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Gemeine Schneidermotte (tineola bisselliella sartorius vulgaris)#

Die Gemeine Schneidermotte ist ein Schmetterling (Nachtfalter) aus der Familie der Echten Motten (tineidae) mit weltweiter Verbreitung, vorwiegend aber in Industrieländern.

Die weniger als einen Millimeter großen Falter vermögen ihre Farbe und Zeichnung dem Untergrund anzupassen. Wegen dieser Eigenschaft und weil sie ausschließlich nachtaktiv sind, werden sie kaum wahrgenommen.

Die Gemeine Schneidermotte ist ein ausgesprochener Kulturfolger. Wurde sie von der Forschung bisher lediglich als weniger schädliche Abart der deutlich größeren Kleidermotte (tineola bisselliella) angesehen, geben neuere Studien ihrer Lebensweise Rätsel auf, die einige Forscher veranlassen, sie als eigene Familie zu klassifizieren (Heppenheimer in „Gewicht und Übergewicht“, Hüftgold Verlag Wien-Leipzig, 1998), u. a.)

Offenbar als ein Ergebnis der strikten Bindung an den Menschen wirkt die Gemeine Schneidermotte nicht so auf menschliche Kleidung ein, dass sie Löcher frisst, vielmehr dürfte sie eine Spezialisierung auf die festeren Partien des Stoffes entwickelt haben (Hosenbund, feste Nähte in der Taillengegend von Kleidern und Kostümen, Hemdkragen …). Wie Heppenheimer (s. oben) nachweist, sondert die Gemeine Schneidermotte bei Befall der erwähnten Kleidungspartien eine bisher noch nicht exakt analysierte Substanz ab (vermutlich ein doppelt-linksdrehendes zyklisches Hexadiophenolderivat), die den Stoff an den betroffenen Stellen zusammenzieht. Bei neuerlichem Anziehen der Kleidung entsteht daher beim Träger der Eindruck, die Kleidung wäre über Nacht kleiner geworden. „Als hätte ein Schneider den Hosenbund über Nacht enger gemacht“ (Zitat aus Heppenheimer, S. 219, 22).

Ist diese – die namensgebende - Eigenschaft der Gemeinen Schneidermotte schon erstaunlich genug wirft ein weiteres Phänomen noch viel schwierigere Fragen auf. Offenbar tritt die Gemeine Schneidermotte in eine Art Wechselbeziehung zu dem Menschen, dessen Kleidung sie befällt. Es sind nämlich fast ausschließlich zu Beleibtheit neigende Personen, deren Kleidung sie bevorzugen. Nicht genug damit: das Phänomen der enger werdenden Kleidung ist ganz besonders nach reichlichen Mahlzeiten zu beobachten. Menschen sondern danach offenbar einen besonderen Duft aus, der sich in der Kleidung hält und die Gemeine Schneidermotte zu besonderer Aktivität veranlasst. Es wird allerdings auch von genau umgekehrten Fällen berichtet, wonach Menschen, die gerade eine Diät durchmachen und Stein-und-Bein schwören, so gut wie nichts gegessen zu haben, sich mit von der Gemeinen Schneidermotte über Nacht kleiner gemachter Kleidung konfrontiert sehen. Da an der Ehrlichkeit der Diäthalter kein Zweifel besteht, ist das Verhalten der Motte umso rätselhafter.


Ist die Schneidermotte bevorzugt winteraktiv?

-- Waldbär der VI, Mittwoch, 21. März 2012, 16:14


Bin auch Opfer der Motte, was kann man daagegen unternehmen ?

-- Glaubauf Karl, Mittwoch, 21. März 2012, 17:10


Die Exemplare, die meine Kleidung befallen haben, sind ganzjährig aktiv, und wie!

Der Schweizer Pharmakonzern Insanidoz hat das Präparat "Buliminon" entwickelt, das in der EU aber noch nicht zugelassen ist. Im klinischen Versuch soll sich die "Bidigitalisierung" (zwei Finger in der Mund stecken) bewährt haben.

Als Hausmittel gegen die Gemeine Schneidermotte gilt das Aufstellen von zahlreichen Spiegeln in der Wohnung.

-- Lechner Peter, Mittwoch, 21. März 2012, 17:43