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Das Ratzenstadl , Ratzenstadtl#

Eine alte Siedlung am (Magdalenengrund, Wien 6) Mit diesem wenig poetischen Namen wurde im Volksmunde ein Teil des Magdalenengrundes (früher im Saugraben ander Wien) belegt. Der nicht unbegründete Spottname soll von Kaiser Josef II. herrühren, denn die kleinen, engen, finsteren und winkeligen Häuschen waren am Mariahilferberge so dicht eines über das andere gebaut, daß sie einem schmutzigen Rattenneste nicht unähnlich sahen.

Der Ursprung der Benennung des Ratzenstadtls ist aber keineswegs in der unansehnlichen Bauart der Häuser sondern tatsächlich in dem Umstande zu suchen, daß diese Gegend vormals oft von Ungeziefer aller Art wimmelte. Mit dieser Landplage hängt das Auftreten von Rattenfängern zusammen, die allenthalben herumzogen und sich der geheimen Kunst rühmten, das Ungeziefer an sich zu locken und vertilgen zu können. Der in der Volkssage bekannte Rattenfänger von Korneuburg soll ein Rattenfänger vom Magdalenengrund gewesen sein. Die Version wonach die Ansiedlung den Namen von den dort angeblich ansässig gewesenen Razen/Raitzen bekommen hat, hat sich als unhaltbar erwiesen.

Der Siedlungsname wird auch mit dem Ratzenkreuz in Verbindung gebracht, das war eine, in der Nähe der Mariahilferkirche aufgestellte Steinsäule die ein Marienbildnis schmückte, das gegen Ungeziefer helfen soll. Diese Fabel hielt sich hunderte Jahre obwohl ein Blick auf die Inschrift der Säule gezeigt hätte wie sie zu diesem Namen kam.

„Herr Ferdinand Ratz hat diese Säule erbauet anno 1668 anno 1683 ist sie von dem Erbfeind ruiniert worden. 1699 ist sie vom Hern Erhardt Ulses wieder erbaut worden“

Wo früher das armselige Winkelwerk des Ratzenstadtls stand, an Stelle des „hohen Steigs“(Ratzenstadlstiege) führt 1926 die schon modernisierte Eggerthgasse hinauf zur Gumpendorferstrasse. Als Überbleibsel des alten Ratzenstadls sind die 1926 in der Magdalenenstraße stehenden Häuser Nr. 12, 14, 16 und die Häusergruppe „Am Kaunitzbergl“ zu bezeichnen. Noch 1947 machten (wir) die Schüler der Schule in der Corneliusgasse einen Ausflug zum Kaunitzbergl und über enge Stiegen zwischen ruinösen Hauswänden wanderten wir bis zur Magdalenenstraße.

Hauptquelle: Alte Siedlungen in Mariahilf Mariahilf einst und jetzt Verlag Gerlach&Wiedling Wien und Leipzig 1926 S. 80 ff