unbekannter Gast
Geben Sie diesem Artikel Ihre Stimme:
10

Der ausschlagende Baum (lat: acacia calcans saltans)#

(chil: arbol coceando, arbol latigo, chica bailanda /engl: whipping tree)

wird, ab der Blütezeit, in seiner Heimat Chile, von Mensch und Tier respektvoll gemieden, bis seine Schoten reif sind.

Nach der Blütezeit umhüllt der Baum den Stamm und die untersten Zweige, an denen sich die Fruchtschoten entwickeln, mit einem Gespinst aus grell leuchtenden vertikalen Fäden, die bis auf das Wurzelgeflecht reichen und dort ankleben. Das hat wohl den Zweck, die schmackhaften Früchte zu schützen, solange die darin enthaltenen Samen nicht reif und keimfähig sind.

Kleinere Tiere, wie Vögel, Reptilien und Insekten können diesen Zaun ungehindert passieren. Ist aber ein größeres Tier unvorsichtig genug, einen der Fäden zu zerreißen, schlägt der Baum aus: von höher am Stamm löst sich, schlagartig, ein ca. 1cm breiter, fasriger Streifen, um sich nach außen/unten einzurollen. Dabei schlägt der Streifen heftig über den Bereich, wo der gerissene Faden war.

Die Schläge dieser Streifen sind zwar sehr schmerzhaft erzeugen aber keine Verletzungen, weil die Streifen weich und fasrig sind. Sie verholzen nach einigen Wochen. Dann werden sie von der indigenen Bevölkerung zur Herstellung von Körben verwendet. Bei zu vielen "Auslösungen" werden die süßen Schoten bitter.

Wenn die Schoten reif sind, trocknen die Fäden, lösen sich vom Boden und schwingen bei jedem Windhauch wie ein Baströckchen, was den Eindruck erweckt, als würde der Baum tanzen. Daher der Name "tanzendes Mädchen".

(florAPA)

--Waldbär der VI, Sonntag, 5. September 2010, 16:11


Kommentar:

Herrn Koll. Waldbär, dem VI., gebührt für seine umfassende Beschreibung der acacia calcans saltans Dank und Ruhm. Er hat den Schleier, der bisher über den Ursprung des Textes des deutschen Liedes "De-her Mai ist geko-o-mmen, die Bäume schlagen aus" gebreitet war, gelüftet.

Emanuel Geibel, *17. Oktober 1815 in Lübeck; † 6. April 1884 ebenda, von dem dieser im gegebenen Zusammenhang so wichtige Liedtext stammt, muss also von der Existenz der acacia calcans saltans bereits gewusst haben. Damit ist auch die von der Grazer Schule der "Botanica Etceteriana" vertretene Auffassung, wonach nicht erst Johann Jakob Stängel im Jahr 1892 die Kenntnis von der Existenz der acacia calcans saltans nach Europa gebracht hat, sondern dass es bereits der spanische Conquistatorsekretär Gonzalo Christobál Paraguas Adelante Impermeable Contodo Cerveza Fernández Riera del Olmo de Carrillo y Mora y Aragon, genannt Pepe, war, der im Jahre 1505 die Kunde von der acacia calcans saltans in die Alte Welt getragen hat, bestätigt.

--Lechner Peter, Mittwoch, 8. September 2010, 18:29