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Die Atomhysterie blüht#

Anlässlich des Tsunamis in Japan/Fukushima berichten diverse Zeitungen schlichtweg Unfug über die damalige "Atomkatastrophe". Zum Glück gibt es Ausnahmen, wo objektiv berichtet wird, etwa in "Die Presse" am Samstag, 10. März.

Ich zitiere hier zunächst aus einem der ausgezeichneten Beträge, nämlich aus dem Leitartikel von Fleischhacker:

"... Wer immer schon der Ansicht war, dass der Mensch durch die Nutzung der Atomkraft auf fahrlässige Weise die Grenzen der Gattung überschreitet, weil er unkalkulierbare Risken eingeht, fühlt sich bestätigt. Wer immer schon der Meinung war, dass die Risken überschätzt werden und auch der größte anzunehmende Unfall (GAU) nur begrenzte und überschaubare Folgen für Mensch und Umwelt hat, sieht sich ebenfalls bestätigt.

Beide meinen aus guten Gründen, dass sie Recht haben. Atomkraftwerke bergen in der Tat ein Risiko, das sich prinzipiell der Kalkulierbarkeit entzieht. Aber Fukushima hat andererseits gezeigt, dass die unmittelbar nach dem Unfall erstellten Horrorprognosen nicht zutreffend waren. 16.000 Menschen starben an den Folgen von Erdbeben und Tsunami, kein einziger an den Folgen des Reaktorunglücks. Statistisch bedeutet das zunächst einmal nur, dass es riskanter ist, an der japanischen Küste als in unmittelbarer Umgebung eine Atomkraftwerks zu leben. ..."

Fleischhacker spricht weiter von einem Rationalitätsdefizit:

"Man kann nur glauben, dass in der Nutzung der Atomenergie die Selbstzerstörung des Menschen und der Erde grundgelegt ist. Man kann auch nur glauben, dass Atomkraft die sauberste , sicherste Form der Energiegewinnung ist. Wissen kann man es nicht. Man kann nur feststellen, dass in der bisherigen Geschichte der Menschheit keine andere Form der Energiegewinnung so wenige Menschenleben wie die Energiegewinnung durch Atomkraft gefordert hat."

Was sagte doch ein Politiker aus Deutschland:

"Wieso beschließen wir den Ausstieg aus der Atomkraft? Durch diese ist noch kein Mensch in Deutschland umgekommen. Sollten wir da nicht dann schon eher den Ausstieg aus dem Autoverkehr beschließen, der jedes Jahr tausende Menschenleben kostet?"

Wussten Sie, dass seit Beginn der Kernkraft in den USA weit über eine Million Menschen in Verkehrsunfällen ums Leben kamen?

Wussten Sie, dass das Erdbeben am 11. März vor Fukushima die Erdkruste auf 400 km bis zu 60 km tief aufriss und dies der Energie von 780.000 Hiroschima Atombomben entspricht?

Jetzt versteht man, warum Fukushima die Menschen in Japan verändert hat: Nicht aus Angst vor der Atomkatastrophe, aber aus Angst vor einem Beben ähnlicher Größe z.B. in der Bucht von Tokio?

Versteht man auch so, warum in den Medien immer, wenn es um Atomkraft geht, JapanerInnen mit einer Schutzmaske abgebildet werden, um zu suggerieren, dass sich die Menschen gegen radioaktive Strahlung schützen. Wobei jeder der schon vor Jahren nach Japan reiste viele Menschen mit solchen Mund-Nase Masken trafen, weil viele glauben, dass das gegen Feinstaub und Grippeansteckung hilft.

Verstehen Sie, warum soviel Menschen auf diese Atomhysterie reinfallen? Bitte helfen Sie mir: ich verstehe es nämlich nicht.


Vorweg: Ich bin ein Anhänger der Kernkraft. Sie ist die in punkto Umweltverträglichkeit die zweitbeste Energiequelle, die wir haben (die beste ist die Vermeidung der unsäglichen Verschwendung, die wir betreiben). Außerdem glaube ich, dass es in 15 Jahren vernünftige Elektroautos geben wird (alles, was derzeit - diesmal wirklich hysterisch - als E-Auto angekündigt oder als schlechter Witz oder grober Unfug (Hybrid) in die Welt gesetzt wird, um die dummen Journalisten füttern, ist zu vergessen), und dafür brauchen wir Strom. Der kann nur von AKWs kommen.

Aber die Angst vor AKWs ist keine "Hysterie", sondern eine reale Angst, wenn auch mit emotionalen Wurzeln.

1. Viele Risken kann der Einzelne irgendwie "beherrschen" oder durch eigenes Handeln oder Verhalten reduzieren (das Beispiel Autoverkehr). Ein Kernkraftwerk ist potentiell gefährlich, hunderte Kilometer fernwirkend (Tschernobyl). Man kann sich nicht wirklich verstecken.

2. Bestimmte Risken sind erkennbar. Wenn jemand in einem Tal unter einer riesigen Staumauer lebt, wähnt er sich sicher, solang die Mauer sichtlich intakt ist. Ein AKW kann gefährlich strahlen, und man "sieht es ihm nicht an". Selbst wenn, ja gerade wenn erklärt wird, es sei "alles in Ordnung", wird es etliche geben, die es nicht glauben.

3. Jede gefährliche "traditionelle" Technologie oder noch so massive Eingriffe in die Natur sind im Prinzip beseitigbar; man kann sie wieder loswerden. Selbst ein hundert Jahre lang aufgestautes Alpental oder Flußbett wird sich wieder regenerieren, zumindest kann man sich das vorstellen. Solche Eingriffe sind als nicht endgültig. Atommüll ist über jahrtausende Jahre gefährlich, das ist jenseits menschlicher Vorstellung. Es ist "auf ewig" gefährlich. So eine Gefahr herbeizuführen sehen viele als unmoralisch an.

4. Erdbeben sind höhere Gewalt. Diese Gefahr ist nicht "man made", Schicksal. Die Gefahr eines AKW aber ist Menschenwerk. Schon dieser wuchtige Ausdruck signalisiert auch die innewohnende Fehlerhaftigkeit.

-- Lechner Peter, Sonntag, 11. März 2012, 20:41


Tschernobil hat schon viele Menschenleben gefordert, was aber verschleiert wird. Das Grundproblem könnte darin bestehen, dass nicht richtig gebaut wird, etwa keine modernen Reaktoren mit entsprechender Sicherheitsautomatik oder am falschen Standort wie die japanischen AKW.

-- Glaubauf Karl, Sonntag, 11. März 2012, 21:30


Ist nicht das größte Problem immer noch die Endlagerung der Atommülls?

-- Pachl W, Sonntag, 11. März 2012, 21:33


Ganz sicher und ob wir berechtigt sind die Erde auf Jahrtausende so zu belasten...

-- Glaubauf Karl, Sonntag, 11. März 2012, 21:42


Ich empfinde es als Teil der seltsamen Anti-Atomargumentation, dass immer mit der Endlagerung argumentiert wird. Keiner kümmert sich um die Gefahren der Endlagerung von Zyanschlamm (Ungarn vergessen?) oder anderen giftigen Rückständen (etwa Kohleasche, aus der durch Regen Schwermetalle herausgelöst werden, die das Grundwasser großflächig verseuchen: das Grundwasser südlich von Graz ist z.B. aus diesem Grund heute nicht mehr als Trinkwasser geeignet.) Die Mengen von radioaktiven Rückständen sind bei gängigen Kernkraftwerken pro Gigawattstunde erzeugte Energie so gering, dass es nach der Energiebilanz sich sogar rechnen würde, den Abfall eines Tages in den größten Müllverbrennungsofen zu schießen, den wir im Sonnensystem haben: in unsere Sonne, wo alles sofort in Wasserstoff und Heliumatome zerfallen würde. So etwas geht sich "um Häuser" energetisch weder bei Kohleasche,noch kaputten Solarkollektoren, noch den Ruinen von Staudämmen aus. Die Beschwerde: "Der Atommüll zerfällt ja nur so langsam" bringt mich immer zum Lachen: immerhin zerfällt er schneller als ewig, wie Kohleasche, Zynanschlamm, usw.

Wäre es denkbar, dass man soviel gegen Atomkraft verbreitet, um zu erreichen, dass große Summen in unausgereifte Formen von erneuerbaren Energien investiert werden? Benötigt man die Angst vor der Atomforschung, weil wir ohne diese vielleicht schon heute saubere Fusionskraftwerke hätten, die plötzlich Öl, Kohle, usw. unnötig machen würden?

Kann es sein, dass man versucht, uns vor den falschen Wagen zu spannen?

-- Maurer Hermann, Montag, 12. März 2012, 10:33


Danke für die Information, exrem interessant, wieder viel gelernt, es liegt ja auch in der Mitterndorfer Senke soviel Müll, dass die dritte Wiener Wasserleitung extrem gefährdet ist...

-- Glaubauf Karl, Montag, 12. März 2012, 13:48


Die Berechnung nach der man eine Tonne Atommüll in die Sonne schießen kann würde mich interessieren!!
Kann ich mir einfach nicht vorstellen.
Und für die anderen Schadstoffe gibt es die Möglichkeit ordentlich endzulagern (glaub ich) wenn man nicht schlmpig oder geizig ist.

-- Pachl W, Montag, 12. März 2012, 15:18


Nein, es gibt für den meisten Giftschlamm keine sichere Endlagerung. Am besten man füllt den Schlamm in kaum korrodierende Fässer, dann muss man "nur" alle 100 Jahre einmal in neue Fässer umfüllen...wenn dann noch alle Giftmülldeponien bekannt sind.

-- Maurer Hermann, Montag, 12. März 2012, 16:03


Dumme Frage:
sind denn aufgelassene Bergwerke nicht sicher genug?
So wie sich das der kleine Moritz vorstellt, bringt man die abgefahrenen Brennelemente 1000 Meter hinunter.
Können die da noch ´was anstellen? - oder auch langsam korrodierende Fässer mit Giftschlamm.
Wo liegt das Problem? Wasser?

-- Unbekannt, Dienstag, 13. März 2012, 14:10


Dann kann man ja auch gleich wieder allen Müll in den Wald kippen. Wenn die Lösung so simpel wäre, warum wird das dann nicht längst so gemacht? Nicht umsonst wurde u.a. ein Berg in der Schweiz beheizt um die Lehmbeschaffenheit bei erhöhter Temperatur zu testen und so sicherzustellen, ob ein Stollen überhaupt für die Endlagerung geeignet ist.


Einmal abgesehen davon, dass Stollen kein unbegrenztes Platzangebot zaubern. Wenn der Platz ausgeschöpft ist- was machen wir dann? Aber Hauptsache, wir können alle weiter mit Ressourcen so verfahren. Denn jeden einzelnen betrifft es ja nicht. Der Müll liegt ja im alten Stollen, 1000m tief unten. Seh ich nicht, Problem gelöst. So wird das Elektroauto bio, nicht zu vergessen mein brandneues Elektrofahrrad. Extrem bio, extrem sportlich.

-- Unbekannt, Dienstag, 13. März 2012, 14:28


Na eine aufschlußreiche Antwort war das nicht eben!

Gibt´s hier jemanden, der inhaltlich und kompetent zu antworten in der Lage ist?

-- Unbekannt, Dienstag, 13. März 2012, 16:27


Vielleicht hilft Ihnen als Antwort ja das Versuchsendlager "Asse".

Siehe:

http://www.fr-online.de/fotostrecken-wirtschaft,1473648,2736058.html

http://www.zeit.de/wirtschaft/2010-09/asse-muell

-- Unbekannt, Mittwoch, 14. März 2012, 08:11


Ja, die Links waren hilfreich.
Danke!

-- Unbekannt, Mittwoch, 14. März 2012, 08:58