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Hauptstraße
Pfarrkirche zum Heiligen Rupert
Kirche von innen
Jugendstilbrücke
Panoramaweg
Pulverturm

Trofaiach#

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"Wer die Lage Trofaiachs würdigen und im wahren Ausmaß sehen will, der mag südlich des Ortes eine Anhöhe besteigen und die Gegend überblicken. Er wird staunen über das Bild, und wenn er fragt, warum dieses Schöne und Gute bisher so unbekannt war, so antworte ich: weil es zu nahe liegt!"

Was Peter Rosegger hier ausdrückt, dem mag wohl mancher von uns zustimmen. Gerade die nächste Umgebung bleibt oft unbeachtet, selbst wenn sie verborgene oder sogar offenkundige Reize hat. Gewiss, die Idylle der alten Sägewerke und Hammerschmieden ist längst versunken, der uralte Marktort aber hat seine charakteristischen Grundzüge seit Jahrhunderten doch bewahrt und kann mit Fug und Recht als das bezeichnet werden, als was es wohl schon Rosegger sah: als altes Kulturzentrum im steirischen Erzgebiet.

Trofaiach war seit jeher industrie- und kulturhistorisch ein Zentralpunkt, aber auch aus geographischer Sicht bildet der Ort die Mitte einer herrlichen Landschaftskulisse. In einem Talbecken gelegen, umgeben die "Stadt im Gebirge" im Halbkreis Höhenzüge der nördlichen Kalkalpen. Im Nordosten beginnend mit dem langgezogenen Trenchtling. dann die schroffe Griesmauer, die steile Vordernberger Mauer bis zum gewaltigen Eisenerzer Reichenstein, dem Stadelstein und dem Wildfeld und schließlich dem Reiting. Liebevoll verglich der Trofaiacher Lehrer Sepp Stangl in den 20er Jahren diese Gebirgszüge mit einer Felskrone und behauptet, dass so mancher Fremde, von Leoben mit der Eisenbahn kommend, in Trofaiach ausgestiegen ist, nur um sich an diesem Landschaftsgebilde satt sehen zu können.

Trofaiach oder Leoben? - Ein Ortsnamen-"Streit"#

Alte Ansicht von Trofaiach, die Hauptstraße um 1900
Alte Ansicht von Trofaiach, die Hauptstraße um 1900
Vor annähernd 1000 Jahren, auf einer Urkunde des Jahres 982, ist die Rede von einem großen salzburgischen Gutshof mit Namen "Liubina", also Leoben.

Dieses "Liubina" war in Trofaiach gelegen, mit Mittelpunkt im Stadtteil Obertrum, weit weg also vom heutigen "Leoben".

Nun wissen wir, dass das heutige Vordernberger Tal bereits 825 als "Liupinatal" bezeichnet wird, was als großes Kompliment an die Schönheit des Tales gesehen werden kann, denn "liup" heißt nichts anderes als "lieblich, schön".

Die Hauptstraße heute
Die Hauptstraße heute

Zu dieser Zeit, als der Name "Leoben" auftaucht, war wohl auch der heutige Ortsname in der Bevölkerung geläufig. Der slawische Name Trofaiach oder "Trofeiach" wurde durch die deutschen Zuwanderer zurückgedrängt, sie gaben "Leoben" den Vorrang.

Der Name "Leoben" aber begann zu wandern. Im Laufe der Jahrhunderte gab es mehrere Standorte für die Siedlung Leoben, bis schließlich der Markt ("forum Liuben") und 1262 die Neuanlage der Stadt an der Murschleife endgültig den Namen Leoben erhielt.

In Trofaiach erinnert noch heute manches an diese längst vergangenen Zeiten: Nicht nur die "Leobner Mauer", auch der Flurname "In der Loiben" für die Gegend zwischen Hafning und Friedauwerk sind "sprechende" Zeugen des alten Namens. 

An das Gut Liubina gemahnen noch drei Kreuze, die einst die Besitzgrenzen des Gutshofes markierten: das Kreuz am Schnittpunkt von Gößgrabenstraße und Schindergassl, das "Süßmoarkreuz" an der Grenze Hafning - Trofaiach und das Wegscheidkreuz am Fuß des Schwaberges. 

Trofaiach - altes Eisenzentrum#

Der Patron der sehenswerten Pfarrkirche von Trofaiach, der hl. Rupert, zeigt uns die Ehrwürdigkeit des Ortes: Trofaiach war längst Zentrum, ehe es Eisenerz und Vordernberg wurden! Immerhin ist der hl. Rupert niemand Geringerer als der Gründer der Benediktinerabtei am Mönchsberg in Salzburg. Damit war der Anfang des späteren Erzbistums gelegt, aber auch der Beginn der Stadt Salzburg selbst.

Trofaiach, begünstigt durch seine Lage am Schnittpunkt verschiedener Verkehrswege, gilt als der älteste Hauptmarktplatz des ganzen Eisenbezirks. Nordwärts gelangt man nach Eisenerz, im Nordosten nach Tragöß, im Süden nach Leoben und im Westen ins Liesingtal. Das Trofaiacher Eisen ("ferrum de Treveiach") wird 1277 von König Rudolf I. ausdrücklich erwähnt, als er den Judenburgern den Handel mit demselben bestätigt.

Die Dreifaltigskeitskirche aus dem 16. Jh - ein spätgotischer Bau mit reichem Netzrippengewölbe, Rokkoko-Hochaltar mit gotischer Dreifaltigkeitsgruppe und Barockkanzel.
Die Dreifaltigskeitskirche aus dem 16. Jh - ein spätgotischer Bau mit reichem Netzrippengewölbe, Rokkoko-Hochaltar mit gotischer Dreifaltigkeitsgruppe und Barockkanzel.

Doch 1314 änderte sich die Situation. Mit einem Schlag verlor der Ort seine Vorrangstellung durch das landesfürstliche Gebot, Eisen künftig nur noch nach Leoben zu liefern. Obendrein räumte Herzog Friedrich I. dieser Stadt auch das alleinige Verlags- und Handelsrecht für Eisen ein.

Dass der Markt auch keine Wochenmärkte mehr abhalten durfte, kam noch erschwerend hinzu.

Viele Trofaiacher wanderten nun in andere Orte ab, während die verbliebenen nach neuen Einkünften suchten. Weil inzwischen die Straße zu den zwei jüngeren Eisenorten diesseits und jenseits des Erzberges und weiter nach Oberösterreich schon ein bedeutender Verkehrsweg geworden war, richteten die Trofaiacher in ihrem Ort eine Gewinn bringende Mautstelle ein. Die Wende zum Guten kam 1365! Herzog Rudolf IV. "der Stifter", übrigens der erste Fürst in Mitteleuropa, von dem es ein Porträt gibt, erlaubte knapp vor seinem Tod, wieder einen Wochenmarkt abzuhalten. Zu der Gegenleistung, die er verlangte, hatte ihn möglicherweise der Genuss guten Käses von den Trofaiacher Almen inspiriert: Die Trofaiacher sollten alljährlich dem Propst und den Domherren des Stephansdoms in Wien 110 Lot guten Käses liefern!

Pestarzt und Dichterfürst#

Es heißt, in Österreich wird man erst geschätzt und berühmt, wenn man einmal gestorben ist.

Gerade das Gegenteil trifft auf einen Mann zu, der einst hochberühmt, heute vergessen, im Schloss Stibichhofen wohnte: Die Rede ist vom Pestarzt und Poeten Johann Adam Lebald zu Lebenwaldt (1624 -1696).

Bereits mit 35 Jahren wurde Lebald für seine herausragenden ärztlichen Verdienste von Kaiser Leopold I. in den Pfalz- und Hofgrafenstand erhoben. Lebald war einer der bedeutendsten Gelehrten seiner Zeit und als solcher Mitglied der Breslauer Reichsakademie der Naturforscher. Vor allem hat sein berühmtes "Artzney-Buch" dazu beigetragen, diesen Ruf im In- und Ausland zu verbreiten. Am Stibichhof, den er mehr als 10 Jahre bewohnte, ließ er sich nieder, um ein beschauliches Dichterleben zu führen. Denn die Medizin war zu dieser Zeit noch eine gefährliche Praxis: indem nämlich der Kranke nach der Heilung dem Arzt die Hand reichte, wurde er nicht selten der Totengräber desselben, wie Lebald es treffend formulierte. Und da die Krankheit ihm als Gast ständig auf dem Genick sitze, habe er sich nun statt der Arzneipflege der Pflege der Poesie ergeben.

Bereits nach fünf Jahren im Dichterdasein wird dem Barockpoeten dafür von der Universität Wien der Dichter-Lorbeer zuerkannt und er zum "Poeta Laureatus Caesarius" ernannt.

Doch der Friede sollte nicht lange währen. Flüchtende Grazer hatten die Pest 1679 nach Tragöß gebracht, von wo sie Pfarrer und Bader nach Vordernberg einschleppten. In diesem Unglück reagierte Lebald beispielhaft: Der Dichter wurde wieder in seinem, nun wirklich gefährlich gewordenen Beruf als Arzt tätig. Er soll sich besonders der armen und gewöhnlichen Leute in Fürsorge angenommen haben.

Kaum war die Pestzeit überstanden, kamen 1683 die Türken und brachten Schrecken und Leid bis in die entlegensten Täler. Lebald schreibt: 

Schloss Stibichhofen, heute auch Heimatmuseum
Schloss Stibichhofen, heute auch Heimatmuseum

"Ich stecke hinter den Mauern meines Schlosses, täglich in Furcht vor Überfall, Plünderung, Raub und Brand."

Vorbei ist es mit dem ruhigen Dichterleben. 1684 verkauft er den Stibichhof und zieht nach Leoben, wo er 1696 auch stirbt. In Trofaiach erinnert die "Lewaldstraße" an den einst hochberühmten Dichter und Arzt. Schloss Stibichhofen beherbergt heute das Trofaiacher Heimatmuseum. Zahlreiche Exponate zum Thema Eisenwesen, Trachten und Bergbau sind Gegenstand der Sammlung, die von Franz Hofer zusammengestellt wurde. Ein Stück Trofaiacher Geschichte wird so dem Besucher nahe gebracht.

Die Gruft im Acker#

Es war am 23. September 1977, als man bei Kabelverlegungsarbeiten auf dem Grundstück des Bauern Josef Judmaier vulgo Ott im relativ weichen Erdreich plötzlich auf harten Widerstand stieß. Es ist der Aufmerksamkeit von Herrn Johann Stix vulgo Zeidinger zu verdanken, dass der Sache auf den Grund gegangen wurde. Was zutage kam, war der bisher bedeutendste römische Fund im Trofaiacher Raum: ein Block aus weißem Marmor: 114 cm breit, 27 cm tief und 47 cm hoch. Das Steinbildwerk zeigt in der Mitte das Haupt eines bärtigen Mannes, rechts und links zwei sitzende Löwen. Zwei Jahre später, bei einer Nachsuche, entdeckte man an der Fundstelle noch die Reste einer Grabkammer mit noch deutlich erkennbarem Zugang. Offensichtlich hatte das marmorne Steinbild einst dieses Grabmal geschmückt und dem Ansehen und Reichtum des Toten so Ausdruck verliehen. Eine solche Bestattung konnten sich nur wenige Wohlhabende leisten.

Dass die Eisenerzlager um Trofaiach bereits zur Römerzeit ausgebeutet wurden, kann angenommen werden. Das "ferrum Noricum", das norische Eisen, mag wohl zu einem kleinen Teil auch aus Trofaiach gekommen sein. Außerdem kann man schon für die Zeit der römischen Verwaltung eine Straße, auf der sen transportiert werden konnte, annehmen, die durch dieses Gebiet führte, zwar nicht über den Präbichl, wohl aber ins Palten- und Liesingtal.

Was spricht also dagegen sich vorzustellen, dass der so prachtvoll in Trofaiach Bestattete seinen Reichtum aus den Erzlagern der Gegend bezogen hat, somit als römischer Eisenherr ein Vorgänger der späteren Hammerherren und bewerken gewesen ist?

Der größte Hochofen Europas#

Schloss Mell. Es stammt aus dem 13. Jh. Besonders erwähnenswert sind die Türme aus dem 16. Jh.
Schloss Mell. Es stammt aus dem 13. Jh. Besonders erwähnenswert sind die Türme aus dem 16. Jh.
Am Ortseingang von Trofaiach, zur rechten Hand, stehen die Fundamente des einst größten, 1910 niedergeblasenen Holzkohlenofens des Kontinents.

Trofaiach, das uralte Eisenerzzentrum, das später im Schatten von Leoben und Vordernberg stand, machte in der zweiten Hälfte des 19 Jh. noch einmal, und diesmal beinahe weltweit, als Eisenort von sich reden. Im Jahr 1873 setzte Johann Adolf Schwarzenberg hier den größten Hochofen Europas in Betrieb, der auf eine Tagesproduktion von 35 Tonnen ausgerichtet war. Noch einmal erlebte der Ort eine Blütezeit als Produktionsort hochwertiger Metallerzeugnisse. 37 Jahre wurde in Trofaiach nach jahrhundertelanger Pause wieder Eisen erzeugt.

Heute erinnert nur noch ein 280 cm hoher, aus Steinquadern gefügter quadratischer Mauerstock von jeweils elf Metern Seitenlänge an den letzten Versuch.


© Bild und Text Fritz Bayerl, Karl und Inge Friedl