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Umweltfreundliche Produktgestaltung#

Einleitung

Allgemein gesprochen ist ein Produkt dann ideal umweltverträglich, wenn in keiner Produktlebensphase negative Wirkungen auf die Umwelt ausgeübt werden. Es gibt aber weder absolut ökologische Produkte noch Produktion, es gibt nur mehr oder weniger umweltbelastende Produkte. Die Umweltfreundlichkeit ist nur relativ im Vergleich zu anderen Produkten. Auf jeder Stufe der Produktion, des Transports, des Gebrauchs und der Entsorgung entstehen Ressourcen-, Energieverbräuche, schädliche Stoffe für Menschen und Natur. Jede Unternehmung belastet die Umwelt. Die ökologische Probleme nehmen nach wie vor zu. Daher wird die umweltfreundliche Produktgestaltung wichtiger.

Bei der Produktgestaltung eines bestimmten Unternehmens muss man alle Vor- und Nachstufen einbeziehen. Die Produktgestaltung ist bedeutend für die während der Produktlebensdauer entstehenden Umweltwirkungen der Produktart. Alle Umweltauswirkungen bilden die Basis einer umweltfreundlichen Produktgestaltung. Eine absolute Umweltentlastung ist ausgeschlossen. Daher kann die umweltfreundliche Produktgestaltung heißen, dass die Produktarten bei Entwicklung, Produktion, Ge- und Verbrauch sowie Entsorgung mit möglichst wenig Umweltbelastung entwickelt werden.

In vorliegender Arbeit habe ich in Anlehnung bestehender Literatur angeführt, wie man seitens der Unternehmen umweltfreundliche Produkte entwickelt und lebenszyklusorientierte Produktoptimierung gestaltet.

Umweltfreundliche Produktgestaltung

Unter einer umweltgerechten Produktgestaltung verstehen wir, die Belastungen für die Umwelt in allen Lebensphasen zu erfassen und gegeneinander abzuwägen, d.h. ein Gesamtoptimum anzustreben. Die umweltfreundliche Produktgestaltung, die zu umweltfreundlichen Produkte führt, umfasst also Produktentwicklung, Produktion, Produktnutzung und Produktentsorgung. Dabei bestehen Einflussmöglichkeiten auf alle diese Phasen.

Produktplanung

Für die Planung umweltgerechter Produkte werden neben Produktidee alle Anforderungen der Stakeholder, des Unternehmens auch die bedeutende Umweltaspekte des Referenzproduktes verwendet und im neuen Produkt optimiert.

Stakeholder und ihre Anforderungen

Die Bestimmung der ökologischen Anforderungen an eine neue Produktentwicklung basiert auf der Produkt-Markt .Strategie des Unternehmens. Diese Anforderungen kommen entweder von ausserhalb des Unternehmens bzw. seiner Stakeholder, oder vom Unternehmen selbst. Bei Stakeholder-Anforderungen zählen insbesondere:

Staatliche Umweltpolitik und Gesetze: Zu den wichtigsten staatlichen Instrumenten zählen ordnungsrechtliche Instrumente (Material- und Produktverbote, Wareninformationen, Anmeldeverfahren, Auflagen) und ökonomische Instrumente (Produktsteuern, Produktlizenzen), die indirekt über ein Anreizsystem wirken.

Normen und Verordnungen (ISO 14001 und EMAS): Zu Beginn der neunziger Jahre erliess der Rat der europäischen Gemeinschaften die freiwillige Beteiligung gewerblicher Unternehmen an einem Gemeinschaftssystem EMAS (Environmental Management and Audit Scheme). Parallel dazu begann auch die "International Organization für Standardization" (ISO) im Bereich der Normen.

Gesellschaft: In der Gesellschaft findet ein starker Wertewandel bezüglich der Umweltproblematik statt.

Kunden: Kundenverhalten ist wichtig für Vermarktung umweltfreundlicher Produkte. Die Einstellung der Kunden ist nicht nur beim Kaufentscheid wichtig, sondern auch in Nutzung und Entsorgung entscheidend.

Wirtschaft: Seitens der Wirtschaft kann sich Umweltthematik durch Preissteigerung von Ressourcen und zur Entsorgung sowie Konkurrenz äußern.

Interne produktbezogene Anforderungen

Die oben genannte Veränderungen des Umfeldes muss im Unternehmen wahrgenommen werden. Für die Strategie des Unternehmens ist wichtig, welche umweltbezogene Anforderungen seitens der Stakeholder berücksichtigt werden. Dabei spielt das Umweltmanagement eine wichtige Rolle. Die Strategien können sich als Marktchance, als Kundenanforderung, als Produktionsfaktor oder als gesetzliche Vorschrift äußern. Je nach Strategien sieht die Anforderungen an ein neues Produkt anders aus. Produktentwicklung lässt sich aus dem Umweltmanagement ableiten. In Anlehnung Bleicher gliedert Frei das Umweltmanagement in eine normative und eine strategische Komponente.

Normatives Umweltmanagement

Hier gelten prinzipiell zwei Aspekte. Eine intrinsische Motivation ist die Umwelt für eine nachhaltige Gesellschaft zu schützen. Die andere Motivation ist, sich mit dem ökologischen Aspekt Wettbewerbsvorteile zu erarbeiten.

Strategisches Umweltmanagement

Das Strategische Management ist ein Zwischenschnitt normativen und operativen Umweltmanagements. Das Strategische Umweltmanagement hat folgende unterschiedliche, produktbezogene Umweltstrategien:

Reaktives Problemlösen: Für umweltbezogene Probleme mit Produkten bedeutet dies, dass ein Produkt nicht ökologisch ist, gewisse Produkte oder Marktsegmente aufzugeben.

Einhalten von Gesetzen: Das Ziel dieser Strategie ist die Einhaltung der Umweltgesetze und Verordnungen. Insbesondere kann durch diese Strategie zukünftige Gesetze vorweggenommen werden.

Risikobewältigung: Diese Strategie geht über die Strategie zur Einhaltung der Umweltgesetze hinaus, in dem das Risiko kurz, langfristig bewältigt werden soll.

Kostenreduktion: Die Strategie zur Kostenreduktion ist eine Wettbewerbsstrategie. Seitens der Produkte lassen sich durch vereinfachte Materialwahl oder Demontage Kosten reduzieren.

Umwelt als Produktmerkmal: Bei dieser Strategie wird das Produkt als Öko-Produkt vermarktet.

Umweltinnovation: Hier geht es um Leistungssteigerung des Produktes. Das Ziel ist systematische Reduktion der negativen Umwelteinwirkung des Produktes.

Umweltaspekte des Referenzproduktes

Für die Umwelteinwirkung des neuen Produktes müssen die Umweltaspekte des Referenzproduktes bekannt sein. Hierfür kann der ökologische Lernzirkel verwendet werden. Der ökologische Lernzirkel läuft über sechs Schritte. a: Bestimmen der Funktion des Referenzproduktes: Zu diesem Zweck kann z.B. .funktionale Einheit. (ISO 14001) als Messbasis bestimmt werden.; b: Modellierung des Produktsystems: Das Produkt wird über den gesamten Produktlebenslauf (Herstellung, Nutzung, Entsorgen) betrachtet.; c: Material und Energieflüsse: Diese stellen die Inputs und Outputs der einzelnen Prozesse des Produktsystems.; d: Umwelteinwirkung: Einen Zusammenhang zwischen Umwelteinwirkung und Material- und Energieflüsse herstellen.; e: Beurteilung der Umwelteinwirkung: Die Beurteilung der Umwelteinwirkung ist subjektiv, diese hängt ab von Umwelt, Gesellschaft, Kunden und Unternehmen.; f: Ursachenanalyse: Es muss abgeklärt werden, ob diese vom Kunden gewünschten Funktion oder aus der Produktlebensphasen resultieren.

Oben genannte Stufen der Produktplanung zusammenfassend

Zusammenstellen umweltbezogener Anforderungen an das neue Produktsystem: Beim Sammeln dieser Anforderungen ist darauf achten, dass sie vollständig und bezüglich zu einem Objekt oder einer Eigenschaft formuliert wird. Als Objekt steht entweder das ganze Produkt oder einzelne Prozesse im Produktlebenslauf.

Modellieren und Optimieren des Produktsystems: Die Modellierung des neuen Produkt basiert auf dem Modell des Referenzproduktes. Das neue Produkt wird auch durch mehrmaliges Durchlaufen des ökologischen Lernzirkels optimiert.

Erstellen des Pflichtheftes: Hiermit ist die Produktplanung abgeschlossen. Es werden sämtliche umweltrelevanten Anforderungen gesammelt und ihre Auswirkung auf den Produktlebenslauf analysiert und optimiert. Das Resultat der Optimierung wird im Pflichtheft festgehalten.

Design-Strategien

Aufgrund des Pflichtheftes kann in Konstruktion entsprechende Design-Strategien eingesetzt werden, beispielsweise Erhöhung der Produktlebensdauer.

Design-Strategien: Die wichtigen Design-Strategien sind Erhöhung der Produktlebensdauer, Dematerialisierung, Strategien bezüglich der Nutzungsphase und Recycling.

Erhöhung der Produktlebensdauer

Life Cycle Engineering: Life Cycle Engineering ist das Entwickeln eines Produktes unter Betrachtung des ganzen Produktlebenslaufs, somit die Basis für umweltfreundliche Produktentwicklung. Zur Unterstützung können eine Sammlung verschiedener Design-Strategien bzw. Design for Environment (DFE kann "umweltverträgliche Produktgestaltung" übersetzt werden und umfasst alle Aktivitäten zur Entwicklung umweltfreundlicher Produkte. Derzeit wird mit der ISO .Integrating of environmental aspects into product design and development. ein internationaler Standard entwickelt, der auf eine Integration von Aspekten des Umweltschutzes in die Produktentwicklung bzw. das Produktdesign abzielt; Anm. d. Verf.) abgeleitet werden.

Dematerialisierung: Diese Strategie basiert auf der Reduktion von Ressourcenverbrauch. Aber bei diesem Ansatz wird die einzelne Umweltwirkung aus unterschiedlichen Materialien nicht berücksichtigt, dadurch die Nutzung beispielsweise Energieverbrauch vernachlässigt.

Strategien bezüglich Nutzungsphase: Die Forderung nach einer längeren Nutzung des Produktes ist nicht bei aktiven sondern nur bei passiven Produkten, d.h. bei Produkten die während der Nutzung keine Umweltwirkungen verursachen, sinnvoll.

Recycling: Das Ziel des Recycling-Ansatzes ist das Schliessen von Produkt- und Materialkreisläufen. Recycling lässt sich innerhalb einzelner Phasen des Produktlebenslaufs, als auch über den ganzen Produktlebenslauf anwenden.

Nutzungsfreundliche Produktgestaltung

Umweltfreundliche Produktgestaltung heißt auch nutzungsfreundlich gestalten. Produzierende Unternehmen müssen die Bedürfnisse und den Geschmack ihre Kunden bei Produktgestaltung berücksichtigen. Das Kaufverhalten der Konsumenten beeinflusst das Angebot der Produzenten. Und andersherum die Werbestrategien beeinflussen das Verhalten der Konsumenten.

Jede Kunde hat eigene, subjektive Vorstellungen an die von ihm gekauften Produkte. Die folgende 5 Anforderungen . Qualität, Sicherheit, Nutzungsdauer und Langlebigkeit, Reparaturmöglichkeit, Aufrüstbarkeit betrachten die Kundenerwartungen näher. Qualität: Umweltfreundlichkeit ist eine relativ neue Dimension der Qualität. Das Qualitätskriterium der Umweltfreundlichkeit ist sehr komplex und unterschiedlich zu interpretieren. Beispielsweise erwarten die Käufer die Robustheit, störungsfreien Gebrauch usw. Sicherheit: Diese ist ein wichtiger Faktor bei Produktgestaltung zu berücksichtigen. Je nach Produkte sind Sicherheitsrisiken unterschiedlich. Bei Produktgebrauch soll kein gesundheitliches Risiko für Benutzer entstehen. Nutzungsdauer, Langlebigkeit: Langlebige Produkte sind ökonomisch kostengünstig und ökologisch umweltfreundlich im Hinblick auf Ressourcenverbrauch und Umweltbelastungen bei Entsorgung. Der Verbraucherwunsch nach moderne Produkte ist ökologisch fragwürdig. Reparaturmöglichkeit: Mit der Reparaturmöglichkeit verlängert sich die Nutzungsdauer. Ein kompetenter und schneller Reparaturservice ist Kunden- und umweltfreundlich. Aufrüstbarkeit: Diese bedeutet die Möglichkeit der Rücknahme von Geräten oder Wiederverkaufbarkeit für weitere Nutzung. Ein Beispiel hier ist die Großkopierer von Kodak, die das Unternehmen zurückholt und arbeitet sie auf.

Recyclinggerechte Produktgestaltung

Hier wird die recyclinggerechte Richtlinie VDI 2243 herangezogen. Im wesentlichen handelt sich um drei Bereiche:

  • Recycling beim Produktionsabfall (Altstoffrecycling/ Materialrecycling)
  • Recycling während des Produktgebrauchs (Produktrecycling)
  • Recycling nach dem Produktgebrauch (erneute Verwendung oder Verwertung von Produkte)

Zielhierarchien:

Wiederverwertung während Produktion (wiederholte Einsatz von Produktionsabfällen in einem gleichartigen wie dem bereits durchlaufenen Produktionsprozess)

Weiterverwertung während der Produktion (Einsatz von Produktionsabfällen in einem von diesen noch nicht durchlaufenen Produktionsprozess. Dadurch entstehen Werkstoffe oder Produkte mit anderen Eigenschaften)

Wiederverwendung von gebrauchten Produkte für gleichen Verwendungszweck

Weiterverwendung von gebrauchten Produkte für einen anderen Verwendungszweck

Für die verschiedenen recyclingorientierten Gestaltungsformen folgen die Handlungsanweisungen und Strategien.

Begünstigen des Produktionsabfallrecycling:

Produktionsabfallverminderung

Abfallrecyclingverfahren

Begünstigen des Recycling beim Produktgebrauch:

Lange Lebensdauer

Aufbereitungsgerechte Konstruktion bzw. Instandsetzung

Aufarbeitungsgerechte bzw. Demontagegerechte Produktgestaltung

Begünstigen des Altstoffrecyclings:

Demontieren/ Trennen

Altstoffrecycling-Verfahren

Werkstoffverträglichkeit

Produktion

Die Produktionsverfahren sind das zentrale Problem der ökologischer Produkte. Die Hersteller entwickeln intensiv die neuen Verfahrenstechniken und den Einsatz neuer Werkstoffe um die Produkte noch gebrauchs- und verkaufstauglicher zu machen. Das bringt für Produkte zahlreiche Vorteile wie Erhöhung der Gebrauchstauglichkeit, Betriebssicherheit, schöneres Design, leichtere Bedienbarkeit, Einsparung von Energie und Material beim Gebrauch, längere Lebensdauer. Diese Vorteile führen auch zu Nachteilen wie die wachsende Anzahl der verwendeten Bauteile und Werkstoffe in einem Produkt, immer komplex werdende Kunststoffe, nicht trennbare Stoffverbindungen usw. Besonders bei schnell entwickelnden Produkten wie z.B. Fernsehgeräten, Waschmaschinen, CD-Playern oder Computern bestehen heute im Hinblick auf eine Umweltfreundlichkeit gravierende Probleme.

Im Input-Output-Modell der Herstellung werden auf der Input-Seite zwischen Ressourcen (direkt der Umwelt entnommen) und Material, Energien (die bereits durch vorgelagerte Prozesse gelaufen sind); auf der Output-Seite zwischen Emissionen (direkt an die Umwelt abgegeben, in Luft, Wasser oder Boden) und Abprodukte (zwangsläufig anfallende Stoffe und Energien, die noch weiterverarbeitet werden müssen, sog. Abfälle) unterschieden.

Daraus können folgende Maßnahmen abgeleitet werden:

Ressourcenschonung

In der Produktion sind die Ziele, zum einen den Ressourcenverbrauch zu minimieren, und zum anderen Emissionen in den Bereichen Luft, Wasser, Boden, Lärm und Abfall zu vermeiden. Die Inputorientierte Konzeption .Ressourcenschonung. umfasst die Einsatzvermeidung umweltschädlicher und ökologisch knapper Ressourcen, Substitution solcher Inputs durch umweltfreundliche Einsatzstoffe, Energiearten und Sparen.

Rückstandsvermeidung

Als outputorientiert gelten alle Konzeptionen, Ziele und Instrumente, die bei Art und Ausmaß der Umweltbelastung durch Rückstande ansetzen. (.) Rückstandsvermeidung bedeutet völliges Unterbinden des Entstehens schädlicher Rückstände bei Produktion und/oder Konsum. Rückstandsminderung ist hingegen Reduktion des Outputs an schädlichen Rückständen im Vergleich zur Ausgangslage. Art und Menge der Rückstände lassen sich beeinflussen durch die gewählte Produktgestalt und durch die angewandten Technologien der Rückstandsbehandlung. An die Produzenten gerichtet ist besonders der Appell wirtschaftlich zu denken, dass Rückstandsvermeidung meist billiger sei als Rückstandbehandlung.

Fertigungsprogramm

Art und Ausmaß der tatsächlichen produktionsbedingten Umweltbelastung eines Unternehmens wird durch das Fertigungsprogramm bestimmt. Die Emissionen aus der Produktion eines Produktprogramms kumulieren sich auf Basis der einzelnen Rückstands-, Schadstoff-, Umwandlungs- und Wiedergewinnungskoeffizienten zu den gesamten Emissionen. Diese darf gesetzlich fixierte Obergrenzen nicht überschreiten. Bei der Planung des Fertigungsprogramms müssen daher mögliche vorgesehene Produktionsmengen reduziert oder zeitlich verlagert werden.

Ressourcenproduktivität

Zu diesem Zweck schlägt Schmidt-Bleek MIPS Konzept vor. Im MIPS Konzept wird die Berechnung der Stoffströme von der Gewinnung der Rohstoffe über Produktion, den Gebrauch und das Recycling der Vor-, Zwischen- und Endprodukte bis zur Entsorgung gemacht. Die Inputs von Masse und Energie (Materialinput, MI) werden in gleichen Einheiten (kg oder t) verrechnet. Mit MIPS wird die Umweltverträglichkeit des Produktes besser.

Fallbeispiel bezüglich Logistik:

"Ein Joghurt geht auf Reisen"

Ein kleines Erdbeerjoghurt ist ein Niedrigpreisprodukt. Wenn man meint Milch aus der nahen Molkerei, ein Paar Früchte, ein Deckel immerhin aus Aluminium usw. harmlose Kleinigkeiten. Was ist daran die Umwelt schädigen kann ?

Stefanie Böge vom Wuppertal Institut hat sich die Kleinigkeiten genau angesehen. Sie machte sich ein genaues Bild von nur einem einzigen Umweltaspekt des schwäbischen Erdbeerjoghurt, nämlich dem Transport.

  • Die Milchbauern fand sie in der Umgebung Stuttgarts.
  • Zucker wird nicht weit gefahren.
  • Die Bakterienkulturen reisen aus Niebüll in Schleswig-Holstein an.
  • Das Glas wird in Bayern mit Rohstoffen aus Nordrhein-Westfalen hergestellt.
  • Aluminiumdeckel reist vom Niederrhein über Bayern nach Baden-Württemberg.
  • Die Erdbeeren gedeihen in polnischen Plantagen und werden in Aachen verarbeitet, bevor sie in Stuttgart beigegeben werden.
  • In der Transportverpackung, mit der die Joghurtgläser schließlich transportiert werden, treffen sich Zutaten wie verschiedene Pappen, Leim und Kunststoffolie aus Rappenau, Aalen, Köln, Lüneburg, Varel, Ludwigsburg und von Lieferanten in Österreich und Frankreich.

Stefanie Böge zählte zusammen, dass 7857 Kilometer Straßen benutzt worden sind, alles mit einem Lastwagen. Umgerechnet auf das Gläschen Erdbeerjoghurt bedeutet das: Jede Portion, Inhalt 150 Gramm, wird mindestens 9,2 Meter weit gefahren, bis sie in einem Laden in Süddeutschland in der Kühltheke steht. Diese gut neun Meter sind sogar knapp gerechnet, denn nicht berücksichtigt ist, dass die Lastwagen teilweise leer zurückfahren und zum Einkaufen und Entsorgen auch noch Transportwege zurückgelegt werden.

Hier würde der Transport nach ökologischen Kriterien optimiert. Erdbeerplantagen gibt es auch in der Nähe von Stuttgart, ebenso Hersteller von Fruchtzubereitung und Verpackungsmaterialien. Dennoch lässt keine Molkerei Zutaten aus Boshaftigkeit tausende Kilometer durch die Lande fahren.

Was tun ? Stefanie Böge macht Vorschläge.

Der Verbraucher kann durch bewusstes Auswählen von regionalen Produkten und Einkaufen im Laden um die Ecke Beitrag leisten. Die Politik muß Rahmenbedingungen setzen, damit Unternehmen einen Anreiz haben, unnötigen Transport zu vermeiden sowie unvermeidlichen Transport zu optimieren und, wo möglich und sinnvoll, auf andere Verkehrsträger zu verlagern (Schiene). Wenn Joghurt beispielsweise in standardisierten Mehrwegverpackungen angeboten würde, könnten viele Rück- und Zuliefertransporte vermieden werden.

Das Einkaufen der Zutaten in der Region

Als Appell an die Unternehmen formuliert sie: .Je dezentraler die Wirtschaft ihre Produktionsstrukturen organisiert und je schneller eine Harmonisierung der Verpackung (Transportverpackung sowie Verpackungen für die einzelnen Produkte) und der Transportwirtschaft vorangetrieben wird, desto schneller kann das Ziel erreicht werden, Gütertransporte umwelt- und menschenverträglich zu gestalten.

Fazit

Die umweltfreundliche Produktgestaltung wird durch die Analyse von Umweltauswirkungen von Produkten über den gesamten Produktlebenszyklus verdeutlicht. Da meist nicht alle Auswirkungen des Produkts auf die Umwelt gleichzeitig minimiert werden können, kann die Umweltbelastung mittels Reduktion der Umwelteinwirkungen durch eine dementsprechende Produktlebenszyklusstufe beseitigt werden. Bei der Planung berücksichtigt man externe (Stakeholder), interne Anforderungen und Umweltaspekte des Referenzproduktes. Wichtige Strategien des Produktdesign sind Erhöhung des Produktlebensdauer, Dematerialisierung, längere Nutzung und Recyclinggerechtheit. Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Kundenakzeptanz, die letztendlich für den Erfolg eines ökologisch optimierten Produkts entscheidend ist. Kunden erwarten Qualität, Sicherheit, Nutzungsdauer, Reparaturmöglichkeit usw. In allen Stufen (Produktion, Gebrauch, nach dem Gebrauch) muss man strategisch die Zielhierarchien (Wiederverwertung, Weiterverwertung, Wiederverwendung, Weiterverwendung) anstreben und das Recycling begünstigen.

Literaturverzeichnis

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Triebel, D.: Ökologisches Industriedesign: Rahmenfaktoren-Möglichleiten-Grenzen, Wiesbaden 1997, S.212f.

[i] Quella, F. (1998), S.13.

[ii] Vgl. Strebel, H. (2003), S.11, S.18.

[iii] Vgl. Schemer et al. (1994), S.25.

[iv] Vgl. Strebel, H. (2003), S.15.

[v] Vgl. Frei, M. (1999), S.98.

[vi] Vgl. Frei, M. (1999), S.57-60.

[vii] Vgl. Frei, M. (1999), S.61-66.

[viii] Vgl. Frei, M. (1999), S.79-81.

[ix] Vgl. Frei, M. (1999), S.98.

[x] Vgl. Frei, M. (1999), S.105-110.

[xi] Vgl. Tischner, U. (1997), S.83-89.

[xii] Vgl. Betz, G./ Vogl, H. (1996), S.51-57.

[xiii] Vgl.Behrendt, S. (1996), S.57-59.

[xiv] Kaluza, B. (1998), S.103.

[xv] Vgl. Kreibich, R. (1994), S.13f.

[xvi] Caduff und Züst (1996), zitiert nach Frei, M. (1999), S.40.

[xvii] Strebel, H. (1994), S.773.

[xviii] Strebel, H. (1994), S.772, S.774.

[xix] Vgl Strebel, H. (1994), S.760, S.774.

[xx] Vgl Strebel, H. (2003), S.27.

[xxi] Vgl. Schmidt-Bleek, F. (1993), S.108-110.

[xxii] Stefanie Böge (1992), zitiert nach Schmidt-Bleek, F. (1993), S.93-95

Autor: aotgonbayar