unbekannter Gast

Ottokar Lorenz#

Deutschnationaler österreichischer "Historiker";

In Arbeit !#

Essay
von
Dr. Karl Glaubauf

"Triumvirat der Bismarckverehrer"#

Gemeinsam mit Heinrich Friedjung und Eduard Wertheimer de Monor gehört Ottokar Lorenz zum Triumvirat der zeitgenössichen Bismarckpropagandisten unter den österreichischen Historikern.

Diese vertraten nach 1866 in ihren vielgelesenen Werken die Auffassung, dass die Donaumonarchie nur mehr durch einen Anschluss an das Bismarckreich lebensfähig sei, oder zumindest durch eine größtmögliche Annäherung an dasselbe. Diese erfolgte dann 1879 tatsächlich im wesentlichen durch Julius Graf Andrassy im sogenannten Zweibund. Sie prägten die damalige politische Diskussion über Jahrzehnte und förderten den Deutschnationalismus gerade in gebildeteren Kreisen enorm, bis sie selbst (!) Opfer des damit verbundenen Antisemitismus wurden.

Die Biographie Heinrich Friedjungs spiegelt diese Tragik am deutlichsten.Schließlich erreichte sein Hauptwerk über den "Kampf um die Vorherrschaft in Deutschland" zehn Auflagen in nur zwanzig Jahren, erschien infolge der enormen Nachfrage also im Zweijahres-Rhythmus neu und war damit die meistgekaufte und meistgelesenegelesene deutschsprachige Publikation seiner Zeit.

Infolge seiner jüdischen Abstammung wurde Friedjung aber Opfer zahlreicher Intrigen, nicht zuletzt einer des Aussenministers Aehrenthal im sogenannten Friedjung - Prozess von 1909, die seine wissenschaftliche Laufbahn zerstörte.

Mit den beiden erstgenannten konnte Lorenz sich wissenschaftlich nicht vergleichen, denn er verdankte seine Karriere der Heirat mit der Tochter seines Philosophieprofessors Lott, die ihm Dissertation und Habilitation ersparte, und nach der Lehramtsprüfung aus Geschichte und Geographie ohne weitere Qualifikation die akademische Laufbahn eröffnete.

Leben und Werk#

Lorenz wurde am 17. September 1832 in Iglau geboren und maturierte 1850 in Olmütz. Anschließend begann er ein Studium der geschichte und Geographie, das er 1954, also nach nur drei Jahren mit der Lehramtsprüfung für die inskribierten Fächer abschloß.

Obwohl er noch am ersten Kurs des neugegründeten Institus für österreichische Geschichtsforschung teilnahm, hatte er ohne Dissertation und Habilitation damit eine mehr als bescheidene Ausbildung für die Tätigkeit eines akademischen Lehrers. 1857 bewarb sich Lorenz um eine Stelle im Staatsarchiv in Wien, scheiterte aber fast am Aufnahmetest, da er zwei Briefe Karls des V. nicht erkannte, der ja gerade für Historiker kein Unbekannter ist, beherrschte er doch lange die gesamte damals bekannte Welt. Auch am Institut für österreichische Geschichtsforschung hatte Lorenz keineswegs brilliert.

Mit Rücksicht auf seine glänzenden Beziehungen wurde er aber doch angestellt, offiziell wurde das mit seiner guten Lehramtsprüfung begründet.1861 wurde er Ordinarius für österreichische Geschichte an der Universität Wien. Lorenz wurde jedoch bei seinen Forschungen das relevante Archivmaterial vorenthalten, offensichtlich aus Rache dafür, dass er sich aufgrund seiner hervorragenden Beziehungen ständig über akademische Erfordernisse wie etwa Dissertation, Habilitation etc. hinweggesetzt und somit sein Ordinariat sehr eigenwillig erhalten hatte. In der Folge wurde er vor allem in seinen Vorlesungen zum Wegbereiter deutschnationaler Strömungen und kritisierte die Politik der Habsburger laufend.

Der Skandal#

Es sei "ein erhebendes Gefühl,dass ich einer Nation angehöre, wo man auf ein in historischer Beziehung so wenig angesehenes Nest wie Wien nicht angewiesen ist..." brachte Lorenz seinen Deutschnationalismus in einer Vorlesung unmissverständlich zum Ausdruck, hatte dabei aber gleichzeitig den Bogen weit überspannt, denn jetzt konnten auch seine Beziehungen nicht mehr helfen, zumal fast eine Studentenrevolution drohte.

500 Studenten forderten am 1. März 1883 von ihrem Professor im Hörsaal 42 eine Klarstellung. Lorenz log tapfer und meinte er hätte vom warmen Nest Wien gesprochen, wo er möglichst lange zu bleiben gedenke.Gleichzeitig bezeichnete er aber einen Brief des Rektors an ihn im Gegenstand als dumm und ließ durchblicken, dass er Rektor Wedl für völlig ungeeignet halte.

Prompt eskalierte die Angelegenehit wie etwa die Hump - Dump - Geschichte im Falle Klestil und Lorenz Position wurde nicht nur bei den Studenten sondern auch im akademischen Senat unhaltbar.(wird fortgesetzt) Literatur:

  • Glaubauf, Karl: Bismarck und der Aufstieg des Deutschen Reiches in der Darstellung von Heinrich Friedjung, Eduard von Wertheimers und Ottokar Lorenz. Historiographische Fallstudie, Phil. Diss.; Wien 1977.

-- Glaubauf Karl, Samstag, 27. April 2013, 16:39