vertraut waren, beweisen Sachnamen aus der Eisenschmelztechnik, die slawischen Ursprungs sind, wie Gramatl (Röststätte), Graglch (Schlacke) oderZaggl (prügelartig ausgeschmiedetes Eisenstück). Als einzige slawische Familie, die im Eisenwesen noch länger eine Rolle spielte, ist uns das Geschlecht der Jaztramer bekannt, die später ein Radwerk besaßen und die bis 1553 urkundlich nachweisbar sind, als der letzte Jaztramer Andrä als Kleinhäusler völlig verarmt stirbt. Heute erinnert an diese Familie der sog. Jastramerhof, heute Jostrombauer, am Mitterriedl. Bis ins 13. Jh. bot sich Eisenerz als ein aufstrebender Ort dar, in dem neben den Eisenbauern auch mehr und mehr Handwerker siedelten. Die Ansiedlungen an der Schollnitz und am Trofengbach waren, als die Zahl der Blähhäuser sich mehrten, angewachsen, um sich schließlich im Bereich des heutigen Ortskerns zu treffen. In diesem Jahrhundert wanderten aber auch die Schmelzstätten ins Tal, denn man benützte nunmehr das Wasserrad zum Antrieb der Bälge. Ein künstliches Wassergerinne wurde gebaut und an diesem entlang wurden die Schmelzstätten errichtet. Der Ort erlebte einen ungeheuren Aufschwung, Eisenerz erhielt 1294 das erste Marktrecht und die Bevölkerungszahl dürfte auf über 2000 angestiegen sein. Die Eisenbauern waren zu Eisenunternehmern, zu Radmeistern geworden. Knechte, Schmelzer und Knappen belebten damals das Wirtschaftsleben im Ort. Im Krumpen- und Münichtal wurden Hüben verpachtet und Keuschen gebaut. Eine Bergwerkssiedlung war entstanden, voll von harter Arbeit und pulsierendem Leben. Fast das ganze 15. Jh. hielt dieser Aufschwung an. Im 16. Jh., als der Markt seinen dörflichen Charakter verloren hatte und aus den alten Höfen Bürgerhäuser mit Arkaden und schmucken Fassaden geworden waren, hielt die Lehre Luthers Einzug in Eisenerz.

Kammerhof, heute das Stadtmuseum.
Kammerhof, heute das Stadtmuseum.
Nur kurz war die Zeit, wo beide Religionen, der Protestantismus und der Katholizismus, mehr oder weniger nebeneinander existierten. Am 13.9.1598 erließ der junge Landesfürst Erzherzog Ferdinand II. den Befehl, dass alle protestantischen Prediger unverzüglich das Land verlassen mussten. Wie die Stimmung war, zeigt ein kleiner Vorfall: Als der päpstliche Gesandte 1598 auf der Durchreise in Eisenerz übernachten wollte, rotteten sich sofort die Leute vor dem Gasthof zusammen und riefen: "Was Erzherzog Ferdinand, wir sind die Herren!" Allein, das Selbstbewusstsein nützte am Ende nichts. Der landesfürstliche Markt wurde gewaltsam rekatholisiert, wer sich nicht fügte, musste das Land verlassen. Die Gegenreformation hatte gesiegt. Der Glaubenskampf führte zu einem Niedergang der Wirtschaft und der folgende 30-jährige Krieg brachte das Eisenwesen fast gänzlich zum Erliegen. Die verschuldeten Radmeister wurden vom Landesfürsten enteignet und der Landesherr nahm persönlich die Erzeugung, Verarbeitung und den Handel in seine Hand. Er ernannte sodann einen Kammergrafen zu seinem persönlichen Vertreter in Eisenerz, dessen Sitz, der Kammerhof, heute das Stadt-Kammerhof, heute das Stadtmuseum, beherbergt.

Das Heimatmuseum birgt eine Vielzahl an interessanten und informativen Gegenständen, die Vergangenheit dieser Region betreffend.

Die Wunderstufe#

Im Jahre 1669 wollte man den Abbau auf dem Erzberg einstellen. Eines Tages arbeitete der Bergarbeiter Simon Weißenbacher im Dorotheastollen und fand dort mitten unter dem tauben Gestein eine schöne Erzstufe, die er auseinander schlug. Als er die Bruchstelle genauer betrachtete, bemerkte er zu seinem größten Erstaunen, dass auf beiden Bruchstellen ganz deutlich das Bild der Gottesmutter mit dem Jesuskinde auf dem Arm - von Strahlen und Wolken umgeben - zu sehen war. Allgemein glaubte man, dass die Wunderstufe ein Zeichen des Himmels sei, den Bergbau fortzusetzen. Die Wunderstufe wurde anschließend in der Barbarakapelle aufgestellt.

Modell einer Bergwerkskapelle
Modell einer Bergwerkskapelle
Die "Verstaatlichung" führte dazu,, dass aus den einst selbstbewussten Radmeistern nun Dienstnehmer der "Innerberger Hauptgewerkschaft", einer Aktiengesellschaft, geworden waren. Die Stellung des Marktrichters trat zurück, denn der Kammergraf war die lenkende Macht im Ort. Allerdings übernahm die Hauptgewerkschaft nun die Versorgung ihrer Beschäftigten mit Schmalz und Getreide und baute für die Vorratshaltung große Kästen (Vorratshäuser). Die Hauptgewerkschaft lenkte Eisenerz durch das 18. und 19. Jh., eine Zeit, in der der technische Fortschritt einsetzte und gerade vor der Eisenerzeugung nicht Halt machte. Die Nachfolgerin der Innerberger Hauptgewerkschaft, die ab 1881 die Alpine Montangesellschaft war, war bemüht, den Zusiedlern entsprechenden Wohnraum bereitzustellen. Ein großes Projekt der Alpine war der Bau der Normalspurbahn über den Präbichl 1891. Auch der Beginn der Einrichtung von Etagen am Erzberg fällt in diese Zeit. Heute, nach wechselhaften Zeiten, ist es die Voest-Alpine, die das "Erbe" der Eisenbauern verwaltet und über den Erzberg hinaus vielfältige Unternehmensstrukturen geschaffen hat.

Große Söhne von Eisenerz #

Die Familie Tendler: Als der Kunsttischler Matthias Tendler 1789 mit seiner Familie nach Eisenerz übersiedelte, hatte er sich bereits durch seine Arbeiten im Stift Vorau einen hervorragenden Ruf erworben. Beim Schnitzen von Krippenfiguren war er auf die Idee gekommen, diese Figuren beweglich zu machen. Die "Mechanik" faszinierte ihn. Sollte es möglich sein, Figuren anzufertigen, die menschliche Bewegungen naturgetreu nachahmten? Er war gewiss nicht der erste Puppenspieler, aber ein sehr kunstfertiger. Unter anderem fertigte er aus Pappe eine höchst bewegliche "Kunstreitergesellschaft", die er am Wiener Hof vorführte und auch den Teilnehmern des Wiener Kongresses. Besonders Zar Alexander von Russland soll begeistert gewesen sein. Mit seinen Automaten bereiste Tendler auch Deutschland und die Schweiz, wo er seine größten Erfolge mit einem mechanischen Seiltänzer erzielte, "welcher auf schwingendem Seile, ganz frei, alle möglichen Trapezkünste aufführte". Uns heutigen Menschen mag es erstaunen, wie das Papiertheater des Matthias Tendler solch große Erfolge haben konnte. Aber ein Publikum, das noch nichts wusste von den "beweglichen Bildern" des Filmes, das keine Reizüberflutung kannte, nahm seinen "Automaten" begeistert auf. Theodor Storms Novelle "Pole Poppenspäler" hält das Gedenken an den Eisenerzer Matthias Tendler über die Steiermark hinaus wach.

Seine Söhne und Enkel setzten die künstlerische Tradition fort, allerdings wandten sie sich der Malerei zu. Johann Tendler hat sich selbst autodidaktisch zum Maler ausgebildet. Der bedeutendste Maler in der Familie aber war Johann Max Tendler. Er war akademisch ausgebildet und ein Meister seines Faches. So malte er mehrere Altarbilder für die Leobner Kirche, bezaubernde Aquarelle und auch herrliche, historische Darstellungen über die Bergaufzüge in Eisenerz. Johann Max starb 1870 in Leoben, mit ihm erlosch die Künstlertradition in der Familie.

Hanns von der Sann (Johann Krainz): Wie kommt es, dass uns steirische Sagen schriftlich überliefert sind? Sagen, wie der Name schon sagt, werden ja erzählt, von Generation zu Generation weitergegeben und von den Erzählern selbst niemals niedergeschrieben. Die Ersten, die begonnen haben, Sagen und Märchen festzuhalten, waren die Gebrüder Grimm. Angeregt von der Grimm'schen Sammlung, begannen nun auch steirische Erzählforscher Sagen schriftlich festzuhalten, unter ihnen Johann Krainz. Seine "Sagen aus der grünen Mark", erstmals erschienen 1880, werden noch heute aufgelegt und gedruckt. Johann Krainz war maßgeblich daran beteiligt, dass Sagen zum Lesestoff für den "kleinen Mann", für jedermann, wurden. Peter Rosegger schreibt 1911 im Vorwort zu einer weiteren Auflage: "Diese Sammlung ist eine gewählte Ausgabe für das Volk. Dem Volk, was des Volkes ist!" Krainz wurde 1847 in der untersteirischen Stadt Cilli an der Sann geboren, nach der er sich auch in seinem "Künstlernamen" benannte, und wurde in Marburg zum Volksschullehrer ausgebildet. Als Lehrer kam er schließlich auch nach Eisenerz, wo er zwölf Jahre wirkte. Univ.-Prof. Dr. Günther Jontes schreibt über diese Eisenerzer Zeit: "In diesem historisch ungemein interessanten Ort, in dem die großen Traditionen des Berg- und Hüttenwesens die Volkskultur bestimmten, konnte Krainz sich in seinen Zielen und Absichten als Lehrer und Forscher voll entwickeln und entfalten." Voller Tatendrang ging Krainz daran, ein Museum zu gründen. Als er im Mai 1881 die ersten Objekte in einem kleinen Raum der Eisenerzer Mädchenschule präsentierte, hätte er es sich wohl nicht träumen lassen, dass das Museum im Kammerhof einst eine der bedeutendsten Sammlungen der Steiermark werden sollte. Darüber hinaus war er als Volkskundler tätig, indem er Brauchtum und Kultur der bäuerlichen Bevölkerung aufnahm und beschrieb. Im monumentalen, vielbändigen Werk "Die österreichisch-ungarische Monarchie" war er dazu ausersehen, die Volkskultur der Steiermark darzustellen. Es spricht für Eisenerz und seine Bewohner, dass sie diesem wachen Geist Raum gegeben und ihn und seine Arbeit dankbar aufgenommen haben. Durch seine Schrift "Eisenerz und die Pfarrkirche St. Oswald daselbst" machte er die Eisenerzer auf ihre Pfarrkirche aufmerksam und löste die Restaurierung derselben aus. Das Andenken an Johann Krainz, der sich nach romantischer Art "Hanns von der Sann" nannte, lebt noch heute in Eisenerz weiter. Dass Eisenerz heute angesehene Schulstadt ist, mag vielleicht auch mit dem Wissensdurst des Volksschullehrers Krainz zusammenhängen, der Eisenerz zu seinem persönlichen "Forschungszentrum" auserwählt hatte.

August Musger, der Erfinder der Zeitlupe: August Musger trug das typische Los eines österreichischen Erfinders: Zu Lebzeiten unbeachtet, kam er nach seinem Tod erst zu Anerkennung. Im hinteren Innenhof der Grazer Burg befindet sich eine Ehrengalerie berühmter Steirer. Komponisten, Dichter, Baumeister und Erfinder sind dort in steinernen Büsten verewigt. Neben Peter Rosegger, Johann Fischer von Erlach, Viktor Kaplan und vielen anderen hat auch der Eisenerzer August Musger hier einen Ehrenplatz gefunden. Musger wurde 1868 in Eisenerz als Sohn eines Lehrers geboren. Nach dem Studium der Theologie an der Universität Graz wurde er zum Priester geweiht. Nach einer kurzen Tätigkeit als Kaplan kam er als Lehrer 1898 ans Knabenseminar in Graz, das heutige Bischöfliche Gymnasium, wo er Mathematik, Physik und Freihandzeichen unterrichtete, nachdem er in Wien die Lehrbefähigung dafür erworben hatte. Bereits 1904 meldete er sein erstes Patent an, einen "Serienapparat mit Spiegelrad". Somit war die Zeitlupe erfunden, mit dem Prinzip einer Spiegeltrommel als Ausgleichsorgan. Am 19. Juli 1907 fand die erste Vorführung mit einem vom Grazer Kinobesitzer K. Löffler gebauten Projektionsapparat statt. Es kam aber zu keiner kommerziellen Verwertung des Patents, sodass 1914 die Firma Ernemann in Dresden die Zeitlupe herausbrachte, ohne Musger offiziell zu erwähnen. Trotzdem blieb man in Kontakt mit dem Erfinder und teilte ihm in einem Brief sogar mit:"... würde mich sehr freuen, Ihnen die Fortschritte vorführen zu können, welche ihrer Erfindung zugrunde liegen...". August Musger starb 1929 in Graz, die Stadt Eisenerz ehrt ihren berühmten Sohn mit dem August-Musger-Platz und einer Gedenktafel.


© Bild und Text Fritz Bayerl, Karl und Inge Friedl