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Hinterwildalpen

Wanderung
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Wildalpen - Richtung Eisenerz - Hinterwildalpen#

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Die wohl abenteuerlichste und auch mit historischen Geschichten und Sagen am reichsten ausgestattete Wanderung im Hochschwabgebiet ist von Wildalpen, vorbei an den Sieben Seen über den Kreuzpfäder zum Teufelssee, weiter über die Höllalpe bis zur Vobisalm. Dann ein kleiner Umweg zur Pfaffing-alm, wo man nächtigen sollte, denn an einem Tag ist diese Marathontour nicht zu bewältigen. Am nächsten Tag zurück zur Vobisalm. Von dort dann den Vobisbach entlang bis zum Wagnergraben. Hier quert man unterhalb des mächtigen Kollmannstocks zum so genannten Römerweg, um über die Arzerböden und die Eisenerzer Höhe weiter bis nach Hinterwildalpen zu gelangen. Voller Stolz wird man diese Tour niemals vergessen und hoffentlich auch bedacht haben, dass man sowohl in Wildalpen als auch in Hinterwildalpen ein Auto stehen hat.

Nun aber zum Geschichtlichen dieser Tour: Unsere erste längere Rast nehmen wir am Teufelssee. Mit dem Teufelssee kann man eine der schillerndsten Persönlichkeiten in Verbindung bringen, die sich sehr oft in Wildalpen aufhielt:

Hans Graf Wilczek (7.12.1837 - 27.1.1922)#

Graf Wilczek besaß ein Jagdhaus in der Abbrenn und war daher in der Gegend um Wildalpen als Jagdherr tätig. Gleichzeitig war er mit Franz Graf Meran Mitpächter der Aflenzer Jagd. So war er also häufig zwischen Seeberg und dem Teufelssee anzutreffen. Zu seiner Zeit galt er als einer der intelligentesten, aber auch originellsten und verwegensten Persönlichkeiten. Zwei wahre Begebenheiten erzählt von Hans Graf Wilczek selbst, die sich im Hochschwabgebiet abgespielt haben, sollen nun nachfolgend wiedergegeben werden:

Ein Sprung in den Teufelssee (28. August 1869)
Ich war mit meinem braven Jäger Ferdl Mühlbacher auf eine lange Pirsch in den Schiefwald gegangen, die uns bis unter den Brandstein führte, und schoss einen kapitalen Bock an, der langsam in die Wand ober dem Teufelssee einstieg. Bald fand ich die schweißige Fährte, legte die Steigeisen an und stieg ihm nach, in der Hoffnung, ihn irgendwo in der Wand niedergetan zu finden, und war immer schussbereit. Jetzt kam ich an eine Stelle, wo der Tritt so schmal war, dass ich nur auf einem Fuß stehen konnte, allerdings fest verankert mit den auswärtigen Zinken des Steigeisens. Ich hätte diesen schweren Stieg nicht so leichtsinnig begonnen, wenn nicht die Möglichkeit, in den See abzuspringen, gewesen wäre, allein so hoch hatte ich mir den Sprung doch nicht vorgestellt. Einige Minuten bereitete ich mich auf das Abspringen vor, band mein Gewehr, das ich nicht verlieren wollte, mit dem Buckelsackriemen quer über die Schultern, schöpfte tief Atem, empfahl mich dem Schütze Gottes und machte einen recht weiten Aussprung, um nicht zu nahe vom Felsen ins Wasser zu kommen, da er ja unter dem Wasserspiegel noch Vorsprünge haben konnte. Der Teufelssee ist überhaupt ein Befürchtetes Wasser. Nie baden Menschen darin, und es heißt, dass kein Tier darin leben könne. Dies alles ging mir blitzartig durch den Kopf, während ich in die Tiefe sauste; es werden wohl fünfzig bis sechzig Meter gewesen sein. Das schwarze Wasser war fürchterlich kalt und mein schweres Körpergewicht zog mich bei dem hohen Sprung in eine Tiefe, wo es noch immer schwärzer und kälter wurde. Es dauerte einige Minuten, bis ich wieder an die Oberfläche kam; Mühlbacher, der vom anderen Ufer alles mitangesehen hatte, hatte schon geglaubt, ich käme nicht wieder zu m Vorschein. Gott sei Dank war nichts geschehen, sogar meine Patronen waren nicht nass geworden, und mein Gewehr, meine Kleider und mich selbst trocknete beim Abstieg die warme Wildalpener Sonne. Der angeschossene Gämsbock aber wurde nie gefunden.

Ein kleines Abenteuer mit einem bösen Hund (1870)
Ich pirschte anfangs Oktober 1870 mit dem Breitgrieser Toni von der Abbrenn aus durch die Ringkamp-Mauer, als wir weit drüben im Draxelreiter-Kar einen Schuss hörten, offenbar von einem Wildschützen, der über die Grenze herübergekommen war. Wir eilten in dieser Richtung hin und sahen richtig zwei "Schwarze" davonlaufen, aber wir waren schon so außer Atem, dass wir nicht hoffen konnten, sie mit ihrem großen Vorsprung einzuholen, doch fanden wir bald die Stelle, wo ein von ihnen geschossenes altes Tier lag. Der Hund war schon längst dort und saß auf dem Tier, als wenn es sein Eigentum wäre. Ich wollte es wenden, um den Schuss zu sehen, allein der Hund verteidigte sein Eigentum und sprang mir ins Gesicht, wobei er mir ein Stück Fleisch aus der Nase bis hoch hinauf herausriss, sodass es mir über den Mund fast bis zum Kinn herabhing. Zum Glück war ganz in der Nähe ein kleiner Wasserfall, in den ich den Kopf hineinsteckte und damit das Wasser bis ins Tal hinunter rot färbte. Ich verband die Wunde mit meinem Taschentuch und ging direkt nach Göstling, um den Zug zu erreichen und abends in Seebarn zu sein. Meine Frau und die Kinder waren nicht wenig überrascht, den Vater mit einem Verband im Gesicht ankommen zu sehen, es wurde aber nicht viel daran gedoktert, auch nichts genäht, und in einigen Tagen war die Nase, wenn auch etwas schief, geheilt.

Nicht vergessen soll an dieser Stelle auf die Sage vom Teufelssee werden.
Auf dem Nordabhang des Brandsteins, dem westlichen Gipfel des Hochschwabzuges, liegt in einsamer Gegend mitten im Schafwald der verrufene Teufelssee. Sein Wasser soll einst schön grün gewesen sein, zeigt aber jetzt eine schwärzliche Färbung; woher dies kommt, berichten mehrere Sagen. 
Als sich der Teufel einmal lange Zeit auf der Erde umhertrieb und viele Untaten verübte, wurde er so schwarz, dass er selbst darüber heftig erschrak. Er eilte zum klaren See auf dem Brandstein, um sich dort weiß zu waschen. Seitdem ist das Seewasser schwarz.
Ein Schuster, der zur Almzeit in einer Hütte am Seeufer die Schuhe der Sennerinnen ausbesserte, wurde dieser Arbeit überdrüssig und unterhielt sich lieber mit der holden Weiblichkeit. Er beschwor den Teufel, für ihn die Arbeit zu machen, und versprach ihm dafür seine Seele unter der Bedingung, dass dieser nur im Winter die Schuhe flicken dürfe, damit die Leute den Teufel zur Almzeit nicht zu sehen bekämen. Wenn nun ab und zu jemand im Winter zum See kam, sah er gewiss den Teufel auf der Eisdecke sitzen und Schuhe flicken. Als die bedungene Zeit um war und Luzifer sich die Seele des faulen Schusters holen wollte, sah er sich betrogen und musste leer abziehen. In seiner grenzenlosen Wut und Hitze holte sich der Satan Abkühlung im frischen Seewasser, deshalb ist dieses so schwarz.

Wir verlassen nun den Teufelssee und wandern über die Höllalpe weiter Richtung Vobisalm. Wenn wir die Augen offen halten, werden wir überall noch Spuren von Plätzen finden wo einmal Kohlenmeiler gestanden sind. Zu viel Zeit sollten wir uns allerdings nicht lassen, denn wir müssen schon gut bei Fuß sein, um an einem Tag bis zur Vobisalm und dann in einer einstündigen Wanderung noch bis zur Pfaffingalm zu gelangen. Hier haben wir uns dann aber eine frische Ziegenmilch oder auch ein Bier verdient.

Nach einer Nächtigung auf der Pfaffing geht es wieder zur Vobis zurück und wir wandern recht gemütlich bis zum Wagnerloch talwärts. Hier müssen wir genau aufpassen, um die Abzweigung unter dem Kollmannstock nicht zu verfehlen. Und hier sehen wir auch schon in der Rohrmauer den aus dem Fels geschlagenen "Römerweg". Von weitem ist es nicht vorstellbar, dass man hier durch die Wand mit Ochsen und Pferden Material transportieren konnte. Die Anlegung dieses Weges hatte enorme Schrämarbeit erfordert. Diese mühevolle, fast unmenschliche Arbeit wurde laut einer eingemeißelten Inschrift im Jahre 1566 abgeschlossen. Schleifspuren von bremsenden Rädern während der Bergabfahrt sind noch immer deutlich zu erkennen.

Hat man den Felsensteig passiert, gelangt man auf den Arzerboden (Erzbodenalm), der Zwischenlagerplatz für Erz gewesen ist, da die Durchführung von Transporten über den Felsensteig sowohl während des Winters als auch bei entsprechendem Schlechtwetter unmöglich gewesen ist. Auf den Arzerboden sind ebenfalls Spuren von ehemaligen Kohlstätten zu finden.
Die Wanderung führt uns weiter bis auf die Eisenerzer Höhe, wo wir dann merken, dass von dieser zweitägigen Wanderung unsere Füße schon sehr schwer werden. Auf dieser Höhe werden wir nun ein bisschen verweilen und uns über die nachfolgende Sage ein wenig den Kopf zerbrechen:

Das Marienbild#

Auf dem Wege von Wildalpen nach Eisenerz, auf der so genannten Eisenerzer Höh', steht ein Marienkreuz mit einem sinnigen Vers, woran sich folgende Sage knüpft:
Auf einer der umliegenden Almen wohnte eine junge, schöne Schwaigerin mit ihrer alten Mutter. Sie hatte einen frischen Knappen, der am Erzberge arbeitete, zum Geliebten, und allwöchentlich kam dieser von Eisenerz über das Gebirge auf die Alpe, um sein Mädchen zu besuchen. Als einst das Mädchen den Knappen fragte, ob ersieh nicht fürchte, des Nachts so allein stundenlang durch die schauerlichen Klüfte der Gebirge zu gehen, lächelte der mutige Bursche und zeigte aufsein großes Messer, das im Gürtel stak.
In der nächsten Woche kam der Knappe wieder des Weges zur Almhütte. Als er zum Marienkreuze kam, trat ihm eine weiße Schreckgestalt entgegen. Anfangs sträubte sich sein Haar vor Schrecken, dann aber zog er sein Messer und stieß es der Gestalt in den Leib. Diese fiel mit lautem Aufschrei zu Boden, der Knappe aber eilte, so schnell er nur konnte, auf das Häuschen seiner Geliebten zu. Da vermisste er sein Mädchen und eine Ahnung sagte ihm, dass das weiße Gespenst niemand anderer als seine Geliebte gewesen sei. Sich selbst verwünschend, eilte der Bursche zurück zum Kreuze und fand hier -sein Liebchen im Blute liegen. Nur wenige Minuten lebte das Mädchen noch und dann verschied es.
Des anderen Tages überlieferte sich der Knappe freiwillig dem Gerichte und klagte sich des Mordes an seinem Mädchen an. Aber das Gericht sprach ihn frei von aller Schuld. Bald darauf jedoch folgte er aus Gram und Schmerz seiner Geliebten, deren Leichtsinn ihr den Tod gebracht, ins Grab.

Das Marienbild, insgeheim auch das "rote Kreuz" genannt, steht heute noch, und die Führer erzählen den Fremden gerne die schauerliche Begebenheit, die sich daselbst zugetragen haben soll.
Wir wandern nun bereits in Richtung Hinterwildalpen, da werden wir nochmals auf eine Sage aufmerksam:

Der Jungfernsprung
Wenn man von der Eisenerzer Höhe abwärts gegen Wildalpen zuschreitet, so führt der Gebirgspfad zu einer Brücke, die eine tiefe, steile Felsenkluft überspannt, durch welche am Grunde ein schäumendes Gebirgswässerlein wild da-hintost. Diese Kluft wird vom Volke, insbesonders von Jägern und Holzknechten, der "Jungfemsprung" genannt.
Eine schöne Schwaigerin auf den so genannten Arzerböden hatte die Begierden eines vornehmen Reiters erweckt. Sie flüchtete sich vor seinem stürmischen Zudrängen über die Eisenerzer Höhe und fort gegen Wildalpen.
Bei der gedachten Felsenkluft schien es, als ob ihr jeder weitere Ausweg versperrt sei. Schon jubelte der Reiter, welcher ihr mit seinem Pferde auf dem Wege rasch gefolgt war. Da sprang das geängstigte Mädchen über die Kluft und gelangte glücklich hinüber. Der Reiter wollte gleichfalls über den Abgrund und setzte seinem Pferde die Sporen in die Weichen. Aber das ROSS machte einen Fehlsprung und stürzte samt seinem Reiter in die Tiefe, wo beide zerschmettert liegen blieben.

Nun noch eine gute halbe Stunde eine Schotterstraße entlang bergab, und wir haben diese riesige Zweitagetour geschafft, viel über diese Gegend erfahren dürfen und treffen in Hinterwildalpen ein.


© Bild und Text Fritz Bayerl, Karl und Inge Friedl