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S.M.S. Tegetthoff#

Lissa
Gendenkmünze zur Erinnerung der Seeschlacht von Lissa
Die S.M.S. Tegetthoff war ein Schlachtschiff der Dreadnought genannten größten Schlachtschiffklasse im Dienst der österreichisch-ungarischen Kriegsmarine während des ersten Weltkrieges.

Tegetthoff
Tegetthoff
Urheberrechtsfrei. Quelle

Die Entwicklung des Linienschiffs zum Dreadnought vollzog sich als erstes zu Beginn des 20. Jahrhunderts in Großbritannien und stellte eine große Steigerung des Kampfwertes eines Schiffes dar. Damit wurde die bisherige Spitzenklasse der Linienschiffe zweitrangig, und die Großmächte waren ab nun bemüht, ihre Marinen im Wettrennen um die Flottenverhältnisse mit Dreadnoughts zu versehen.

Vier solcher Schiffe waren im ersten Weltkrieg in der österreichischen Marine im Einsatz, der unmittelbare Gegner Italien hatte drei zur Verfügung. Weitere Schiffe in einer noch größeren Klasse sollten den Plänen nach folgen, der Zusammenbruch der österreichisch-ungarischen Monarchie nach dem verlorenen Krieg kam diesem Vorhaben jedoch zuvor.

Nach österreich-ungarischem Dienstgebrauch wurden die Dreadnoughts Tegetthoff-Klasse benannt, nach dem provisorischen Namen für das erste Modell, das aber in der Folge Viribus Unitis getauft wurde, nach dem Wahlspruch Kaiser Franz-Josephs des Ersten (lat. für Mit vereinten Kräften). Das zweite Schiff erhielt dann aber doch den Namen Tegetthoff, und auch die Schiffsklasse wurde weiter so benannt, auch wenn der Terminus Viribus Unitis-Klasse in der Folge auftaucht, als Ergebnis der Umbenennung und den zwei Tatsachen, dass Viribus Unitis nun das erste Schiff dieser Reihe war und zudem, daraus folgernd, das Flaggschiff der Marine.

Tegetthoff
Vorderseite der Gendenkmünze zeigt Admiral Tegetthoff
Der Name rührt her vom österreichischen Vizeadmiral Wilhelm Freiherr von Tegetthoff (* 23.12.1827, Marburg/Drau - + 7.4.1871 Wien), der 1866 in der Seeschlacht bei Lissa als Kommandant für Österreich einen großen Sieg gegen eine italienische Flotte errang. Mit einer Keilformation stießen die Schiffe der österreichischen Flotte in die Schlachtlinie der Italiener und entschieden durch Beschuss und Rammen die Schlacht für sich. Die Entscheidung war wegen der italienischen Überlegenheit durch Eisenschiffe gegen die ältere österreichische Flotte aus Holzschiffen umso bemerkenswerter und hatte auch Einfluss auf die allgemeinen Seegefechtstheorien des 19. Jahrhunderts. Tegetthoff gilt seither als österreichischer Seeheld und wurde Namensgeber mehrerer österreichischer Kriegsschiffe und städtischer Anlagen wie Plätzen und Brücken.

Die S.M.S. (= Seiner Majestäts Schiff) Tegetthoff wurde am 24. Oktober 1910 in der Triestiner Werft "Stabilimento Tecnico Triestino" auf Kiel gelegt und erfuhr ihren Stapellauf am 21. März 1912, etwas mehr als ein halbes Jahr nach der S.M.S. Viribus Unitis.

Beide Schiffe unternahmen im Frühjahr 1914 knapp vor Ausbruch des ersten Weltkriegs die einzige Auslandsreise österreichischer Dreadnoughts und besuchten dabei unter anderem Smyrna, Alexandria, Beirut und Malta.

Mit Italiens Eintritt in den Krieg fiel den drei fertiggestellten Schlachtschiffen Viribus Unitis, Tegetthoff und Prinz Eugen die Aufgabe zu, Hafenanlagen, Depots und die Küstenbahn in Ancona zu beschießen, um den Nachschub der italienischen Armee aufzuhalten. Der Angriff dürfte den italienischen Aufmarsch um wertvolle Tage verzögert haben.

Zwischen diesem Einsatz im Mai 1915 und dem Jahr 1918 verließ die Flotte den österreich-ungarischen Kriegshafen von Pola ( an der Südspitze der Halbinsel Istrien, heute Pula in Kroatien ) nur zu Übungszwecken. Das Flottenkommando gehorchte in dieser Hinsicht dem Prinzip fleet-in-being: Eine Flotte übt effizienten Druck auf den Gegner allein durch ihr Vorhandensein und die Möglichkeit ihres Einsatzes aus. Diesem Gesetz der Flottenstrategie hingen auch die Grand Fleet der Briten und die Hochseeflotte der Deutschen an, zudem erschienen die modernen Schiffe zu wichtig und wertvoll, als sie in der Schlacht zu verlieren(!). Die bloße Anwesenheit sollte den Feind davon abhalten, gegen die eigene Küste vorzugehen. Die österreichische Flotte war ein Druckmittel, und hielt Italien und seine Verbündeten von der Planung größerer Flottenangriffe ab. Die Mächte der Entente unterhielten statt dessen eine Sperre der Adria in der Straße von Otranto, um der österreichischen Flotte das Auslaufen aus der Adria zu verwehren. Diese Anlage band Kapazitäten der Alliierten, was den Mittelmächten wieder zugute kam.

Flottenkommandant Konteradmiral Horthy verfügte schließlich im Juni 1918 einen Angriff gegen die Sperre mit einer großen Flotte. In zwei Gruppen liefen die Schiffe der Tegetthoff-Klasse Richtung Süden aus. Die zweite Gruppe bestand aus S.M.S. Tegetthoff und S.M.S. Szent Istvan (das letzte fertiggestellte Dreadnough). Szent Istvan wurde auf der Fahrt von zwei italienischen Torpedos getroffen, kenterte und sank. Darauf wurde der Angriff abgebrochen und die Flotte lief wieder in den Hafen von Pola ein. Die Tegetthoff konnte 1.005 Mann retten, darunter den Kommandanten Linienschiffskapitän Heinrich Seitz, gegen den zusammen mit dem Kommandanten der Tegetthoff, Linienschiffskapitän Heinrich Freiherr Pergler von Perglas, und weiteren Offizieren beider Schiffe eine kriegsgerichtliche Untersuchung eingeleitet wurde, die aber wegen des Kriegsendes nicht zum Abschluss kam.

Berühmt wurde der Film vom Untergang des Schiffes, das bekannteste Filmdokument der k.u.k. Marine und einer der bekanntesten Marinefilme dieser Zeit, bestehend aus dem Material eines offiziellen Kamerateams und den Aufnahmen des Hobbyfilmers Linienschiffsleutnant Mensburger, beide von Bord der Tegetthoff aus aufgenommen.

Nach dem Krieg wurde die Tegetthoff von den Siegermächten dem italienischen Königreich als Beuteschiff zugesprochen. Das Schiff wurde unter italienischer Besatzung am 25. März 1919 ohne Flagge nach Venedig überstellt. Bis 1923 lag es dort vor den Giardini Pubblici vertäut und wurde in den Jahren 1924/25 in La Spezia abgewrackt.

Heute gibt es noch einen Tyszak-Anker vor dem Museo Storico Navale in Venedig. In Triest gibt es zwei 30,5 cm Geschütze vor dem Faro de la Vittoria. Im Heeresgeschichtlichen Museum in Wien sind dazugehörige Granaten und eine 280mm Panzerplatte ausgestellt.

Die Schiffsglocke befindet sich heute in Graz in der Barmherzigenkirche Mariä Verkündigung, die auch als Garnisonskirche dient.

Schiffsdaten:

Länge üA: 152,2m
Breite: 27,3m
Deplacement: Voll 21.595 t (metrisch)

Antrieb: 4 Parsons-Turbinen
12 Yarrow-Kessel mit 24 Feuerungen
4 Manganbronzeschrauben d=2750mm
Steigung 2600mm

Maschinenleistung: 25.638WPS
Geschwindigkeit (mittel): 20,31kn

(Haupt-)Bewaffnung: 12x30,5cm in vollelektrisch betriebenen Drillingstürmen
12x15cm, handbetriebene Mittelpivot-Wiegenlafetten
18x7cm, Torpedobootabwehrgeschütz (TAG) in Mittelpivot-Wiegenlafetten
7cm, Torpedoboot- und Ballonabwehrgeschütz
2x7cm Landungsgeschütze
4x53,3cm Torpedorohre (1 je Bug und Heck, 2 Breitseitrohre)\
Besatzung: 1056 Mann + 38 Offiziere

Quellen: Arbeitsgemeinschaft für österreichische Marinegeschichte, Die Tegetthoff-Klasse Österreich-Ungarns größte Schlachtschiffe. Mistelbach 1979
Antony Preston/John Batchelor, Schlachtschiffe 1856-1919. München 1977
Lothar Baumgartner (Hg.), Denn Österreich lag einst am Meer. Das Leben des Admirals Alfred von Koudelka. Graz 1987
Heinz Neukirchen, Seefahrt im Wandel der Jahrtausende, Berlin(Ost) 1987
Heinz Neukirchen, Seemacht im Spiegel der Geschichte. Berlin(Ost) 1985
Erich Feigl (Hg.), Kaiser Karl Persönliche Aufzeichnungen, Zeugnisse und Dokumente. Wien 1984

Autor: bounty