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PROFESSOR HANS HAUENSCHILD#

FORSCHER UND ERFINDER - EIN SOHN WINDISCHGARSTENS#

von Jörg Strohmann

In Windischgarsten gibt es eine "Hauenschild-Straße", aber nur wenige Bewohner des Ortes wissen, warum diese Straße so benannt worden ist.

Rudolf Stanzel hat diesen Straßennamen vorgeschlagen, da er der Meinung ist, daß Johann Hauenschild der bedeutendste Sohn des Ortes war. Hauenschild war an wichtigen technologischen Entwicklungen beteiligt und er hat sogar eine Erfindung gemacht, die für die ganze Welt von großer Bedeutung war und ist. Sein Schicksal ist aber ähnlich jener österreichischen Erfinder verlaufen, deren Erfindungen in Österreich keine oder nur wenig Würdigung fanden. Sein Leben hat sogar dem Wiener Burgtheaterdirektor und Schriftsteller Max Burckhard zu seinem Roman "Gottfried Wunderlich" Anlaß gegeben.

Der Inhalt des Romanes stimmt aber mit dem tatsächlichen Leben Hauenschilds nur sehr wenig überein! Lesen Sie hier die interessante Lebensgeschichte eines begeisterten Bergsteigers, Höhlenforschers, Schriftstellers, Botanikers, Volkskundlers, Archäologens, Ordenspriesters, Technikers und Erfinders.

Am 14. August 1842 kam im Färberhaus von Windischgarsten (Nr. 106, heute Tischlerei Aigner) Johann Hauenschild als Sohn des Färber-Ehepaares Johann und Elisabeth Hauenschild zur Welt. Der Vater hat dieses Ereignis verbunden mit guten Wünschen folgend dukumentiert: „Im Jahre 1842 den 14ten August ist unsser 9des Kind 6. Sohn gebohren worden in Zeichen des Löwen Tagszeichen des Schützen, es wurde Ihm durch den hochwürdigen Herrn Kornpeis der Nahmen Johannes in der heiligen Taufe gegeben. Gott erhalde Ihm uns Ältern zum Trost und Freude und laße Ihm zu(nehmen) an Alter, Verstand Weisheit und Tugen(d) und Gnade vor Gott und den Menschen u..... hier zeitlich und dort ewigglücklich seyn dieses wünschen seyne Eltern Johann Hauenschild 33 alt Elise Haunschild alt 39“.

Vater Johann war ein fortschrittlicher Färbermeister, denn er ließ für seine Färberei eine wasserbetriebene Färbe-Mange errichten. Als der Junge vier Jahre alt war, verstarb sein Vater. In der Häuserchronik steht: „an Typhus“, im 2. Band (S 192, 1. Abs.) des österreichischen Alpenvereines schreibt Hauenschild aber: „....das eigentliche Juwel, mein einziges und liebstes Erbtheil, das ich von dem verstorbenen Vater überkommen, dem es den Tod gebracht hat: das Warscheneck ...“.

Wahrscheinlich hat sich der Vater bei der Besteigung des Warscheneck eine Infektion geholt, welche ihm den Tod brachte. Hauenschilds Mutter blieb mit ihren zwei unversorgten Kindern zurück und mußte die Färberei alleine weiterführen. Der Betrieb kam sodann in finanzielle Schwierigkeiten, 1850 ist er wegen Überschuldung vom Pflegegericht Spital am Pyhrn verkauft worden. Dadurch verlor die verarmte Familie auch ihre Behausung und die Witwe mußte mit ihren zwei Kindern in das Haus Windischgarsten Nr. 40 übersiedeln.

In seinem Lebenslauf bemerkte Hauenschild, daß er und seine um vier Jahre ältere Schwester „eine kümmerliche Jugend verlebten“. Johann besuchte in Windischgarsten die Volksschule, sein Lehrer war Leopold Westermayr, ein „Laien-Naturwissenschaftler“, er erfaßte 1843 die Natursteinvorkommen des Garstnertales für den Linzer Musealverein. Nach der sechsjährigen „Trivialschule“ (heute etwa die Volksschule) trat Hauenschild 1855 als „Bettelstudent“ in das Stiftsgymnasium von Kremsmünster ein, nachdem sich der Pfarrer von Windischgarsten, Josef Thaller, für seine Aufnahme im Stift Kremsmünster eingesetzt hatte. Josef Thaller hatte auch die Firmpatenschaft von Johann Hauenschild übernommen. Am 29. September 1855 mußte sich der „Zöglingsanwärter“ einer Prüfung an der k.k. Hauptschule Kremsmünster stellen, die seine Eignung zur Aufnahme in das Gymnasium überprüfte. Er erhielt dabei so gute Noten, daß er verdiente, in die erste Klasse mit Vorzug aufgenommen zu werden.

Ab 1. Oktober 1858 durfte Hauenschild unentgeltlich im neu errichteten Museum des Stiftes wohnen, für Verköstigung, Wohnung, Heizung, Licht, Bett, Bettwäsche samt Reinigung, Bedienung sowie für den Unterricht in den vorgeschriebenen Gegenständen kam das Kloster auf. Die Kosten für die Leibwäsche und Kleidung sowie deren Reinigung und Ausbesserung, weiters Kosten für ärztliche Hilfe und Medikamente, Ankauf der nötigen Schulbücher und das erforderliche Papier mußten hingegen „Wohltäter“ übernehmen. Dafür mußte dem Direktor des Museums halbjährlich im vorhinein ein Betrag von 20 Fl Cmz. erlegt werden. Diese Kosten hat die Marktgemeinde Windischgarsten unter Bürgermeister Leopold Westermayr, seinem ehemaligen Lehrer, übernommen, sie hat ihm für alle acht Studienjahre in Kremsmünster ein Stipendium verliehen.

Schon am Gymnasium von Kremsmünster wurde Hauenschilds Liebe und Interesse zu den Naturwissenschaften geweckt. Pater Gotthard Hofstätter beauftragte seinen Schüler mit der Bearbeitung und Redaktion des Beitrages „Die Flora von Kremsmünster“, für Pater Amand Baumgartner sammelte er „Sagen und Volksbräuche“ seiner Heimat. Seine Lehrer Dr. Pötsch und Dr. Schiedermayr führten ihn in die Moos- und Flechtenkunde ein.

Viele seiner Bergbesteigungen brachten später für seine Heimat so manche interessante Neuigkeit. Durch das Studium der Flechten wurde er auch auf die „Steinwelt“ aufmerksam. Hier genoß er den „ausgezeichneten“ Unterricht von Pater Siegmund Fellöcker sowie die praktischen Anleitungen zu den geognostischen Beobachtungen in der Natur von Carl Ehrlich und J. Hinterberger.

Im Jahre 1861 verstarb Hauenschilds Mutter im Alter von 50 Jahren, er wurde damit Vollwaise. Trotz dieses weiteren schweren Schicksalsschlages absolvierte er sein Studium bis 1863 jeweils als Klassenbester. So erhielt er über das erste Semester 1863 ein Zeugnis „der ersten Klasse mit Vorzug“ und erreichte dadurch „Lokat Nro. 1 unter 15 Schülern“. Sein sittliches Betragen wurde mit „vollkommend entsprechend“, die Aufmerksamkeit mit „stets rege“ und sein Fleiß mit „sehr groß“ benotet, in den Fächern Religionslehre, deutsche Sprache und Mathematik erhielt er „vorzüglich“, in Latein, Griechisch, Geschichte und Geographie, Naturwissenschaften und „philosophische Propändentik“ jeweils „sehr gut“. In Englisch war er immerhin noch „recht gut“. Es wurde ihm daher am 21. Juli 1863 ein „Maturitätszeugnis“ ausgestellt, welches ihn zum Besuche einer Universität berechtigte.

Am 4.9.1863 trat Hauenschild als Novize unter dem Namen "Gottfried" in das Benediktinerstift Kremsmünster ein und studierte von 1864 bis 1868 im Stift St. Florian Theologie. Der damalige Abt des Stiftes Kremsmünster, Augustin Reslhuber, hatte Hauenschild zugesagt, daß er nach dem Theologiestudium zum Professor der Naturwissenschaften ausgebildet werden würde, ein Versprechen, das den Zweifeln zu seinem Klostereintritt nur ein vorläufiges Ende setzen sollte. In seinem Lebenslauf schrieb er: „Das Noviziat und namentlich die theologischen Studienjahre brachten mir zwar manche Förderung meiner Bestrebungen, aber auch die Überzeugung, dass selbst ein Stift Kremsmünster die Naturforschung nur zum Aushängeschild benütze um darunter andere Zwecke zu erreichen und dass mir ebensogut wie so manchem verlorenen und unglücklichen Vorgänger ein Leben voll unbefriedigter Anstrengungen und bittere Enttäuschungen bervorstehe“.

Noch während seines Theologiestudiums weilte Hauenschild öfters im Garstnertal, um hier als Mitglied des damals neu entstandenen österreichischen Alpenvereines wissenschaftliche Untersuchungen in den umliegenden Bergen vorzunehmen, er gehörte zu den ersten 146 Mitgliedern dieses Vereines in Oberösterreich.

Am 12. September 1864 erforschte er zusammen mit Begleitern aus Windischgarsten die Kreidelucke in Hinterstoder, 1865 erschien im ersten Jahrbuch des Österreichischen Alpenvereines ein von ihm verfaßter Bericht mit dem Titel: "Die Kreidelucke im kleinen Priel".

Wie sehr Hauenschild das Garstnertal liebte, ist aus seinem Beitrag "Erinnerungen an das Warscheneck und seine Umgebung" im 2. Jahrbuch des Österr. Alpenvereines ersichtlich. Die Erforschung des Warscheneck-Gebietes hatte ihn mit den geologischen Verhältnissen vertraut gemacht. So war er in der Lage, im Jahr 1867 für ein „Konsortium zum Bau der Pyhrnbahn“ ein Gutachten für die damals geplante Linienführung über den Pyhrnpaß zu erstellen. Die von Hauenschild vorgeschlagene Trasse wurde von der k.k. Generalinspektion genau übernommen, der Bau der Pyhrnbahn aber später dann doch aufgeschoben.

Die Erkenntnisse einer zweiten Expedition in die Kreidelucke, welche "Frater Gottfried" zusammen mit 6 Begleitern aus dem Garstnertal an einem "schönen Tag im August 1865" durchgeführt hat, veröffentlichte er 1866 im zweiten Jahrbuch das Alpenvereines als Bericht "Weitere Beiträge zur Kenntnis der Kreidelucke".

Ebenfalls im Jahr 1867 betätigte sich Hauenschild als Archäologe bei der ersten Freilegung der Überreste von „Gabromagus“, dem römischen Windischgarsten. Er konnte erreichen, daß die Akademie der Wissenschaften in Wien für weitere Ausgrabungen 300 Gulden zur Verfügung stellte. Auf einem Foto, welches im Museum Windischgarsten aufbewahrt wird, ist er zusammen mit Kaplan Franz Oberleitner bei den Ausgrabungen abgebildet.

Für das vierte Jahrbuch des Alpenvereines verfaßte der damalige Theologie-Student 1868 einen Bericht "Vom Priel auf die Spitzmauer". In diesem Bericht finden sich auf Seite 137 Andeutungen über weitere geologische Forschungen, welche Hauenschild für den damaligen „Statthaltereileiter“ von Oberösterreich, Schurda, über die alpinen Salzlager außerhalb des Salzkammergutes machte. Hauenschild beendete sein Theologiestudium am Stift St. Florian am 27. Juni 1868 wiederum als bester, am 26. Juli 1868 wurde er zum Priester geweiht 11. Weil er aber immer noch mit dem Garstnertal sehr verbunden war, feierte er seine Primiz am 4. August 1868 in der Pfarrkirche Windischgarsten, Bürgermeister Leopold Westermayr gestaltete die Einladung zur Primiz als „Rebus“.

Der junge Priester wollte aber, wie von seinem Abt versprochen, noch weiter studieren, und so studierte er als Lehramtskandidat von 1868 bis 1871 an der Universität Wien Naturgeschichte, Physik und Mathematik. Außer den gesetzlich vorgeschriebenen Fächern studierte er noch Mineralogie unter Prof. Reuss, Petrographie unter Prof. Tschermak, Chemie unter Prof. Redtenbacher und Geologie unter Prof. Suess.
Professor Josef Redtenbacher stammte aus Kirchdorf an der Krems (geb. am 12. März 1810), besuchte ebenfalls das Stiftsgymnasium von Kremsmünster und studierte anschließend an der Universität Wien zuerst Medizin, später Botanik und Mineralogie. Er erreichte die „Doktorwürde“ und wurde zum Assistenten für Botanik und Chemie an der Universität Wien berufen. Im Jänner 1839 erlangte er die Professur der „chirurgischen Vorbereitungswissenschaften“ in Laibach, die er aber niemals anstrebte. Mit „allerhöchster Entschließung“ vom 18. Jänner 1840 wurde Redtenbacher zum Professor der Chemie an der Universität Prag ernannt. Dort bemühte er sich zuerst, ein zeitgemäßes Laboratorium einzurichten. 1843 begann er „außerordentliche Vorlesungen über organische und analytische Chemie“ zu halten. Die Wirren des Revolutionsjahres 1848 setzten seiner Tätigkeit in Prag ein jähes Ende, er verließ die Stadt und zog sich nach Kirchdorf an der Krems zurück.

Mit „allerhöchster Entschließung“ vom 4. März 1849 wurde Redtenbacher über Antrag von Minister Stadlon an die Wiener Hochschule berufen. Dort bemühte er sich 21 Jahre lang, den Bau eines chemischen Institutes zu erwirken. Im Jahre 1868 hatte er sogar mit dem berühmten Architekten Professor v. Ferstel eine Reise unternommen, um die modernen Laboratorien von Bonn, Berlin und Heidelberg zu besuchen. 1869 wurde dann endlich begonnen, nach Plänen von Ferstel und Redtenbacher auch in Wien ein chemisches Institut zu errichten. Redtenbacher sollte aber leider die Fertigstellung dieses Institutes nicht mehr erleben, denn er starb am 5. März 1870 in Wien.

Hauenschild schrieb in seinem Lebenslauf über Redtenbacher: „Besonders anregend wirkte auf meine Entwicklung mein unvergesslicher Landsmann und Onkel Prof. Jos. Redtenbacher, welcher durch anderthalb Jahre bis zu seinem Tode mir tagtäglich stundenlang Privatbelehrung zukommen ließ und den Grund zu Allem legte, was ich bin und denke. Unter Tschermak arbeitete ich als sein Privatassistent in mikroskopischer Untersuchung der Gesteine...“.

Im Auftrag von Professor Josef Redtenbacher, der ihn auf die große Zukunft der hydraulischen Bindemittel aufmerksam gemacht hatte, verfaßte Hauenschild 1869 für die Akademie der Wissenschaften in Wien einen Bericht über „Mikroskopische Untersuchung des Predazzites und Penkatites“. Einen weiteren Bericht „Über hydraulische Magnesiakalke und deren Vorkommen und Anwendung in Österreich“ verfaßte er 1870, wobei er sich besonders der Untersuchung der Magnesiakalke am Nordabhang des Toten Gebirges widmete. Professor Redtenbacher trug diesen von Hauenschild ausgearbeiteten Bericht am 10. Februar 1870 an der Akademie der Wissenschaften vor und erlitt vier Tage später einen Schlaganfall.

Hauenschild schrieb im Lebenslauf folgendes über Redtenbacher: „Auf seinem Totenbette, in dem er mich immer um sich haben wollte, nam er mir das Versprechen ab, mich ganz und voll dem Studium und der Erforschung der Mörtelsubstanzen zu widmen und je eher desto besser die Klostermauern zu verlassen, in denen ich nur zu Grunde gehen würde“.

Während seiner Studienzeit in Wien lernte er aber auch seine spätere Ehefrau Maria Witmann kennen und lieben, welche im Hause des Fürsten Esterhazy Französisch und Klavier unterrichtete. Ein erster Brief Hauenschilds, geschrieben in Wien am 22. Februar 1870 an seine Freundin Maria Wittmann, ist erhalten. In diesem Brief berichtet er einerseits über den „Magnesiacement“, welchen Hauenschild laut diesem Schreiben erfunden haben soll, anderseits über den Schlaganfall von Professor Redtenbacher. Für den „Magnesiacement“ hat sich Hauenschild laut diesem Brief ein „Privileg“ unter falschem Namen ausstellen lassen. Nachforschungen im Patentamt Wien haben diese Mitteilung jedoch bis jetzt nicht bestätigt.

Zu den Themen Geologie und Physik zugleich verfaßte Hauenschild für die k.k. geologische Reichsanstalt im gleichen Jahr eine Abhandlung „Über einige Reste der Glazialperiode im Alm- und Steyerlingthale“ in welchem er feststellte, daß sich die magnesiahaltigen Kalkschlamme der dortigen Grund- und Seitenmoränenreste vorzüglich für „Wassermörtel“ eignen. Für die k.k. geologische Reichsanstalt in Wien wurde Hauenschild auch im Jahr 1870 zum „korrespondierenden Mitglied“ ernannt.

Unter Professor Suess erlangte er als chemisch-geologischer Experte Zutritt zur Prüfungs-Kommission über die Baumaterialien der Wiener Hochquellwasserleitung und fand Gelegenheit, die verschiedensten Zemente analytisch und praktisch zu studieren. Gleichzeitig führte er auch chemische Untersuchungen von Ton in der Umgebung von Wien durch und konnte nachweisen, daß der „Wiener Tegel“ für die Erzeugung von „Roman-Zement“ geeignet ist. Diese Tatsache machte sich später auch die „Wienerberger-Gesellschaft“ zu Nutze . Ab Juli 1870 wurde Hauenschild als Privatlehrer in Naturgeschichte an den Wiener Hof berufen, er unterrichtete die Söhne von Erzherzog Karl Ferdinand namens Friedrich und Carl Stefan.

Weitere Berichte und Abhandlungen von Pater Gottfried Hauenschild erschienen im Jahr 1871: „Das Sensengebirge“, „Bemerkungen zu J. Schauer’s Prielgruppe und das Tote Gebirge vom Kasberg aus gesehen“, sowie „Die Salinarmulde von Windischgarsten“.

Am 18. Juli 1871 entsproß der jungen aber damals noch von Staat und Kirche verbotenen Liebe mit Maria Witmann ein Sohn namens Albert. Aus einem Brief an Freundin Maria vom 22. August 1871 geht hervor, daß Hauenschild in Steyrling seine erste Zementfabrik gebaut hat. Diese Fabrik konnte demnach täglich 100 Zenter (= 5,6 t) Zement erzeugen ), Näheres darüber wird weiter unten zitiert. Hans Hauenschild trat als einer der Gründer dem österreichischen Touristenklub bei und schrieb auch Berichte für dessen Zeitung „Tourist“ sowie für die Jahrbücher dieses neuen Vereines.

So machte er sein geliebtes Garstnertal in der ganzen österreichisch-ungarischen Monarchie bekannt und förderte damit den zaghaft einsetzenden Fremdenverkehr. Noch am 1. Oktober 1871 begann Professor Johann Hauenschild am Stiftsgymnasium von Kremsmünster zu unterrichten, doch bereits am 21. März 1872 bat er um Urlaub auf unbestimmte Zeit. Zwei Tage später entfernte er sich aus dem Kloster und teilte dem Abt mit, daß er aus dem Benediktinerorden und der katholischen Kirche austreten werde.

Im Lebenslauf stellt dies Hauenschild folgend dar: „Mittlerweile hatte ich das Redtenbacher gegebene Versprechen nicht vergessen. Die Verhältnisse im Stifte wurden mir täglich beengender und widerwärtiger. Behufs praktischer Ausbeutung der Magnesiakalk-Cemente hatte ich bereits 1870 die Dolomite von Mödling, Baden und Ofen untersucht, auch ein Patent auf die Fabrikation erworben und mit Aufopferung einer kleinen Erbschaft im Steyerlingthale eine Untersuchsfabrik gebaut, welche nach und nach so günstige Resultate lieferte, dass grössere Proben nach Wien gesandt werden konnten, wo sie grossen Beifall fanden. Ich selbst prüfte die Fabrikate auf das Genaueste unter Vergleichung mit Kufsteiner Cement auf Druck, Zug und Bruch und war bald von der Güte derselben überzeugt. Mein Vertreter in Wien drang auf persönliche Intervention, wenn die Finanzierung der geplanten Fabriksanlage möglich sein sollte. Ich stellte die Sachlage meinem Abte vor und erbat mir unbestimmten Urlaub. Derselbe wurde mir nicht ertheilt, selbst als ich für diesen Fall meinen Austritt aus dem Stiftsverbande erklärte. Nun kam es nach harten inneren Kämpfen zum Entschluß. Ich trat zu Ostern 1872 unter Beobachtung aller gesetzlichen Formen öffentlich aus dem Stiftsverbande, erklärte meinen Übertritt zum Protestantismus und ging nach Wien, wo ich einige Monate unter den grössten Entbehrungen verlebte“.

Johann Hauenschild heiratete am 27. Mai 1872 in Wien Hernals seine Freundin Maria Wittmann, beide traten zum protestantischen Glauben Augsburger Bekenntnis über. Der Ehe entsprossen 10 Kinder, zwei weitere sind als Frühgeburten verstorben. Der ehemalige Windischgarstner wurde 1872 Direktor der "Weiß-Zementfabrik" in Mödling, hier kam sein zweiter Sohn Richard am 12.1.1872 zur Welt, der aber schon am 4.2.1873 in Wien verstarb. 1873 hielt er für den österreichischen Ingenieur- und Architektenverein einen Vortrag „Über dolomitische Zemente und ihre Bedeutung für Bauwissenschaft und Architektur“, der auch als Sonderdruck veröffentlicht wurde.

Bei der Weltausstellung in Wien war Hauenschild ebenfalls tätig, er hielt dort Vorträge auf dem Gebiet der Naturwissenschaften. Durch diese Vorträge war er mit vielen hervorragenden Fachmännern aus ganz Europa bekannt geworden. Gegen Ende der Weltausstellung wurde Hauenschild vom damaligen Handelsminister Banhans mit der Abhaltung eines Vortrages im „Jurypavillon“ betraut. Er brachte unter dem Titel „Kalk und Cement“ die Leistungen in der Fabrikation von Mörtelmaterialien zu Gehör. Durch diesen Vortrag erlangte er freundschaftliche Verbindungen zu namhaften deutschen Zement-Ausstellern und Fachleuten wie Dr. Grüneberg und Dr. Bleibtreu.
Der Börsenkrach von 1873 bedeutete jedoch für die Zementfabrik in Mödling den finanziellen Ruin. Im Lebenslauf Hauenschilds steht dazu folgendes angemerkt: „Ich wurde bei der Weiss Cement-Actien Gesellschaft als Direktor bestellt. Dieselbe war ein richtiges Kind der Gründerzeit, wie ich bald einsehen lernte, die Verwaltungsräte diktierten Ofenconstruktionen und Maschinenanlagen nach dem Grundsatze der höheren Provision, die Fabrikation hatte daher nicht allein mit den natürlichen Anfangsschwierigkeiten zu kämpfen, sondern auch mit unzweckmäßigen Fabrikationsmitteln. Die Qualität fiel sehr ungleichmässig aus, der Absatz stockte bald in Folge des Krachs, das Geld wurde plötzlich knapp. Man begann statt den Betrieb einzuschränken an den Fabrikationsprinzipien zu rütteln, wollte allerlei experimentieren; als ich mich diesem Vorgange widersetzte, war der Anlass geboten zu meiner Kündigung“.

Hauenschild mußte sich nun eine neue Stellung suchen, das Jahr 1874 wurde für ihn zu einem „Wanderjahr“. Vorübergehend übernahm er die Leitung einer Ultramarinfabrik in Weitenegg an der Donau, dort verblieb er etwa ein halbes Jahr. In Weitenegg kam auch am 5. Februar 1874 der zweite Sohn namens Fritz zur Welt, ein katholischer Priester aus Ebersdorf bei Weitenegg hatte aber auch vor Gericht die Ehe Hauenschilds angefochten. Die endgültige Fällung des Urteils (vom obersten Gerichtshof) sollte aber, wie sich später zeigte, erst nach mehreren Jahren geschehen.

Nach der Leiter-Stelle in Weitenegg hatte Hauenschild die Einrichtung einer Dolomit-Zementfabrik in Sinsleben bei Ermsleben am Harz (im deutschen Bundesland Sachsen-Anhalt, ca. 55 km nordwestlich von Halle gelegen) durchzuführen. Später war er in Ungarn tätig, um dort seine Methode der kartographischen Aufnahme von Kalkmergeln einzuführen. Weiters nahm er die geologisch interessanten Steinbrüche des Grafen Seillern auf und erreichte auch dort gute Resultate für die Zement-Produktion. Bei der Überprüfung einer Zementfabrik in Stollberg in Niederösterreich stellte er fest, daß die ganze Anlage eine Fehlkonstruktion war.

Hauenschild hatte inzwischen auch mit dem damaligen Handelsminister über die Gründung einer Versuchsstation für Baumaterialien in Österreich verhandelt, durch den Rücktritt des Ministers wurden diese Bestrebungen aber vereitelt.

1874 erschien im Jahrbuch des Deutschen und Österreichischen Alpenvereines ein weiterer Bericht mit dem Titel „Das Sensengebirge“ über die dort festgestellten Gletscherspuren. Friedrich Hoffmann, der Erfinder des Ringofens forderte Hauenschild auf, sein umfangreiches Wissen in den „Notitzblättern des Deutschen Vereines für Fabrication von Ziegeln“ zu veröffentlichen. Hauenschild verfaßte zunächst den Beitrag: „Die Zementfabriken bei Grenoble“ und „Künstliche Meteoriten aus Portland-Cement“.

Im darauffolgenden Winter wurde Hauenschild nach Trifail, in der ehemaligen Südsteiermark (heute Slowenien, jetziger Ortsname = Trbovlje, etwa 50 km vor Lubljana) gelegen, berufen, um die „Hangendschichten“ der dortigen Braunkohlenlager auf ihre Verwendbarkeit zu untersuchen. Die Untersuchungen waren schwierig und dauerten bis in den Sommer des Jahres 1875, inzwischen kam am 16. Jänner 1875 hier der vierte Sohn Rudolf zur Welt. Die Trifailer Braunkohle eignete sich nach Meinung Hauenschilds bei der Zement-Produktion als Brennstoff und so baute der Wissenschaftler dort eine Zementfabrik. Um diese Fabrik aber dem neuesten Stand der Technik entsprechend einrichten zu können, besuchte er zuerst bedeutende Zementfabriken in Deutschland und Frankreich wie Stettin, Bonn und Grenoble. Im Spätherbst 1875 wurde mit dem Bau der Fabrik in Trifail begonnen.
Als Brennofen verwendete Hauenschild dabei einen „Ringofen“, der von Friedrich Hoffmann in Berlin erfunden worden war, dabei lernte er auch den Erfinder dieses neuartigen Ofens persönlich kennen. Den Ringofen ließ er aber nach seinen Ideen umgestalten. In einem Brief aus Trifail schreibt er am 10.4.1876: „Zwei wichtige Verbesserungen, die sich bereits bewährt haben, führe ich hier zum ersten Male durch. Die erste ist die, den Hoffmannschen Ringofen statt mit feuerfesten Ziegeln, aus feuerfester plastischer Masse a la Beton zu stampfen, so daß er gewissermaßen ein riesiger Quaderbau wird, wobei die Quadern sich selber im Feuer immer besser brennen. Die Grundidee ist von Hoffmann in Berlin, in kleinem Maßstabe hat sie sich schon bewährt. Der hiesige Ringofen ist der erste Bau größten Maßstabes und sind die einzelnen Details nach meinen Ideen durchgeführt. Wir haben hier große Massen feuerfesten Tons und von Natur gebrannter feuerfester Haldenmergel, die in genau erprobten Verhältnisse ... mit sehr viel Kohlenklein versetzt zwischen festen Rahmen gestampft werden. Weißt Du noch vom Schwindungscoeffizienten was? Das ist hier praktisch verflixt wichtig. Und der Ausdehnungscoeffizient beim Brennen nicht minder. Da habe ich eine dumme Idee durchgeführt, auf die ich zwar kein Patent genommen habe, auf die ich jedoch sehr stolz bin. Höre, ich mache die Quadern so, daß sie in den Fugen nicht durch irgend einen Mörtel, sondern einfach durch dünne Holzstoffpappe begrenzt werden. Größe der Quadern und Dicke der Pappe stehen in engem „Causalnexus“ (= Zusammenhang von Ursache und Wirkung). Beim Austrocknen können sich die Quadern nur nach den Quaderfugen zusammenziehen, beim Heizen nur in die inzwischen ausgebrannten und mit Asche erfüllten Quaderfugen ausdehnen. Der ganze Ofencanal ist also beim Betrieb ein Ciclopenmauerwerk, dessen Quadern sich selbstständig zusammenziehen und ausdehnen können ohne der Stabilität irgendwie im geringsten nahe zu treten.“

Der Ringofen von Trifail hatte 16 Kammern, jede dieser Kammern hatte eine Leistungsfähigkeit von 1000 Zentnern Portland-Zement. Die zweite Neuerung in Trifail war die erstmalige Verwendung einer Trockenpresse für die Herstellung der Rohsteine. Über drei Jahre verbrachte Hauenschild in Trifail und sammelte dort reiche Erfahrungen in der Steinbruchtechnik aber auch in der Geologie. Es sind noch weitere 2 Söhne in Trifail geboren: am 5. Juni 1876 Willi und am 15. Juni 1877 Helmuth. Nachdem Hauenschild die Anfangsschwierigkeiten in Trifail gelöst hatte, wurde die dortige Zementfabrik zu einem Musterbetrieb, welcher das Prinzip der Abfallverwertung verfolgte. In den Jahren 1876 und 1877 beteiligte sich der Wissenschafter an der Wertbestimmung der Zemente. Zu diesem Zwecke führte er viele tausende Zugproben an Beton-Probewürfel durch.

Bei einer Bergrutschkatastrophe in der nähe von Steinbruck (heute Zidani Most in Slowenien) konstatierte Hauenschild sofort nach der ersten Rutschung eine große Gefahr für die Südbahn. Er beobachtete täglich das Rutschterrain und konnte so eine weitere Rutschung schon einige Stunden voraus sagen. Dadurch rettete er wahrscheinlich 43 Bergknappen das Leben.

Später wurde er als geologischer Gutachter von einer politischen Kommission zur Untersuchung des Unglücks berufen. Im Jahr 1877 verfaßte er für die „Deutsche Töpfer- und Zieglerzeitung“ einen Beitrag über „Die Physik des Sandes“ ) sowie für die Neue Deutsche Alpenzeitung einen Bericht über „Gebräuche in den Alpenländern“ mit dem Untertitel „Zwischen den Rauhnächten“ und 1878 über „Die Bergmandln vom Warscheneck“.

Das Jahr 1878 brachte ihm nach einer schweren Erkrankung die Enttäuschung, daß er seine Stelle in Trifail aufgeben mußte. Er ging zurück nach Wien und gründete dort mit seinen bescheidenen Ersparnissen die Versuchsstation für Baumaterialien mit Sitz in Wien Alsergrund, Spitalgasse Nr. 25. Am 13. August 1878 kam Tochter Johanna in Wien zur Welt, sie starb jedoch schon am 13. Dezember im Alter von 4 Monaten.

Beim Ansuchen um Genehmigung beim Magistrat Wien wird die Versuchsstation für Baumaterialien von Hauenschild wie folgt beschreiben: „Die Versuchsstation für Baumaterialien hat die Aufgabe, auf Grund exakter und umfassender Untersuchung u. Prüfung sämmtlicher verwertheten u. verwertbaren Baumaterialien nach allen für die Praxis irgend in Betracht kommenden Richtungen eine auf positiven Werthen begründete Classificierung derselben und damit die rationellste Verwendung zu den verschiedenen Zwecken der Baugewerbe zu veranlassen, speziell bei Bau-Contrakten und Bauausführungen bestimmte Coeffizienten für die Qualität der zu verwendenden Materialien zu normieren, respektive deren Einhaltung über Verlangen zu controllieren, dem consumierenden und produzierenden Bau-Publikum gegen eine mäßig festgestellte Taxe alle einschlägigen Untersuchungen und Prüfungen durchzuführen, die Resultate allgemeineren Werthes periodisch zu veröffentlichen und so die rationellste Wahl bei Produktion, die besten und billigsten Methoden der Fabrikation, sowie die solideste und ökonomischeste Verwendung der Baumaterialien anzustreben“.

Es war dies das erste derartige Fachinstitut in ganz Österreich. Am 24. Mai 1879 erhielt er vom Magistrat der Stadt Wien einen Gewerbeschein für dieses Unternehmen. Bei der Generalversammlung des deutschen Zieglervereines in Berlin wurde Hauenschild zum Mitglieder der „Nomenclaturcommission“ gewählt. Er wurde beauftragt, die deutsch sprechenden Teile von Österreich in dieser Kommission zu vertreten. Gleichzeitig war er auch Lehrer an der Wiener Baugewerkschule, dafür erhielt er 1879 ein Arbeitszeugnis.

Hauenschild bewarb sich 1879 auch an der technischen Universität Wien um eine Stelle als Professor, die Aufnahme wurde ihm jedoch mit dem Hinweis verweigert, daß er zuerst sein Doktorat ablegen müßte. Damals verfaßte er auch die geologischen Arbeiten für die Wiener Hochquellwasserleitung und für die Gotthardbahn. Die umfassenden Kenntnisse Professor Hauenschilds in den Naturwissenschaften (er war gleich bewandert in der Botanik, in der Mineralogie, Geologie, Physik und Chemie) befähigten ihn, Klarheit über die Natur der Baustoffe zu schaffen. Unter seiner Mitarbeit wurden vom Österreichischen Ingenieur- und Architektenverein in Wien die ersten Normen und die Nomenklatur (= Verzeichnis von Fachausdrücken) für hydraulische Bindemittel geschaffen. Auch bei der Aufstellung der deutschen und schweizerischen Normen ist er beratend zur Seite gestanden. Er verfaßte zwei Fachbücher über Baumaterialien, welche in der Reihe „Technische Katechismen“ unter dem Titel "Katechismus für Baumaterialien" Band I („Die natürlichen Bausteine)“ und Band II („Die Mörtelsubstanzen“) im Jahr 1879 erschienen sind.

Das Jahr 1880 bedeutete einen Wendepunkt im Leben Professor Hauenschilds. Die gegen ihn gerichteten Angriffe religiös-politischer Art verschärften sich, so daß er sich gezwungen sah, seinem Vaterland den Rücken zu kehren. Seine Ehe war vom Landesgericht Wien am 15. Juni 1880 annuliert worden, nach einer Berufung war das Urteil jedoch vom Oberlandesgericht am 18. November 1880 bestätigt worden und nach abermaliger Berufung schließlich mit Urteil des obersten Gerichtshofes vom 8. Juni 1881 endgültig annulliert und damit nach österreichischem Recht für ungültig erklärt worden. Am 4. September 1880 kam in Wien, Weisenhausgasse noch wie Hauenschild schreibt „der letzte Österreicher“ mit Namen Hermann zur Welt.

In einem Brief an Herrn Marche, seinem Freund, schreibt Hauenschild: „Zugleich melde ich Dir, dass eine wichtige entscheidende Wendung in meinem Schicksale eingetreten ist. Meine Ehe, welche im Jahre 1874 von einem elenden Pfaffen in Ebersdorf bei Weitenegg als ungiltig angefochten worden ist, worüber seit 6 Jahren ein Nullitationsprozess schwebt, ist in der jetzigen glorreichen Ära in erster Instanz für nichtig erklärt worden. Gleichzeitig habe ich Schritte gethan um die Consequenzen für meine Familie zu verhüten, dass ich aus Österreich fortkomme, und heute habe ich eben einen unerwarteten Ruf als Professor an die Kgle. Gewerbeschule in Iserlohn (Ruhrgebiet, bei Dortmund) abermals bekommen und acceptiert, nachdem neuerliche Schritte beim Unterrichtsministerium um Aufbesserung meiner Lage ohne Erfolg geblieben waren.

So muß ich denn, nachdem ich für Österreich so viel geleistet, eine Versuchsstation aus blutig erspartem Gelde errichtet und erhalten, welche mehr gewirkt hat als schwer dotierte Staatsanstalten, nachdem meine Mörteltheorie, die seinerzeit meinen Namen neben dem eines Vicat und Fuchs stellen muss, die Millionen Kapital ersparen wird, daraus hervorgegangen ist, nicht blos aus Mangel jeder Unterstützung sondern geradezu hinausgestossen wie ein räudiger Hund mein Vaterland verlassen um mir wenigstens das Heiligste zu retten, das Recht des Gatten und Vaters“.

Hauenschild hatte mit dem Sektionrat des Unterrichtsministeriums, Herrn Baron Armand von Dumreicher, welcher für die Gewerbeschulen zuständig war, eine Unterredung im Cafe Scheuchenstuehl in Wien zwecks Aufbesserung seiner Lage.

Hauenschild konnte jedoch bei dieser Unterredung nichts erreichen, ja er wurde sogar entlassen. In einem Brief an den Sektionsrat schreibt er unter anderem: „Weist denn Österreich alle seine bedeutenden Söhne ins Exil, bevor sie zu Hause ans Ruder kommen können? Ein anderer Fachmann welcher halbwegs so viel geleistet hätte als ich bereits, wäre mit Rängen und Orden genügend versehen; ich kann nachweisen, dass ich dem Staate Millionen erspart habe durch meine Arbeiten und Entdeckungen; Millionen, die freilich heute noch nicht in die Staatscasse fliessen aber wirtschaftlich nachgewisen werden können. Einen solchen Mann gibt man wenigstens Brot zu leben, und Ehre wie einem Arbeiter“. Ob Hauenschild in Iserlohn wirklich eine Stelle als Lehrer bekam, ist derzeit unbekannt.

Glücklicherweise fand Hauenschild mit seiner Familie eine Heimstätte bei seinem Freund Friedrich Hoffmann in Berlin. Am 9. Mai 1881 erhielt er und seine Familienangehörigen vom königlichen Polizeipräsidenten der Stadt Berlin die preußische Staatsangehörigkeit durch eine „Naturalisations-Urkunde“. In dieser Urkunde sind außer Johann (Hans) Hauenschild folgende Personen angeführt: seine Ehefrau Maria Theresia Johanna, geborene Wittmann, Albert Titus geboren 1871, Friedrich Johann geb. 1874, Rudolph geb. 1875, Wilhelm Otto geb. 1876, Hellmuth geb. 1877 und Hermann August geb. 1880.

Bald nach der Übersiedlung verlor er zwei seiner Söhne durch Scharlach, Hermann starb am 25. Oktober 1881 und Helmuth am 13. November nur 19 Tage später. Schon am 27. März 1882 wurde in Berlin der Sohn Otto geboren. Der leidende Zustand seiner Gattin zwang Hauenschild jedoch, Berlin Anfang 1883 wieder zu verlassen. Er übernahm die angebotene Direktorstelle für die Zementfabrik Greppin & Co. in Vouvry in der Schweiz bis zu ihrem Zusammenbruch im Jahre 1885.

Das 10. Kind, der Sohn Erich, wurde am 29. August 1883 in Vouvry geboren. In Anerkennung seiner großen Verdienste für die Zementindustrie wurde Hans Hauenschild 1883 vom Schweizerischen Zementfabrikantenverein zum Ehrenmitglied ernannt. Ab 1885 übernahm er die Leitung der Zementfabrik Albert Fleiner in Aarau in der Schweiz, die er in fünf Jahren zu hoher Blüte brachte.

Die zweite Tochter namens Emma kam am 23. Mai 1885 in Aarau zur Welt. Ein Briefpapier aus dieser Zeit ist erhalten, am Briefkopf steht: "Prof. Hans Hauenschild, Ingenieur, Aarau, Spezialist für Cementindustrie“. In Aarau erfand er auch den „Schachtofen zum kontinuierlichen Brennen von Portlandzement“, welcher in Wien, Berlin und den vereinigten Staaten von Amerika patentiert wurde. Dieser Ofen ermöglichte eine vollständige Ausnützung des Brennmaterials (bis 50 % weniger Brennstoff), größte Leistung bei geringstem Platzbedarf sowie bequemen und sicheren Betrieb. Ein "Hauenschild-Ofen" leistete mehr, als vier gewöhnliche Schachtöfen gleicher Größe. Nicht zuletzt dieser Erfindung war es zu verdanken, "daß Deutschland in Bezug auf Menge und Beschaffenheit des jährlich erzeugten Portland-Cementes an der Spitze aller Cement produzierenden Staaten marschiert und auch seine einstigen Lehrmeister - England - schon weit hinter sich gelassen hat".

Am 15. April 1886 kam in Aarau das 12. und letzte Kind der Familie namens Kurth zur Welt, welcher jedoch schon am 9. Jänner 1887 verstarb. Im Jahr 1889 kehrte Hauenschild wiederum nach Berlin zurück, er wurde von dort für den Bau von Zementfabriken in ganz Europa eingesetzt und zu Rate gezogen. Aus vielen erhaltenen Briefen ist zu entnehmen, daß er „unsteten Aufenthaltes“ und immer „sehr in Eile“ war. Erfolge und Mißerfolge wechselten einander ab, dazu kamen finanzielle Probleme aber auch Erfolge. Am 15. Mai 1889 schreibt er aus Kalk (Köln am Rhein) an seine Frau einen Brief und teilt ihr mit, daß er in Gerolstein, genauer gesagt in Pas an der Eifel, als Konsulent für den Bau einer Zementfabrik eingesetzt werden soll.

In den Jahren 1889 bis 1890 baute er zusammen mit Hoffmann in Oos in Baden-Baden eine Zementfabrik. In einem Brief aus Oos vom 7. Oktober 1889 schrieb Hauenschild an seine Frau in Berlin: „Beruhige Dich mein Schatz über die Rechnung von Hoffmann. Mir fallt damit ein Stein vom Herzen, denn es ist ja das Guthaben Hoffmanns weiter nichts als der letzte Jahresgehalt den ich von ihm bezogen habe, während der S..ntian ? Zeit. Ich habe damals ihm gesagt, ich kann den letzten Gehalt nur als Darlehen betrachten u. er acceptierte das. Da er nun sieht, dass es mit mir vorwärts geht, u. ich ihm gefährliche geschäftliche Concurrenz machen werde, hat wahrscheinlich auf Duebergs Drängen der Cassier mir die Rechnung schicken müssen. Ein von mir unterschriebener Schuldschein existiert nicht; ich habe auch noch eine Gegenrechnung zu machen.Gottlob, dass ich ihn mit Heller und Pfennig zahlen kann. Die Sache ist für Hoffmann deshalb ärgerlich, weil ich s. Z. angetragen habe das Patent mit mir zu nehmen u. er auf Anraten von Dueberg es abgelehnt hat“.

Die Schwierigkeiten mit Hoffman dürften sich jedoch wiederum bereinigt haben. Wie hart Hauenschild bei Neubau von Zementwerken gerfordert war ist aus dem Brief 2. Juli 1890 ersichtlich, er schrieb an seine Frau: „Verzeihe, daß ich jetzt nicht alle Tage schreibe; Du weißt ja, was Fabriken in Betrieb setzen heisst. Man schwebt in steter Angst, dass was passiert, die Leute sind nicht eingeschult, theilweise unwillig, da klappt was nicht gleich und gleich hagelt es Vorwürfe von Seiten des Direktors, meines eigenen Geschöpfes; da heissts kaltes Blut und ruhige Umsicht. Gestern war bei einem Haare die Fabrik abgebrannt, zum Glück bemerkte ich selbst noch rechtzeitig, dass es im Silosgebäude brennt u. konnte selbst den ersten Eimer glücklich anbringen, mit 4 – 5 Eimern Wasser war alles gelöscht. Ein Arbeiter hatte mit einem glühenden Eisen ein gebohrtes Loch vergrössern wollen u. der Sturm fachte das glühende Loch zum Feuer an. Gottlob, dass kein Schaden passiert ist. Die Fabrik wäre verloren gewesen“.

Hauenschild hatte 1890 anscheinend auch Pläne um nach Amerika auszuwandern, denn in einem weiteren Brief aus Oos vom 13. September 1890 schreibt er an seine Familie: „Ich werde wol noch 14 Tage da bleiben müssen und lasse den Amerikaner wahrscheinlich hieher kommen. Ich werde doch wahrscheinlich nicht mit hinüber gehen, er müsste denn sehr sehr günstige Bedingungen stellen. Übrigens ist der Ofenbau in Braunschweig beschlossen u. soll noch dieses Jahr fertig gestellt werden, so dass ich auch da verdiene. Ich habe 10.000 für den Ofen u. 4 000 für das Verfahren begehrt. Davon gehen ab 1 000 an Michaelis, 1 000 an Hoffmann u. 2 400 an Fleiner u. Bauermeister, so dass mir noch 9 600 Mk bleiben u. die Taggelder beim Baue. Es ist also nicht nötig, nach Amerika zu gehen, obwol mir Direktor Müller furchtbar zusetzt“.

Im September 1892 machte Hauenschild eine Studienreise nach Frankreich. Er schrieb am 13. September 1892 aus dem Buffet de la Gare de Monélimar (im Rhone-Tal, ca. 140 km südlich v. Lyon) an seine Familie: Ich fuhr gestern abends von Genf weg u. kam nach 10 Uhr in Lyon an, wo ich im Grand Hotel Collet abstieg. .... Um 7 Uhr fuhr ich hieher u. von da per Omnibus nach Le Theil (heute Le Teil geschrieben) in die grösste Fabrik der Welt zu den Msses (misseus) Pavin de la Farge, denen ich von Genf aus meinen Besuch schon gemeldet hatte. Ich wurde fürstlich empfangen: der ganze Aufsichtsrat war versammelt. Staunet Kinder: 100 Schachtöfen im Ganzen, jeder so gross etwa wie meiner, zusammen täglich 100 Wagenladungen Chaux du Theil u. Ciment Portland Grappier liefernd, ich habe 2 Brochuren resp. Bücher neuestem Datums erhalten, eines schicke an Hr. Forell nach Braunschweig. Sie haben noch mehrere Fabriken darunter auch Schlacken Cement u. wollen das Verfahren Forell einführen; wahrscheinlich kennen sie auch meinen Ofen für Kalkbrennen u. Schlackentrocknen. Das Aktienkapital beträgt allein jetzt gegen 10 Millionen. Wundervolle Gegend, Ölbäume, Feigenbäume, Granatbäume etc. aber heiss u. dürr. Heute Nachts komme in Marseille an, erwarte dort Eure Briefe, indessen."

Seit Anfang 1900 verschlimmerte sich sein Herzleiden und er erhoffte Linderung in den Bergen von Vouvry. Gerne reiste er also in die Schweiz, vermutlich zu einer ihm bekannten Familie Leutwyler, welche aus Deutschland stammte. Im Jahr 1901 erlitt Johann Hauenschild in Vouvry im 59. Lebensjahr plötzlich einen Herzanfall, Frau Edouard Cropt, geborene Leutweyler, (damals eine bedeutende Notarin) hat sich bis zu seinem Tod am 26. Juni um ihn gekümmert. Er ist auch in Vouvry begraben worden, die Grabstätte wurde bis zum Jahr 2000 von der Vereinigung der Schweizer Zemtfabriken erhalten und dann auf deren Kosten nach Windischgarsten transportiert. Der Grabstein Hans Hauenschilds wurde dann von der Gemeinde als Denkmal beim Bezirksgericht Windischgarsten aufgestellt.

Fünf seiner Söhne (Albert, Otto, Willi, Richard und Erich) wurden später Ingenieure, alle schickte er in das Ausland, das an dem „Hauenschild-Zementofen“ sehr interessiert war. Der Sohn Friedrich Johann (Fritz) übernahm nach dem Tode Prof. Hans Hauenschilds den Betrieb in Berlin. Der Sohn Rudolf Hauenschild wurde Bildhauer, er hat von seinem Vater und seiner Mutter je eine Büste angefertigt, die sich heute in Graz befinden, Abgüsse davon kann man im Museum Windischgarsten besichtigen. Der älteste Sohn Hauenschilds, Albert, studierte an der Bergakademie Berlin, gleichzeitig war er im Laboratorium seines Vaters tätig und wurde von diesem mit der Verbreitung seiner Technik in Österreich und Polen betraut. Er hat die Erfindung seines Vaters weiter entwickelt, wenige Jahre vor 1914 nahm der erste automatische Schachtofen Albert Hauenschilds in Beocin (im Gebiet zwischen unterer Save und Donau im ehemaligen Jugoslawien gelegen) den Betrieb auf. Das Werk erblühte damit zur damals leistungsfähigsten Zementfabrik von ganz Europa.

Albert Hauenschild (*18.7.1871 in Wien, + 8.10.1950 in Ulm) gilt als der Erfinder des automatischen Schachtofens. Der kleine Markt Windischgarsten - im Süden Oberösterreichs gelegen - aber kann sich rühmen, daß er durch die Unterstützung seines begabten, aber mittellosen jungen Bürgers Johann Hauenschild an dieser Entwicklung indirekt mitgeholfen hat.


Wirklich höchstinteressant. Sollten die Straßenschilder nicht auch einen kurzen Hinweis auf den Namensgeber enthalten ?

--Glaubauf Karl, Samstag, 25. September 2010, 09:19