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Die griechiche Tragödie ist längst unsere Tragödie geworden.

"Die Folgen eines Grexit sind unabsehbar." Ah ja, das sagen viele Experten. Wenn die Folgen unabsehbar sind - vielleicht sind sie auch positiv? Übrigens sind das dieselben Experten, die die Finanzkrise und die Eurokrise nicht "abgesehen" haben, das nur nebenbei.

Lustig ist das unfreiwillige "Geständnis" unseres (von mir sonst sehr respektierten) Finanzministers Schellling. Ein Grexit hätte zur Folge, so gesprochen in der ORF Pressestunde vom 21. Juni 2015, dass eine neue Griechenlandwährung nur mehr die Hälfte wert wäre. Damit ist alles gesagt: Griechenland hat jetzt mit dem EURO eine Währung die um 100% zu stark ist für seine Wirtschaft. Eie Währung passt sich immer der Wirtschaftskraft eines Landes an - bei Griechenland geht das derzeit, mit dem Euro, nicht. In Wahrheit müssen wir die fehlende Hälfte der Wirtschaftskraft Griechenlands durch immer neue Hilfen unter immer neuen kreativen Namen und - um die Steuerzahler der Geberländer ein bisschen zu beruhigen und zu unterhalten - mit einem immer neuen Vergabetheater, dass es "diesmal aber wirklich das letzte Mal wäre", ausbügeln. Für immer - denn dass sich Griechenlands Wirtschaftskraft je auch nur halbwegs an die der Geberländer angleichen wird - ja, natürlich, der Klapperstorch bringt die kleinen Kinder …

Griechenland war seit seiner neuzeitlichen Gründung im 19. Jhdt. Immer arm, alimentiert von anderen europäischen Ländern aus deren Großmachtsinteresse. Griechenland wird auch arm bleiben: Da können, sollen und müssen wir helfen, Hilfe zur Selbsthilfe leisten (das wollen die aber nicht, denn auf Pump haben sie recht gut gelebt). Aber - mit Abermilliarden - so zu tun, als wäre nur eine, wenn auch große Krise zu bewältigen und alles wird gut, ist Schwachsinn. Die griechische Wirtschaft ist nicht zusammengebrochen, sie war immer klein, unproduktiv und nicht wettbewerbsfähig. Wer hat je außer Orangen, Olivenöl und Retsina etwas gekauft, wo "Made in Greece" draufstand?

Schellings Argument "Wenn die griechische Währung plötzlich nur die Hälfte wert ist, verdoppeln sich mit einem Schlag die griechischen Schulden", kostet einen Lacher, wenn auch einen bitteren. Ob die Griechen 200 Milliarden oder 400 Milliarden nie zurückzahlen werden (können), ist ja wirklich egal.

Schelling weiß das natürlich alles. Und redet dennoch so. Und wird dennoch dem x-ten, diesmal aber wirklich allerallerletzten Rettungspaket (wie immer das heißen wird) zustimmen.

Was mich dabei am meisten beeschäfigt (außer meiner ohnmächtigen Wut): Warum tut er das? Zur Erinnerung. Es geht um UNSER Geld!

Fazit: Grexit jetzt! Jetzt - so schnell wie möglich! Henryk Broder hat die Verschleppung in eine sehr geistreiche kleine Geschichte gekleidet:

Ein alter Jude sitzt in einem Zug, sagen wir von Limanowa nach Dabrowa in Galizien. Keine lange Strecke, aber es ist ein langsamer Personenzug, der an jeder Station hält. Und jedes Mal bricht der alte Jude in lautes Wehklagen aus. "Allmächtiger, ich bin verloren, was soll ich nur machen ..."

Schließlich erbarmt sich einer der Mitreisenden. "Was haben Sie denn, kann ich Ihnen helfen?" "Mir kann niemand helfen", sagt der alte Jude mit Tränen in den Augen, "ich sitze im falschen Zug, und mit jedem Halt wird die Rückreise länger."